{"id":770,"date":"2013-06-22T08:03:34","date_gmt":"2013-06-22T06:03:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=770"},"modified":"2013-06-22T08:03:34","modified_gmt":"2013-06-22T06:03:34","slug":"der-horcher-an-der-wand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=770","title":{"rendered":"&#8222;Der Horcher an der Wand &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230;h\u00f6rt seine eigene Schand\u2018\u201c. Das wei\u00df wieder einmal der Volksmund, und er wei\u00df es seit langem. Kommt man als Wanderer oder Wanderin z.B. zur Burg Stolpen in der S\u00e4chsischen Schweiz, so findet man gleich am Eingang eine kleine \u00d6ffnung, die in einem Rohr m\u00fcndet, das in ein Zimmer hinter dem Tor der Burg f\u00fchrt. Die Anlage diente dazu, vom Inneren des Schlosses aus die Gespr\u00e4che der Leute abzuh\u00f6ren, die vor dem Tor standen, um ihren Zehenten abzuliefern. Man kann sich gut ausmalen, dass dem Horcher gerade in einer solchen Situation wenn schon nicht die eigene Schand\u2018 so doch die seiner Herrschaft zu Ohren kam. Wer zahlt denn gerne den Zehenten und lobt daf\u00fcr noch den Beg\u00fcnstigten?<br \/>\nUns lehren das \u201eH\u00f6rrohr\u201c im Burgtor und die zitierte Volksweisheit, dass auch die Stasi &#8211; vom Volk unter anderem \u201eHorch und Guck\u201c genannt &#8211; wohl nie ein Alleinstellungsmerkmal besessen hat. Das soll nichts entschuldigen und Einmaligkeiten in ihrer T\u00e4tigkeit nicht verdecken. Im Gegenteil. In einer Gesellschaft, von der zumindest ihre Repr\u00e4sentanten meinten und viele ehrlich hofften, dass mit ihr die Menschen erst in ihre eigentliche, selbst gestaltete Geschichte eingetreten w\u00e4ren, sollte das Horchen an der Wand keine Basis mehr haben. Es war nicht so und deshalb war es auch mit der Gestaltung der eigenen Geschichte durch die Menschen zu Ende, bevor damit richtig begonnen wurde. Weil jedoch gerade bei der Stasi so vieles ans Tageslicht gekommen war, sollte man doch meinen, dass ihr Ende zugleich das Ende der Geschichte des \u201eHorchens an der Wand\u201c herbeigef\u00fchrt haben k\u00f6nnte.<br \/>\nNun, wir wissen es heute, die Chance wurde vertan. Eine abgek\u00fcrzt so genannte NSA aus den Vereinigten Staaten von Amerika hat wohl eine Menge von dem \u00fcbertroffen, was sich Mielke und Co. je vorstellen konnten. Zugegeben, niemand wei\u00df, was sie, mit den n\u00e4mlichen technischen Mitteln ausgestattet wie die NSA, noch so angerichtet h\u00e4tten. Sie hatten sie aber nicht. Der Versuchung h\u00e4tten sie vielleicht ebenso wenig widerstanden, wie die Schn\u00fcffler aus \u00dcbersee. Aber was hei\u00dft \u201eSchn\u00fcffler\u201c? Das \u00fcbernimmt heute die Technik. Das macht die Krake nicht sympathischer, offensichtlich aber gef\u00e4hrlicher. Besch\u00e4ftigte die Stasi noch ein Heer von menschlichen Informanten, so braucht diese die NSA kaum noch. Eine Milliarde elektronisch vermittelte Kommunikationsereignisse pro Tag f\u00fcr allf\u00e4llige Auswertung zu speichern ist nur mit modernster Technik zu bew\u00e4ltigen. Damit scheidet der Mensch als Risikofaktor weitgehend aus. Ganz freilich nicht. Die Maschine arbeitet ohne Moral und Skrupel. Ein paar verschwiegene Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen braucht man noch. Gott sei Dank! Denn so kommt eine andere Weisheit im Volk doch noch zu ihrem Recht. \u201eEs ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch an die Sonnen.\u201c  Ein tapferer Mann namens Edward Snowden hat daf\u00fcr gesorgt. Was an die Sonnen gekommen ist, hat angeblich alles seine rechtsstaatliche Ordnung. Es ist n\u00e4mlich auch an die Sonnen gekommen, dass die USA f\u00fcr jede Gemeinheit ein zust\u00e4ndiges Gericht haben, das die Dinge genehmigt. Komischerweise entscheidet solches Gericht aber nicht in Dingen, die die USA in ihrem Inneren betreffen. Nein, es entscheidet ausschlie\u00dflich \u00fcber den \u201eRest\u201c der Welt. Man horcht an der Wand, die die USA von diesem Rest trennt, und h\u00f6rt auf der anderen Seite &#8211; ja, nun doch seine eigene Schand\u2018. Die Welt ist emp\u00f6rt oder tut wenigstens so. Die M\u00e4chtigen jenseits der Wand m\u00fcssen n\u00e4mlich erschrocken feststellen, dass nun auch ihre Horchmaschinen enttarnt sind. Und noch etwas wurde ruchbar. Diese Leute bespitzeln nicht nur die ganze Welt, sondern auch sich selbst gegenseitig. Die Trag\u00f6die wird unter der Hand zur Farce. Die \u201eWertegemeinschaft\u201c wird zu einer \u201eNetzgemeinschaft neuen Typs\u201c, wohl aber mit alten Zielen. Nicht unser aller Sicherheit ist es, \u00fcber die konspirativ gewacht wird. Die Macht der M\u00e4chtigen soll erhalten werden und einer will \u00fcber den anderen obsiegen. Menschen aber, die meinen, nichts sei verborgen, kann man mit jeder L\u00fcge hinters Licht f\u00fchren. <\/p>\n<p>Geschrieben f\u00fcr Links Juli\/August 2013, 20.06.2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;h\u00f6rt seine eigene Schand\u2018\u201c. Das wei\u00df wieder einmal der Volksmund, und er wei\u00df es seit langem. Kommt man als Wanderer oder Wanderin z.B. zur Burg Stolpen in der S\u00e4chsischen Schweiz, so findet man gleich am Eingang eine kleine \u00d6ffnung, die in einem Rohr m\u00fcndet, das in ein Zimmer hinter dem Tor der Burg f\u00fchrt. 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