{"id":881,"date":"2015-04-07T09:03:44","date_gmt":"2015-04-07T07:03:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=881"},"modified":"2015-04-07T09:03:44","modified_gmt":"2015-04-07T07:03:44","slug":"aus-meinem-referat-zur-mitgliederversammlung-des-vereins-rosa-luxemburg-stiftung-sachsen-e-v-vom-28-03-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=881","title":{"rendered":"Aus meinem Referat zur Mitgliederversammlung des Vereins Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V. vom 28.03.2015"},"content":{"rendered":"<p>\u2026..<br \/>\nDie uns nahestehende Partei ist die LINKE. Damit, mit \u201elinks\u201c, sollte die inhaltliche Ausrichtung unserer Arbeit bestimmt sein, wenn auch in keiner Weise behindernd oder gar vorschreibend eingegrenzt. Es ist jedoch ganz sicher systematischer \u00dcberlegungen wert, was aktuell \u201elinks sein\u201c hei\u00dft und wie differenziert \u201elinks\u201c auftritt. Durchaus eine Aufgabe f\u00fcr uns. <\/p>\n<p>Mit der Festlegung auf \u201epolitische Bildung\u201c sind Ziele und Aufgaben nicht nur gegen\u00fcber der uns nahestehenden Partei, sondern gegen\u00fcber einem sehr viel breiterem Publikum, ja der Gesellschaft gesetzt. Beides &#8211; Partein\u00e4he und politischer Bildungsauftrag &#8211; zusammengebracht, verpflichtet uns meines Erachtens auf einen emanzipatorischen Bildungsanspruch und eine entsprechende Praxis &#8211; sowohl bei den Veranstaltungen als auch bei den Publikationen. <\/p>\n<p>Nach Bernd Wittich, den die meisten hier wohl kennen, geht es demnach in unserer Bildungsarbeit erstens um \u201edie Deblockierung des individuellen Zugangs zum jeder Person eigenen emanzipatorischen Potential\u201c (2012, S. 94 ) &#8211; es geht also um einen selbstreferentiellen Prozess &#8211; und zweitens geht es darum, in und durch emanzipatorische politische Bildung das \u201eHeraufkommen solidarischer Lebensweisen und solidarischer(er) gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse hier und heute\u201c (ebenda) zu bef\u00f6rdern &#8211; also um einen auf die Gesellschaft bezogenen Vorgang. Links ausgerichtete Emanzipation darf nach Bernd Wittich nicht in falsch verstandener Selbstverwirklichung in Selbstisolierung und De-Solidarisierung ankommen, sondern soll die Grundlage sein f\u00fcr Organisation, Vereinigung, Vernetzung, Kooperation in Verantwortung f\u00fcr die Gesellschaft.<\/p>\n<p>Es geht also in unserer Bildungsarbeit nicht um ein Angebot f\u00fcr triviales Abholen von Impulsen und Argumenten f\u00fcr mich und nur f\u00fcr mich. Nein, es muss die Stiftung der Ort sein, an dem ein Grund gelegt wird f\u00fcr Hineinwirken in die Gesellschaft. Sie muss ein Ort sein, an dem auch linke Handlungskompetenz und linke Handlungserm\u00e4chtigung in und gegen\u00fcber der Gesellschaft entwickelt wird. <\/p>\n<p>Ich meine, an dieser Stelle ist die N\u00e4he zur Partei genauso angesprochen wie die weitgehend stiftungsspezifische Aufgabenstellung. Ich will freilich nicht weiter theoretisieren, sondern vielmehr praktisch werden.