{"id":722,"date":"2012-05-21T09:08:02","date_gmt":"2012-05-21T07:08:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=722"},"modified":"2012-05-21T09:08:02","modified_gmt":"2012-05-21T07:08:02","slug":"merkel-zweimal-klingeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=722","title":{"rendered":"Merkel &#8211; zweimal klingeln."},"content":{"rendered":"<p>Fast sah es ja nach den Wahlen in Frankreich und in Griechenland und nach Unruhen in Spanien oder Italien schon so aus, dass ich \u201eMerkel allein zu Haus\u201c h\u00e4tte titeln m\u00fcssen. Aber wenigstens der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident hat schon mal geklingelt; einmal zun\u00e4chst, doch der wird noch \u00f6fter vor der T\u00fcre stehen und Einlass begehren. Ob er irgendwann so willkommen sein wird wie sein Vorg\u00e4nger, wissen wir noch nicht. Gut Ding wird wohl Weile brauchen. Er l\u00f6ffelt nicht jede Suppe aus, die man ihm vorsetzt, sondern stellt Forderungen. Die sparsame Hausfrau, die einem gro\u00dfen Teil Europas die schmale Kost von T\u00fctensuppen verordnet hat, soll das Mahl wieder opulenter gestalten, damit die halb verhungerten Esser erstarken. Das klingt doch vern\u00fcnftig. Nur kr\u00e4ftige Menschen k\u00f6nnen arbeiten und neue Werte schaffen. Der Suppenkasper war am siebenten Tage tot. Die Merkeln jedoch l\u00e4sst klingeln und um Essen betteln. Den Sparwahn will sie nicht aufgeben, bessere Kost gibt es nur, wenn das Geld daf\u00fcr nicht geborgt, sondern &#8230; ja was, sondern? \u201eBorgen bringt Sorgen\u201c. \u201eBorgen und Schmausen endet mit Grausen.\u201c Das mag ja sein. Aber nichts borgen bringt offensichtlich auch Sorgen, gr\u00f6\u00dfere vielleicht noch als das Borgen. Hierin schlummert der Grundwiderspruch kapitalistischer Geldwirtschaft, in der Geld selbst zur Ware wird. Sie lebt vom Borgen und Verborgen. Borgen ist jedoch die Erstgeburt der Armut. Die Alternative zur Armut ist Verhungern. Auf der Stra\u00dfe liegt kein Geld mehr. Das hat der Exportweltmeister Deutschland l\u00e4ngst eingesammelt. Jetzt klingeln jene, die einst als K\u00e4ufer auf Pump vor der T\u00fcr standen, als Bettler und die EU verkommt zur Suppenk\u00fcche. Die K\u00f6chin freilich wird dick und fett. Es bewahrheitet sich n\u00e4mlich die finnische Weisheit: \u201eBorgst Du Dir Spreu von einem Reichen, musst Du ihm Weizen zur\u00fcckgeben.\u201c<br \/>\nDer Titel \u00fcbrigens, \u201eMerkel &#8211; zweimal klingen\u201c, ist bis auf die Merkel geklaut. Die \u00c4lteren unter den Leserinnen und Lesern oder vielleicht auch nur mehr die ganz Alten werden das schon gemerkt haben. \u201eNeumann &#8211; zweimal klingen\u201c war der Sonntagsrenner bei Radio DDR in den sechziger Jahren. Warum musste man eigentlich bei Neumanns zweimal klingeln? Nun, in der DDR waren gro\u00dfe Wohnungen oft geteilt in zwei oder mehrere \u201eTeilhauptmieten\u201c. Das waren nach heutiger Diktion so etwas wie WGs. Klingel gab es und gibt es da oft nur eine. Das alles hat Frau Merkel wohl vergessen. Sie wohnte ja auch allein mit ihren Eltern im Pastorenhaus. Jetzt h\u00e4lt sie Europa f\u00fcr ihr Haus und teilt es nur mit dem Hausmeister Sch\u00e4uble. Der hat einen Schl\u00fcssel zum Haus, zu K\u00fcche, Kammer und Haushaltskasse. Der braucht nicht zu klingeln. Alle anderen jedoch, die eigentlich auch ins Haus geh\u00f6rten, sollen dies, wenn sie hinein wollen. Die Hausfrau will dann entscheiden, ob sie das zul\u00e4sst oder ob man wen im Regen stehen l\u00e4sst. Sie hat vergessen, dass auch sie nur Teilhauptmieterin ist. Irgendwann werden da die Durchgeweichten Sturm klingeln. Einmal, vielleicht auch noch zwei- oder dreimal. Irgendwann wird aber auch ihre Geduld zu Ende sein. Der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident geht noch gesittet voran und klingelt brav bei Neum &#8230;, pardon, Merkel. Andere werden w\u00fctender. Die Polizei wird sie auf Dauer nicht daran hindern k\u00f6nnen, das zu besetzen, was aus ihnen rausgepresst wurde, sich den angeh\u00e4uften Reichtum verf\u00fcgbar zu machen, der ihre aktuelle Armut verursacht. \u201eOccupy\u201c, \u201eBlockupy\u201c das sind die Stichworte f\u00fcr die neuen Volksweisheiten. Die predigen nicht Gewalt, sondern t\u00e4tige Demokratie. Die Gewalt geht von den \u201eHausbesetzern\u201c der Wall-Street oder des Frankfurter Bankenviertels aus, die in ihren Quartieren ruhig, dick und fett auf der Bank sitzen wollen. Gewalt geht von jenen aus, die meinen, es g\u00e4be zu viele \u201eKleine\u201c in den Parlamenten, was nur die Demokratie st\u00f6re. Sp\u00e4testens jetzt sollte es bei uns allen mehr als zweimal klingeln. So einer meint gar nicht Demokratie, er meint Plutokratie. Das ist nach DUDEN, Universalw\u00f6rterbuch die \u201eStaatsform, in der die Besitzenden, die Reichen die politische Herrschaft aus\u00fcben\u201c.  <\/p>\n<p>Geschrieben (18.05.12) f\u00fcr &#8222;Links&#8220;, Juni 2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast sah es ja nach den Wahlen in Frankreich und in Griechenland und nach Unruhen in Spanien oder Italien schon so aus, dass ich \u201eMerkel allein zu Haus\u201c h\u00e4tte titeln m\u00fcssen. Aber wenigstens der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident hat schon mal geklingelt; einmal zun\u00e4chst, doch der wird noch \u00f6fter vor der T\u00fcre stehen und Einlass begehren. 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