{"id":809,"date":"2014-03-20T19:54:41","date_gmt":"2014-03-20T17:54:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=809"},"modified":"2014-03-20T19:54:41","modified_gmt":"2014-03-20T17:54:41","slug":"die-taten-der-europaeer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=809","title":{"rendered":"Die Taten der Europ\u00e4er"},"content":{"rendered":"<p>Wilhelm und Jacob Grimms Sammlungen von Sagen und M\u00e4rchen kennt wohl jede und jeder. Zumindest geh\u00f6rt hat man schon davon. Aber, wer kennt schon die \u201eGesta Romanorum\u201c (Die Taten der R\u00f6mer)? Nur so viel: Es ist eine in Latein geschriebene Sammlung von \u201eExempeln\u201c aus dem Mittelalter. Ins Deutsche \u00fcbersetzt hat sie 1842 ein gewisser Johann Georg Theodor Graesse, seines Zeichens Privatbibliothekar des s\u00e4chsischen K\u00f6nigs Friedrich August II. Da gibt es eine merkw\u00fcrdige Geschichte. Der ungarische K\u00f6nig Conan belagert ein Schloss. Die Schlossherrin erkennt von der Mauer herab, dass dieser Ungarnk\u00f6nig ein sehr sch\u00f6ner Mann ist. Heimlich schreibt sie ihm, falls er sie zur Frau n\u00e4hme, w\u00fcrde sie ihm die Burg \u00fcbergeben. Der Ungar l\u00e4sst sich darauf ein. Die Ehe wird vollzogen. Die bereits vorhandenen Kinder der Frau fliehen. Das war der erste Tag. Was aber tat der grausame Magyare schon am zweiten Tag? Er \u00fcbergab die frisch angetraute Frau zw\u00f6lf Ungarn, \u201eum sie \u00f6ffentlich zu beschimpfen\u201c, und schon am dritten Tag \u201elie\u00df er sie am ganzen K\u00f6rper bis an die Kehle durchbohren\u201c. Die Begr\u00fcndung? \u201eEin solches Weib, die vor fleischlicher Lust ihre eigene Stadt ins Verderben gest\u00fcrzt hat, muss auch einen solchen Ehemann bekommen\u201c. Bei der Lekt\u00fcre war ich bisher immer erz\u00fcrnt \u00fcber die Grausamkeit, mit der sexuelles Begehren von Frauen bestraft wurde. M\u00e4nnern ist dies ja in den meisten Sagen und M\u00e4rchen nicht nur gestattet, Frauen sind dann auch noch der Preis f\u00fcr Heldentaten. Wie es heute ist, mag jede und jeder selbst bewerten. Die ganze Sache schien mir aber gerade deshalb Anfang M\u00e4rz im Umfeld des Frauentages zitierenswert. Und dann kam uns allen etwas dazwischen: die Ukraine und die Krim. Die Geschichte jedoch blieb mir im Kopf! Wie das?<br \/>\nMir fielen pl\u00f6tzlich die vielen \u201eFreierinnen\u201c ein, die sich der sie \u201ebelagernden\u201c EU und NATO willig ergeben hatten oder das noch machen wollten. Ist doch geil &#8211; oder? An Folgen malte man sich die sch\u00f6nsten Begl\u00fcckungen aus. Nun drohte nach dem Vollzug der Verm\u00e4hlung nicht gleich der qualvolle Tod. Die Beschimpfungen blieben aber oft nicht aus. Die Griechinnen und Griechen, Portugiesen und Portugiesinnen und manch andere V\u00f6lkerschaften k\u00f6nnen das Lied davon singen. In der Ukraine wollte man es nicht h\u00f6ren. Und h\u00e4tte man die Finger von der Liaison gelassen, wie es einige durchzusetzen versuchten, sollte man hinterher jammern wie die stolze Prinzessin im M\u00e4rchen vom K\u00f6nig Drosselbart: \u201eAch h\u00e4tte ich ihn doch genommen, den K\u00f6nig Drosselbart!\u201c Vom M\u00e4rchen wissen wir, dass sie ihn schlie\u00dflich \u201egenommen\u201c hatte &#8211; nicht freiwillig und zun\u00e4chst unter Vorspielung falscher Tatsachen. Dieses M\u00e4rchen hat aber ein \u201ehappy-end\u201c. Der die Braut zun\u00e4chst zum Betteln gezwungen und b\u00f6sen Schikanen ausgesetzt hatte, entpuppte sich am Ende doch als der verschm\u00e4hte K\u00f6nig und sp\u00e4te Gl\u00fccksbringer. Wer glaubt, dass es auch heute so enden k\u00f6nnte, &#8230; siehe oben. Oder es w\u00e4re anzunehmen, dass Stolz und freier Wille einer Seite zuvor gebrochen werden m\u00fcssten, ehe das Gl\u00fcck einkehren k\u00f6nnte. Dass im Fall der Ukraine gleich zwei Freier konkurrierend auftauchten, machte die Sache nicht besser und lie\u00df kaum alternative Perspektiven erhoffen. Die Wirklichkeit enteilte ohnehin der Analogie zu M\u00e4rchen und Sagen. Wie sie sich am Tag des Erscheinens dieser Kolumne darstellen wird, ist noch nicht abzusehen. Den Freiern ist die Braut nicht mehr wert als ein Regenwurm, den man in zwei weiterlebende H\u00e4lften zerteilen kann. An die Stelle \u00e4sthetischer Sprache tritt im Kampf um die H\u00e4lften die Brutalit\u00e4t der Schm\u00e4hreden. Durch die Sprachrohre dr\u00f6hnen die gegenseitigen, vergangen geglaubten Schuldzuweisungen. Die Welt aber hat Angst. Hundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges und f\u00fcnfundsiebzig Jahre nach dem Aufflammen des gr\u00f6\u00dften Weltenbrandes aller Zeiten, des Zweiten Weltkrieges, geht die Furcht vor neuerlicher Wiederholung um. Moment mal! \u201eAusbruch\u201c? \u201eAufflammen\u201c? Nein, das gilt f\u00fcr Kriege nicht. Sie werden noch immer von Menschen gemacht. M\u00e4rchen und Sagen sind hierzu \u00fcbrigens sehr pr\u00e4zise.<\/p>\n<p>(geschrieben f\u00fcr Links April 2014, 20.03.2014)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wilhelm und Jacob Grimms Sammlungen von Sagen und M\u00e4rchen kennt wohl jede und jeder. Zumindest geh\u00f6rt hat man schon davon. Aber, wer kennt schon die \u201eGesta Romanorum\u201c (Die Taten der R\u00f6mer)? Nur so viel: Es ist eine in Latein geschriebene Sammlung von \u201eExempeln\u201c aus dem Mittelalter. 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