{"id":994,"date":"2016-05-26T08:07:24","date_gmt":"2016-05-26T06:07:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=994"},"modified":"2016-05-26T08:07:24","modified_gmt":"2016-05-26T06:07:24","slug":"von-den-feiglingen-in-den-laufgittern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=994","title":{"rendered":"Von den Feiglingen in den Laufgittern"},"content":{"rendered":"<p>Unl\u00e4ngst habe ich im Theater einen Monolog geh\u00f6rt, der in seiner Bildhaftigkeit sehr allt\u00e4glich war, in seinem Gehalt aber auf unglaublich eindringliche Weise eine Wahrheit verk\u00fcndete. Das Ganze fand nicht auf der gro\u00dfen B\u00fchne statt. Es waren Schauspielstudierende, deutschsprachige und holl\u00e4ndische, die ein St\u00fcck selbst entwickelt hatten und darin und damit ihrem Verh\u00e4ltnis zu sich, ihrem Beruf und zur Welt, in der sie leben &#8211; leben m\u00fcssen &#8211; nachgingen. Revolution war ein gro\u00dfes Thema. Einer der Schauspieler stellte fest: Wir leben auf der reichen Seite der Welt und wir leben wie Kinder im Laufgitter, versehen mit reichlich und gutem Spielzeug. Genau deshalb sollten wir aber Revolution machen. In einem revolution\u00e4ren Akt sollten wir unsere Eltern zwingen, uns aus dem Laufgitter herauszuheben. Wir wollen doch wissen, wie die Welt drau\u00dfen ist. Ja, wir wollen und brauchen eine Revolution, war zun\u00e4chst die Quintessenz; eine Revolution gegen jene, die uns ins im Laufgitter in ungewollter Sicherheit und ungeliebtem Wohlbefinden halten. Doch dann kam pl\u00f6tzlich die Angst vor der eigenen Courage. Es kam die Angst auf, was passieren k\u00f6nnte, wenn alle aus den vielen Laufgittern in dieser gro\u00dfen Welt herausk\u00e4men. Man w\u00fcrde sich begegnen. Will man das? Was w\u00fcrde einem dann widerfahren? W\u00fcrde uns was streitig gemacht? Wer wei\u00df das schon? Da bleiben wir doch lieber drin in unseren Laufgittern. Wir spielen doch eigentlich ganz gern mit all unserem sch\u00f6nen Spielzeug. Deshalb &#8211; so der Schluss &#8211; wird es wohl auf unserer, der sch\u00f6nen, der reichen Seite der Welt zu keiner Revolution kommen. Die Dialektik von zorniger Kritik eines jungen Mannes und bereits an der Realit\u00e4t emporgewachsener Resignation liegt auf der Hand.<br \/>\nOffensichtlich sind in unserem Teil der Welt zu viele der Meinung, sie k\u00f6nnten mehr verlieren als nur ihre Ketten. Die Sicherheit der \u201eLaufgitter\u201c ist verlockender als eine Welterfahrung, von der man nicht wei\u00df, was sie bringt. Rundum bewegt sich aber doch etwas. Es findet Geschichte statt und zu viele haben Angst davor. Einmischung erscheint gef\u00e4hrlich, sich einschlie\u00dfen w\u00e4hnt man f\u00fcr sicherer. Geschichte soll drau\u00dfen stattfinden. Nur, das wird nicht funktionieren und es funktioniert schon lange nicht. Feiglinge sind am Werk; Feiglinge, und wenn sie noch so gro\u00dfm\u00e4ulig auftreten. Sie schlie\u00dfen sich ein in den Laufgittern der Nationen. Sie reduzieren sich die Welt auf das Spielzeug ihrer Kultur. Sie liefern sich dem Schutz von \u201eEltern\u201c aus, die sie in Wirklichkeit ebenso feige gefangen halten. Der \u00f6sterreichische Literat und Essayist Robert Menasse hat recht, wenn er sagt: \u201eAlle politischen Herausforderungen, die wir heute demokratisch gestalten m\u00fcssen, sind l\u00e4ngst transnational: die Finanzstr\u00f6me, die Wertsch\u00f6pfungsketten, die Bedingungen des Welthandels, die \u00f6kologischen Probleme, die Migrationsbewegungen, die modernen Kommunikationsmittel mit ihren Gefahren wie \u00dcberwachung und Datenmissbrauch, die Friedenssicherung, und ewig so weiter. Es gibt nichts mehr, das innerhalb der Grenzen eines Nationalstaates geregelt oder an den Grenzen abgehalten werden kann\u201c (Kurier, 22.05.2016, S. 9). Wir beschw\u00f6ren die globalisierte, die eine Welt und zugleich versucht man uns weis zu machen, dass man sich hinter neuen Stacheldr\u00e4hten verschanzen k\u00f6nnte, um unausweichlicher Ver\u00e4nderung entgehen und l\u00e4ngst unbrauchbar Gewordenes bewahren zu k\u00f6nnen. Die Gefahr ist gro\u00df und zum Teil auch schon Wirklichkeit, dass aus stacheldrahtbewehrten Laufgittern der Feiglinge Sch\u00fctzengr\u00e4ben werden und aus den Spielzeugen Kanonen. War es denn nicht zu oft schon so, dass die Verteidigung der Idylle des Gewohnten gegen\u00fcber der Geschichte dazu f\u00fchrte, dass schlie\u00dflich kein Stein auf dem anderen blieb? Was n\u00fctzt es, wild um sich zu schlagen, wenn das Laufgitter f\u00e4llt. Das kann keine linke L\u00f6sung sein. Wir m\u00fcssen die Herausforderungen annehmen. Akzeptieren wir die Notwendigkeit von Ver\u00e4nderungen in globalem Ma\u00dfstab. Machen wir unsere Geschichte selbst &#8211; mutig, friedlich und mit allen Menschen, in dieser einen Welt!<\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr Links, Juni 2016, 25.05.2016)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unl\u00e4ngst habe ich im Theater einen Monolog geh\u00f6rt, der in seiner Bildhaftigkeit sehr allt\u00e4glich war, in seinem Gehalt aber auf unglaublich eindringliche Weise eine Wahrheit verk\u00fcndete. Das Ganze fand nicht auf der gro\u00dfen B\u00fchne statt. 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