{"id":797,"date":"2014-01-18T13:16:59","date_gmt":"2014-01-18T11:16:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=797"},"modified":"2014-01-18T13:18:26","modified_gmt":"2014-01-18T11:18:26","slug":"rede-zur-liebknecht-luxemburg-ehrung-ind-lindhardt-bei-naunhof-sachsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=797","title":{"rendered":"Rede zur Liebknecht &#8211; Luxemburg &#8211; Ehrung in Lindhardt bei Naunhof (Sachsen)"},"content":{"rendered":"<p>Auf die Tatsache, dass ein deutscher Fernsehsender vermeldete, dass Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg von den Nazis ermordet wurden, kann man zumindest mit zwei Fragen reagieren:<\/p>\n<p>Wie doof sind die eigentlich?<br \/>\n    Oder ernsthafter<br \/>\nWer kennt heute, 95 Jahre nach ihrer Ermordung, noch Liebknecht und Luxemburg, was bedeuten sie uns Linke, und warum ehren wir sie immer wieder in so herausgehobener Form?<\/p>\n<p>Uns sollte die zweite Frage wichtiger sein. Unverhofft hilft ja auch manchmal ein schlimmer Gegner. Wenn z.B. Herr Hubertus Knabe meint, man d\u00fcrfe Liebknecht und Luxemburg nicht ehren, weil sie Feinde der Demokratie seien, so festigt das sehr meine \u00dcberzeugung, dass Karl und Rosa uns noch viel zu sagen haben und dass dies auch in die Gesellschaft hineinzutragen ist. <\/p>\n<p>Unser Gedenken ist deshalb keine platte Heiligen- oder M\u00e4rtyrerverehrung. Unser Gedenken ist ein Erinnern an zwei Gro\u00dfe in der Analyse gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse und in der Praxis gesellschaftlichen Widerstandes gegen Krieg und Ausbeutung. Nat\u00fcrlich haben sie uns keine Rezeptb\u00fccher f\u00fcr linkes Handeln im Hier und Heute hinterlassen. Sie haben uns aber vorgef\u00fchrt, wie man sich Wirklichkeit in ihrem Wesen, in ihrer Widerspr\u00fcchlichkeit theoretisch verf\u00fcgbar macht, um zu angemessenem und wirkungsvollem politischem Handeln zu kommen.<\/p>\n<p>Jene, die schon unmittelbar nach dem Ende des 1. Weltkrieges planten, nur Erholung von der Ersch\u00f6pfung zu suchen, um dann zur Revanche zu blasen, jene wussten, dass ihnen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Wege stehen w\u00fcrden. Sie z\u00f6gerten deshalb auch nicht, sie sofort aus dem Weg zu r\u00e4umen, um den 2., noch schlimmeren, Weltkrieg vorbereiten zu k\u00f6nnen. Sie brauchten gerade mal 25 Jahre daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Wir alle wissen ja, dass uns dieses Jahr wichtige Jahrestage erwarten: Vor 100 Jahren begann der 1. Weltkrieg, vor 75 Jahren begann der 2. Weltkrieg und vor 25 Jahren fiel die Mauer und hatte das Ausscheiden der DDR und des damals so genannten \u201eSozialistischen Lagers\u201c aus der Geschichte zur Folge. Immer wieder h\u00f6rt man, erst damit w\u00e4re die Nachkriegszeit zu Ende gegangen. Interessant! Zu Ende gegangen? &#8211; Was hat denn dann angefangen? <\/p>\n<p>Mal sehen!<\/p>\n<p>Nehmen wir einmal an, ein Mensch, in der Mitte Europas geboren und in dieser Mitte lebend, wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Was hat der in diesem doch schon etwas l\u00e4ngeren Dasein erlebt?