Archiv der Kategorie: Rezepte

Hier veröffentliche ich vor allem „Arme-Leute Essen“.

Schinkenfleckerl

Natürlich bestehen auch Armeleuteessen nicht nur aus Kartoffeln Zwiebeln und Ketchup – wie mittlerweile in einer bürgerlichen Zeitung unterstellt. Genau so wenig sind sie – wie in einer sozialistischen Zeitung vermutet – kalorienarm. Das folgende Rezept wird dies beweisen.

Zu klären ist zunächst, dass die „Fleckerl“ nichts mit Flecken/Kutteln zu tun haben. Gemeint sind hier einfache Eierteigwaren in Form von Quadraten mit etwa einem Zentimeter Seitenlänge. Die gibt es z.B. in Österreich, in Tschechien oder in Ungarn. Warum es sie in Deutschland nicht gibt, weiß ich nicht. Es ist aber für unser Gericht von untergeordneter Bedeutung, denn man kann es genau so gut mit Spirelli, Hörnchen oder klein gebrochenen Bandnudeln zubereiten. Als Schinken nimmt man Kochschinken, man muss aber auch das mit dem Schinken nicht unbedingt ernst nehmen, Kochsalami tut es auch.

Ob nun Kochsalami oder Kochschinken, man schneidet diese Zutat jeweils in kleine Würfel. Die Menge hängt von der Zahl der EsserInnen und vom Geldbeutel ab. Als Kinder sprachen wir immer von „Schinkenfleckerl – Fleischversteckerl“, was nichts anderes heißt, als dass wir den Schinken oder die Wurst hinter den Teigwaren suchen mussten, hinter denen sie versteckt waren. Ein vernünftiges Maß könnten 100 Gramm Schinken und 100 Gramm Eierteigwaren pro EsserIn sein.
Die Eierteigwaren kocht man in sprudelnd heißem Salzwasser „al dente“ bzw. bissfest und vermischt sie mit den Schinken- bzw. Wurtswürfeln sowie mit 2 Eiern, einem Becher Rahm (saurer Sahne) und reichlich Petersilie, wenn man etwa für drei bis vier Personen kochen will.
das Gemisch wird in eine gefettete und mit Semmelbröseln (-mehl) gut eingestreute hochwandige Kuchenform (am besten eigenen sich Jenaer Glas oder Keramik- bzw. Steingutformen) gegeben und im Backrohr bei 200 Grad Hitze mindestens eine Dreiviertelstunde gebacken. Das Gemisch sollte in der Form mindestens drei bis vier Zentimeter hoch stehen, mehr schadet auch nicht. Zu Beginn des Backprozesses ist geraten, die Form mit Alufolie abzudecken und diese Abdeckung etwa nach einer halben Stunde abzunehmen, so dass die obere Schicht der Schinkenflecklerl nicht zu früh anbrennt und braun bzw. schwarz wird.

Ist die Sache gut gelungen, so haben die Schinkenfleckerl am Rand und am Boden eine hellbraune Kruste. Grüner Salat und Bier dazu runden die Sache ab. Wie immer geht es auch umgekehrt.

Letzter Tipp: Reste von Schinkenfleckerln kann man nach Zugabe von etwas Wasser auf kleiner Flamme bei ständigem Umrühren aufbraten. Das schmeckt manchmal besser als die erste Zubereitung.

Marillen- oder Zwetschgenknödel

Marillen = Aprikosen
Zwetschgen = Pflaumen

Marillen- und auch Zwetschgenknödel sind ein süßes Gericht der Saison. Die Zubereitung erscheint denkbar einfach, dennoch muss man sich einige Mühe geben.

