{"id":795,"date":"2014-01-17T14:19:35","date_gmt":"2014-01-17T12:19:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=795"},"modified":"2014-01-17T14:19:35","modified_gmt":"2014-01-17T12:19:35","slug":"gabriel-flog-schnell-hernieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=795","title":{"rendered":"&#8222;Gabriel flog schnell hernieder \u2026&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Nun haben wir schon wieder l\u00e4ngere Zeit Januar. Der Weihnachtstrubel ist vorbei. Wir sind kurz n\u00fcchtern geworden, bevor uns Fasching oder Karneval wieder in Rausch versetzen. Die hier zu lesenden Zeilen wurden aber noch im Dezember geschrieben, in der Woche vor Weihnachten. Da war Advent &#8211; Ankommen, Sich-Ereignen hei\u00dft das auf Deutsch und kommt aus dem Lateinischen. Und es ist diesmal was angekommen, es hat sich was ereignet. Etwas im September des vorigen Jahres noch Unvorstellbares wurde uns geboren: die GroKo &#8211; das Unget\u00fcm! Nach Lage der Dinge werden wir es so schnell wohl nicht loswerden. Die Sonne ist zwar nicht gleich stehen geblieben. Sie hat in gewohnter Weise das Tal durchschritten. Wir feierten dies nach sehr altem heidnischem und etwas weniger altem christlichem Brauch mit viel Licht und Tannengr\u00fcn. Ich werde aber den Gedanken nicht los, dass sich da im Dezember etwas vollzog, das es in sich hat &#8211; eine neue Art von Sonnwende, ein Weihnachten neuen Typs.<br \/>\nKatholiken feiern jeden Morgen im Advent Rorate (lateinisch: taue) und singen, \u201eTauet Himmel den Gerechten &#8230;\u201c. Tut mir leid, aber da fiel mir der Gabriel ein. Eine unheimliche, nicht enden wollende Perseveration befiel mich, was nach Wikipedia ein \u201ebeharrliches Wiederholen von &#8230; W\u00f6rtern auch in unpassendem Zusammenhang\u201c ist. Das Lied, \u201eTauet Himmel den Gerechten\u201c, verfolgte mich. Es erz\u00e4hlt ja die ganze Weihnachtsgeschichte vom Anfang bis zum Ende. \u201eGabriel flog schnell hernieder\u201c, teilte Maria den himmlischen Beschluss ihrer \u201eunbefleckten\u201c Mutterschaft mit, und \u201ekehrte mit der Antwort wieder &#8230;\u201c Dieser Gabriel ist im Lied nat\u00fcrlich der Erzengel. Bei mir wurde es jedoch ganz schnell irdisch. Ich will wirklich niemandes Gott und dessen Engel l\u00e4stern oder deren Lieder blasphemisch missbrauchen, aber es geht weiter im Text mit des keuschen M\u00e4dchens Versprechen, \u201e&#8230; was er will, erf\u00fcll\u2018 ich gern.\u201c An dieser Stelle perseveratorisch immer wieder angelangt verlie\u00df mich die hehre Weihnachtsgeschichte endg\u00fcltig und das Volk mit seinem Schandmaul kam \u00fcber mich. \u201eDa schau her, die Merkeln\u201c, ging es mir durch den Kopf, \u201eda ist die zu einer Koalition gekommen wie die Jungfrau zum Kind\u201c. Sie musste nur wollen und nichts bieten. Der Gabriel galt ab sofort aber als N\u00e4hrvater des Kindes. Eigentlich brauchte er ja gleicherma\u00dfen nur zu wollen. Zu bieten hatte er nicht viel. Halb z\u00f6gerte er, halb sank er hin &#8211; von allen guten Geistern verlassen. Und dann war es um ihn geschehen. Das w\u00e4re ja noch nicht schlimm. Ich werde jedoch die Bef\u00fcrchtung nicht los, dass es auch um uns oder wenigstens um viele von uns geschehen sein k\u00f6nnte. Es ist nicht nur der lange Text der Koalitionsvereinbarung, der mich so schwer beunruhigt; nein, es ist eine kurzer Satz von Gabriel, gesprochen bei der Unterzeichnung des Vertrages. Es sei ein \u201eVertrag der gro\u00dfen Koalition f\u00fcr kleine Leute.\u201c Jetzt war mir gar nicht mehr nach Weihnachten zumute, eher nach \u201esch\u00f6ne Bescherung\u201c. Denn jetzt kam eine andere Erinnerung in mir auf. Es war 1989, kurz vor Weihnachten, auf einer der letzten Leipziger Montagsdemos. Ein Mann, der seine begeisterte Vorfreude auf nun schon fast sicher als ankommend zu Betrachtendes kaum bremsen konnte, dr\u00f6hnte \u00fcber die Lautsprecher in die Menge: \u201eDie soziale Marktwirtschaft ist die Wirtschaft der Starken f\u00fcr die Schwachen.\u201c Das sa\u00df, und Helmut Kohls Verhei\u00dfung der \u201ebl\u00fchenden Landschaften\u201c, war nur mehr ein Nachhall. Nun, es ist ein wenig anders gekommen &#8211; zum Nachteil f\u00fcr die Schwachen und zum Vorteil f\u00fcr die Starken. Gro\u00df f\u00fcr Klein, das entpuppte sich noch immer als leere Versprechung. Das gibt es auf Dauer nicht, so wenig wie den \u201eschwarzen Schimmel\u201c. Die Hoffnung aber sollte niemals sterben. Da sei uns BILD davor. Am 17. Dezember 2013 verk\u00fcndete das Blatt in Richtung GroKo: \u201eWir sind eure APO!\u201c Gerade BILD? 1968 ist lange her, doch wer das glaubt, dem und der bleibt wirklich nur mehr die scheue Erwartung, es tauten eines Tages die Himmel den Gerechten. Besser helfen wir uns freilich selbst, dann hilft uns Gott. Das wei\u00df das Volk und wusste Rudi Dutschke!<\/p>\n<p>(geschrieben f\u00fcr und erschienen in DISPUT, Januar 2014, S. 39)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun haben wir schon wieder l\u00e4ngere Zeit Januar. Der Weihnachtstrubel ist vorbei. Wir sind kurz n\u00fcchtern geworden, bevor uns Fasching oder Karneval wieder in Rausch versetzen. Die hier zu lesenden Zeilen wurden aber noch im Dezember geschrieben, in der Woche vor Weihnachten. 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