<\/p>\n<p>Als er zur Welt kam, herrschte noch Krieg. Der 2. Weltkrieg war in seiner Endphase und ins Land der Verursacher zur\u00fcckgekehrt. Die gro\u00dfen St\u00e4dte mit ihren Industrieanlagen waren t\u00e4glichen Bombenangriffen ausgesetzt. Die Geburt vollzog sich deshalb in einem Luftschutzkeller am Rande einer \u00d6lraffinerie. Daran hat der bald Siebzigj\u00e4hrige aber naturgem\u00e4\u00df keine Erinnerung. Woran er sich freilich erinnert, sind die Folgen des Krieges und der Bombardements: zerst\u00f6rte St\u00e4dte, Ruinen als Spielpl\u00e4tze, Aush\u00e4nge in der Stra\u00dfenbahn, den Sitzplatz bei Bedarf Kriegsversehrten zu \u00fcberlassen, Kinder ohne V\u00e4ter, fremde Soldaten in den Stra\u00dfen patrouillierend, Lebensmittelkarten usw. usw. <\/p>\n<p>Sp\u00e4ter erlebte er eine geteilte Welt. Da Sozialismus-Ost, hier Kapitalismus-West. Und die Welten standen sich bald feindlich gegen\u00fcber. Aber es hielt auch ein Frieden, der viele M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnete. Ob in Ost oder West, der Mensch konnte zur Schule gehen, konnte lernen, konnte was werden. Er gr\u00fcndete eine Familie, wenn ihm danach war, machte dies unter Umst\u00e4nden auch wiederholt und setzte Kinder in die Welt, die ihn heute bereits mit Kindeskindern begl\u00fccken. Die Urenkel stehen auch schon vor der T\u00fcr. <\/p>\n<p>Der Mensch lebt also in seinem 70. Jahr und kennt den Krieg doch nur aus Erz\u00e4hlungen &#8211; Erz\u00e4hlungen von fr\u00fcher oder aus sicherer Ferne. Der Mensch hat dies immer gesch\u00e4tzt. Der Mensch hat 70 Jahre ein Leben gelebt, von dem zuvor in Europa \u00fcber zwei Jahrtausende Menschen nur tr\u00e4umen konnten. Freilich h\u00e4tte es auch unter diesen Umst\u00e4nden schlimmer kommen k\u00f6nnen. Der Mensch, von dem die Rede ist, ist in guten Zeiten au\u00dferdem noch auf die Butterseiten des Schicksals gefallen. Er hat seine Chancen genutzt. Es geht ihm gut. Deshalb tr\u00e4gt er aber auch Verantwortung f\u00fcr jene, die es nicht so gut getroffen haben.<\/p>\n<p>Er hat als Kind verwundert Aufschriften an Hausw\u00e4nden zur Kenntnis genommen: \u201eH\u00e4nde weg von Korea\u201c oder \u201eAmi go home\u201c. Als Student protestierte er gegen den Vietnamkrieg. Er lief untergehakt mit anderen in den Stra\u00dfen einer so genannten Frontstadt, skandierte dabei \u201eHo, Ho, Ho, Ho Ho Tschi Minh\u201c. Er nahm aus der Ferne Anteil am Schicksal des kleinen Vietnamesischen Volkes. Viel sp\u00e4ter flog er auch in dieses Land, in dem zu der Zeit schon lange wieder Frieden herrschte und die jungen Leute den Krieg auch nur mehr aus Erz\u00e4hlungen, aus dem Geschichtsunterricht und aus den Museen kannten. Die Museen waren lehrreich. <\/p>\n<p>Der Mensch hatte hin und wieder auch Angst vor Krieg: Als z.B. die Engl\u00e4nder die Suez-Zone besetzten, als es um Raketen in Kuba ging, als ein U-2 Pilot \u00fcber der Sowjetunion vom Himmel geholt wurde, als ein amerikanischer Pr\u00e4sident ermordet wurde, als sowjetische Soldaten in Afghanistan einmarschierten oder ein s\u00fcdkoreanisches Passagierflugzeug vom Himmel geholt wurde. Er marschierte Ostern gegen Atomversuche. 1956 in Ungarn verunsicherte den Heranwachsenden, 1968 war der Mensch, nun schon erwachsen, so nahe an der Krise dran, wie nie zuvor. \u00dcber Prag war er kurz zuvor in die DDR gereist, \u00fcber die BRD musst er zur\u00fcckfahren. Durch die Stadt im Osten, in der er sich zeitweilig aufhielt, fuhren Panzer und Milit\u00e4rfahrzeuge, in der Luft knallten die \u00dcberschallflugzeuge &#8211; und dann war es pl\u00f6tzlich ganz still, furchterregend still.<\/p>\n<p>Die Welt, aber vor allem Europa waren geteilt; in der erw\u00e4hnten Frontstadt sehr sichtbar durch eine Mauer. Den Rat zu ihrem Bau, das wei\u00df man heute, hatte Kennedy dem Chrushtschew ziemlich direkt ein paar Monate zuvor in Wien gegeben &#8211; sinngem\u00e4\u00df zitiert: \u201eWenn Sie nach Westberlin greifen, bedeutet das Krieg. Auf Ihrer Seite k\u00f6nnen Sie machen, was Sie wollen.\u201c Damals war der heute bald Siebzigj\u00e4hrige den beiden mit dem Fahrrad auf einer Fahrt durch Wien begegnet.