{"id":914,"date":"2015-07-19T16:45:54","date_gmt":"2015-07-19T14:45:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=914"},"modified":"2015-07-19T16:45:54","modified_gmt":"2015-07-19T14:45:54","slug":"was-sich-haben-soll-das-kriegt-sich-auch-deutsches-sprichwort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=914","title":{"rendered":"Was sich haben soll, das kriegt sich auch (deutsches Sprichwort)"},"content":{"rendered":"<p>\u201eAlles flie\u00dft\u201c, wussten schon die alten Griechen und R\u00f6mer, \u201ees gibt nichts auf der Welt, das f\u00fcr immer so bleibt, wie es gerade ist\u201c, f\u00fchrten sie deshalb weiter aus! Warum sollte das eigentlich ausgerechnet f\u00fcr die Ehe nicht gelten? Konservative Politiker und Politikerinnen wollen uns in der aktuellen Debatte um die Zulassung der Ehe f\u00fcr gleichgeschlechtliche Partner\/innen genau das aber weismachen. Ihr Argument knallhart auf den Punkt gebracht: Ehe ist eine Fortpflanzungsgemeinschaft und die kann es nat\u00fcrlicher Weise nur zwischen Mann und Frau geben. Klingt wie Einsicht in die Notwendigkeit, ist aber gewollt oder ungewollt ein grobes Missverst\u00e4ndnis \u00fcber das Wesen der Ehe. Ja, der Ehe entsprangen \u00fcber die Jahrtausende und entspringen heute meist auch Kinder. So entstehen Familien. Sie waren und sind etwas anderes als Ehen. Wer das nicht glaubt, suche im Internet einmal nach Aphorismen, Sprichw\u00f6rtern und Zitaten zur Ehe. Zu kaum einer menschlichen Institution gibt es so viele \u00fcberlieferte Weisheiten wie zur Ehe. Aber man wird kaum etwas finden, was der Ehe das Kinderkriegen als ihren wesentlichen Zweck zuordnet. Nat\u00fcrlich stimmt es, dass hinter allen Weisheiten &#8211; sozusagen unausgesprochen &#8211; Ehe als die traditionelle Verbindung von Mann und Frau verstanden wird. Viel wichtiger ist aber, dass eben diese Verbindung immer als eine Verbindung dargestellt wird, in der sich zwei erwachsene Menschen zueinander bekennen und miteinander auskommen m\u00fcssen, im g\u00fcnstigen Fall auch miteinander und aneinander wachsen. \u201eDenke daran, dass eine gute Ehe von zwei Dingen abh\u00e4ngt: 1. den richtigen Menschen zu finden und 2. der richtige Mensch zu sein\u201c, ist zum Beispiel eine solche alte Einsicht. Friedrich Nietzsche, kein Freund der Ehe und deshalb mit einem umso verl\u00e4sslicheren Blick auf Ehen, meint: \u201eNicht nur fort sollst du dich pflanzen, sondern hinauf. Dazu helfe dir der Garten der Ehe\u201c.<br \/>\nEhe ist etwas sehr Intimes zwischen Menschen. Das ist anthropologischer Natur, ber\u00fchrt etwas allgemein Menschliches, tendenziell Unver\u00e4nderliches. Dass es immer nur zwei Menschen sind und dass diese verschiedenen Geschlechts sein sollen, ist ein kultureller Tatbestand, hat also Geschichte und ist ver\u00e4nderlich. \u201eEhe ist (nur) das \u00f6ffentliche Bekenntnis einer streng privaten Absicht\u201c. Auch so wird Ehe aphoristisch umschrieben. Es ist noch nicht lange her, da war die Dominanz des Mannes auch und nicht zuletzt im europ\u00e4ischen Verst\u00e4ndnis vom Institut der Ehe festgeschrieben. Der Mann war \u201eHaushaltsvorstand\u201c. Er hatte Macht \u00fcber die Frau, bestimmte den Wohnsitz, unterschrieb ihren Antrag f\u00fcr einen Reisepass und entschied \u00fcber ihre Berufst\u00e4tigkeit. Sp\u00e4ter war es immerhin schon die Person, die mehr zum gemeinsamen Einkommen beitrug. Heute wird auf solchen Quatsch gepfiffen. Selbst die \u201eeheliche Pflicht\u201c gibt es nicht mehr, wohl aber den Tatbestand der Vergewaltigung in der Ehe &#8211; alles flie\u00dft! Es \u00e4nderte sich nicht nur das Verh\u00e4ltnis von Mann und Frau in der Ehe. Es \u00e4nderte sich jetzt auch die kulturelle Festlegung auf Partner unterschiedlichen Geschlechts. Konservative im schlechten Wortsinn wehren sich dagegen, k\u00f6nnen Ver\u00e4nderung nicht denken und noch weniger aushalten. Wirklich Konservative sch\u00e4tzen die Ver\u00e4nderung, weil nur sie menschlichen Bed\u00fcrfnissen auf Dauer Rechnung tr\u00e4gt. Die Zulassung von Ehen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern ohne irgend eine Einschr\u00e4nkung steht also auf der Agenda unserer Entwicklung. Familien entstehen dann anders als nur durch Geschlechtsverkehr. Wenn Frau Kramp-Karrenbauer, die saarl\u00e4ndische Ministerpr\u00e4sidentin, bef\u00fcrchtet, es k\u00f6nnten irgendwann auch drei oder mehr heiraten wollen oder Verwandte &#8211; mag sein. Wir sind wieder bei Nietzsche und seiner Forderung an die Ehe, sich in ihr \u201ehinauf zu pflanzen\u201c &#8211; wer auch immer mit wem. Und um Frau Kramp-Karrenbauer einen richtigen Schreck einzujagen, \u00fcberlege ich, mich selbst zu heiraten, und wenn ich mich \u00fcberlebt habe, Hinterbliebenenrente zu kassieren.<\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr DISPUT, Juli 2015)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAlles flie\u00dft\u201c, wussten schon die alten Griechen und R\u00f6mer, \u201ees gibt nichts auf der Welt, das f\u00fcr immer so bleibt, wie es gerade ist\u201c, f\u00fchrten sie deshalb weiter aus! Warum sollte das eigentlich ausgerechnet f\u00fcr die Ehe nicht gelten? 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