{"id":825,"date":"2014-06-25T11:04:32","date_gmt":"2014-06-25T09:04:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=825"},"modified":"2014-06-25T11:05:01","modified_gmt":"2014-06-25T09:05:01","slug":"wenn-genscher-sieht-was-du-nicht-siehst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=825","title":{"rendered":"Wenn Genscher sieht, was Du nicht siehst \u2026!"},"content":{"rendered":"<p>Alle kennen das Spiel: \u201eIch seh\u2018, ich seh\u2018, was Du nicht siehst und das ist &#8230;\u201c Ein ehrliches Spiel, muss man doch am Ende den Gegenstand nennen, der die gefragte Farbe hat. Eine gar nicht so ehrliche Abart dieses Spiels findet sich im ebenso bekannten und oft strapazierten M\u00e4rchen \u201eDes Kaisers neue Kleider\u201c. Alle, die nicht dumm sein oder es vermeiden wollten, ihr Amt zu verlieren, erblickten und lobten die gar nicht vorhandenen Kleider des Kaisers. \u201eSie sahen, sie sahen\u201c bunt gemustert, was nicht wirklich existierte. Erst ein Kind deckte den Schwindel auf. Der Kaiser aber \u201e&#8230; er dachte bei sich: ,Nun muss ich aushalten.\u2018 Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.\u201c Kann man so einf\u00e4ltig sein? Oder waren der Kaiser und die Kammerherren besonders schlau? M\u00e4rchen verallgemeinern in einer sch\u00f6nen und lehrhaften Geschichte, was die Wirklichkeit immer wieder konkret, brutal und gar nicht so sch\u00f6n bietet. Weil im Krieg zum Beispiel die Wahrheit immer zuerst stirbt, ist es gang und g\u00e4be, den Kriegsgrund in Wahrnehmungen zu suchen, die Wirklichkeit nur vort\u00e4uschen. Ich seh\u2018, ich seh\u2018, was Du nicht siehst, und das sind \u2013 Polen, die den Sender Gleiwitz \u00fcberfallen, nordvietnamesische Schnellboote, die zwei US-amerikanische Zerst\u00f6rer im Golf von Tonking angreifen, irakische Massenvernichtungswaffen usw. Gesehen hat es niemand, so getan, als ob, haben viele: Politiker, Feldherren, Diplomaten, Journalisten, einfache Leute. Sie trugen die Schleppe, die gar nicht da war, und es begannen der 2. Weltkrieg, der Vietnamkrieg, der Irakkrieg. Die Liste ist wohl beliebig verl\u00e4ngerbar.<br \/>\nAber was hat das alles mit Genscher zu tun, dem unumstrittenen Helden von Prag? Dort war ihm keine T\u00e4uschung nachzusagen. Wohl aber der F\u00fchrung der DDR, die die Welt wider alle Fakten sehen lassen wollte, dass die Leute legal \u00fcber Dresden aus der DDR ausreisten. Diese F\u00fchrung stand bald nackt da. Zu Genscher, dem sp\u00e4teren Chodorkowski-Befreier, m\u00fcssen wir dennoch zur\u00fcck, denn da gibt es noch eine andere Geschichte. Sie trug sich 1977 in Argentinien zu und zwischen Argentinien und Deutschland. Im Jahre 1976 war in dem s\u00fcdamerikanischen Land eine Junta von Gener\u00e4len an die Macht gekommen. Sie legitimierten ihren Putsch mit einem Kampf gegen Terroristen. Solche gab es dort zwar kaum, aber die Welt und das Volk sollten sie sehen. Denn wer sie nicht sah, war entweder dumm oder f\u00fcr Gesch\u00e4fte mit Argentinien nicht geeignet. Beweise sollten beigebracht werden. Daf\u00fcr taugten europ\u00e4ische Studentinnen und Studenten vorz\u00fcglich. Es war die Revolte der 68er noch in guter Erinnerung, und es verbreitete gerade die RAF in Deutschland mit ihrem Terror Angst und Schrecken. Wer aus Europa zu dieser Zeit in Argentinien studierte, war hoch gef\u00e4hrdet, der Junta \u201eneue Terroristen\u201c abzugeben, zumal wenn man sich gegen Unterdr\u00fcckung wandte oder sich gar fr\u00fcher im Umfeld von Rudi Dutschke bewegt hatte. Die Deutsche Elisabeth K\u00e4semann, eine junge Frau, war eine von ihnen. Sie wurde verhaftet, gefoltert, vergewaltigt, unter der Hand aber der Bundesrepublik auch zum Freikauf angeboten. Die deutschen Verantwortlichen taten jedoch so, als s\u00e4hen sie nur die vorgebliche Terroristin. Andere L\u00e4nder verhielten sich anders. Dem deutschen Au\u00dfenminister \u2013 es war Herr Genscher \u2013, seinem Botschafter \u2013 einem Herren Kastl \u2013 und auch dem Pr\u00e4sidenten des Deutschen Fu\u00dfballbundes \u2013 Herrn Neuberger \u2013 war das Schicksal von Frau K\u00e4semann, wie es aussieht, egal. Sie wollten doch gesch\u00e4ftsf\u00e4hig bleiben, ein Freundschaftsspiel der Nationalmannschaften und die bevorstehende Fu\u00dfballweltmeisterschaft nicht gef\u00e4hrden. Jegliche Intervention schlug man aus. Elisabeth K\u00e4semann wurde bei einem fingierten Kampf gemeinsam mit 15 anderen Gefangenen erschossen. Getroffen im Genick und R\u00fccken. Das war 1977 (!). Die ARD berichtete am 05. Juni 2014 (!) zu sp\u00e4ter Nacht ausf\u00fchrlich. Klaus von Dohnanyi und Hildegard Hamm-Br\u00fccher geh\u00f6rten einst auch zu den Schleppentr\u00e4gern von Genscher. Er meinte nun, \u201eman h\u00e4tte etwas tun m\u00fcssen\u201c. Ihr war damals \u201eschon ein wenig mulmig.\u201c <\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr Links Juli\/August 2014, 24.06.14)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle kennen das Spiel: \u201eIch seh\u2018, ich seh\u2018, was Du nicht siehst und das ist &#8230;\u201c Ein ehrliches Spiel, muss man doch am Ende den Gegenstand nennen, der die gefragte Farbe hat. Eine gar nicht so ehrliche Abart dieses Spiels findet sich im ebenso bekannten und oft strapazierten M\u00e4rchen \u201eDes Kaisers neue Kleider\u201c. 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