<\/p>\n<p>Man lebte mit der Teilung und mischte sich nur propagandistisch beim jeweils anderen ein. Die Konfrontation nannte man \u201eKalter Krieg\u201c. Die Krisen und fernen Kriege, die ihn \u201ehei\u00df\u201c h\u00e4tten machen k\u00f6nnen, wurden immer wieder bew\u00e4ltigt. V\u00f6lker in Asien, Lateinamerika und Afrika sahen ihre Chance, sich zwischen den waffenstarrenden Gro\u00dfm\u00e4chten, ihre Freiheit zu suchen. Das hat was mit den Widerspr\u00fcchen zu tun, die Rosa Luxemburg als Quellen der Bewegung immer wieder suchte und beschrieb. <\/p>\n<p>Man nannte solche L\u00e4nder \u201eDritte Welt\u201c. Die M\u00e4chte der Ersten und Zweiten Welt, Ost und West waren in ihren B\u00fcndnissen abgesichert, aber auch weitgehend erstarrt. Die ehemaligen Kriegsfeinde konnten mit diesen Pakten halbwegs friedlich oder wenigstens schiedlich leben. <\/p>\n<p>Die Welt schien halbwegs zur Vernunft gekommen zu sein. Nein, die Welt musste vern\u00fcnftig bleiben, denn das Auskommen miteinander war abgesichert durch Vernichtungspotentiale, die so schrecklich waren, dass sie wahrscheinlich wirklich niemand in Aktion bringen wollte. An der Bedrohungsspirale drehte man jedoch. Die Gefahr der Vernichtung allen Lebens war nie ganz gebannt.<\/p>\n<p>Schw\u00e4che durfte keiner zeigen. Als es doch so weit war, wurde das bitter bestraft. Vor 25 Jahren fielt unverhofft die Mauer in der Frontstadt. Der eine Block kollabierte &#8211; und der andere zeigte sein wahres Gesicht. <\/p>\n<p>Nichts war mehr mit Wohlfahrts- und Sozialstaat. Die schnell expandierende Freiheit erwies sich bald als eine zynische Unfreiheit f\u00fcr jene, die sie nicht nutzen konnten, weil sie der \u201eFreiheit\u201c zur Ausbeutung zum Opfer fielen. Sie merkten pl\u00f6tzlich, dass sie nur ihre Arbeitskraft hatten, die sie auf den Markt werfen konnten. Wenn der Markt sie aber nicht brauchte, war die Ware Arbeitskraft nichts wert.<\/p>\n<p>Der Kapitalismus begann wieder weitgehend ungehindert zu funktionieren. In Europa begann er sich zu unterwerfen, was sich ihm lange verweigert hatte. Gab es Widerstand, wurde er auch mit Gewalt gebrochen. Im Krieg des Westens l\u00f6ste sich Jugoslawien auf. Niemand h\u00e4tte zuvor geglaubt, dass solche Brutalit\u00e4ten, die die Aufl\u00f6sung begleiteten, nach dem 2. Weltkrieg noch einmal m\u00f6glich sein w\u00fcrden. Die lokalen Gegner liquidierten sich brutal. Die NATO bombardierte selbst Br\u00fccken, die von unbewaffneten Menschen besetzt waren. <\/p>\n<p>Ich will die Geschichte jetzt in ihren Einzelheiten nicht weiter erz\u00e4hlen. Die Illusion vom \u201evern\u00fcnftig\u201c gewordenen, vom \u201egez\u00e4hmten\u201c Kapitalismus zerstob sehr bald. Selbst der Mensch, der dieses Jahr siebzig wird, der im \u201eKalten Krieg\u201c die Seiten gewechselt hatte, der seine Analysef\u00e4higkeit leidlich an Marx, Engels und auch an Liebknecht und Luxemburg zu schulen versucht hatte, selbst dieser Mensch war \u00fcberrascht, wie schnell und r\u00fccksichtslos der Kapitalismus wieder zur alten Brutalit\u00e4t fand, wie schnell jene europ\u00e4ischen M\u00e4chte, die Rosa Luxemburg Imperialisten nannte, vereint mit den USA, die der Erste Weltkrieg zur Weltmacht gemacht hatte, zwar nicht mehr \u00fcbereinander herfielen, aber sehr wohl \u00fcber die \u00fcbrige Welt.