{"id":830,"date":"2014-08-19T12:06:22","date_gmt":"2014-08-19T10:06:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=830"},"modified":"2014-08-19T12:06:22","modified_gmt":"2014-08-19T10:06:22","slug":"25-jahre-sind-genug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=830","title":{"rendered":"25 Jahre sind genug!"},"content":{"rendered":"<p>Am 27. Oktober 1990 konstituierte sich der 1. S\u00e4chsische Landtag nach neuer Zeitrechnung. Es begann mit einer Stunde in der Dresdner Kreuzkirche. F\u00fcr die Mehrheit war es ein Gottesdienst, weshalb es zuvor eine heftige Debatte in der Fraktion \u201eLinke Liste\/PDS\u201c gab, ob man denn \u00fcberhaupt hingehen sollte. Die Sache wurde schlie\u00dflich freigestellt &#8211; und es waren so ziemlich alle da. Auch ich.<br \/>\nGottesdienst hin oder her, es war eine Stunde der Besinnung und der Ermahnung. \u201eNehmt einander an\u201c, gab uns der Pastor mit auf den Weg. Das war ein gutes Motto f\u00fcr den Beginn. Daran gehalten haben sich nach meinem Res\u00fcmee neunzehnj\u00e4hriger Mitgliedschaft im S\u00e4chsischen Landtag  allerdings eher die \u201eGottlosen\u201c als jene, die im Namen des Christentums demokratisch sein wollten.<br \/>\nDie Dreik\u00f6nigskirche in Dresden als vorl\u00e4ufiges Quartier des Landtagsplenums war eigentlich ein guter Ort f\u00fcr das Neue. Wir waren so gedr\u00e4ngt versammelt, dass man Fraktionsgrenzen \u00fcberhaupt nicht erkennen konnte. Die Fraktionsmitglieder sa\u00dfen meist hintereinander und selten nebeneinander. Ich war z.B. zwischen einem (echten) Liberalen und einem Gr\u00fcnen platziert, und ich glaube sagen zu k\u00f6nnen, dass wir drei die dadurch gegebene Chance einander anzunehmen genutzt haben. Vor mir aber sa\u00dfen drei Abgeordnete der Fraktion mit der absoluten Mehrheit, drei Abgeordnete also der CDU. Dem Handbuch des Landtages konnte ich entnehmen, dass sie auch schon vor der Wende in der Block-CDU waren. Nun, ich war zuvor in der SED. Da war kein Stein zu werfen.<br \/>\nDie Verfahren nahmen ihren Lauf. Dinge waren zu tun und zu entscheiden, die kaum jemand von uns schon getan hatte. Streit kam auf und sollte ja auch aufkommen. Zunehmend wurde man lockerer und es entfuhr mir mein erster Zwischenruf. Da drehte sich mein schwarzer Vordermann um und fuhr mich an: \u201eSie sind ruhig. Sie waren vierzig Jahre dran. Jetzt sind wir dran!\u201c Meine Replik war schnell und ebenso scharf: \u201eWenn das alles ist, was sich ge\u00e4ndert hat, dann h\u00e4tte sich alles nicht gelohnt!\u201c<br \/>\nVierzig Jahre am St\u00fcck hat sie noch nicht geschafft und wird sie hoffentlich nie schaffen, diese s\u00e4chsische CDU. Dass sie aber sehr schnell zu einer Staatspartei wurde, l\u00e4sst sich nicht leugnen. Die wichtigen Posten hat man sich gut aufgeteilt. Was die Opposition sagt interessiert kaum. F\u00fcr sich selbst ist man des Lobes voll. Die Wirklichkeit enteilt jedoch immer schneller der narzisstischen Selbstbespiegelung.<br \/>\nBegonnen wurde mit Kurt Biedenkopf. Mit seinem monarchischen Anspruch hielt er nicht hinter dem Berg: \u201eWer mich K\u00f6nig Kurt nennt, greift der Entwicklung etwas voraus.\u201c Er setzte Sachsen wieder die Goldenen Krone auf die Staatskanzlei, immerhin Zeichen eines neuen und zugleich traditionsgebundenen s\u00e4chsischen Selbstbewusstseins. Dem \u201eK\u00f6nig Kurt\u201c folgte Georg Milbradt mit dem Gestus eines Gutsherren. Hemds\u00e4rmelig sa\u00df er mit dem Gesinde gleichsam am selben Tisch und a\u00df mit ihm aus einer Sch\u00fcssel; freilich nur um darauf zu achten, dass sich die Leute nicht zu viel auf den L\u00f6ffel nahmen. Als ihm der Gutshof zu wenig abzuwerfen schien, griff er in die Gesindekasse und verspekulierte das m\u00fchsam Angesparte. Schlie\u00dflich schmiss man ihn vom Hof und holte sich den braven Stanislaw Tillich. Der verwaltet jetzt l\u00e4chelnd das schwindende Erbe des K\u00f6nigs und gef\u00e4llt sich im Nichtstun. Dem Land aber droht endg\u00fcltig der Dornr\u00f6schenschlaf. Es wird deshalb immer dringlicher, die von den Hecken der Selbstgef\u00e4lligkeit umrandete verschlafene Burg zu neuem Leben zu erwecken.<br \/>\nNein, vierzig Jahre schwarzer Schleier \u00fcber dem Land w\u00e4ren unertr\u00e4glich. Schon 25 Jahre sind zu viel. Die CDU taugt h\u00f6chstens noch als K\u00fcchenjunge. Und der sollte am 31. August mit einer m\u00e4chtigen Ohrfeige aus seinen Tr\u00e4umen geweckt werden.<\/p>\n<p>(geschrieben am 27.07.2014 f\u00fcr DISPUT, August 2014)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 27. Oktober 1990 konstituierte sich der 1. S\u00e4chsische Landtag nach neuer Zeitrechnung. Es begann mit einer Stunde in der Dresdner Kreuzkirche. 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