{"id":799,"date":"2014-01-23T12:44:59","date_gmt":"2014-01-23T10:44:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=799"},"modified":"2014-01-23T12:44:59","modified_gmt":"2014-01-23T10:44:59","slug":"sind-die-jeck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=799","title":{"rendered":"Sind die jeck?"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich eine ganz andere Kolumne schreiben &#8211; mit einer anderen \u00dcberschrift. Schlie\u00dflich haben wir ein &#8211; ja was denn? \u201eJubil\u00e4umsjahr\u201c kann man schlecht sagen, wenn vor 100 Jahren der Erste Weltkrieg und vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg begonnen hat. Nennen wir es \u201eGedenkjahr\u201c. Das w\u00e4re ein gutes Thema, ein ernstes; Anlass zu Mahnung, Grund zur Warnung. Ich will nicht ungeh\u00f6rig abschweifen, aber Karneval war mir gleich danach eingefallen. Zum Lachen war mir dabei nicht zumute. Denn der Gedanke kam mir nicht wegen der saisonalen N\u00e4he des n\u00e4rrischen Treibens. Er kam mir vielmehr ebenfalls im Zusammenhang mit dem Krieg. Wir haben schlie\u00dflich auch ein einschl\u00e4giges Gedenkjahr hinter uns &#8211; 200 Jahre V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig. Dieser Jahrestag wurde mit karnevaleskem Mummenschanz begangen. Das bis dato schlimmste Gemetzel wurde gefeiert von kost\u00fcmierten Narren, die in voller Montur mit der Stra\u00dfenbahn in Leipzig zur Schlacht fuhren und wieder zur\u00fcck. Da entfuhr es mir zum ersten Mal, \u201esind die jeck?\u201c Der Krach ihrer Kanonen schallte bis in die Stadt. Den Zuschauern vor Ort wurden sicherheitshalber Ohrenst\u00f6psel verkauft &#8211; Bratwurst und Bier nat\u00fcrlich auch. Das wird dieses Jahr nicht so sein. Ypern und Langemarck w\u00fcrden sich gegen ein solch gespenstisches Fest wohl wehren. Gasmasken taugen nicht zum Maskenball. Giftgasgranaten lassen sich nicht durch harmlose Platzpatronen imitieren. Die Bombardierung Leipzigs ist schwer nachzustellen.<br \/>\nIn Magdeburg marschierten allerdings die Erben der Nazis, die uns das alles eingebrockt hatten. In Dresden wollen sie sich angeblich dieses Jahr mit einer Kundgebung vor der Frauenkirche \u201ebegn\u00fcgen\u201c. \u201eHeilige Maria, Mutter Gottes, das hast Du nicht verdient\u201c, weshalb es zu verhindern sein wird.<br \/>\n\u00dcberhaupt! Es gibt doch noch ganz anderes zu feiern: Olympische Winterspiele in Sotschi zum Beispiel. Als Kind und Jugendlicher waren Olympiaden f\u00fcr mich besondere Ereignisse. Ich glaubte an Leistung und fairen Wettkampf, sah mich im Traum selbst die Pisten herunterrasen und auf dem Spielfeld Heldentaten vollbringen. Heute interessiert mich das weit weniger. F\u00fcr die Leistung sind Technik und Pharmazie meist mehr verantwortlich als hartes Training. Fairer Wettkampf findet am Ende vielleicht noch statt. Am Anfang stehen aber Geld, Gier nach nationalem Prestige, das Marketing f\u00fcr die bessere Technik. Die Rezepte der Dopingmixturen kann man \u00f6ffentlich noch nicht anbieten. Der interne Handel floriert. Die Gladiatoren (und Gladiatorinnen) lassen das Publikum toben und beseelen das Gesch\u00e4ft. Das Spektakel findet im Gegensatz zu fr\u00fcher nun schon alle zwei Jahre statt; im Wechsel von Sommer und Winter. In Sotschi ist beides zugleich. Nur Frieden ist nicht! Im alten Olympia der Griechen war der f\u00fcr die Dauer der Spiele vereinbart. Wen schert das heute noch? Die einen g\u00f6nnen den anderen, den Russen, den ganzen Rummel und das Gesch\u00e4ft nicht. Das war schon einmal so. Die Rote Armee war damals in Afghanistan einmarschiert, was den Vorwand f\u00fcr Boykott lieferte. Heute bomben dort die USA und ihre Verb\u00fcndeten. Das hindert diese aber nicht, mit ihren Fingern scheinheilig in der Wunde bl\u00f6dsinniger russischer Homophobie zu w\u00fchlen, um die \u201eSpiele\u201c wenigstens madig zu machen. Denkt man freilich an die Spitzelmaschinerie der USA oder vergegenw\u00e4rtigt sich, wie sie zum Tode Verurteilte qualvoll exekutieren, dann d\u00fcrften dort nicht einmal mehr drittklassige Turniere im Fingerhakeln stattfinden.<br \/>\nErnster ist es allerdings mit dem angedrohten Terror. Die Russen begegnen ihm mit gespielter Gelassenheit. Den Amis kommt er offenbar zurecht. Nachrichtenagenturen meldeten Mitte Januar, sie wollten mit Kriegsschiffen vor den Toren Sotschis auftauchen. Nat\u00fcrlich aus Sorge um ihre vor Ort anwesenden B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. So nahe an Russland heran w\u00e4ren US-amerikanische Flottenteile allerdings schon lange nicht gekommen. Das k\u00f6nnte leicht aus dem Ruder laufen. Sind die jeck?<\/p>\n<p>(Geschrieben 21.01.2014 f\u00fcr Links &#8211; Doppelheft Januar\/Februar 2014)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich eine ganz andere Kolumne schreiben &#8211; mit einer anderen \u00dcberschrift. Schlie\u00dflich haben wir ein &#8211; ja was denn? \u201eJubil\u00e4umsjahr\u201c kann man schlecht sagen, wenn vor 100 Jahren der Erste Weltkrieg und vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg begonnen hat. Nennen wir es \u201eGedenkjahr\u201c. 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