  1. Man bereitet den gleichen Erdäpfelteig wie bei den Grammelknödeln, wälzt ihn ebenso aus und schneidet ihn aber in etwas dünnere Scheiben.
  2. In einer großen Pfanne zerlässt man reichlich Butter und erhitzt sie, bis sie schäumt. Dann schüttet man ebenfalls reichlich Semmelbrösel (Semmelmehl) in die heiße Butter und röstet sie unter ständigem Umrühren goldbraun. Achtung: es dürfen am Ende keine Butterklumpen in den gerösteten Bröseln sein).
  3. Man wäscht Marillen oder Zwetschgen sauber und trocknet sie ab. Meint man, die Früchte seien noch zu sauer, kann man sie öffnen und einen halben oder ganzen Würfel Zucker hineingeben. Dabei besteht aber die Gefahr der Auflösung beim Kochen. Vor allem fehlen aber dann die Kerne auf dem Teller, an denen gerne abgezählt wird, wie viele Knödel jede/r Teilnehmer/in am Essen verzehrt hat (mein Rekord liegt bei 12 und lange zurück).
  4. In eine flach gedrückte Teigscheibe legt man eine Frucht und umhüllt sie mit dem Teig (möglichst dünn, aber auch möglichst fest. Vorsicht: der Teig haftet schlecht an der Frucht und hat die Tendenz, Luftblasen zu bilden, was beim Kochen zu Auflösungserscheinung bis zum völligen Zerkochen führen kann – einfach beim Formen fest zudrücken).
  5. Die Knödel in sprudelndes heißes Salzwasser legen und solange kochen, bis sie an der Oberfläche erscheinen.
  6. Die fertigen Knödel in den gerösteten Semmelbröseln wälzen, bis sie rundum davon bedeckt sind.
  7. Servieren und auf dem Teller nach Geschmack mit Staubzucker bestreuen.

Dazu passt nun wahrlich kein Bier – auch umgekehrt ist schlecht. Es schmeckt aber leichter Weißwein oder mit Sodawasser (Selters) verdünnter Fruchtsaft. Kindern würde ich bei diesem Gericht auch von Cola abraten.

Gut zubereitet sind Zwetschgen- und Marillenknödel so schmackhaft, dass sie auch von wohlhabenderen und reichen Schichten gerne gegessen werden.

Grammelknödel aus Erdäpfelteig

Grammeln = Grieben
Knödel = von der Form her wie Klöße

Grammelknödel sind Knödel aus Erdäpfelteig, gefüllt mit Grammeln, serviert mit heißem Schmalz übergossen, dazu reichlich grüner Salat. Weil die Sache recht fett ist, isst kaum jemand mehr als zwei bis drei Knödel, diese aber mit großem Genuss.

Der Erdäpfelteig ist das Grundrezept für viele billige, aber schmackhafte und nahrhafte Speisen. Diese können sehr deftig sein, wie eben die Grammelknödel, aber auch süß, wie z.B. Zwetschkenknödel oder Powidltatschkerln (beides haben wir noch später).

  1. Man koche (je nach Anzahl der EsserInnen) festkochende, schon etwas abgelagerte Erdäpfel mit der Schale (Kochzeit eine halbe Stunde). Faustregel: aus einem Erdapfel werden etwa 2 Knödel.
  2. Die gekochten Erdäpfel schälen und etwas abkühlen lassen; danach auf ein vorbereitetes Mehlbett quetschen.
  3. Mit einer Prise Salz und weiterem Mehl einen Teig kneten, der nur mehr wenig an den Händen klebt (Vorsicht: zu viel Mehl macht einen faden Geschmack; entgegen manchmal vorgebrachter Meinung wird auch kein Ei für den Teig verwendet).
  4. Den Teig zu einer etwa 4 – 5 cm dicken Rolle auswälzen und in etwa 2 cm dicke Scheiben schneiden. Die Scheiben im Handteller platt drücken, einige Grammeln darauf legen und danach zu einem Knödel formen.
  5. Die Knödel werden in sprudelnd heißes Salzwasser gelegt und sollen so lange kochen, bis sie an der Oberfläche schwimmen. Servieren wie oben angegeben.

Dazu passt kühler, rescher (sehr trockener, sagen wir mal, etwas saurer) Weißwein, genau so gut aber auch Bier und am Ende der Mahlzeit ein Schnäpschen. Für Kinder gilt, wie schon beim falschen Schweinsbraten, dass man auch Cola oder Limo dazu trinken kann.