Archiv der Kategorie: Rezepte

Hier veröffentliche ich vor allem „Arme-Leute Essen“.

Gugelhupf

Heute backen wir wieder einmal Kuchen – den berühmten Wiener Gugelhupf. Die Herkunft des Namens ist im ersten Teil belegt, beim zweiten Teil ist man auf Vermutungen angewiesen. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit kommt das Wort „Gugl“ von der im Mittelalter getragenen gewölbten, halbrunden weiblichen Kopfbedeckung (vgl. auch spätlateinisch „cucullus“ = Kopfbedeckung). Damit ist die Form der in Deutschland manchmal „Napfkuchen“ genannten Mehlspeise zum Teil beschrieben. „hupf“ könnte damit zusammenhängen, dass der Teig richtig aufgehen, also „hupfen“ (= springen) muss. Zur halbrunden Form gehören noch die „Rippen“, die sich von oben nach unten ziehen und ein Loch in der Mitte des Kuchens. Der Teig unterliegt eigentlich eher der Beliebigkeit, meist ist es aber ein feiner Germteig (Hefeteig).

  1. rührt man Butter (200 Gramm) schaumig.
  2. vermengt man die schaumig gerührte Butter mit Zucker (150 Gramm), drei Eidotter, Mehl (600 Gramm), Rosinen (100 Gramm, kann aber auch etwas mehr sein), 3/8 Liter Milch, einer Prise Salz, etwas geriebenen Zitronenschalen und Germ (30 Gramm).
  3. fügt man den steifen Schnee der Eier hinzu und rührt und knetet alles zu einem weichen Teig.
  4. schmiert man eine Gugelhupfform mit Margarine aus und bestäubt diese mit Semmelbrösel.
  5. legt man in die oberen Dellen der Gugelhupfform (die beim Füllen und während des Backens unten liegen) je eine Mandel und kippt den Teig in die Form.
  6. wird alles bei mäßiger Hitze etwa eine Stunde gebacken.
  7. bestreut man den fertigen und aus der Form gekippten Guglhupf mit Staubzucker.

Ist er gut gelungen, hat der Gugelhupf eine braune Kruste und ein goldgelbes Innen. Verzehrt wird der Gugelhupf zur Jause und zum dazu gehörigen Kaffee. Die Kinder bekommen nur Malzkaffe mit Milch, dafür aber ein Stück Gugelhupf mehr.

Paradeissuppe

Das ist eine Suppe, die auch in Deutschland bekannt ist, allerdings da unter dem Namen Tomatensuppe. Die Grundsubstanz ist die Frucht, die im 16. Jahrhundert aus Mexiko und Peru nach Europa eingeführt wurde. So wie man zunächst auch mit der exotischen Kartoffel nichts anzufangen wusste, nutzte man zunächst auch die Tomate nur als Zierpflanze. Als solche hatte sie den Namen „Liebesapfel“ oder auch „Paradiesapfel“. Von Letzterem kommt der Name „Paradeiser“, der in Österreich üblich ist. Erst spät, nämlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird die Tomate nach französischem und italienischem Vorbild auch in Deutschland zu einer Speisefrucht. Deshalb kommt das Wort „Tomate“ über das Französische aus dem Indianischen auch ins Deutsche. Manche Indianerstämme sagten „nahuatl“ zu dieser Frucht, andere „tomatl“.

  1. kocht man Paradeiser mit Zwiebeln in Salzwasser weich (auf einen halben Kilo Paradeiser kommt eine halbe Zwiebel).
  2. wird alles passiert.
  3. macht man eine dunkle Einbrenn (vgl. Einbrennsuppe; auf die obige Menge aus etwa 50 Gramm Butter und dem dazugehörigen Mehl).
  4. rührt man Zucker in die Einbrenn (etwa 30 Gramm auf die obige Menge).
  5. gießt man die Einbrenn mit der Paradeisbrühe auf und verkocht alles gut, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.
  6. fügt man am Ende etwas Essig hinzu.

Natürlich steht hier nicht die Frage, was man dazu trinkt, denn Suppe ist ja selbst flüssig und wird vor der Hauptspeise gegessen, die erst über das richtige Getränk entscheidet. Es steht vielmehr die Frage der Einlage. Da kann man geröstete Semmelwürfel nehmen, man kann aber auch Reis reinkochen oder Nudeln. Ein kleiner Klecks Rahm in die Suppe verfeinert sie.

Gefüllte Kohlrabi

Deftig und billig ist dieses Gericht aus Fülle und Kohlrabi. Das Wort „Kohl“ ist aus dem Lateinischen mit der Pflanze – eigentlich den verschiedenen Pflanzen – übernommen: „caulis“ = Stengel, Stiel, Strunk, Kohl, was im späten Vulgärlatein schon „colis“ (mit langem „O“) genannt wurde. Im Italienischen entstand die Verbindung mit lateinisch „rapa“ = die Rübe und wurde auch in dieser Verbindung von den germanischen Völkern bzw. den Deutschen übernommen, insbesondere aus mundartlichen Formen für verschiedene Arten von Kohl, wie z.B. „cavolo rapone“, „calarabi“ oder auch „colrabi“. Das deutsche Wort „Kohlrabi“ kann in verschiedenen Gegenden Verschiedenes bedeuten – entweder „Steckrübe“ (auch „Unterkohlrabi“) oder eben die Knolle, die ich hier meine und die oberhalb der Erde wächst (deshalb auch „Oberkohlrabi“).

  1. wäscht und schält man die Kohlrabi.
  2. schneidet man eine Kappe ab und höhlt den übrigen Kohlrabi aus.
  3. kocht man die Kohlrabi in Salzwasser halbweich, um sie so für die Füllung vorzubereiten.
  4. hält man ein Fülle bereit, die z.B. ein Gemisch aus gedünsteten, klein geschnittenen Zwiebeln, Petersilie, Knoblauch, klein geschnittenen Champignons, Faschiertem und Ei (natürlich gesalzen und gepfeffert) sein kann.
  5. dünstet man die gefüllten Kohlrabi in einer flachen Pfanne im Backrohr, wobei man sie mit zerlassener Butter übergießt.

Es läuft wohl jedem (und jeder?)im Gedanken schon das Bier im Munde zusammen, was man zum Essen des köstlichen Gerichtes auch Wirklichkeit werden lassen sollte. Ein recht rescher Weißwein passt aber auch. Die Kinder erfreuen sich an Wasser oder Cola.