<\/p>\n<p>Deshalb finden auch wieder Kriege statt:<\/p>\n<p>Es finden herk\u00f6mmliche \u201ehei\u00dfe\u201c Kriege statt. In Afghanistan f\u00fchren die USA und ihre Verb\u00fcndeten seit zw\u00f6lf Jahren einen solchen. Der Irak war schon dran &#8211; zwei Mal. In Syrien sind noch Stellvertreter am Werk. Hauptsache Unruhe im Nahen Osten. das sichert Einfluss und libysches \u00d6l. Am Horn von Afrika und inmitten Afrikas mischt man sich ungeniert ein. Die Bundeswehr ist l\u00e4ngst kriegstauglich. Jetzt wird sie auch noch familientauglich. In der Kita in der Kaserne erz\u00e4hlt man bald neue M\u00e4rchen: \u201eMorgens schie\u00df\u2018 ich, mittags bomb\u2018 ich und nachmittags hole ich mein Kind\u201c. <\/p>\n<p>Es finden auch wieder \u201eKalte Kriege\u201c statt. Die Hauptkonkurrenten der alteingesessenen imperialistischen M\u00e4chte werden durch diese immer wieder an ihrer Entwicklung gehindert. Milit\u00e4risch versucht man sie einzukreisen oder durch Nadelstiche und Provokationen zu verunsichern. Da tauchen wieder Raketen gegen Russland auf. Russland nicht faul, will dagegen halten und wird es wohl auch. China wird provoziert und provoziert selbst. Wirtschaftlich geht es r\u00fccksichtslos zur Sache. Die Propagandamaschinerien laufen hei\u00df. <\/p>\n<p>Mir gef\u00e4llt wirklich nicht, was Putin Homosexuellen oder etwas wild gewordenen S\u00e4ngerinnen antut. Aber was hat das mit Olympia in Sotschi zu tun? Und in Afghanistan &#8211; einst ein Grund f\u00fcr Olympiaboykott gegen Moskau &#8211; stehen, wie gesagt, immer noch die USA und ihre Verb\u00fcndeten und gar nicht mehr die Rote Armee. Vergegenw\u00e4rtige ich mir Obamas Geheimdienste und ihre Vollmachten oder wie man in den USA qualvoll zum Tode Verurteilte exekutiert, so d\u00fcrften dort nicht einmal mehr drittklassige Tanzturniere stattfinden.<\/p>\n<p>Die Mottenkisten des alten \u201eKalten Krieges\u201c werden wieder entdeckt. Ein Erd\u00f6ldieb wie Chodorkowskij wird zum Helden der freien Welt ernannt, erh\u00e4lt sofort Asyl und Unterkunft im Berliner Adlon. Die wirklich Bed\u00fcrftigen campieren jedoch auf der Stra\u00dfe, um auf ihre Not aufmerksam zu machen. Wenn man ihnen Quartier zuweist, werden sie von Nazibanden und wild gewordenen Kleinb\u00fcrgern bedroht.<\/p>\n<p>Es finden n\u00e4mlich noch weitere Kriege statt. Die Kriege der Pal\u00e4ste gegen die H\u00fctten &#8211; soziale Kriege. Schlie\u00dflich kosten die hei\u00dfen Kriege Geld. Das holt man sich unten. Soziale Kriege f\u00fchren die Kernl\u00e4nder des Kapitals in ihrem Inneren und gegen die Peripherie. Die Folgen sind neue Armut und vor allem Kinderarmut. Manche Kinder in Deutschland und in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern hungern wie einst Menschen im Krieg. Kultur und Sport werden f\u00fcr sie unerschwinglich. Den Kommunen fehlen die Mittel. Die Stammtische erz\u00e4hlen mittlerweile die M\u00e4r von der \u00fcberbordenden Armutszuwanderung, die am Elend schuld sein soll. <\/p>\n<p>Diese Zuwanderungswelle existiert schlicht nicht, wie n\u00fcchterne Statistik beweist. <\/p>\n<p>\u201eWer betr\u00fcgt, der fliegt\u201c, das ist fatale Poesie, nicht fern der Art \u201eJeder Schuss ein Ru\u00df\u201c.<\/p>\n<p>Und wo die Stammtische Gefahr wittern, hilft das Mittelmeer. Nach Belieben kann man dort die \u00c4rmsten der Armen, die sich aus Verzweiflung ihren gebrechlichen Booten anvertrauen, ersaufen lassen &#8211; oder auch mal retten, um den Anschein zu wahren. Im Mittelmeer vollzieht sich eben die gr\u00f6\u00dfte Sauerei, die europ\u00e4ischer Reichtum zu verantworten hat. 19.000 Tote bislang, und es gibt keine Schuldigen. Das Mittelmeer braucht keine Mauersch\u00fctzen. Das Meer selbst h\u00e4lt den europ\u00e4ischen Pal\u00e4sten verl\u00e4sslich unliebsame Migration aus den H\u00fctten Afrikas vom Hals.