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Steirisches Wurzelfleisch

Steirisches Wurzelfleisch, wie ich es hier anbiete, ist eine aus Schweinefleisch zubereitete Variante von „Steirischem Schöpsernem“, das aus Hammelfleisch gemacht wird (vgl. Mittelhochdeutsch „schöpez“ „der Hammel“ und Tschechisch „skopec“, „der verschnittene Schafsbock“). Die Speise ist so oder so ziemlich deftig und schwer. Unter anderem findet dabei – der Jahreszeit gemäß – Schwarzwurzel Verwendung, bekanntlich der Spargel des „Kleinen Mannes“ (und auch der „Kleinen Frau“).

  1. schneidet man Schweinefleisch (Kamm) in Streifen und brät es gut gepfeffert in Schmalz leicht an (etwa 600 Gramm Fleisch für drei bis maximal vier Personen.)
  2. bereitet man Wurzelwerk (die Menge auf den Hunger der Esser gerechnet) vor: Karotten, Schwarzwurzel, Sellerie (oder wie die Wiener auf fast italienisch sagen „Zeller“ = norditalienisch „seler“), Petersilwurzel und Kohlrabi), indem man es reinigt, schält und in nicht zu dünne und nicht zu kurze Streifen schneidet.
  3. gibt man das Wurzelwerk zum Fleisch, lässt es kurz mitbraten, sprüht dann Essig darüber und übergießt das Ganze mit Wasser, so dass es fast bedeckt ist.
  4. ergänzen zwei bis drei Knoblauchzehen und einige Piment- und Wacholderbeeren hinzugegeben den Geschmack.
  5. muss alles mindestens eine dreiviertel Stunde zugedeckt dünsten, bis es weich ist (Flüssigkeit, die abdampft, soll ersetzt werden).
  6. ist jetzt die Zeit, ausreichend zu salzen und noch ein paar Minuten weiter zu dünsten.
  7. legt man in dieser Zeit extra zubereitete, in der Schale gekochte, jetzt aber geschälte und in Viertel geschnittene Erdäpfel hinzu.
  8. bringt man das fertige Wurzelfleisch im Kochgefäß auf den Tisch und jede/r nimmt sich, so viel er/sie will oder noch bekommt.

Wer kann sich ein besseres Getränk dazu als Bier vorstellen? Wohl nicht einmal die Kinder, obwohl sie wahrscheinlich keines bekommen, sondern Wasser oder Cola trinken müssen. Einen kleinen Schaumbart kann man ihnen aber schon gönnen. Dem/Der Erwachsenen mundet außerdem nach dem ganzen Genuss sicher noch ein guter Obstschnaps.

Tiroler Speckknödel

Die sind fast noch vegetarisch, allerdings gibt der Speck zugegebenermaßen den eigentlichen Geschmack. Die Grundzubereitung ist wie bei Semmelknödel, man kann allerdings statt Semmeln auch Brot in Würfeln schneiden, ansonsten aber alles wie bekannt. Außerdem ist aber noch Folgendes zu tun:

  1. röstet man kleingeschnittenen geräucherten Speck mit einer ebenfalls klein geschnittenen Zwiebel (sollte dafür das Fett aus dem Speck nicht reichen, fügt man etwas Schweineschmalz hinzu).
  2. fügt man den gerösteten Speck und die gerösteten Zwiebel der Knödelmasse (Brot- oder Semmelwürfel, mit Milch befeuchtet, Mehl und Eier, Petersil) hinzu.
  3. sollte man neben Petersil auch noch zerhacktes Zellerkraut (Kraut von der Sellerie; vgl. Steirisches Wurzelfleisch) und zerkleinerte Schwammerl (Pilze) unter die Masse mengen.
  4. formt man Knödel und kocht sie etwa 15 Minuten in Salzwasser.