<\/p>\n<p>Wir sind uns im Vorstand in unserer Klausur Ende September vorigen Jahres einig geworden, dass 25 Jahre Freistaat Sachsen, 25 Jahre S\u00e4chsischer Landtag und 25 Jahre linke Landtagsfraktionen einen Schwerpunkt inhaltlicher Arbeit und Zusammenarbeit bilden k\u00f6nnen, der uns weit \u00fcber Festveranstaltungen hinausf\u00fchren sollte. Nat\u00fcrlich wird es auch \u201eFestveranstaltungen\u201c geben, insbesondere in Zusammenarbeit mit der Landtagsfraktion. Es ist eine Art \u201eFestwoche\u201c f\u00fcr den Herbst mit verschiedenen Veranstaltungen an verschiedenen Orten geplant. Es werden \u201eFestschriften\u201c entstehen. Bilanz und Ausblick sind angesagt.<\/p>\n<p>Bilanz und Ausblick sind jedoch beileibe keine Vorlagen ausschlie\u00dflich f\u00fcr Feierstunden. Im Gegenteil, gerade jetzt werden sie zu Anspr\u00fcchen, geboren aus der aktuellen Situation. In der Partei steht dringlich eine Strategiedebatte an.<\/p>\n<p>Auf die Frage, warum gerade jetzt in der s\u00e4chsischen LINKE die Notwendigkeit einer Strategiedebatte erkannt wird, gibt es nur eine ehrliche Antwort: Sp\u00e4testens durch Pegida ist die schmerzliche Erkenntnis gereift, dass die Losung, \u201e25 Jahre CDU sind genug\u201c, nicht gewirkt hat, als sie von links kam. Sehr wohl aber sind diese 25 Jahre CDU pl\u00f6tzlich von rechts in Frage gestellt; nicht so sehr von rechten Parteien \u2013 obwohl man die AfD sehr ernst nehmen muss \u2013, sondern vor allem durch das Wirksam-Werden einer offensichtlich seit langem vollzogenen Bewegung weiter Teile der Gesellschaft nach rechts. Linke und die LINKE stehen dem weitgehend hilf- und ratlos gegen\u00fcber. Reflexartige Blockadeversuche auf der Stra\u00dfe sind sicher bitter n\u00f6tig und unverzichtbar, sie zeigen zugleich aber, dass wir uns in defensiven Positionen gegen\u00fcber fatalen Entwicklungen in der Gesellschaft befinden. Konnte man auf diese Art noch \u201eSiege\u201c gegen die NPD erringen, steht man pl\u00f6tzlich vor einem sehr viel komplexeren Problem. Ein immenser konzeptioneller, programmatischer, theoretischer, strategischer usw. R\u00fcckstand gegen\u00fcber den realen gesellschaftlichen Prozessen im Land wird \u00fcberdeutlich. Schuldzuweisungen w\u00fcrden jetzt am wenigsten weiterhelfen, ehrliche Analyse und mutiges Durchstarten sind angesagt.<\/p>\n<p>Das wird mit Schnellsch\u00fcssen und jeweils in Teilen der Partei wohlfeilen Sprechblasen nicht gehen. Es wird vielmehr ein langwieriger und schwieriger Prozess pluraler linker Selbstverst\u00e4ndigung, allerdings nicht, indem man permanent aktuellem Tagesgeschehen hinterher hechelt, sondern indem man Aktualit\u00e4t in Grundsatzfragen aufsp\u00fcrt und bearbeitet. Partei, Fraktion und Stiftung k\u00f6nnten hierbei nicht nur unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen, sie m\u00fcssen es &#8211; sie m\u00fcssen es! <\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig sind wir &#8211; so meine ich &#8211; zu weit auseinander: Strategische Probleme, die die Partei und ihre Landtagsfraktion ber\u00fchren, sind kaum konzeptbildend f\u00fcr unsere Arbeit in der Stiftung. Es gibt zu wenig Kooperation. Das f\u00fchrt andererseits zu ineffektiven Parallelit\u00e4ten und \u00dcberschneidungen bei der inhaltlichen Arbeit der drei Gremien. Wir nehmen uns gegenseitig zu wenig wahr und zu wenig ernst. Wir beziehen uns zu wenig aufeinander und wir beziehen uns bei inhaltlicher Arbeit zu wenig gegenseitig ein. So vergeuden wir Ressourcen.