Archiv der Kategorie: Rezepte

Hier veröffentliche ich vor allem „Arme-Leute Essen“.

Topfengolatschen

Heute soll wieder einmal eine köstliche Mehlspeise zubereitet werden. Sie besteht aus zwei Hauptbestandteilen: dem Topfen und der Golatsche, die manchmal auch Kolatsche geschrieben wird. Die Unsicherheit hängt mit der Herkunft zusammen, die der mündlichen Überlieferung folgt und nicht der schriftlichen. Die Wurzel ist das tschechische „kolac“, das die nämliche Form der Mehlspeise meint und selbst aus dem alten slawischen „kol“ = „rund, Rand, Wagen“ stammt. Wie wir unten sehen werden, hat dies mit der Formung der Mehlspeise zu tun. Der Topfen ist das, was die Deutschen meist Quark, manchmal auch Käse nennen. Während der Topfen seit dem Mittelalter in der Form „topfe“ bezeugt ist, ist Quark wiederum slawisch und zwar aus dem Sorbischen übernommen, wo die Sache „twarog“ heißt. Mit der Etymologie des Wortes ist schon fast das Rezept gegeben.

  1. bereitet man einen Germteig wie für Buchteln zu.
  2. mischt man einen Becher Topfen (vorher durch ein Sieb drücken) mit etwa zwei bis drei Esslöffeln schaumig gerührter Butter und zwei Eidotter (wenn man will, auch etwas Vanillezucker, muss aber nicht sein).
  3. hebt man den Eischnee drunter.
  4. rollt man den Teig dünn aus und schneidet ihn in Quadrate (etwa 5 – 6 cm Seitenlänge).
  5. gibt man auf jedes Teigquadrat eine Löffel voll Topfen und schlägt die Ecken zur Mitte (jetzt haben wir die typische Form).
  6. bäckt man die K/Golatschen auf dem eingeschmierten Blech goldbraun und bestreut sie noch warm mit Staubzucker.

G/Kolatschen schmecken herrlich zu einem guten Milchkaffe. Da dürfen auch die Kinder mitessen und mittrinken. Man nimmt bei ihnen halt mehr Milch und weniger Kaffee. Die K/Golatschen sollte man zuteilen, damit sie nicht allein von den Kindern aufgegessen werden.

Krautfleckerl

Nachdem wir jetzt zwei Mal so recht geprasst haben, werden wir diesmal wieder etwas einfacher essen, nämlich Krautfleckerl. Der Name kommt von den beiden Hauptzutaten: Kraut und Fleckerl. Dabei haben Fleckerl so wie bei den Schinkenfleckerln (siehe dort) nichts mit Flecken zu tun, sondern sie sind Eierteigwaren.

  1. kocht man entsprechend der Anzahl der Esserinnen und Esser die Fleckerl al dente und schreckt sie ab.
  2. nimmt man einen Krautkopf im gleichen Gewicht wie die Fleckerl (da können es unter Umständen natürlich auch zwei Krautköpfe sein) und schneidet/wiegt ihn ziemlich klein.
  3. wird das Kraut in heißem Schweinefett zugedeckt gedünstet.
  4. gibt man die Fleckerl dem gedünsteten Kraut zu und macht sie wieder heiß.
  5. gesalzen und gut gepfeffert wird das Ganze angerichtet.

Ich gebe ehrlich zu, die Geschmäcker sind verschieden. Manche vertreibt schon der Geruch des gedünsteten Krauts, andere schwören auf die Delikatesse. Egal aber, wer die Krautfleckerl auch isst, er oder sie trinkt wohl am liebsten Bier dazu, obwohl ein rescher Weißwein auch ganz gut passt. Da schauen die Kinder mit ihrem Wasser oder ihrer Cola natürlich neidig zu, weshalb wir sie wenigstens am Schaum nippen lassen.

Paprikahuhn mit Schwammerln

Weil wir uns schon mit dem Zwiebelrostbraten etwas Gutes gegönnt haben, machen wir gleich noch weiter. Huhn (oder Hendl) war lange Zeit nur dann etwas für arme Leute, wenn der Hahn oder die Legehenne bereits so alt waren, dass sie schon vor Schreck starben, wenn man sie zum Schlachten einfangen wollte. Es wurde daraus nach drei Tagen Kochen auch nur mehr eine sehr kräftige Suppe. Das Fleisch sorgte für den Namen „Gummiadler“. Heute ist das etwas anders. Huhn ist auch dann erschwinglich, wenn es nicht aus der Käfighaltung kommt. Vor solchen Hühner, die man meist in den Tiefkühltruhen findet, sollte man die Finger lassen. Vielleicht gehen dann auch irgendwann die Tierquäler krachen, die den Hühnern und uns schaurige Qualen zumuten. Den Hühnern geht es in der Tiefkühltruhe besser als im Leben, also lassen wir sie dort.

  1. löst man bei einem schönen, kräftigen Suppenhuhn alles Fleisch von den Knochen (da bekommt man locker drei Personen satt).
  2. schneidet man drei bis vier mittelgroße Zwiebeln in halbe Ringe und brät diese in etwas Öl dunkelbraun, ohne sie anbrennen zu lassen.
  3. gibt man nach etwa zwei Drittel der Zeit geschnittene Schwammerln (zum Wort vgl. das Rezept für Schwammerlsoße) zu den Zwiebeln hinzu und brät sie mit.
  4. quetscht man zwei Zehen Knoblauch in die Masse.
  5. brät man in der Zwischenzeit das in Würfel geschnittene, gut gesalzene und gepfefferte Hühnerfleisch in einer anderen Pfanne etwa goldbraun.
  6. macht man in der gleichen Zeit aus den beim Auslösen verbliebenen Resten (Knochen und Haut) des Huhns eine Brühe (Suppengrün, Wacholderbeeren, Piment).
  7. fügt man das Hühnerfleisch zu den Zwiebeln und Schwammerln hinzu und gießt alles mit der Brühe auf (Fleisch gerade so bedeckt).
  8. wird süßer Paprika eingerührt.
  9. lässt man alles noch eine gute halbe Stunde köcheln, um zum Schluss noch mit etwas scharfem Paprika nachzuwürzen.
  10. kann ein Schuss Rotwein nicht schaden.

Als Beilage nimmt man etwa tischtennisballgroß geformte Semmelknödel (ohne Zwiebeln) und Gurkensalat oder Grünen Salat. Wer wollte das Gegenteil behaupten? Es schmeckt natürlich am besten Bier dazu. Wer muss dennoch Anderes trinken? Wiederum die Kinder, denen nur Wasser oder Cola gestattet wird – und einmal nippen am Schaum.