{"id":788,"date":"2013-10-23T10:18:42","date_gmt":"2013-10-23T08:18:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=788"},"modified":"2013-10-23T10:18:42","modified_gmt":"2013-10-23T08:18:42","slug":"zweieinhalbtausend-jahre-und-nichts-geaendert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=788","title":{"rendered":"Zweieinhalbtausend Jahre &#8211; und nichts ge\u00e4ndert?"},"content":{"rendered":"<p>Es war ziemlich genau 500 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung. Die alteingesessenen Patrizier hatten im alten Rom die \u00f6konomische Macht und politisch das Sagen. Au\u00dfer Ihnen gab es noch andere freie B\u00fcrger Roms, die Plebejer. Die mussten in Kriege ziehen, die die Patrizier wollten \u2013 f\u00fcr ein starkes Rom, ein starkes Imperium. Sie mussten Steuern zahlen, deren H\u00f6he andere bestimmten. Sie arbeiteten f\u00fcr wenig Geld in Handwerk und Dienstleistung, so das nicht Sklaven machten. Das hatten die Plebejer einfach satt. Und weil bei Wahlen nur Patrizier gew\u00e4hlt werden konnten, sich dadurch also nichts \u00e4nderte, beschlossen sie einfach zu gehen. Sie wanderten aus auf den Heiligen Berg und lie\u00dfen die Patrizier allein zur\u00fcck. Das schmeckte denen bald gar nicht mehr. Reichtum und Macht schienen gef\u00e4hrdet. Also schickten sie einen der Konsuln aus. Menenius Agrippa sollte die Plebejer beruhigen und zur\u00fcckholen. Jener Menenius Agrippa wurde mit seiner Mission f\u00fcr alle Zeiten ber\u00fchmt. Er erz\u00e4hlte den Plebejern eine r\u00fchrselige Geschichte von den Gliedern des K\u00f6rpers, die sich gegen den Magen auflehnten. Der lag ihrer Meinung nach nur faul in der Mitte des K\u00f6rpers und lie\u00df sich von allen blo\u00df f\u00fcttern und bedienen. Als die \u00fcbrigen K\u00f6rperteile jedoch ihre Dienste f\u00fcr den Magen einstellten, merkten sie bald, so Menenius Agrippa, dass sie selber schw\u00e4cher wurden, weil der Magen sie selbst nicht mehr ern\u00e4hren und stark halten konnte. In einem K\u00f6rper h\u00e4ngen alle Teile voneinander ab. Kein Teil kann auf die Leistung der anderen verzichten und umgekehrt. Das war die Moral von der Geschichte, und die Plebejer fielen tats\u00e4chlich darauf herein, rafften sich auf und kehrten nach Rom und zu ihren Pflichten zur\u00fcck. Sie hatten begriffen: \u201eWeil jeder z\u00e4hlt: Das Ganze im Blick.\u201c Nein \u2013 Moment, das war keine Losung von vor zweieinhalbtausend Jahren. Das verk\u00fcndete uns doch die CDU im letzten Bundestagswahlkampf. Der fehlende Unterschied zum alten Rom hat mich jetzt verwirrt. Sogar die m\u00e4nnliche Form, \u201eweil jeder z\u00e4hlt\u201c, passt da auf den ersten Blick noch, haben Frauen doch zu Zeiten des Menenius Agrippa f\u00fcr die \u00f6ffentlichen Angelegenheiten \u00fcblicherweise keine Rolle gespielt. So ist jetzt \u201eKanzlerin f\u00fcr Deutschland\u201c ein gewisser Fortschritt. Angela Merkel muss sich mit keinem Kaiser erst ins Bett legen, um auf die Regierungsgesch\u00e4fte ma\u00dfgeblich Einfluss nehmen zu k\u00f6nnen. Also sind wir \u201eGemeinsam erfolgreich f\u00fcr Deutschland.\u201c \u201eDamit Deutschland stark bleibt.\u201c Letzteres war jetzt aber der Br\u00fcderle von der FDP. Obwohl, es klingt fast wie Wilhelm II., der bekanntlich am Vorabend des Zweiten Weltkrieges vom Balkon des Berliner Stadtschlosses verk\u00fcndete: \u201eIch kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche.\u201c Dann ging er daran, Deutschland \u201eden ihm geb\u00fchrenden\u201c Platz in der Welt zu erobern. Das ging geh\u00f6rig schief. Die FDP beirrt das nicht. Zu der geh\u00f6rt auch Herr Westerwelle. \u201eStarkes Deutschland. Starkes Europa\u201c war ihm deshalb eingefallen. Sollte da am deutschen Wesen vielleicht doch die Welt genesen?<br \/>\nZur\u00fcck zu Menenius Agrippa. \u201eDas Ganze\u201c ist der eine K\u00f6rper im Zusammenwirken seiner Teile. Die Teile des einen K\u00f6rpers m\u00fcssen sich lieben und unterst\u00fctzen. Andere K\u00f6rper und ihre Teile k\u00f6nnen deshalb nicht interessieren. Der Anf\u00fchrer der \u00f6sterreichischen Freiheitlichen Partei, H. C. Strache, erkennt deshalb glasklar das R\u00f6mische im Christentum. Erst die Stadt, dann der Erdkreis, denkt sich Herr Strache. \u201eLiebe Deinen N\u00e4chsten \u2013 f\u00fcr mich sind das unsere \u00d6sterreicher\u201c, schreibt er deshalb aufs Plakat.  Auweia \u2013 schon wieder nur die M\u00e4nner? Bei der Nationalratswahl hat es ihm aber 20,5 % gebracht. Sei\u2018s drum! Dass man in Rom sich wie die R\u00f6mer zu verhalten hat, haben die Engl\u00e4nder herausbekommen. H. C. Strache nimmt das auf: \u201eIntegration ist Pflicht. Verweigerung wollen wir nicht.\u201c \u201eIntegration\u201c und \u201edas Ganze\u201c bringen mich allerdings auf andere Ideen, etwa die Angleichung der L\u00f6hne und Renten in Ost und West. Und so gesehen k\u00f6nnte Teilen doch nicht nur Spa\u00df machen, sondern sogar zur Pflicht werden. Da m\u00fcsste sich indes nach zweieinhalbtausend Jahren etwas grunds\u00e4tzlich \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Geschrieben f\u00fcr Links November 2013, 22.10.2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war ziemlich genau 500 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung. Die alteingesessenen Patrizier hatten im alten Rom die \u00f6konomische Macht und politisch das Sagen. Au\u00dfer Ihnen gab es noch andere freie B\u00fcrger Roms, die Plebejer. Die mussten in Kriege ziehen, die die Patrizier wollten \u2013 f\u00fcr ein starkes Rom, ein starkes Imperium. Sie mussten Steuern [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":[]},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pBNn2-cI","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/788"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=788"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/788\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":789,"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/788\/revisions\/789"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=788"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=788"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=788"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}