<\/p>\n<p>Da braucht niemand mit dem leidigen \u201eAbstandsgebot\u201c f\u00fcr parteinahe politische Stiftungen kommen. Das gilt nat\u00fcrlich f\u00fcr die Finanzen. Das gilt f\u00fcr klare Trennung der Verantwortlichkeiten bei Veranstaltungen. Das gilt f\u00fcr Wahlk\u00e4mpfe, in die Stiftungen nicht direkt eingreifen d\u00fcrfen. Es gilt aber doch nicht f\u00fcr abgestimmte inhaltliche Arbeit und f\u00fcr gegenseitige Partizipation.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier mal nicht ganz nebenbei daran erinnern, dass uns der Erfolg der LINKE bei Wahlen nicht einerlei sein kann. Unsere finanziellen M\u00f6glichkeiten h\u00e4ngen wesentlich vom Wahlerfolg der uns nahestehenden Partei ab. Also m\u00fcssen wir uns auch ernsthaft fragen, wie wir zu diesem beitragen k\u00f6nnen. Und ich scheue mich nicht zu sagen, dass die von uns zu recht gesch\u00e4tzten &#8211; sagen wir es ruhig &#8211; sch\u00f6ngeistigen und akademischen M\u00f6glichkeiten in der Stiftung nur so lange gesichert sind, als die Partei uns mit politischem Erfolg bei Wahlen materielle Sicherheit gibt. Partei und Fraktion sei aber gesagt, dass bei uns nicht zuletzt auch mit solchen Veranstaltungen wesentliche Ressourcen f\u00fcr das Hineinwirken in die Gesellschaft \u00fcber eng verstandene Parteiarbeit hinaus vorhanden sind und genutzt werden sollten.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen Partei und Fraktion die eigentliche Strategie- und Programmdebatte nicht abnehmen. Sehr wohl k\u00f6nnen wir jedoch unseren Beitrag leisten, um die Kompetenzen der Akteurinnen und Akteure in linker politischer Kommunikation zu st\u00e4rken. <\/p>\n<p>25 Jahre Freistaat Sachsen, 25 Jahre S\u00e4chsischerLandtag, 25 Jahre Linke Fraktionen im Landtag setzen uns heute Themen in dialektischer Einheit von Aktualit\u00e4t und Grunds\u00e4tzlichkeit. Ich versuche eine Auswahl anzudeuten:<\/p>\n<p>Wie erkl\u00e4ren wir den eindeutigen Ruck gesellschaftlichen Protestes nach rechts und wie kommen wir dem langfristig bei, wie kehren wir diesen Zustand m\u00f6glichst wieder um?<\/p>\n<p>Man kann der LINKE nicht vorwerfen, die Augen vor den gesellschaftlichen Missst\u00e4nden und Fehlentwicklungen seit 25 Jahren verschlossen zu haben. Sie wurden deutlich benannt und in der politischen Kommunikation immer wieder und unverbl\u00fcmt angekreidet. Und diese Missst\u00e4nde und Fehlentwicklungen sind wahrlich nicht unerheblich. Man muss sie hier nicht alle aufz\u00e4hlen, aber dass Sachsen beileibe nicht das Musterl\u00e4ndle ist, als das es immer weder hingestellt wird, ist evident. Na und? Dennoch konnte die CDU, die dies alles haupts\u00e4chlich zu verantworten hat, ihre politische und auch kulturelle Hegemonie ohne wesentliche Einbr\u00fcche bis dato aufrechterhalten. Die SPD hat daran nichts ge\u00e4ndert und wollte auch nicht, weil ihr die Krumen vom Tisch der CDU allemal wichtiger sind als kompromissloses Gegenhalten. Im parlamentarischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis hat das freilich nur eine Konsequenz gehabt: die PDS bzw. LINKE hat die SPD und auch die Gr\u00fcnen nachhaltig \u00fcberholt. Z\u00e4hlt man aber SPD und Gr\u00fcne mit zu einem \u201elinken