{"id":901,"date":"2015-05-25T17:27:59","date_gmt":"2015-05-25T15:27:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=901"},"modified":"2015-05-25T17:51:04","modified_gmt":"2015-05-25T15:51:04","slug":"wie-christlich-ist-das-abendland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=901","title":{"rendered":"Wie christlich ist das Abendland?"},"content":{"rendered":"<p>Gegenfrage: Muss es denn \u00fcberhaupt christlich sein? Wenn man die Bezeichnung Abendland nur aus dem westlichen Sonnenuntergang herleitet und ihm das Morgenland einzig als die \u00f6stliche Gegend des Sonnenaufgangs gegen\u00fcberstellt, ist diese Frage leicht zu beantworten. Das Abendland muss nicht christlich sein! Morgenland und Abendland sind jedoch mehr &#8211; sie sind kulturelle Konzepte. Deshalb findet man in fast allen Ausf\u00fchrungen zum Abendland das Attribut \u201echristlich\u201c. Es ist nicht das einzige. Erg\u00e4nzt wird es verschiedentlich durch \u201egermanisch\u201c, \u201er\u00f6misch\u201c, \u201ej\u00fcdisch\u201c oder \u201echristlich-j\u00fcdisch\u201c. Als herausgehobene Charakteristik bleibt aber immer das \u201eChristliche\u201c dieses Abendlandes. Dadurch erscheint es so manchem und mancher offensichtlich kulturell \u00fcberlegen. Das treibt Leute um, sich auf der Grundlage eines sich selbst zugeschriebenen, wachsamen \u201eeurop\u00e4ischen Patriotismus\u201c gegen die angeblich drohende \u201eIslamisierung\u201c ihres Abendlandes zu wenden. Also bleiben wir bei der Frage des Titels!<br \/>\nDie Antwort werden wir nicht in Statistiken der Religionszugeh\u00f6rigkeit finden. Das christliche Abendland definiert sich nicht \u00fcber die verschiedenen christlichen Kirchen und die Anzahl der Gl\u00e4ubigen. Es verstehen sich seine Apologeten vielmehr als kulturelle Gemeinschaft, die durch Werte begr\u00fcndet ist, die dem Christentum und seinen Traditionen entspringen, unabh\u00e4ngig von Bekenntnissen und Glaube. Ich will jetzt nicht beckmesserisch fragen, ob ein gro\u00dfer Teil dieser Werte nicht allgemein-menschlich sind. Die Weltliches betreffenden Gebote der bekannten zehn j\u00fcdisch-christlichen findet man wohl in fast allen Kulturen und Bekenntnissen. Da geht es um den Respekt der Nachkommen vor den Vorfahren, um Schutz des Lebens vor Gewalt, um kontrollierte Sexualit\u00e4t, um Eigentum und Wahrheit. Sch\u00f6n w\u00e4re es, wenigstens das christliche Abendland h\u00e4tte sich daran gehalten. Es hat mit seinen Kriegen das T\u00f6tungsverbot oder das Verbot sich fremdes Eigentum anzueignen stets ignoriert. Man hat sich nicht nur fremden Besitz angeeignet, sondern auch fremde Menschen. Das ist sehr r\u00f6misch, aber wenig christlich. Es gab Zeiten, da \u00fcberquerten Schiffe von Afrika kommend die Weltmeere, mit menschlicher Ware in den Lader\u00e4umen, und die Fracht war willkommen als billigste und rechtlose Arbeitskraft. Menschenw\u00fcrde, jeder Mensch als Gottes Ebenbild, wie es das Christentum versteht, galt nichts. Noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts wurden afrikanische Familien in abendl\u00e4ndischen Zoos als Attraktion ausgestellt. Aber das gibt es heute alles nicht mehr &#8211; sagt man. Die klassische Sklaverei ist l\u00e4ngst abgeschafft. Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar, legen europ\u00e4ische Verfassungen fest. Vor dem Gesetz sind alle gleich, wie im Christentum vor Gott. Das alles sind Fortschritte.<br \/>\nIch bin kein Pastor, ich will hier keine Bibellehre veranstalten. Dennoch, es treibt auch mich ungl\u00e4ubigen, aber zwangsl\u00e4ufigen Abendl\u00e4nder etwas um: Das sind S\u00e4tze aus dem Evangelium von Matth\u00e4us; dort nachzulesen im Kapitel 25, Verse 31 &#8211; 46. Matth\u00e4us spricht vom Weltgericht, bei dem endg\u00fcltig die \u201eSchafe von den B\u00f6cken\u201c geschieden werden. Den Schafen wird der Himmel zu Besitz gegeben. Die B\u00f6cke aber fallen der ewigen Verderbnis anheim. Warum? Von den Schafen behauptet der richtende \u201eMenschensohn\u201c, sie h\u00e4tten ihm zu essen gegeben, als er hungrig war, zu trinken, als er durstig war, ihn aufgenommen, als er fremd und ohne Obdach war usw. Alles erdenklich Barmherzige war ihm, dem G\u00f6ttlichen durch die Schafe, durch die Gerechten zuteil geworden. Die wundern sich jedoch und erwidern, sie k\u00f6nnten sich nicht erinnern, den Menschensohn je so gut behandelt zu haben. Dieser r\u00e4umt das auch ein. Er selbst war nicht der Nutznie\u00dfer der Barmherzigkeit, aber sie h\u00e4tten andere so gut behandelt. Der Schl\u00fcsselsatz: \u201eWas ihr f\u00fcr einen meiner geringsten Br\u00fcder getan habt, das habt ihr mir getan.\u201c Die Antwort auf die Frage, wie dieses \u201echristliche Abendland\u201c mit den Hungrigen, Fremden, Nackten, Durstigen, Kranken, Gefangenen dieser Welt umgeht, ob es solche gar selbst zu verantworten hat oder nicht, ist die Antwort auf die Frage, wie christlich das Abendland denn nun wirklich ist.<\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr Links, Juni 2015, 19.05.2015)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegenfrage: Muss es denn \u00fcberhaupt christlich sein? Wenn man die Bezeichnung Abendland nur aus dem westlichen Sonnenuntergang herleitet und ihm das Morgenland einzig als die \u00f6stliche Gegend des Sonnenaufgangs gegen\u00fcberstellt, ist diese Frage leicht zu beantworten. Das Abendland muss nicht christlich sein! Morgenland und Abendland sind jedoch mehr &#8211; sie sind kulturelle Konzepte. 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