{"id":732,"date":"2012-06-19T18:31:36","date_gmt":"2012-06-19T16:31:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=732"},"modified":"2012-06-19T18:31:36","modified_gmt":"2012-06-19T16:31:36","slug":"es-ist-egal-wie-es-ausgeht-hauptsache-wir-gewinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=732","title":{"rendered":"&#8222;Es ist egal, wie es ausgeht. Hauptsache wir gewinnen!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Gesagt hat das Angela Merkel zum Fu\u00dfball, dokumentiert ist es in bild.de vom 14.06.2012. Gesagt haben k\u00f6nnen h\u00e4tte sie es sicher auch zur Wahl in Griechenland. Solches nivellierte jedoch gef\u00e4hrlich die Meinungsvielfalt in Europa und schl\u00f6sse die Griechinnen und Griechen tendenziell aus. Die haben aber auch ein \u201eWir\u201c. \u201eWir sind ein wunderbares Volk. Wir haben das nicht verdient, so zu leiden.\u201c Das sagte der griechische Torh\u00fcter nach dem Sieg \u00fcber Russland. \u201eWir\u201c so sagt uns das DUDEN-Universalw\u00f6rterbuch \u201esteht f\u00fcr &#8230; einen Kreis von Menschen, in den die eigene Person eingeschlossen ist\u201c. Wen meint Frau Merkel da mit ihrem \u201eWir\u201c? Sie meint offensichtlich Deutschland mit allen seinen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern. Denn bild.de verk\u00fcndete am gleichen Tag, \u201eHurra,Hurra, wir schlagen Holland mit 2:1.\u201c Das hat zwar die deutsche Nationalmannschaft geschafft, aber in diesem \u201eKreis von Menschen\u201c sind weder Frau Merkel, noch die Redakteure und Redakteurinnen von bild.de eingeschlossen. Dennoch das \u201eWir\u201c; also doch \u201ewir\u201c alle. Ich habe aber gar nicht gewonnen, ich habe nur ein Fu\u00dfballspiel gesehen, das mir sogar ganz gut gefallen hat. Ich schlie\u00dfe mich also aus diesem Wir-Patriotismus aus. Da kann die Junge-Union hundert Mal im Internet f\u00fcr \u201ePatriotismus &#8211; Ja bitte\u201c werben. Es wirkt jeglicher Patriotismus be\u00e4ngstigend, der ungefragt einschlie\u00dft und kein Entkommen zul\u00e4sst. Da wird eine riesige Fahne der Kroaten \u00fcber das halbe Stadion gezogen und wickelt die Menschen darunter unentrinnbar ein. Es werden Hymnen geschmettert mit \u201eInbrunst\u201c, wie der ARD-Kommentator feststellt. \u201eInbrunst\u201c steht etymologisch in Zusammenhang mit Begattungstrieb, mit innerer Glut, mit tiefem Gef\u00fchl belehrt mich das einschl\u00e4gige W\u00f6rterbuch. Soll so singen, wer will. Mich kann er oder sie deswegen nicht zu Gleichem bewegen. Dieses Singen hat aber etwas in diese Richtung Forderndes. Patriotismus schlie\u00dft ein und schlie\u00dft aus mit Hilfe von Symbolen. Da stehen dann, ob es gef\u00e4llt oder nicht, in einer Reihe mit den einschlie\u00dfenden Hymnen und Fahnen die Affenlaute und Bananen f\u00fcr den dunkelh\u00e4utigen Italiener Balotelli. Der Zynismus vollendet sich im Kommentar eines Lesers der Netzausgabe der \u00f6sterreichischen Kronenzeitung am 15.06.12: \u201eDas ist doch nicht rassistisch. Die werden gedacht haben, dass ihn eine Banane st\u00e4rkt.\u201c Das ist nicht weit entfernt von der Kennzeichnung nazistischer Gaskammern als Duschen und Desinfektionsr\u00e4ume. Patriotismus bef\u00f6rdert, sich mit dem Eigenen zu erheben und das Fremde zu erniedrigen. In facebook fand sich am 14.06.12 eine Montage. Unter den Worten \u201eKnie Nieder &#8211; Land\u201c stand das Ergebnis des Spiels Deutschland gegen Niederlande, flankiert von der jeweiligen Nationalflagge: 2 unter \u201eKnie Nieder\u201c und 1 unter \u201eLand\u201c. Das kann man nur mehr schwer unter Ulk verbuchen. Ein Witz ist ein Witz und manchmal nicht sehr r\u00fccksichtsvoll. Witze leben auf Kosten anderer und ziehen ihren Effekt aus der Vermischung von Zusammenh\u00e4ngen. Da mag man mit den Tr\u00e4gerinnen von zwei Plakaten nicht all zu sehr ins Gericht gehen, problematisch bleibt das Ganze dennoch: \u201eWelches Tier schie\u00dft keine Tore\u201c, war auf dem einen Plakat zu sehen. Die Antwort stand auf dem anderen: \u201eRobben\u201c. Wird man zuk\u00fcnftig dem Holl\u00e4nder Robben das Heulen von Robben zumuten und vielleicht Fische auf das Spielfeld werfen? <\/p>\n<p>Es klingt doch eigentlich harmlos und \u201eist doch so\u201c, wenn bei der Nennung der Ukraine in deutschen Medien (\u201ezuf\u00e4llig\u201c meist in negativen Zusammenh\u00e4ngen) immer wieder mal hinzugef\u00fcgt wird, \u201eEx-Sowjetrepublik\u201c. Welcher Aufschrei ginge durch den deutschen Bl\u00e4tterwald, wenn ein ukrainischer Kommentator die Nennung Deutschlands erg\u00e4nzte mit, \u201edas ehemalige faschistische Deutsche Reich\u201c. Und es ist schon eine Verkehrung der Dinge, wenn der Kommentator des \u00f6sterreichischen Fernsehens zum Spielort f\u00fcr Tschechien gegen Griechenland meint: \u201eBreslau &#8211; oder Wroclaw, wie es in Polen hei\u00dft.