{"id":839,"date":"2014-09-24T21:06:32","date_gmt":"2014-09-24T19:06:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=839"},"modified":"2014-09-24T21:06:32","modified_gmt":"2014-09-24T19:06:32","slug":"spiel-mir-das-lied-vom-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=839","title":{"rendered":"Spiel mir das Lied vom Tod!"},"content":{"rendered":"<p>Lassen wir einmal den allseits bekannten Film weg. Da geht es um Geld und sp\u00e4te Rache im Wilden Westen. Das soll nicht unsere Welt sein. Fragen wir aber, welches Lied das sein kann, das Lied vom Tod, kommen wir zu sehr verschiedenen Antworten. Es ist nicht immer ein trauriges Lied vom Abschied ohne Wiederkehr. Es ist nicht selten ein tr\u00f6stliches Lied vom ewigen Leben. Daf\u00fcr muss man freilich glauben. Es ist aber auch ein Lied, das Menschen erst in den Tod treibt. In allen Armeen dieser Welt werden solche Lieder gesungen und nicht nur dort. \u201eDie Trommel ruft zum Kampfe\u201c. Der Takt der Marschmusik treibt Soldaten voran ins Feld und in den Tod, den vorgeblichen Heldentod. \u201eSoldatengrab ein Ehrengrab, kein bess\u2018res in der Welt\u201c, ist dann der Abgesang, \u201eIch hatt\u2018 einen Kameraden\u201c, wird zur letzten wehm\u00fctigen Feststellung.<br \/>\nGenug davon! Das fiel mir alles nur ein, weil es aktuell zwei Diskussionen gibt, die aus sehr unterschiedlichen Gr\u00fcnden mit dem Tod zu tun haben und die auf sehr verschiedene Weise mit dem Tod umgehen. In der einen Auseinandersetzung geht es um die so genannte \u201eSterbehilfe\u201c. Es scheiden sich die Geister an der Frage, ob man einem todkranken Menschen die Schmerzen der letzten Tage und Stunden verk\u00fcrzen darf, wenn er oder sie es w\u00fcnscht oder so verf\u00fcgt hat. Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar. Gilt das auch f\u00fcr jene, deren W\u00fcrde in den letzten Z\u00fcgen durch v\u00f6llige Hilflosigkeit und verlorene Kontrolle \u00fcber alles K\u00f6rperliche und Geistige verloren gegangen sein k\u00f6nnte? Ist dann der Tod nicht die Wiederherstellung der Menschenw\u00fcrde? Ich will nicht behaupten, \u00fcber g\u00fcltige Antworten zu verf\u00fcgen. Auch die Debatte will ich hier nicht weitertreiben. Gerade in Deutschland ist die Entscheidung immer wieder vom Wort \u201eEuthanasie\u201c begleitet. Nicht ohne Grund: Der Tod war einst ein Meister aus Deutschland. Man darf es nicht vergessen! Suspekt sind mir freilich jene, die sich selbst zum befugten Bewahrer des Lebens im schmerzhaften und vielleicht w\u00fcrdelosen Tod erkl\u00e4ren. Geh\u00f6rt der Tod zum Leben und wollen wir ein selbstbestimmtes Leben, sollte der selbstbestimmte Tod ein Teil davon sein.<br \/>\nMit \u201eselbstbestimmt\u201c bin ich jedoch bei der anderen Debatte gelandet. Unl\u00e4ngst meldete AFP: \u201eStreit um Waffenexporte. R\u00fcstungsindustrie droht Bundesregierung mit Abwanderung\u201c. Was ist passiert? Wirtschaftsminister Gabriel von der SPD m\u00f6chte doch tats\u00e4chlich R\u00fcstungsexporte einschr\u00e4nken; nicht sehr, aber doch; nicht nach \u00fcberall hin, aber vor allem nach Russland. Man h\u00f6rt also die Nachtigall trapsen. Russland ist jedoch ein guter Kunde, und es liegt ein ganzes Gefechts\u00fcbungszentrum im Wert von 135 Millionen Euro fertig verpackt auf 70 LKW zum Abtransport nach Russland bereit. Jetzt spielt die deutsche R\u00fcstungsindustrie das weinerliche Lied vom Tod &#8211; vom Tod des Profits. In Wirklichkeit ist es ein dissonantes Lied von der verhinderten \u201eSterbehilfe\u201c im Namen des Gesch\u00e4fts, von verhinderter Hilfe zu einem \u00fcberhaupt nicht selbstbestimmten Tod. Frankreich, die USA oder die Schweiz w\u00fcrden doch schon warten, dass dort die Investitionen f\u00fcr R\u00fcstung landen. Von dort k\u00f6nnte man auch die t\u00f6dlichen High-Tech-Produkte leichter exportieren; wohin man will und wo sie Freund und Feind gleicherma\u00dfen brauchen. Der einheimische Arbeitsplatz in der R\u00fcstungsindustrie steht allemal noch vor m\u00f6glichen Skrupel, todbringende R\u00fcstungsg\u00fcter zu verkaufen. Sei ein Soldatengrab auch hundert Mal ein Ehrengrab, so geh\u00f6rt es auch zur Ehre der deutschen Industrie jedem Kunden jede gew\u00fcnschte Waffe zu liefern. An solcher \u201eEhre\u201c hatten Krieger aller L\u00e4nder teil. Sie schickten sich gegenseitig mit deutschen Waffen ins Ehrengrab. Den Soldaten oder anderen Kollateraltoten wird es allerdings egal gewesen sein, woher die Geschosse stammten, die ihm oder ihr den Garaus machten. Da lohnt es vielleicht die Aufregung gar nicht? Und \u00fcberhaupt! Wer spricht denn von Waffenexport und vom Lied vom Tod? Herr Pappberger, der die Drohungen ausspricht, ist Pr\u00e4sident des \u201eBundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie\u201c. Das l\u00e4sst die Sache in ganz anderem Licht erscheinen und hat mit fremdbestimmter Sterbehilfe nichts zu tun. <\/p>\n<p>(geschrieben f\u00fcr Links Oktober 2014, 21.09.14)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lassen wir einmal den allseits bekannten Film weg. Da geht es um Geld und sp\u00e4te Rache im Wilden Westen. Das soll nicht unsere Welt sein. Fragen wir aber, welches Lied das sein kann, das Lied vom Tod, kommen wir zu sehr verschiedenen Antworten. Es ist nicht immer ein trauriges Lied vom Abschied ohne Wiederkehr. 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