{"id":928,"date":"2015-09-29T17:54:03","date_gmt":"2015-09-29T15:54:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=928"},"modified":"2015-09-30T13:34:02","modified_gmt":"2015-09-30T11:34:02","slug":"ein-geschwaetz-von-gestern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=928","title":{"rendered":"Ein Geschw\u00e4tz von gestern?"},"content":{"rendered":"<p>Niemand wird abstreiten, dass die Zahl der in Europa Zuflucht und Sicherheit suchenden Menschen sehr gro\u00df ist. Das kann nicht ohne Probleme abgehen. Auf diese wird sehr unterschiedlich reagiert. Zwischen dem \u201ewir schaffen das\u201c und dem \u201eGrenzen dicht\u201c oder dem \u201erefugees welcome\u201c und dem \u201edas Boot ist voll\u201c ist vieles m\u00f6glich &#8211; Mutiges und \u00c4ngstliches, Gutes und B\u00f6ses. Unter der \u00dcberschrift \u201eAuf dem Weg nach rechts\u201c lese ich: \u201eDie Bundesrepublik Deutschland driftet nach rechts ab. Nein, es sind nicht die in jeweils beherrschbaren Trupps vor Asylbewerberheimen ihren Frust mit Molotowcocktails und Steinen abreagierenden Jugendlichen, die &#8211; f\u00fcr sich betrachtet &#8211; eine solche Aussage  st\u00fctzen. Es ist die dahinter verborgene klammheimliche Zustimmung der ,braven\u2018 B\u00fcrger f\u00fcr den ungeb\u00e4ndigten Ausbruch von Ha\u00df und Gewalt.\u201c Die Situation ist brandgef\u00e4hrlich. In Ober\u00f6sterreich wurde unl\u00e4ngst zum Landtag gew\u00e4hlt. F\u00fcr 85% war die Problematik \u201eFl\u00fcchtlinge und Asyl\u201c das beherrschende Thema f\u00fcr die Wahl und gut 30% trauten ihre einschl\u00e4gigen \u00c4ngste der rechtspopulistischen und  offen nationalistischen FP\u00d6 an. Bei uns sucht die AfD auf der gleichen Welle ihr unseliges Gl\u00fcck.<br \/>\n\u201eWohnraum beschlagnahmt. Familie mu\u00df Asylanten aufnehmen\u201c oder \u201eAsylanten jetzt auf Schulh\u00f6fe. Neue Welle! Und bis Weihnachten kommen noch 400 000\u201c. Das waren Schlagzeilen von \u201eBild\u201c. Der Verdacht, den Fl\u00fcchtlingen ginge es zu gut, taucht immer wieder auf. \u201eWarum bringt man diese Leute nicht gleich in einem 5-Sterne-Hotel unter oder baut ihnen einen Bungalow\u201c, fragt eine Leserbriefschreiberin. Ein anderer meint, \u201eMein Gewissen gebietet es mir, zu dieser Asylpolitik nicht zu schweigen. Was antworte ich sp\u00e4ter, wenn meine Enkelkinder fragen, wie konntet ihr diese Asylpolitik zulassen und was habt ihr dagegen getan?\u201c Der Spiegel titelt: \u201eFl\u00fcchtlinge Aussiedler Asylanten Der Ansturm der Armen\u201c. Genug der Zitate. Sie sprechen eine deutliche Sprache. Diese ist nicht zu \u00fcberh\u00f6ren. Und die Worte werden oft zu \u201ematerieller Gewalt\u201c.<br \/>\nAch so, ich habe vergessen, die Herkunft der Zitate anzuzeigen. Das erste, mit der Warnung vor dem Abdriften der Bundesrepublik nach rechts stammt von Roderich Reifenrath und war in der \u201eFrankfurter Rundschau\u201c vom 7.9.1992 zu finden. Fr\u00fch gewarnt und nichts bewirkt, m\u00f6chte man jetzt sagen. Die beiden Bild-Schlagzeilen fanden sich in der zitierten Reihenfolge in den Ausgaben vom 8. 9.1992 und vom 1.9.1992. Die Leserbriefe waren abgedruckt in \u201eNeue Ruhr Zeitung\u201c vom 27.8.1992, und auch den Spiegel-Titel wird man bei Ausgaben dieser Tage vergebens suchen. Er ist vom 9.9.1991(!). Gefunden habe ich alles in: SchlagZeilen. DISS-Skripten Nr.5, Duisburg 1992.<br \/>\nMag sein, es kam bei dieser oder jenem eine Ahnung auf, schon wegen der alten Schreibung von \u201emu\u00df\u201c und &#8222;Ha\u00df&#8220;. Au\u00dferdem, Bild? Die promoten doch, \u201eWir helfen!\u201c. Nun, die Zitate sind Reaktionen auf Pogrome gegen Migrantenheime in Hoyerswerda, Rostock und anderswo. Sie klingen dennoch ziemlich aktuell. Und \u201eBild\u201c hat auch nicht immer geholfen. Erstaunlich dabei, dass schon dazumal die vorgeblich gro\u00dfe Zahl von Fl\u00fcchtlingen Angst machte. Im \u201evollen Boot\u201c, so drohte man, w\u00fcrde zwangsl\u00e4ufig eine Verdr\u00e4ngung der \u201eAlteingesessenen\u201c stattfinden. Die Armen der Welt wollen sich in einem \u201eAnsturm\u201c in unserem Wohlstand einnisten. Nationalistisch gen\u00e4hrte Egoismen feierten fr\u00f6hliche Urst\u00e4nd. So viele waren es aber doch damals gar nicht, bemerke ich jetzt irritiert; im Vergleich zu heute eine fast zu vernachl\u00e4ssigende Anzahl. Die prognostizierten 400 000 waren in dieser Zeit nie und nimmer zu erwarten. Was steckt also wirklich hinter der Panikmache? Es ist sehr viel weniger die Angst vor der Zahl als die Ablehnung der Fremden, die Ablehnung des Fremden. Eine zumindest unterschwellig, aber auch offen angenommene \u00dcberlegenheit, die uns vermeintlich Wohlstand gebracht hat, wird gewaltt\u00e4tig ausgespielt. Es kommen welche, die nicht hierher passen, denen das \u201eUnsere\u201c nicht zusteht. Das ist Rassismus &#8211; sagen wir es doch einfach laut und deutlich! Rassisten reicht schon der eine \u201eMohr\u201c, der spazieren geht vor dem Tor.<\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr Links, Oktober 2015, 29.09.2015)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niemand wird abstreiten, dass die Zahl der in Europa Zuflucht und Sicherheit suchenden Menschen sehr gro\u00df ist. Das kann nicht ohne Probleme abgehen. Auf diese wird sehr unterschiedlich reagiert. 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