{"id":918,"date":"2015-08-24T17:49:18","date_gmt":"2015-08-24T15:49:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=918"},"modified":"2015-08-24T17:50:31","modified_gmt":"2015-08-24T15:50:31","slug":"des-koenigs-seerosen-oder-wohin-der-teufel-scheisst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=918","title":{"rendered":"Des K\u00f6nigs Seerosen oder wohin der Teufel schei\u00dft."},"content":{"rendered":"<p>Es ist fast 25 Jahre her: Der \u201ekollektive Wirtschaftsfl\u00fcchtling DDR\u201c &#8211; \u201eArmutsfl\u00fcchtling\u201c w\u00e4re wohl etwas unangemessen &#8211; war durch die W\u00e4hrungsreform bereits seit einigen Wochen am Ziel seiner W\u00fcnsche angelangt. Jetzt sollte auch der \u201epolitische Fl\u00fcchtling\u201c integriert werden. Der Anschluss der DDR an die Bundesrepublik war beschlossen. Die Neugr\u00fcndung der L\u00e4nder auf ihrem Territorium war vorbereitet. Am 3. Oktober 1990 wurde alles unter Dach und Fach gebracht. Sachsen sollte zun\u00e4chst eine Zukunft als K\u00f6nigreich bekommen. Am 3. Oktober wussten wir das noch nicht. Aber als dann am 14. Oktober gew\u00e4hlt und gewiss war, dass mit der absoluten Mehrheit der CDU im S\u00e4chsischen Landtag Kurt Biedenkopf f\u00fcr das Amt des Ministerpr\u00e4sidenten bestimmt ist, nahmen die Dinge ihren Lauf: \u201eWer mich K\u00f6nig Kurt nennt, greift der Entwicklung etwas voraus\u201c. Das war die Quintessenz seiner Regierungserkl\u00e4rung. K\u00f6nig Kurt wollte ein B\u00fcrgerk\u00f6nig sein. Mit den habgierigen Wettinern hatte er nichts im Sinn. Milde wollte er sein, auf das Wohl des Volkes bedacht, Hand in Hand mit der Gattin. So war sein Plan: Es sollten erst Inseln des Wohlstandes entstehen, die dann ihren Wohlstand weitergeben, um ihn so f\u00fcr alle zu mehren. Er sprach von Seerosen, die auf dem glatten See zu pflanzen w\u00e4ren. Erst hier und da. Sie w\u00fcrden sich aber, wie Seerosen eben so sind, dann ausbreiten, den See immer mehr bedecken, ihn sch\u00f6ner machen, wiederum f\u00fcr alle. Rund um den See aber sollten Leuchtt\u00fcrme stehen, die uns in die Zukunft leuchten und zeigen, wo es lang geht zum allgemeinen Wohlstand. Das brauchte sich vor Helmut Kohls \u201ebl\u00fchenden Landschaften\u201c wahrlich nicht zu verstecken. Doch das \u201eSollen\u201c der Poesie ist das eine, das \u201eSein\u201c der Wirklichkeit immer noch das andere.<br \/>\nDie Sache lie\u00df sich zun\u00e4chst gar nicht so schlecht an. Mit dem Solidarit\u00e4tszuschlag auf die Einkommenssteuer, wollte man jede und jeden nach ihren und seinen Kr\u00e4ften am Pflanzen der Seerosen auf dem gesamtdeutschen See beteiligen. Die Mittel f\u00fcr den \u201eAufbau-Ost\u201c, die daraus resultierten, kamen freilich nur mehr Ausgew\u00e4hlten zugute. Den Kapitalismus im Osten ohne Kapital aus dem Osten aufzubauen, war ein schwierige Sache. F\u00f6rdermittel konnte nur bekommen, wer zuvor investiert hatte. Und solche kamen nun mal meist aus dem Westen. Am Weitergeben ihres Wohlstandes waren sie wenig interessiert, an der Rendite des investierten Kapitals umso mehr. Arbeitspl\u00e4tze mit gutem Einkommen waren so kaum entstanden. Der Billiglohn brachte mehr ein. Rentenpunkte mit geringerem Wert im Osten schonen immer noch bundesdeutsche Kassen.<br \/>\nDas Prinzip bleibt interessant. Nur, es gilt nicht mehr, und auch K\u00f6nig Kurt hat es bei IKEA verraten. Wer teilt denn heute noch oder gibt seinen Wohlstand weiter? Die Nettoverm\u00f6gen der privaten Haushalte erh\u00f6hten sich in Deutschland von 2003 bis 2013 gerade mal um 500 Euro. Das ergab eine Studie des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung. Ber\u00fccksichtigt man allerdings die Inflation in dieser Zeit, so hat jeder Haushalt de facto 15% seines Nettoverm\u00f6gens verloren, was im Durchschnitt 20.000 Euro entspricht. Im Durchschnitt! Nicht alle haben so viel verloren. Zum Beispiel die nicht, die nicht so viel hatten. Beneidenswert, m\u00f6chte man fast sagen. \u00dcber die Verm\u00f6gen der Superreichen ist angeblich nichts Genaues bekannt. Was der Volksmund aber l\u00e4ngst wei\u00df, der Teufel schei\u00dft immer auf den gr\u00f6\u00dften Haufen. Die Reichen werden immer reicher. Das ist nicht nur in Deutschland so, es gilt f\u00fcr die ganze Welt. Die Reichen der L\u00e4nder des Nordens holen sich auf Teufel komm raus von den Armen noch das Letzte, was aus diesen herauszupressen geht. Jedes Mittel, jeder Verb\u00fcndete kommt daf\u00fcr gelegen. Den Leuten zu Hause reden sie aber ein, dass sie mit ihnen teilen und deshalb ihren bescheidenen Wohlstand sichern. Die so \u201eBegl\u00fcckten\u201c spucken dann auf die betrogenen Armen, weil sie denken, diese wollten unberechtigte Teilhabe an ihrem kleinen Gl\u00fcck. Nein und nochmals nein! Alle Hilfe den Fl\u00fcchtlingen vor Krieg und Armut! Mit ihnen k\u00f6nnten wir des K\u00f6nigs Seerosen weltweit zum Gedeihen bringen. Des Teufels Haufen aber holen wir uns als D\u00fcnger f\u00fcr bl\u00fchende Landschaften!<\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr Links September 2015, 24.08.2015)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist fast 25 Jahre her: Der \u201ekollektive Wirtschaftsfl\u00fcchtling DDR\u201c &#8211; \u201eArmutsfl\u00fcchtling\u201c w\u00e4re wohl etwas unangemessen &#8211; war durch die W\u00e4hrungsreform bereits seit einigen Wochen am Ziel seiner W\u00fcnsche angelangt. Jetzt sollte auch der \u201epolitische Fl\u00fcchtling\u201c integriert werden. Der Anschluss der DDR an die Bundesrepublik war beschlossen. 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