Der Spruch stammt von Sepp Herberger, einst Trainer der westdeutschen Fußballmannschaft, die das „Wunder von Bern“ vollbrachte. Das „Runde“ war natürlich der Ball und das „Eckige“ das Tor. Eine einfache Philosophie für ein einfaches Spiel. Reich konnte man damit zu Zeiten Herbergers vielleicht noch nicht werden, sicher aber wohlhabend und angesehen. Die Sache entwickelte sich jedoch zu einem Millionen- und schließlich Milliardengeschäft. Nun zeugen so manche Sprüche von Fußballern nicht gerade von außerordentlicher Intelligenz. Der legendäre Horst Szymaniak aus dem Ruhrpott meinte z.B.: „Ein Drittel? Nee, ich will mindestens ein Viertel.“ Aber so waren und sind sie beileibe nicht alle. Der Uli Hoeneß, der ist aus anderem Holz geschnitzt. Der Fußballerkarriere folgte die Managerkarriere, begleitet von erfolgreicher Würstelproduktion. Das „Runde“ war nicht nur der Ball. Er besann sich eines alpenländischen Sprichwortes. „Drum is‘s Geld rund, dass‘s rollt.“ Und wo rollt es hin? Natürlich ins „Eckige“; das ist aber jetzt der Geldkasten. Der war dem Uli ganz offensichtlich schon bis obenhin gefüllt. „Geld allein macht nicht glücklich“, tröstet sich das Volk und stellte auch der amerikanische Komiker Danny Kaye fest. „Es gehören noch Aktien, Gold und Grundstücke dazu“, belehrte uns deshalb der gute Danny. Auch davon sollte der Uli doch genug gehabt haben. Wie sie aber so sind, sie wollen am Ende doch nur spielen. Wenn es auf dem Spielfeld nicht mehr geht, dann eben woanders. Natürlich nicht im Wirtshaus mit den Karten. Da spielen die Fußballfans, die dem Uli die Kassen füllen, um die Zehntel. Der Hoeneß spielt z.B. an der Börse. Das Geld ist am Anfang nicht einmal seines. Einer, der gerne will, dass die Mannschaften von Hoeneß‘ Verein, die Ausrüstungen, die seine Firma produziert, tragen, schenkt dem Uli halt ein paar Millionen, damit er spielen kann. Der Uli nimmt‘s, der Uli spielt, er spielt an der Börse, und der Uli gewinnt – irgendwo im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich bewegt sich das Glück. Freilich, das Glück ist ein Vogerl und war in die Schweiz geflogen. Was kann der Uli denn dafür? Es wäre ja auch alles gut gegangen, wenn nicht der deutsche Fiskus als Spaßverderber aufgetreten wäre, und wenn nicht im letzten Moment das große Verschleierungsabkommen mit der Schweiz geplatzt wäre. So etwas ist wie ein Tor in der letzten Sekunde der Verlängerung. Jetzt ist der gute Uli plötzlich der Buhmann. Und wollte doch nur spielen! Leid tut er mir nicht. Es geht ihm halt wie dem Ochsen, der da feststellte, dass er an der Fuhre selbst schuld ist, als er den Mist zum Feld ziehen musste. Aber ehrlich gesagt, es gibt noch Schlimmere und Schlimmeres.
Da hört man doch immer wieder, dass große internationale Konzerne ihre Steuerpflichten gegen Null rechnen. Wie sie das genau machen, verbirgt sich Otto-Normalverbraucher und Lieschen-Müller im Einzelnen. Irgendwie schieben sie Gewinne und Verluste so lange in ihren internationalen Firmengeflechten hin und her, bis die Rechnung stimmt und der Fiskus, wo auch immer, durch die Finger schaut. Das geschieht durchaus nach Recht und Gesetz. Dagegen ist der Uli nur ein kleiner Dilettant. Die ganze Rechnerei und Verschieberei der Konzerne ist jedoch oft gar nicht nötig. Denen wird der „rote Teppich“ der Steuererleichterung bis gegen Null von der öffentlichen Hand ohnehin meist ausgerollt. Da brüstet sich nicht nur Bayern mit seinen seltenen Finanzprüfungen. Es wurde ja auch die Körperschaftssteuer, einst eine der Haupteinnahmequellen des Staates, praktisch fast abgeschafft. Überhaupt Bayern. Da ist man noch sehr viel erfinderischer, als der Uli dies vermuten lässt. Man betrügt den Staat nicht um seine Steuereinnahmen, sondern man greift einfach unverschämt ins Steuersäckel. Der Uli ist da noch ein Ehrenmann dagegen. Dessen Würstelfirma wird von seinen Söhnen geführt und es ist nichts Böses daran. Bayerische Politiker hingegen ließen ihre Verwandtschaft für sich arbeiten. Jedenfalls tat die so, als ob. Dafür gab es Knete vom Staat – und nicht wenig. Für solche üblen Zwecke rückt der Uli sein Geld eben nicht raus. „Man soll die Dinge nicht so schlecht reden, wie sie sind“, sagte schon der Fußballer Fredi Bobic.
(Geschrieben für „Links“ am 23.05.2013)