<\/p>\n<p>Etwas anders ist aber gleichfalls Besorgnis erregender Fakt: Herr de Maiziere, unser neuer Innenminister, das Multitalent, das Cham\u00e4leon des Kapitals, dieser Herr de Maiziere hat es erst dieser Tage einen anderen Blick auf Migration als gro\u00dfen Erfolg verkauft und damit versucht, die Stammtische zum Schweigen zu bringen: Die Zuwanderungen aus Asien, aber vor allem auch aus Rum\u00e4nien und Bulgarien seien zu unserem Vorteil. Es kommen hochqualifizierte Leute, die wir f\u00fcr unsere Wirtschaft brauchen und die in unsere Sozialsysteme einzahlen. Sie sind sozusagen unsere letzte Rettung, weil wir selbst nicht mehr ausreichend qualifizierte menschliche Arbeitskraft hervorbringen und die Renten nicht mehr finanzieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>So weit so gut, oder schlecht! Die Menschen, die zu uns kommen, sollen uns willkommen sein. Da will ich nicht missverstanden werden. Sie nutzen ihr gutes Recht auf Freiz\u00fcgigkeit, und wer will Menschen vorwerfen, dass sie ihren pers\u00f6nlichen wirtschaftlichen Vorteil suchen. Wer will das vor allem in einem Landstrich tun, wo einst gerufen wurde, \u201ekommt die D-Mark nicht zu mir, gehe ich zu ihr\u201c. Das ist die eine Seite. <\/p>\n<p>Die andere Seite sind aber die Folgen dieser Abwanderungen in den Herkunftsl\u00e4ndern und -regionen. Dort geht teuer ausgebildete Kompetenz verloren, die diese L\u00e4nder eigentlich f\u00fcr ihre Entwicklung brauchen. Ihre Armut wird so nicht nur prolongiert, sie wird auf Dauer noch versch\u00e4rft. Kompetenz und Intelligenz werden hingegen immer billiger &#8211; zum Nutzen weniger L\u00e4nder und der gro\u00dfen Konzerne <\/p>\n<p>\u201eVerelendung\u201c? \u201eAusbeutung\u201c? <\/p>\n<p>Ach, wer wird denn gleich so b\u00f6se denken!?<\/p>\n<p>Doch! Ich denke so!<\/p>\n<p>Wer Verantwortung f\u00fchlt f\u00fcr eine Welt der Solidarit\u00e4t, der Menschlichkeit und des Friedens, muss sich gegen alle diese Entwicklungen stellen &#8211; wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. <\/p>\n<p>Das Allerschlimmste w\u00e4re ein R\u00fcckzug auf den nationalstaatlichen Egoismus. Der hat uns Krieg gebracht vor 100 Jahren, vor 75 Jahren, und er droht heute wieder die Welt aus den Fugen geraten zu lassen. Die europ\u00e4ische Einigung war ganz am Anfang eine gute Tat. Sie brachte auch dem heute 70-J\u00e4hrigen die lange Periode pers\u00f6nlichen Friedens. Ich glaube, dass der Anfang nach dem Schock der beiden Kriege tats\u00e4chlich vom Friedenswillen der Verantwortlichen gepr\u00e4gt war. Leider fehlte die B\u00e4ndigung des Kapitalismus und damit waren die Quellen von Krieg und Ausbeutung eben auch nicht versiegt und der europ\u00e4ische Gedanke ist dem Missbrauch ausgesetzt. Nicht die europ\u00e4ischen Institutionen sind von \u00dcbel. Wir m\u00fcssen sie aber befreien von den neoliberalen Okkupanten und sie radikal demokratisieren.<\/p>\n<p>Setzen wir neoliberalem Diktat Widerstand von unten entgegen, unsere Solidarit\u00e4t und unseren ungebrochenen Einsatz f\u00fcr Demokratie und gegen Krieg. Damit sind wir bei Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Wir h\u00e4tten sie verstanden und w\u00fcrden uns und anderen n\u00fctzen. <\/p>\n<p>Und deshalb lassen wir Karl und Rosa auch nicht dem Vergessen anheim fallen!<\/p>\n<p>Verstanden, Herr Knabe?<\/p>\n<p>(18.01.2014)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf die Tatsache, dass ein deutscher Fernsehsender vermeldete, dass Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg von den Nazis ermordet wurden, kann man zumindest mit zwei Fragen reagieren: Wie doof sind die eigentlich? 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