{"id":948,"date":"2015-12-19T07:55:42","date_gmt":"2015-12-19T05:55:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=948"},"modified":"2015-12-19T07:55:42","modified_gmt":"2015-12-19T05:55:42","slug":"unsere-werte-als-wille-und-vorstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=948","title":{"rendered":"Unsere Werte als Wille und Vorstellung"},"content":{"rendered":"<p>Keine Angst liebe Leserin, lieber Leser. Ich werde Sie nicht mit Schopenhauer qu\u00e4len. Aber die \u00dcberschrift passt schon ganz gut, wenn wir zum Beispiel \u00fcber die Differenz zwischen dem realen \u00bbSein\u00ab von Werten in unserer \u00bbWertegemeinschaft\u00ab und dem eigentlichen \u00bbSollen\u00ab reden wollen.<br \/>\nDie Wertegemeinschaft mit ihren Wertvorstellungen ist in aller Munde, vom simplen Pegida-Schreier bis hin zu katholischen Kardin\u00e4len, ja sogar dem Papst. Unsere Werte gelten angesichts der vielen Fl\u00fcchtlinge als gef\u00e4hrdet. Wenn man glaubt, was landauf und landab zu lesen und zu h\u00f6ren ist, befinden wir uns f\u00fcr sie sogar im Krieg. Nadine Sch\u00f6n, Fraktionsvizevorsitzende der CDU im Bundestag, schl\u00e4gt deshalb vor, zu uns kommende Fl\u00fcchtlinge sollten eine Wertevereinbarung unterzeichnen. Integration sei ein \u00bbGeben und Nehmen\u00ab. Wie man h\u00f6rt, sind zwei wichtige Punkte in dieser Vereinbarung das Bekenntnis zur \u00bbGleichberechtigung von Mann und Frau\u00ab und zur \u00bbTrennung von Staat und Kirche\u00ab. \u00c4hnlich herausgehoben findet sich das in 50 Vorschl\u00e4gen zur Integration des \u00f6sterreichischen Au\u00dfen- und Integrationsministers Sebastian Kurz.<br \/>\nNun, was das \u00bbGeben und Nehmen\u00ab betrifft, haben uns schon der DFB und Franz Beckenbauer \u00fcber die g\u00e4ngigen Vorstellungen aufgekl\u00e4rt. Bei der Religionsneutralit\u00e4t ist das sicher schon schwieriger. Nein, wir sind kein Kirchenstaat. Das \u00e4ndern auch der Pastor an der Staatsspitze und die Pastorentochter im Bundeskanzleramt nicht. Dass die staatlichen Finanz\u00e4mter die Kirchensteuer einziehen, macht aber vielleicht schon stutzig. Eine zumindest merkw\u00fcrdige Vorstellung von der Trennung von Kirche und Staat liegt wohl der Tatsache zugrunde, dass kirchliche Krankenh\u00e4user Dinge verweigern, die der Staat zum Recht erkl\u00e4rt hat: etwa die Abgabe der sogenannten Pille danach. Minister Kurz will einen interkulturellen Dialog \u00bb\u2026 auf Augenh\u00f6he, gepr\u00e4gt von gegenseitigem Respekt und von Wertsch\u00e4tzung \u2026\u00ab Die beabsichtigte F\u00f6rderung eines Islams \u00bbeurop\u00e4ischer Pr\u00e4gung\u00ab l\u00e4sst dennoch massive \u00c4ngste vor dem \u00bbFremden\u00ab deutlich werden. Aber lassen wir das! Vieles werden unsere neuen Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger ohnehin nicht sofort merken.<br \/>\nMit der Gleichberechtigung von Mann und Frau ist es schon schwieriger. Hier gibt es augenf\u00e4llige Unterschiede. H\u00e4usliche Gewalt ist f\u00fcr die Hinzukommenden \u2013 anders als Gewalt gegen sie und ihre Unterk\u00fcnfte \u2013 vielleicht nicht gleich wahrnehmbar. Es gibt sie jedoch, und sie wendet sich \u00fcberwiegend gegen Frauen und Kinder. Der normgebende gesellschaftliche Wille und die Wertvorstellungen Einzelner klaffen hier oft weit auseinander. Eine geschlechtsspezifische Rollenverteilung im Berufsleben l\u00e4sst sich vor niemandem lange verheimlichen. Wann und wo trifft man auf M\u00e4nner und wann und wo auf Frauen? Das ist \u2013 wir wissen es \u2013 nicht dem Zufall \u00fcberlassen. Die damit verbundenen Einkommensunterschiede sind nach wie vor horrend. Soll die Integration von Asylsuchenden in Arbeit und Beruf gelingen, werden diese das alles schnell an sich selbst erleben. Das hochgelobte \u00bbGesetz f\u00fcr gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und M\u00e4nnern in F\u00fchrungspositionen\u00ab wird nur wenig \u00c4nderung bringen. Das Gebot, dass der Frauenanteil in Aufsichtsr\u00e4ten von b\u00f6rsennotierten und der parit\u00e4tischen Mitbestimmung unterliegenden Firmen mindestens 30 Prozent und nicht 50 Prozent betragen muss, lindert Besch\u00e4mendes und verfestigt es doch zugleich. Wollen wir hoffen, den Frauen, die es bis nach Deutschland schaffen, f\u00e4llt nie das Deutsche Universalw\u00f6rterbuch der DUDEN-Redaktion in die Hand. Dort gibt es in der neuesten Auflage von 2015, wie schon immer, unter dem Stichwort \u00bbschlafen\u00ab einen guten Rat f\u00fcr karrieres\u00fcchtige Frauen: \u00bb\u2026 um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, nacheinander mit verschiedenen Partnern koitieren \u2026 Sie hat sich schon durch die ganze Abteilung geschlafen.\u00ab Diese M\u00f6glichkeit geh\u00f6rt offensichtlich zu unseren Werten. Der Islam gestattet das nicht!<\/p>\n<p>(DISPUT, Dezember 2015)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine Angst liebe Leserin, lieber Leser. Ich werde Sie nicht mit Schopenhauer qu\u00e4len. Aber die \u00dcberschrift passt schon ganz gut, wenn wir zum Beispiel \u00fcber die Differenz zwischen dem realen \u00bbSein\u00ab von Werten in unserer \u00bbWertegemeinschaft\u00ab und dem eigentlichen \u00bbSollen\u00ab reden wollen. 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