Archiv der Kategorie: Rezepte

Hier veröffentliche ich vor allem „Arme-Leute Essen“.

Tatschen

Weil wir gerade beim Germteig sind, will ich noch ein einfaches Kuchenrezept anbieten: den „Tatschen“.

Ausgesprochen wird das Wort eigentlich nicht mit einem „a“, zumindest mit keinem klaren. Man muss bei der Aussprache ein kleines Stück zum „o“ rutschen und etwas durch die Nase sprechen, damit man es wirklich richtig macht. Aber das hat schon eher etwas mit Musik zu tun als mit einem Kuchenrezept. Das Wort selbst hat wieder seinen Ursprung in slawischen Sprachen. Es bedeutet „Fleck“ und „nicht aufgegangenen Germteig“. Letzteres grenzt allerdings an üble Nachrede, denn natürlich muss der Germteig wieder aufgehen, damit die Sache am Ende als gelungen bezeichnet werden kann.

Die Zubereitung ist einfach, das Ergebnis ist durchaus schmackhaft, weshalb dieser Kuchen wohl der Lieblingskuchen meiner Großmutter war.

  1. bereitet man den Germteig wie bei den Buchteln zu.
  2. rührt man reichlich Rosinen unter den Teig.
  3. kann man eine Messerspitze Safran in den Teig mengen.
  4. schmiert man eine hohe Backform mit Margarine aus.
  5. wird der Teig in die Backform gegossen.
  6. bei etwas mehr als mittlerer Hitze wird der Kuchen so lange im Rohr gehalten, bis die Oberfläche freundlich braun aussieht.
  7. stürzt man den Kuchen auf ein Brett und bestreut ihn mit Staubzucker.

Zum Tatschen passt – wie man sich denken kann – nur Kaffee. Weil der Kuchen so gut war, hat es mich als Kind auch nie gestört, dass ich nur Malzkaffe bekam.

Steirisches Wurzelfleisch

Steirisches Wurzelfleisch, wie ich es hier anbiete, ist eine aus Schweinefleisch zubereitete Variante von „Steirischem Schöpsernem“, das aus Hammelfleisch gemacht wird (vgl. Mittelhochdeutsch „schöpez“ „der Hammel“ und Tschechisch „skopec“, „der verschnittene Schafsbock“). Die Speise ist so oder so ziemlich deftig und schwer. Unter anderem findet dabei – der Jahreszeit gemäß – Schwarzwurzel Verwendung, bekanntlich der Spargel des „Kleinen Mannes“ (und auch der „Kleinen Frau“).

  1. schneidet man Schweinefleisch (Kamm) in Streifen und brät es gut gepfeffert in Schmalz leicht an (etwa 600 Gramm Fleisch für drei bis maximal vier Personen.)
  2. bereitet man Wurzelwerk (die Menge auf den Hunger der Esser gerechnet) vor: Karotten, Schwarzwurzel, Sellerie (oder wie die Wiener auf fast italienisch sagen „Zeller“ = norditalienisch „seler“), Petersilwurzel und Kohlrabi), indem man es reinigt, schält und in nicht zu dünne und nicht zu kurze Streifen schneidet.
  3. gibt man das Wurzelwerk zum Fleisch, lässt es kurz mitbraten, sprüht dann Essig darüber und übergießt das Ganze mit Wasser, so dass es fast bedeckt ist.
  4. ergänzen zwei bis drei Knoblauchzehen und einige Piment- und Wacholderbeeren hinzugegeben den Geschmack.
  5. muss alles mindestens eine dreiviertel Stunde zugedeckt dünsten, bis es weich ist (Flüssigkeit, die abdampft, soll ersetzt werden).
  6. ist jetzt die Zeit, ausreichend zu salzen und noch ein paar Minuten weiter zu dünsten.
  7. legt man in dieser Zeit extra zubereitete, in der Schale gekochte, jetzt aber geschälte und in Viertel geschnittene Erdäpfel hinzu.
  8. bringt man das fertige Wurzelfleisch im Kochgefäß auf den Tisch und jede/r nimmt sich, so viel er/sie will oder noch bekommt.

Wer kann sich ein besseres Getränk dazu als Bier vorstellen? Wohl nicht einmal die Kinder, obwohl sie wahrscheinlich keines bekommen, sondern Wasser oder Cola trinken müssen. Einen kleinen Schaumbart kann man ihnen aber schon gönnen. Dem/Der Erwachsenen mundet außerdem nach dem ganzen Genuss sicher noch ein guter Obstschnaps.

Tiroler Speckknödel

Die sind fast noch vegetarisch, allerdings gibt der Speck zugegebenermaßen den eigentlichen Geschmack. Die Grundzubereitung ist wie bei Semmelknödel, man kann allerdings statt Semmeln auch Brot in Würfeln schneiden, ansonsten aber alles wie bekannt. Außerdem ist aber noch Folgendes zu tun:

  1. röstet man kleingeschnittenen geräucherten Speck mit einer ebenfalls klein geschnittenen Zwiebel (sollte dafür das Fett aus dem Speck nicht reichen, fügt man etwas Schweineschmalz hinzu).
  2. fügt man den gerösteten Speck und die gerösteten Zwiebel der Knödelmasse (Brot- oder Semmelwürfel, mit Milch befeuchtet, Mehl und Eier, Petersil) hinzu.
  3. sollte man neben Petersil auch noch zerhacktes Zellerkraut (Kraut von der Sellerie; vgl. Steirisches Wurzelfleisch) und zerkleinerte Schwammerl (Pilze) unter die Masse mengen.
  4. formt man Knödel und kocht sie etwa 15 Minuten in Salzwasser.

Die Speckknödel kann man als Hauptspeise essen. Dann empfiehlt sich, sie zumindest mit zerlassener Butter zu übergießen, wenn man keine herzhafte Soße hat. Sie taugen aber auch als Beilage zu deftigen Fleischgerichten. In jedem Fall kann Grüner Salat wenigstens noch einen vegetarischen touch geben. Was sollte man aber anderes dazu trinken als Bier und vielleicht noch einen guten Obstler zum Abschluss? Die Kinder am Obstler riechen lassen, dann vergeht ihnen auch die Neugierde auf Bier und sie trinken gerne Wasser oder Cola. Für’s Leben hält das aber selten, die Neugier ist meist größer als der Grausen vorm Alkohol.