Lager\u201c, so hat sich die St\u00e4rke bzw. Schw\u00e4che dieses linken Lagers seit 1990 nicht wesentlich ver\u00e4ndert. In Summe kommen diese drei Parteien immer wieder auf etwa ein Drittel Stimmenanteil bei Landtagswahlen. <\/p>\n<p>Allerdings verlieren sie durch die wachsende Anzahl von Nichtw\u00e4hlerinnen und -w\u00e4hlern zugleich genauso absolut an Stimmen wie die CDU. Diese Feststellung ist nicht unwichtig, denn sie ist Indiz daf\u00fcr, dass eine wachsende Zahl von Menschen auch Parteien wie die LINKE zum politischen Establishment z\u00e4hlt, von ihnen keine wirklichen Ver\u00e4nderungen erwartet, ihnen nichts zutraut. Das kritische Potential verlor sich mehr und mehr im Lager der WahlverweigerInnen. <\/p>\n<p>Warum ist das so? Was tun? Das sind keine politischen Tagesfragen! Es sind Grundsatzfragen bez\u00fcglich politischer Strategie und ihrer Kommunikation. Welche und wessen Sprache sprechen wir eigentlich? Von wem wollen wir verstanden werden und wer versteht uns tats\u00e4chlich, oder auch nicht? Es gibt parteiferne Schichten und Gruppen, die nicht naturgem\u00e4\u00df rechts sein m\u00fcssen. Wie weit sind wir Linken aber bestimmten Schichten und Gruppen fern und warum?  Wurden die Partei und ihr enges soziales Umfeld vielleicht zu einem Milieu der Selbstgef\u00e4lligkeit und damit de facto der Selbstgen\u00fcgsamkeit?  <\/p>\n<p>und das kn\u00fcpft daran an: Es reicht offensichtlich das nicht aus, was wir bisher in Verantwortung gezeigt haben, um uns als sozialistische Alternative zu profilieren &#8211; nicht in den Kommunen und nicht in den L\u00e4ndern Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg. Wie es aktuell in Th\u00fcringen ausgehen wird, wissen wir noch nicht. Nun ist es nie leicht zu entscheiden, ob man in (!) eine Regierung eintritt oder auf (!) eine Regierung eintritt. Zweiteres ist sicher leichter und erscheint meist attraktiver. <\/p>\n<p>Um bestimmte Fragen in die Gesellschaft hineinzutragen und konsequent so lange auf der Agenda zu halten, bis sie gel\u00f6st werden &#8211; wohlgemerkt jedoch dann von anderen  gel\u00f6st werden &#8211; braucht es offensichtlich keine parlamentarischen Mehrheiten, auch wenn oder gerade weil die Anspr\u00fcche, die hinter diesen Fragen stehen, in der Gesellschaft Mehrheiten haben. <\/p>\n<p>M\u00f6glichkeiten und Grenzen des Parlamentarismus sind damit f\u00fcr uns schlaglichtartig aufgezeigt. Unser Alleinstellungsmerkmal gesellschaftsver\u00e4ndernder Anspr\u00fcche &#8211; auch system\u00fcberschreitender &#8211; also unsere Vorstellungen von einer solidarischen, humanen, friedlichen, ausbeutungsfreien, durch und durch demokratischen Gesellschaft m\u00fcssen deshalb deutlicher werden.<\/p>\n<p>Karl Marx schrieb 1843 an Arnold Ruge:  \u201eUnser Wahlspruch muss also sein: Reform des Bewu\u00dftseins nicht durch Dogmen, sondern durch Analysierung des mystischen, sich selbst unklaren Bewu\u00dftseins, trete es nun religi\u00f6s oder politisch auf. Es wird sich dann zeigen, da\u00df die Welt l\u00e4ngst den Traum von einer Sache besitzt, von der sie nur das Bewu\u00dftsein besitzen mu\u00df, um sie wirklich zu besitzen\u201c<\/p>\n<p>\u201eAnalysierung des mystischen, sich selbst unklaren Bewusstseins\u201c, des \u201eTraums\u201c, den die Welt l\u00e4ngst besitzt &#8211; das ist doch eine Aufgabe f\u00fcr unsere Stiftung. Mit unserer Konferenz zum \u201eSachsenmythos\u201c haben wir einen Anfang versucht. Der Besuch war kl\u00e4glich. <\/p>\n<p>Die Frage des Verh\u00e4ltnisses von Gesellschaftskritik, Utopie und Sozialismus kann, ja muss offensichtlich wieder zur Debatte gestellt werden. <\/p>\n<p>Wir haben renommierte Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in unseren Reihen. Wie w\u00e4re es mit einer Veranstaltung oder besser Veranstaltungsreihe zu literarischen Utopien und Sozialismus? Wie w\u00e4re es mit einer einschl\u00e4gigen Publikation? Historiker, Philosophen, \u00d6konomen, Soziologen usw., ob m\u00e4nnlich oder weiblich, sind dabei nicht ausgeschlossen, sondern ausdr\u00fccklich mit eingeladen. Es gibt nicht nur Thomas Morus\u2018 \u201eUtopia\u201c, oder Johann Gottfried Schnabels \u201eInsel Felsenburg\u201c. Vor allem gibt es auch warnende Utopien wie George Orwells \u201c1984\u201c oder \u201eDie Farm der Tiere\u201c oder Aldous Huxleys \u201eBrave New World\u201c. Wieso verorten sich Utopien so oft in abgeschlossenen, \u201est\u00f6rfreien\u201c R\u00e4umen, auf Inseln &#8211; und wie war das mit der DDR? <\/p>\n<p>steht die Frage nach Krieg und Frieden in bedr\u00fcckender Aktualit\u00e4t wieder vor uns. Merkw\u00fcrdiger Weise hatten wir Linken im Jugoslawienkrieg noch sehr feste Vorstellungen und Einsch\u00e4tzungen, sehr nahe oder identisch einem grunds\u00e4tzlichen Ausschluss von Krieg aus dem Leben der V\u00f6lker. Weniger im Vordergrund standen Fragen nach der geopolitischen Dimension der Zerst\u00f6rung des blockfreien Jugoslawiens, der Hauptkraft der Bewegung der blockfreien Staaten. F\u00fcr Serbien wurde meist deshalb Partei ergriffen, weil es gegen\u00fcber der NATO der eindeutig Schw\u00e4chere war und seine Menschen im Widerstand gegen die NATO-Bomber zu tragischen Opfern wurden. Die innerjugoslawischen zwischenethnischen Konflikte erregten meist nur Expertinnen und Experten. <\/p>\n<p>Heute sieht das anders aus. Wir debattieren beim Ukraine-Konflikt unter Linken sehr viel weniger grunds\u00e4tzlich die Frage von Krieg und Frieden, sondern es dominieren unterschiedliche Parteinahmen die Auseinandersetzungen &#8211; in der Gesellschaft und auch unter Linken. <\/p>\n<p>Nun kann man ja trefflich \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von NATO und Russland streiten, um das Selbstbestimmungsrecht von Staaten und V\u00f6lkergruppen, um geostrategische Gegebenheiten, aber steht nicht eigentlich die Friedensfrage sehr viel akuter auf der Tagesordnung denn seit langem. Ein bewaffneter Konflikt mit Russland wird lokal nicht zu begrenzen sein und k\u00f6nnte sich leicht zu einem Welt- und Atomkrieg ausweiten. Es gibt keine Alternative zum Frieden. Wie kommen wir aber hin zum allein akzeptablen Ziel: dem Frieden? Pazifismus, gerechte Kriege versus ungerechte Kriege, Befreiungsk\u00e4mpfe versus Imperialismus, Petting statt Pershing, Annexion und Sezession im Lichte des V\u00f6lkerrechts &#8230;? Authentisch linker Widerstand gegen Krieg oder Querfront? Fragen \u00fcber Fragen &#8211; unsere Stiftung ist gefragt! <\/p>\n<p>K\u00fcmmern wir uns um die realen Widerspr\u00fcche, die hinter solchen Fragen stehen? Das gilt auch f\u00fcr<\/p>\n<p>Was sind legitime Formen gesellschaftlichen, zivilen Widerstandes? Gibt es Legitimit\u00e4t von unmittelbarer widerst\u00e4ndischer Gewalt? Antworten darauf braucht es doch nicht erst seit dem 18. M\u00e4rz in Frankfurt am Main. Was ist Aufruhr, was Revolution? B\u00fcchners \u201eFriede den H\u00fctten! Krieg den Pal\u00e4sten!