{"id":750,"date":"2012-11-20T11:11:42","date_gmt":"2012-11-20T09:11:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=750"},"modified":"2012-11-20T11:11:42","modified_gmt":"2012-11-20T09:11:42","slug":"im-wald-und-auf-der-heide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=750","title":{"rendered":"&#8222;Im Wald und auf der Heide &#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; da sucht er seine Freude &#8211; der J\u00e4gersmann. Man mag zu der \u201eFreude\u201c unterschiedlich stehen. \u201eDie Forsten treu zu hegen\u201c, kann man nur loben. \u201eDas Wildbret zu erlegen\u201c, mag bei manchen Widerspruch provozieren. Dennoch, das Weidwerk ist eine der \u00e4ltesten \u201eK\u00fcnste\u201c, die der Mensch beherrscht. Als einst die Br\u00fcder Jacob und Wilhelm Grimm ihre Zeitschrift \u201eAltdeutsche W\u00e4lder\u201c aus der Taufe hoben, dachten sie daran, dass unsere Vorfahren diese W\u00e4lder belebten, mit den Tieren teilten und Gefahr wie Lebensquell gleicherma\u00dfen von dort kamen. In den M\u00e4rchen war der J\u00e4ger immer dabei. Er schnitt das Rotk\u00e4ppchen samt Gro\u00dfmutter dem Wolf aus dem Bauch, genauso wie die Gei\u00dflein. Der Wolf plumpste daf\u00fcr in den Brunnen usw. usw. Nicht zuletzt W\u00e4lder wie der Hambacher Forst waren den Gebr\u00fcdern daf\u00fcr Vorbild.<br \/>\nNeuerdings geht es dort aber anders zu. Da wird pl\u00f6tzlich auf Menschen zur Jagd geblasen. Die Ursache liegt tief unter dem Wald und in zerst\u00f6rerischer Gier nach Profit.  \u00dcber Millionen von Jahren, vom Menschen unber\u00fchrt, immer wieder abgestorben, untergegangen und von neuem Baumbestand \u00fcberwuchert, schlummert der alte Wald als Braunkohle unter der Oberfl\u00e4che des neuen. Die Kohle ist das Objekt der Begierde, mit \u00fcberdimensionierten Baggern erreichbar. Der Wald ist deshalb schon auf ein F\u00fcnftel seiner einstigen Gr\u00f6\u00dfe geschrumpft. Die Menschen, die dort wohnen, wollen dar\u00fcber nicht mehr schweigen und es wollen andere nicht mehr zusehen, weil sie erkannt haben, dass damit weit \u00fcber Hambach hinaus Schaden angerichtet wird, den kein Nutzen je aufwiegen k\u00f6nnte. Braunkohlegewinnung zerst\u00f6rt Landschaft und verbrennt Heimat im Kraftwerk. Energiekonzernen wie RWE ist das egal. Willf\u00e4hrige Politiker unterst\u00fctzen sie. Mutige Menschen versuchen es zu verhindern. Sie haben sich deshalb H\u00e4uschen in den B\u00e4umen gebaut, f\u00fcnfzehn Meter hoch oben und h\u00f6her. Sie haben sich in die Erde eingegraben, sechs, sieben, acht Meter und tiefer. Und sie haben sich eingerichtet im Wald. Wie im Lied: \u201eKein\u00b4n Heller in der Tasche, ein\u00a0Schl\u00fcckchen in der Flasche, ein St\u00fcckchen schwarzes Brot.\u201c Die Unterst\u00fctzung der Anwohnerinnen und Anwohner des Forstes kam dazu. Man lebte ein einfaches, aber sch\u00f6nes Leben \u2013 beispielhaft. Es geht auch ohne Braunkohle. RWE jedoch schickt die Polizei. Die hat die lebendige Alternative von den B\u00e4umen geholt und aus der Erde gegraben. Die Zerst\u00f6rer von Natur sind im Recht und die, die sie erhalten wollen und auf den Frevel aufmerksam machen, haben angeblich 200 Straftaten begangen. Der Mensch wurde des Menschen Wolf, und gerade ist kein guter J\u00e4gersmann in Sicht, der die direkt aus ihren Betten vom Kapitalismus Gefressenen schnell wieder aus dessen Bauch befreit.<br \/>\nVerlassen wir also den Wald. Wir haben ja noch die Heide \u2013 z.B. die Colbitz-Letzlinger Heide. Dort werden doch tats\u00e4chlich keine H\u00e4user eingerissen und keine Bewohner von den B\u00e4umen geholt. Nein, dort wird gebaut. Es wird gebaut um 100 Millionen Euro. Aber was und wozu wird gebaut? Es wird \u201eSchn\u00f6ggersburg\u201c gebaut. Das soll ein Ballungsgebiet werden, sagt ein Sprecher der Wehrbereichsverwaltung Ost der Bundeswehr. Richtig gelesen: ein Sprecher der Bundeswehr, denn die Bundeswehr ist Bauherr. Unter ihrer Hoheit entstehen eine Altstadt, eine Vorstadt, eine Neustadt. Es entstehen Industrieanlagen, ein Flugplatz, ein St\u00fcck Autobahn, eine U-Bahn, ein Fluss. Von einer Kirche habe ich nichts geh\u00f6rt. Ausdr\u00fccklich wurde jedoch noch auf ein Elendsviertel hingewiesen, wo Menschen \u201ehausen\u201c, wie der Sprecher am 2.11. im MDR vermeldete. Wozu das Ganze? Bleiben wir bei dem Wort \u201ehausen\u201c. Mit dem Wort bezeichnet man nicht nur die \u00e4rmlichste Art zu wohnen, sondern auch die schlimmste Art, selbst dieses Wohnen unm\u00f6glich zu machen. \u201eSie hausten wie die Vandalen\u201c, findet man daf\u00fcr als Beleg im W\u00f6rterbuch. Wie die Vandalen zu hausen in beliebigen St\u00e4dten der Welt und selbst die \u00c4rmsten noch aus ihren Wohnst\u00e4tten zu jagen, das soll dort ge\u00fcbt werden.<br \/>\nWem zum Nutzen? Es kann nur zum Nutzen derer sein, denen alles und auch Wald und Heide zur Ware geworden ist, und die zerst\u00f6ren wollen, wer und was sich ihnen in den Weg stellt. Sie behaupten, den Frieden zu sichern, indem sie den Krieg vorbereiten. Das D\u00fcmmste, was ich jemals geh\u00f6rt habe, auch wenn es \u00fcber Jahrtausende \u00fcberliefert ist!<\/p>\n<p>Geschrieben f\u00fcr Links (Dezember 2012) 17.11.2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; da sucht er seine Freude &#8211; der J\u00e4gersmann. Man mag zu der \u201eFreude\u201c unterschiedlich stehen. \u201eDie Forsten treu zu hegen\u201c, kann man nur loben. \u201eDas Wildbret zu erlegen\u201c, mag bei manchen Widerspruch provozieren. 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