Die meisten kennen die Fabel. Schon der alte Grieche Äsop erzählte sie: Der Fuchs lud sich den Kranich zum Mahle ein und tische die besten Speisen auf. Er wollte angeblich Frieden mit dem Kranich. Die Speisen waren jedoch alle auf ganz flachen Tellern serviert, von denen der Kranich mit seinem langen Schnabel kaum etwas aufnehmen konnte und also hungrig blieb, während der Fuchs sich scheinheilig den Bauch voll schlug.
Verlassen wir an dieser Stelle zunächst die zwei und erzählen wir eine ganz andere Geschichte. Da hatte die SPD erkannt, dass es vielleicht von Vorteil sei, Frieden zu schließen mit der Linken. Es war ihr wohl allzu langweilig immer mit den Gleichen essen zu müssen. Es nährte nicht richtig. Die einen haben nicht genug anzubieten und ärgern sich deshalb grün und am Ende vielleicht probeweise auch schwarz. Den anderen stehen üppige Mittel zur Verfügung, womit sie auch gewaltig prahlen. Mögen doch die Nahrung suchenden Gäste vor Neid erblassen, wenn sie rot vor Scham wegen der eigenen Ärmlichkeit über die Schwelle treten. Die Drohung, man könne auch mit anderen essen, sollte dem Dilemma der SPD ein Ende bereiten. Aber genug des Fabulierens. Fakt ist, die SPD hat eingeladen – nicht ohne Bedingung. Auch sie will wie der Fuchs in der Fabel bestimmen, von welchem Geschirr zu speisen sei. Und siehe, es ist wie bei Äsop: Die Schnäbel und Mäuler sind zu verschieden. Das ist nun wirklich nur schwer zu ändern. Die Linken seien gehalten, sich „regierungsfähig“ zu machen. Sie mögen endlich „vernünftig“ werden. Sie hätten also gerade jenen Dingen abzuschwören, für die allein sie bekannt sind. Den Reichen dürfte man nicht mehr vorhalten, dass sie abscheulich reich sind und sich deshalb ruhig mit mehr Mitteln an der Bekämpfung der Not anderer beteiligen sollten. Die Mittel müssten auch so reichen. Man nennt dies „finanzpolitische Vernunft“. Vor allem aber hätte man sich außenpolitisch zu qualifizieren. Das heißt, man möchte doch endlich anerkennen, dass man das Wohl und Wehe des Landes auch mal weit ab von seinen eigenen Grenzen zu verteidigen gezwungen sein könnte. Zumal wenn das die USA oder andere Partner so wollten. Naja, schimpfen dürfe man schon über den Brei, der einem vorgesetzt wird. Das macht die SPD auch oft. Ausgelöffelt müsste aber werden, was eingebrockt sei. Auch das mache die SPD ja immer wieder. Aber genug geunkt. Es ist ja doch erfreulich, dass man plötzlich zu Tisch geladen wird. Ohnehin nicht sofort, auch nicht bald, aber immerhin – es könnte durchaus sein, demnächst, in vier Jahren. Wie auch immer! Die Linke braucht die Einladung nicht misstrauisch auszuschlagen. Sie sollte die Zeit nutzen, die bis zur möglichen Mahlzeit bleibt und gleichermaßen über die Speisen diskutieren wie über das Geschirr.
Die Fabel hat ja ein anderes Ende. Der Kranich sprach eine Gegeneinladung aus und bestrafte den Fuchs mit Krügen, in denen die Speisen bereitet waren. Der konnte an die Köstlichkeiten nicht heran und war der Geprellte. In unserem Fall wären aber, würde man sich bloß abwechselnd hereinlegen, weder die SPD noch die Linken die eigentlich Leidtragenden, sondern viele Menschen in der Gesellschaft, die darauf hoffen, dass sich die alten Streithähne endlich darauf einigen, wirklich Gutes zu tun. Nicht die Brosamen von den Tischen der anderen, nein, eine eigene Küche sollte das Ziel sein und endlich ein Mahl, das Massen nährt. Es müssen ja nicht noch zwölf Körbe Rest bleiben. Nicht die Linke, sondern die SPD muss sich jetzt gut überlegen, worauf sie hinaus will. Sie wird ja gerade von den Schwarzen von einem Topf zum anderen geführt und hat meist keinen passenden Schnabel dafür. Man kann sich den Schnabel darüber wetzen. Jedoch weder wörtlich genommen wird das den Schnabel je wirklich passend schleifen für das Geschirr und die Suppen von CDU/CSU, noch lohnt es im übertragenen Sinn von „Schnabel-wetzen“, sich aufzuregen, zu schimpfen und dann doch die Brühe zu saufen. Es geht tatsächlich auch anders!
Geschrieben für Links Dezember 2013, 26.11.2013