\u201c Wie w\u00fcrde jener Mann reagieren, wenn z.B. ein Engl\u00e4nder sagen w\u00fcrde, \u201ein Vienna or Wien, as its called in Austria.\u201c Es sei dem \u00d6sterreicher sein \u201eBreslau\u201c nachgesehen und den Engl\u00e4ndern ihr \u201eVienna\u201c erst recht. Die Rangordnung, die sich in der Reihenfolge der Nennungen von Breslau und Wroclaw reflektiert, zeugt jedoch von einem latenten Revanchismus. Es suggeriert polnischen Eigensinn bei den Ortsnamen. Nat\u00fcrlich muss man nicht mehr so penibel mit den polnischen Ortsnamen umgehen, wie vor der Anerkennung der Oder-Nei\u00dfe-Grenze durch die Bundesrepublik. Sensibilit\u00e4t ist aber immer noch angesagt. Schlicht Dummheit und wenig Bildung steckt dahinter, wenn ein ARD Reporter von \u201eLehmberg\u201c, mit langem e, spricht. Wenn er schon nicht Lwiw aussprechen kann, sollte er doch wenigstens den deutschen Ortsnamen phonetisch richtig &#8211; mit kurzem e &#8211; beherrschen.<\/p>\n<p>Sensibilit\u00e4t muss aber auch die Kritik zeigen. \u201eDreckfressen\u201c und \u201eHackfressen\u201c f\u00fcr Spieler, \u201eDeppen\u201c f\u00fcr Fu\u00dfballfans, die das Patriotische und die ertr\u00e4gliche Lautst\u00e4rke aus eigener Sicht \u00fcberziehen, oder die allgemeine Abwertung des Zuschauens des Fernsehpublikums mit \u201eglotzen\u201c zeugen auch nicht gerade von Sachlichkeit und Toleranz. Im Extremfall ist es nur die Umkehrung der Ausgrenzung. Wenn ein Student wegen seines Deutschland-Trikots aus einer Kneipe verwiesen wird, ist das Wasser auf die M\u00fchlen von BILD und auch nicht weit weg vom Wunsch eines Polen, die Polizei m\u00f6ge den Marsch der Russen zum Stadion verbieten. Und weil das nicht so war, war ihm die Gewalt polnischer Hooligans legal: \u201eDie Fans mussten die Ehre der Polen verteidigen! Bravo! Wir lassen uns nicht ins Gesicht spucken.\u201c (Standard, 15.0612) <\/p>\n<p>Gott sei Dank spielen heute in allen Nationalmannschaften Leute mit zun\u00e4chst \u201eausl\u00e4ndischer\u201c Herkunft. Die Liste ist lang und gerade f\u00fcr Deutschland betrifft das hervorgehobene Leistungstr\u00e4ger. Auch nicht jeder Kommentar ist schon per se nationalistisch. Es ist doch am\u00fcsant, wenn ein \u00f6sterreichischer Kommentator meint, \u201eRibery, der ist \u00fcberall, von dem gibt\u2018s mehrere.\u201c Obskur wirkt beim Fu\u00dfball, wenn der ARD-Kommentator einen holl\u00e4ndischen Spieler lobt: \u201eHat alles Hand (!) und Fu\u00df, was er macht.\u201c Aber auch Kommentatoren wollen Sprachkultur beweisen. Da wird dann auch schon mal ein \u201eSchienbeinsch\u00fctzer sicher positioniert.\u201c<\/p>\n<p>Also lassen wir jenen den Spa\u00df am Fu\u00dfball und dem akzeptablen Beiwerk, die den Spa\u00df brauchen. Ein bisschen Fasching wird wohl immer sein und ein Krieg wie einst zwischen Honduras und El Salvador wird wegen eines Fu\u00dfballspiels hoffentlich nicht wieder ausbrechen. Ich schlie\u00dfe mich dem an, was auf jedem Dress und in jedem Stadion zu lesen ist: \u201erespect. exchange your jersey\u201c.<\/p>\n<p>Geschrieben f\u00fcr Links (Juli\/August), 18.06.2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesagt hat das Angela Merkel zum Fu\u00dfball, dokumentiert ist es in bild.de vom 14.06.2012. Gesagt haben k\u00f6nnen h\u00e4tte sie es sicher auch zur Wahl in Griechenland. Solches nivellierte jedoch gef\u00e4hrlich die Meinungsvielfalt in Europa und schl\u00f6sse die Griechinnen und Griechen tendenziell aus. Die haben aber auch ein \u201eWir\u201c. \u201eWir sind ein wunderbares Volk. 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