{"id":879,"date":"2015-03-20T18:05:43","date_gmt":"2015-03-20T16:05:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=879"},"modified":"2015-03-20T18:05:43","modified_gmt":"2015-03-20T16:05:43","slug":"frankfurt-am-main-18-maerz-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=879","title":{"rendered":"Frankfurt am Main, 18. M\u00e4rz 2015"},"content":{"rendered":"<p>Im Internet finde ich bei t-online.de ein Video mit dem Titel \u201eAutos und Barrikaden brannten\u201c. Sie brannten in Frankfurt am Main. Anlass war die Er\u00f6ffnung des neuen Hauptquartiers der EZB, das mehr als eine Milliarde Euro gekostet hat. Demonstriert sollte werden. Ein internationales B\u00fcndnis von Parteien, Gewerkschaften, Initiativen unter F\u00fchrung von Blockupy hatte dazu aufgerufen. Friedlich und bunt sollte es werden. Das ging schon fr\u00fch am Tage in gewaltsamem Aufruhr unter. Genossinnen und Genossen, die ich sch\u00e4tze, wenden sich bei facebook gegen sinnlose Gewalt. Ich dr\u00fccke den Knopf f\u00fcr \u201eGef\u00e4llt mir\u201c. Die online-Ausgabe der \u00f6sterreichischen Kronenzeitung titelt: \u201eVerletzte, Verw\u00fcstung, Festnahmen. EZB-Prunkbau er\u00f6ffnet: Protestwelle in Frankfurt am Main\u201c. Ein Leser kommentiert: \u201eblickt man in der menschheitsgeschichte zur\u00fcck, so gab es immer revolutionen, kriege und blutvergie\u00dfen, wenn die schere zwischen arm und reich zu gro\u00df wird &#8230; die breite masse l\u00e4\u00dft sich lange viel gefallen, aber irgendwann l\u00e4uft das fa\u00df \u00fcber und dann &#8230;\u201c Mir f\u00e4llt ein, das war in Frankfurt am Main schon \u00f6fter der Fall. Man kann wahrscheinlich gar nicht aufz\u00e4hlen, wie oft. So war das z. B. auch am 3. April 1833. Etwa hundert Angreifer versuchten die Frankfurter Hauptwache der Polizei und die Konstablerwache zu st\u00fcrmen. Es sollte der Auftakt zur Revolution in ganz Deutschland werden. Es blieb ein kurzer Aufruhr, blutig niedergeschlagen.<br \/>\nIm Jahre 1833, da war ein Mann namens Georg B\u00fcchner gerade 20 Jahre alt, f\u00fcnf Jahre \u00e4lter als Karl Marx. Dieser B\u00fcchner verfasste und verbreitete ein Jahr sp\u00e4ter ein Flugblatt unter dem Titel \u201eDer Hessische Landbote\u201c. Statistisch wurde bewiesen, wie die hessische Landbev\u00f6lkerung vom Adel ausgebeutet und unterdr\u00fcckt wird. Der Text gipfelte im Aufruf \u201eFriede den H\u00fctten! Krieg den Pal\u00e4sten!\u201c Der Autor sollte verhaftet werden, wurde steckbrieflich gesucht und konnte schlie\u00dflich aufgrund auch der Verbindungen seines Vaters nach Stra\u00dfburg entkommen. Sein Compagnon Weidig wurde eingesperrt, gefoltert und starb schlie\u00dflich, wie offiziell gemeldet wurde, durch Selbstmord, an den kaum jemand glaubte. Der \u201eKrieg den Pal\u00e4sten\u201c, er war f\u00fcr damals gescheitert. Hundert Jahre sp\u00e4ter wird vielmehr und ebenda ein Prunkbau des Kapitals er\u00f6ffnet. War deshalb aktuelle Gewalt, an deren grunds\u00e4tzlicher Kritik ich mich \u00f6ffentlich beteiligt habe, nicht doch ein Akt verst\u00e4ndlichen, ja folgerichtigen Widerstandes in den Traditionen der Stadt?<br \/>\nDie Traditionen der Stadt m\u00f6gen passen. Aber, \u201ecui bono?\u201c Wem n\u00fctzt es? Wo ist der Erfolg im Krieg gegen die Pal\u00e4ste und noch mehr f\u00fcr den Frieden der H\u00fctten? Mag sein, es war wieder einmal ein Fass \u00fcbergelaufen, weshalb dem Leser der Kronen-Zeitung auch alles folgerichtig erscheint. Die Polizei war darauf vorbereitet. Das Ende war also auch absehbar \u2013 der neue Palast steht. Die H\u00fctten haben das Nachsehen. Dem bunten, friedlichen Protest gegen den Prunkbau und seine \u201eBewohner\u201c waren \u00f6ffentliche Sympathie und Aufmerksamkeit entzogen. Aufruhr ist nicht Revolution. Das h\u00e4tten die Frankfurter sp\u00e4testens seit 1833 wissen k\u00f6nnen. 1847\/48 verfassten Karl Marx und Friedrich Engels das \u201eManifest der Kommunistischen Partei\u201c. Sie sprachen nicht nur das Elend der Massen an, sondern analysierten den Kapitalismus in seinem inneren Zusammenhalt und seinen inneren Widerspr\u00fcchen, die seine \u00dcberwindung m\u00f6glich machen k\u00f6nnten. Damit waren sie weiter als B\u00fcchner, wenn vielleicht auch schwieriger zu verstehen. Das Kapital wei\u00df l\u00e4ngst, dass es an seinen selbst produzierten Widerspr\u00fcchen zugrunde gehen k\u00f6nnte. Es verh\u00e4lt sich deshalb klug, wo es sein muss, brutal, wenn es anders nicht geht, skrupellos in jedem Fall. Geschmacklos bleibt es immer. Das einschl\u00e4gige Video zum 18. M\u00e4rz 2015 bei t-online beginnt mit einer \u201ekurzen Werbung\u201c. Im Wechsel bietet man uns ein unkompliziertes online-banking, weil ohne TAN, oder einen schnelleren Zugang zum Netz. Beides macht uns jeweils \u2013 oh Freude \u2013 mobil, auch wenn wir zu Hause bleiben. Ist auch besser so, denn drau\u00dfen brennen, wie in der Folge zu sehen, die Autos. Herrn Draghi sei aber gesagt: Auch wenn er eine \u201eEinweihung ohne Pomp\u201c versuchte, der Palast wird dadurch nicht zur H\u00fctte. Das bleibt weithin sichtbar!<\/p>\n<p>(geschrieben f\u00fcr Links, April 2015, 18.03.2015)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Internet finde ich bei t-online.de ein Video mit dem Titel \u201eAutos und Barrikaden brannten\u201c. Sie brannten in Frankfurt am Main. Anlass war die Er\u00f6ffnung des neuen Hauptquartiers der EZB, das mehr als eine Milliarde Euro gekostet hat. Demonstriert sollte werden. Ein internationales B\u00fcndnis von Parteien, Gewerkschaften, Initiativen unter F\u00fchrung von Blockupy hatte dazu aufgerufen. 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