Die Speckknödel kann man als Hauptspeise essen. Dann empfiehlt sich, sie zumindest mit zerlassener Butter zu übergießen, wenn man keine herzhafte Soße hat. Sie taugen aber auch als Beilage zu deftigen Fleischgerichten. In jedem Fall kann Grüner Salat wenigstens noch einen vegetarischen touch geben. Was sollte man aber anderes dazu trinken als Bier und vielleicht noch einen guten Obstler zum Abschluss? Die Kinder am Obstler riechen lassen, dann vergeht ihnen auch die Neugierde auf Bier und sie trinken gerne Wasser oder Cola. Für’s Leben hält das aber selten, die Neugier ist meist größer als der Grausen vorm Alkohol.

Powidlta(t)schkerln

Wir haben die letzte Zeit genug Fleisch gegessen. Es wird wieder Zeit für eine wirklich billige Mehlspeise – die Powidlta(t)schkerln. Bevor wir uns dem Rezept widmen brauchen wir aber etwas Unterricht in Etymologie, sprich in der Lehre von der Herkunft von Wörtern.

Das Wort „Powidltaschkerln“ oder „Powidltatschkerln“ kommt aus dem Tschechischen. Das wird jeder und jede, die die Speise kennen, sehr schnell behaupten, und im Grunde stimmt es ja auch. Der erste Teil des Wortes ist eindeutig das tschechische „povidla“, was Pflaumenmus ist – dies aber nur in Deutschland. In Österreich ist und bleibt es „Powidl“ – und aus. Komplizierter ist der zweite Teil. „Ta(t)schkerl“ kommt wohl auch aus dem Tschechischen, nämlich von „ta`s´ki“, dieses aber ist wiederum aus dem Deutschen ins Tschechische eingedrungen und ahmt lautlich das Wort „Tasche“ nach. Mit dieser Erkenntnis sind wir von der Etymologie plötzlich bei der Volkskunde gelandet: die armen Leute in Wien waren oft tschechische Zuwanderer (Arbeiter oder Handwerker, besonders Schneider und Schuster) oder ihre Nachfahren, die eben tschechisch sprachen, und bei den reichen Leuten war die Köchin meist aus Tschechien, so dass sie tschechische Speisen oder wenigstens deren tschechischen Namen auf den Speisezettel brachte. Das Deutsch aber der feinen Leute wurde auf Tschechisch ausgesprochen und zwar oft so, dass die feinen Leute es gar nicht wiedererkannten und nun wiederum selbst auszusprechen probierten. So entsteht die Kette Tasche – ta`s´ki – Ta(t)schkerl. Sehr gebildete Leute versuchen uns deshalb sogar einzureden, es hieße diese köstliche Speise „Powidltascherl“ – so ein Blödsinn!

Das Rezept ist einfach und im Grunde kennen wir es schon. Wir kehren zu den Erdäpfel-, Grammel- Marillen- und Zwetschgenknödel zurück.

  1. bereiten wir also einen Erdäpfelteig zu, wie wir ihn von obigen Knödeln schon kennen.
  2. machen wir keine Knödel, sondern drücken oder walzen den Teig sehr flach aus.
  3. schneiden wir den Teig in Scheiben oder Vierecke (so reichlich handtellergroß).
  4. machen wir in die Mitte der Scheibe bzw. des Vierecks einen Klecks Powidl (etwa ein Teelöffel).
  5. schlagen wir die Scheibe oder das Viereck übereinander, so dass ein nun mit Powidl gefülltes Dreieck oder ein ebensolcher Halbkreis entsteht. Die Ränder pressen wir fest ineinander.
  6. geben wir die Ta(t)schkerln in sprudelnd heißes Salzwasser und lassen sie so lange kochen, bis sie oben schwimmen.
  7. gehen wir so vor wie bei Marillen- oder Zwetschkenknödel: wir wälzen die gekochten Ta(t)schkerln in angebräunten Semmelbröseln, bis sie vollständig davon bedeckt sind.

Das Ganze wird mit Zucker bestreut serviert. Man rechnet mit 10 bis 12 Ta(t)schkerln mindestens pro Person.

Bier schmeckt hier wiederum nicht so besonders (es wäre schade um beides, das Bier und die Powidlta(t)schkerln). Also nimmt man Weißwein oder Fruchtsaft. Ein Schnapserl hinterher kann aber nur Kleinkindern schaden, ansonsten vollendet es den Genuss.