Vom Klima beim Klimagipfel, Käfigen und großen Tieren.

Als Kinder haben wir gesungen: „… der Frühling bringt Blumen, der Sommer bringt Klee, der Herbst, der bringt Trauben, der Winter bringt Schnee.“  Angeblich hat die Anzahl „weißer Weihnachten“ seit den letzten 50 Jahren rapide abgenommen. Das freut bestimmt das Transportwesen, entlastet die Industrie, erspart klammen Kommunalkassen die Schneeräumung. Die Frühlinge sind jetzt eher kurz in unseren Breiten. Na und? Blumen holen wir aus dem Gewächshaus. Der Herbst wird eher lang und sonnig – auch schön, für Städteflugreisen und sogar für die Trauben! Die Sommer freilich bedrängen den Klee vor allem durch Unwetter und Hochwasser. Afrika stöhnt unter der Dürre oder hat schon keine Kraft mehr dazu. Inselvölker wandern aus. China und die USA dagegen sehen alles immer noch vorrangig betriebswirtschaftlich. Und was bringt ein Klimagipfel? Vor allem Hunderttausende, die Kopenhagen ansteuerten, darunter über 120 Staatschefs, aber noch sehr viel mehr Menschen, die sich echte Sorgen machen um das Klima und dies auch zum Ausdruck bringen wollten – hörbar, sichtbar und auch spürbar. Ich weiß nicht genau, wann das Wort „Klima“ mit seiner heutigen Bedeutung in den verschiedenen Sprachen auftauchte. Wer dafür verantwortlich war, muss Weitsicht mit Pessimismus in genialer Weise verbunden haben. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutete dort „Abhang“, „geneigte Fläche“. Und dass das Klima den Abhang runter zu gehen droht, wird kaum wer leugnen können. Die griechische Wurzel ist uns auch noch gegenwärtig im Wort „Klinik“ und meint dort das „Sich-zum-Kranken-neigen“ bzw. einfach „das Bett“. Dass sich in Kopenhagen viele über das Krankenbett des Klimas neigten, ist wohl auch nicht zu bestreiten. Eben so wenig jedoch auch, dass Diagnose, Therapie und Ansichten über die Schwere der Krankheit und die Heilungschancen sehr weit auseinandergehen. Der Tod allerdings ist umso sicherer, je weniger sich die Ärzte einig sind. Viele Ärzte hatten wohl nur ihr eigenes Wohl und nicht das des Patienten im Sinn. Ihre Frage war, wie lange kann man zum eigenen Gewinn eigentlich den Patienten noch quälen? Es entstand ein merkwürdiges Klima im Streit um das Klima. Die zwei Bedeutungen von „Klima“ sind im DUDEN-Universalwörterbuch verzeichnet. Einmal ist es der „typische jährliche Ablauf von Witterung“, zum anderen ist es eine „durch besondere Ereignisse oder Umstände hervorgerufene Atmosphäre … zwischen Personen, Gruppen, Staaten“. Was die Klimaproblematik betrifft ist das DUDEN-Universalwörterbuch bereits seit langem  komplett. Es verzeichnet  „Klimaänderung“, Klimaverschlechterungl“ und schließlich „Klimakatastrophe“. Was das Vorgehen gegen Demonstrantinnen und Demonstranten durch die dänische Polizei betrifft, ist dieses Wörterbuch aber überhaupt nicht auf der Höhe der Zeit. Der „Gast“(?)-Geber sperrte den Protest, wenn es ihm passte, einfach in Käfige – nur auf Grund von Verdacht: Ein merkwürdiges Klima, ja eine eigene Klimakatastrophe für demokratische Einmischung in die eigenen Angelegenheiten. Zum „Käfig“ aber steht im DUDEN-Universalwörterbuch: „Raum für gefangen gehaltene größere Tiere, dessen Wände aus Gitterstäben, Drahtgitter o.Ä. bestehen.“ Käfige sind im Sinne bisheriger Wortbedeutung also „größeren Tieren“ vorenthalten. So gesehen hätten nicht Demonstrantinnen und Demonstranten hinein gehört, sondern, wenn überhaupt Menschen, die angereisten Politikerinnen und Politiker. Denn man findet im Wörterbuch auch „ein hohes/großes Tier“. Das ist „eine Person von großem Ansehen, hohem Rang“. Mag das mit dem „großen Ansehen“ im gegebenen Fall schon so eine zweifelhafte Sache sein, von hohem Rang waren sie allemal die „großen Tiere“.

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