{"id":841,"date":"2014-10-05T19:36:41","date_gmt":"2014-10-05T17:36:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=841"},"modified":"2014-10-05T19:36:41","modified_gmt":"2014-10-05T17:36:41","slug":"der-worte-sind-genug-gewechselt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=841","title":{"rendered":"&#8222;Der Worte sind genug gewechselt \u2026&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>\u201e&#8230; lasst mich auch endlich Taten sehen.\u201c So beendet der Schauspieldirektor im \u201eVorspiel auf dem Theater\u201c den Streit mit dem Dichter. \u201eWas heute nicht geschieht, ist morgen nicht getan, und keinen Tag soll man verpassen &#8230; Das M\u00f6gliche soll der Entschluss beherzt sogleich beim Schopfe fassen.\u201c Das bringt bei Goethe Faust auf die B\u00fchne. Der fordert die Welt heraus, indem er sich mit dem Teufel verb\u00fcndet und seine Seele doch rettet, in der Gewissheit, einst \u201emit freiem Volk auf freiem Grund zu stehen.\u201c<br \/>\nVielleicht ist der Vergleich mit Faust zu hoch gegriffen, aber die Gedanken kamen mir dieser Tage. Bodo Ramelow! Mit wem l\u00e4sst er sich ein, was will er erreichen und kann es klappen? Es geht eigentlich nur um ein Wort. Leserinnen und Leser, Genossinnen und Genossen m\u00f6gen dem Germanisten verzeihen, wieder f\u00e4llt mir Faust ein: \u201eIm Anfang war das  W o r t ! Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort? Ich kann das  W o r t so hoch unm\u00f6glich sch\u00e4tzen &#8230; Im Anfang war der  S i n n &#8230; Ist es der  S i n n, der alles wirkt und schafft? Es sollte stehn: Im Anfang war die  K r a f t ! Doch auch indem ich dieses niederschreibe, Schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe. &#8230; Auf einmal seh ich Rat. &#8230; Im Anfang war die  T a t .\u201c Das Wort ist heute \u201eUnrechtsstaat\u201c. Der Sinn ist umstritten. Das nimmt die Kraft und hemmt die Tat.<br \/>\nEs liegt am Wort! Was hat es damit f\u00fcr eine Bewandtnis? Was benennt es? Offensichtlich die Situation in der DDR als Ganzes. Daf\u00fcr ist es aber ziemlich jung. In keinem der renommierten Deutschen W\u00f6rterb\u00fccher findet man es; auch nicht in den neuesten Auflagen. Einzig das \u201eDUDEN &#8211; Deutsches Universalw\u00f6rterbuch\u201c verzeichnet das Wort zumindest seit der 4. Auflage 2001 und in allen danach. Dort wird es  platziert als Gegenwort zu \u201eRechtsstaat\u201c und definiert als \u201eStaat, in dem sich die Machthaber willk\u00fcrlich \u00fcber das Recht hinwegsetzen, in dem die B\u00fcrger staatlichen \u00dcbergriffen schutzlos preisgegeben sind.\u201c Solches soll f\u00fcr die DDR gelten. Dann allerdings erfasst das Wort \u201eUnrechtsregime\u201c sehr viel besser die Verh\u00e4ltnisse. Seine Bedeutung wird im gleichen W\u00f6rterbuch mit \u201eRegime, das sich willk\u00fcrlich \u00fcber das Recht hinwegsetzt, unter dem die B\u00fcrger staatlichen \u00dcbergriffen schutzlos preisgegeben sind\u201c, festgelegt. Nun gut, kann man sagen, das eine war das Regime und das andere der Staat, in dem das Regime bis in seine letzten Ver\u00e4stelungen herrschte. F\u00fcr die von Unrecht Betroffenen war dies einerlei. Ganz so einfach sollte man es sich aber nicht machen, denn der Staat DDR hatte ein Rechtssystem. Dieses unterschied sich von dem der Bundesrepublik, war jedoch vorhanden und anwendbar. Spitzfindigkeit, Wortklauberei und Haarspalterei m\u00f6chte ich jetzt nicht weiter betreiben. Das Land hatte n\u00e4mlich auch viele Menschen, die sich ehrlich um sein Wohlergehen, seine Entwicklung und seine Erst- und Einmaligkeit als Sozialismusversuch engagierten. Die trifft das Wort \u201eUnrechtsregime\u201c in ihrer Ehre nicht. Bei \u201eUnrechtsstaat\u201c scheint das offensichtlich anders zu sein. Vielleicht ist es Absicht einiger, denen man nicht zu viel Bedeutung beimessen sollte. Vielleicht ist es aber auch nur Ungenauigkeit. Sei\u2018s drum! Es ist passiert. Ich gebe daher die Situation zu bedenken, in der das Wort verwendet wird. Es mussten ich und mit mir viele andere auch schon weit Schlimmeres an \u00fcbler Nachrede ertragen als dieses Doofwort. Meinen Stolz und mein Wissen um meine Biographie konnte mir damit niemand nehmen. Jetzt geht es aber um etwas anderes: Wenn dieses Wort in der Pr\u00e4ambel eines Koalitionsvertrages sichert, dass auch nur ein Lebensweg k\u00fcnftig lebenswerter wird, dann sollten wir es ertragen. Es geht nicht um unseren Stolz, sondern um die k\u00fcnftige Lebensqualit\u00e4t von sehr, sehr vielen Menschen. Ich komme deshalb zur\u00fcck zu Faust. \u201e&#8230;rase drau\u00dfen Flut bis auf zum Rand &#8230; Gemeindrang eilt, die L\u00fccke zu verschlie\u00dfen. Ja, diesem Sinne bin ich ganz ergeben.\u201c Man kann auch sagen: Der Partei DIE LINKE in Th\u00fcringen hat man ihr Wort geglaubt und ihr die Kraft gegeben zur Tat, die Zukunft zu gestalten. Da ist Solidarit\u00e4t gefragt. Es geht um die Karawane und nicht um jedes Gebell, das sie begleitet. Darin liegt der Sinn! <\/p>\n<p>(geschrieben f\u00fcr LINKS Oktober 2014, 04.10.2014)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e&#8230; lasst mich auch endlich Taten sehen.\u201c So beendet der Schauspieldirektor im \u201eVorspiel auf dem Theater\u201c den Streit mit dem Dichter. \u201eWas heute nicht geschieht, ist morgen nicht getan, und keinen Tag soll man verpassen &#8230; Das M\u00f6gliche soll der Entschluss beherzt sogleich beim Schopfe fassen.\u201c Das bringt bei Goethe Faust auf die B\u00fchne. 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