Wenn diese Zeilen ihre Leserinnen und Leser erreichen, sind die Feiertage schon wieder vorbei – die „stillste Zeit im Jahr“, in der die Kassen nie süßer und lauter klingeln. Der Weihnachtsbraten und all die Süßigkeiten haben sich vielleicht schon in Bauchspeck verwandelt, und wir sinnieren, wie wir ihn wieder los werden können. Beim Schreiben dieser Zeilen bin ich aber noch in Adventsstimmung; in Erwartung, wenn man das Wort angemessen übersetzt. Stört da nicht die Nachricht, die ich gerade in einer Zeitung lese, dass „Überernährung weltweit gefährlicher als Hunger“ ist (Krone, 16.12., S. 16)?Fettleibigkeit tötet seit 2010 mehr Menschen auf der Welt als Nahrungsmangel. Das ist so, obwohl der Hunger und die Hungernden nicht weniger geworden sind. Immer noch verhungern jährlich tausende und abertausende Kinder in der Welt. Der Überfluss aber hat den Hunger überholt und wird zur Todesursache für jene, die ihn gedankenlos genießen. Daran ändert auch das Evangelium nichts, das sich katholische Christen just an jenem 3. Adventssonntag vorlesen, an dem ich diesen Text schreibe: Es fragten die Leute Johannes den Täufer: „Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.“ (Lukas 3, 11) Was ficht es mich an, dachte wohl der christkatholische Bürgermeister eines kleinen Kurortes in Oberösterreich und wandte sich gegen die Unterbringung von Asylbewerberinnen und -bewerbern in seinem Städtchen. „Diese Flüchtlinge kommen zu unserem Wohlstand, den wir uns mit hartem Schweiß über Jahrzehnte erarbeitet haben“ (www.nachrichten.at), war seine Begründung. Da ist eben kein Platz in der Herberge.
Man verbietet eher das Betteln und setzt das durch, als dass man die Armut verbietet und wirkungsvoll etwas gegen sie macht. Nach der oben zitierten Meldung wäre Reichtum teilen sogar eine gesundheitspolitische Maßnahme. Aber wer will die Reichen dazu bringen? Meine Stammleserinnen und -leser wissen um meine Begeisterung für die Weisheiten des Volkes, gesammelt in Sprichwörtern, in Sagen und Märchen. Im vergangenen Dezember war es gerade 200 Jahre her, dass die Gebrüder Grimm mit der Herausgabe ihrer Kinder- und Hausmärchen begannen. Die hatten sie nicht erfunden. Sie ließen sie sich vielmehr erzählen, von einfachen Menschen aus dem Volk, meist älteren und weisen. Diese Menschen waren nicht zuletzt deshalb weise, weil sie die Märchen verstanden hatten. Denn wenn es auch Märchen sind, in denen die Tiere reden, Frösche zu Prinzen werden und die Aschenputtel zu Königinnen, es steckt viel Erfahrung in den Geschichten. Sage niemand die Geschichte von Hänsel und Gretel sei nur erfunden. Es war im September, als eine Flüchtlingsfamilie eines von vier Kindern auf einem Bahnhof zurückließ, weil sie nicht mehr wussten, wie sie es ernähren sollten. Das Kind hatte Glück, weil es keiner Hexe in die Hände fiel, sondern Menschen fand, die sich um es kümmerten. Das Glück haben nicht alle. Eltern überlassen auch heute, an ihrem Elend verzweifelnd, Kinder ihrem Schicksal, setzen sie einfach aus oder verkaufen sie an Verbrecher. Aber es sind nicht immer nur gute Feen oder manchmal auch der Teufel, die Rettung bringen. Man kann sich selber helfen. Das lehren uns die Märchen. Es helfen eigene List und Courage, wie z.B. der Gretel und dem Hänsel. Ein Esel, ein Hund, eine Katze und ein Hahn, dem sicheren Tod geweiht, machen sich auf, um in Bremen Stadtmusikanten zu werden und dort doch etwas Besseres zu finden als den Tod. Sie machen uns aber auch vor, wie man mit Räubern fertig wird und ein Haus gewinnt: Übermächtig groß erscheinen, weil die Kleineren jeweils auf den Schultern der Größeren stehen. Schließlich Erfolg haben, weil ein jedes das für alle einsetzt, was es am besten kann. Zusammenhalten, seine Kräfte bündeln – man könnte das auch Solidarität nennen. Grimms Märchen sind kaum weniger wert, als alle unsere Theorien, als unsere Klassiker. Man muss sie nur lesen können. Sie sind keine Kunde aus einer vergangenen und erdachten Welt. Sie sind genau so Geschichten aus einer zukünftigen, möglichen Welt.
geschrieben für Links Januar/Februar 2013 (16.12.2012)
Hallo Peter , ich wünsche Dir , Regine und Martin einen guten Rusch in das Neue Jahr . Im neuen Jahr besonders Gesundheit eine große Portion Glück und ein gutes Business . Wir erinnern uns sehr gern an die schönen Tage in Graz . Elke Markow hat ebenfalls in ihrem Jahresbrief ausdrücklich erwähnt , wie wichtig der Besuch für Markow`s war und das es ein besonderes Erlebnis für Markow`s und für uns gewesen ist Graz kennen zu lernen .
Drücke bitte Regine von mir und an Dich , Peter , einen besonderen Dank für Deine kritischen Kommentare in diesem Jahr . Viele Grüße von Andra und Frank
Danke Frank!
Hallo, lieber Peter,-
auch ich möchte mich an dieser Stelle für deine erfrischenden, offenen, geistreichen kritischen UND streibaren Kommentare in diesem Jahr bei dir bedanken!
Möge dir auch 2013 der Stoff und die Gedanken dazu nicht ausgehen,- wobei, was den „Stoff“ angeht, da sorgt schon die aktuelle Politik auf ALLEN Ebenen dafür, das du bestimmt immer was zum schreiben findest! Mach‘ dir also des Stoffes wegen keine Gedanken! 😉
Nun wünsche ich dir und deinen Lieben einen „Guten Rutsch“ und viel Glück, gesundheit und Erfolg im Jahr 2013!
Mit besten,- (und auch soledarischen Grüßen) aus Delitzsch
Uwe 🙂
sorry, der „Tippteufel „,….“
solidarischen Grüßen natürlich,…“, so viel hab‘ ich nun doch noch nicht getrunken,…! 😉
Danke Uwe!