\u201c oder Marxens und Engels\u2018 \u201eProletarier aller L\u00e4nder vereinigt euch!\u201c oder was sonst f\u00fchrt zur Ver\u00e4nderung der Gesellschaft im Sinne einer sozialistischen Partei? Was ist Oberfl\u00e4chenstruktur und was ist Tiefenstruktur gesellschaftlicher Widerspr\u00fcche und Konflikte? Wie k\u00f6nnen\/m\u00fcssen Weg und Ziel in \u00dcbereinstimmung gebracht werden? An welchen Aktionen kann\/muss man sich beteiligen? Welche B\u00fcndnisse gehen wir ein?<\/p>\n<p>Ich lasse es bei diesen Beispielen bewenden. Ich wollte mit ihnen auch nicht sagen, dass wir uns nicht mit diesen Problemen besch\u00e4ftigten. Ich meine aber, dass wir das noch zu punktuell tun und in eingefahrenen und einge\u00fcbten Bahnen. Hie Vortragende oder Vortragender, da wissbegieriges Publikum, das hinterfragt und am Ende belehrt und zufrieden nach Hause geht. <\/p>\n<p>Das ist wundersch\u00f6n, aber beileibe nicht alles, was wir k\u00f6nnen und uns zutrauen sollten. Wir sollten auch unsere eigenen M\u00f6glichkeiten und Kompetenzen sammeln, mit Wirkung an die Oberfl\u00e4che heben und systematisch konzentrieren &#8211; man kann auch sagen, wieder sammeln, an die Oberfl\u00e4che heben und konzentrieren. Die inhaltlichen Arbeitskreise in Leipzig haben ja  zum Teil solches geleistet. Allerdings versiegen die sie konstituierenden und permanent aktivierenden Kr\u00e4fte immer mehr. <\/p>\n<p>Es waren die alten Hochschulkader, die einst in einem Akt der Selbstbefreiung den Abwicklungen mit der Gr\u00fcndung der Stiftung eine sch\u00f6pferische Alternative entgegensetzten und ihre Arbeit fortsetzten. Sie bef\u00f6rderten ganz neue M\u00f6glichkeiten selbstbestimmten Handelns. Dieses Fundament tr\u00e4gt immer noch viel. Es wird dennoch aus nat\u00fcrlichen Gr\u00fcnden zunehmend schw\u00e4cher. Dauerhafte Stabilit\u00e4t k\u00f6nnen wir uns jedoch jetzt und f\u00fcr die Zukunft erhalten durch selbst produzierten gesellschaftlichen Gebrauchswert, durch ein selbstbewusstes, autonomes, unseren spezifischen Anspr\u00fcchen und M\u00f6glichkeiten angemessenes Eintreten in die Debatten um die St\u00e4rkung des &#8211; jawohl, \u201edes\u201c &#8211; Linken in der Gesellschaft &#8211;  abgestimmt im Spannungsfeld der Triade Landesverband DIE LINKE, Landtagsfraktion die LINKE und unserem Verein Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V.<\/p>\n<p>Machen wir uns interessant, denn wir haben Interessantes zu bieten! Machen wir uns unverzichtbar, denn wir sind unverzichtbar!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026.. Die uns nahestehende Partei ist die LINKE. Damit, mit \u201elinks\u201c, sollte die inhaltliche Ausrichtung unserer Arbeit bestimmt sein, wenn auch in keiner Weise behindernd oder gar vorschreibend eingegrenzt. 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