{"id":703,"date":"2011-11-18T14:15:59","date_gmt":"2011-11-18T12:15:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=703"},"modified":"2011-11-18T14:15:59","modified_gmt":"2011-11-18T12:15:59","slug":"ein-glaschen-in-ehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=703","title":{"rendered":"Ein Gl\u00e4schen in Ehren &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; kann niemand verwehren\u201c, h\u00f6re ich aus Volkes Mund. \u201eIm Wein die Wahrheit\u201c, auch<br \/>\ndas wei\u00df der Volksmund. Analog gilt das nat\u00fcrlich f\u00fcr all die anderen Drogen, die zu unserem Alltag geh\u00f6ren: \u201eBier her, Bier her oder ich fall\u2018 um!\u201c Und weil es auf Hawaii kein Bier gibt, fahren wir auch nicht hin. \u201eDie Landschaft ist wie vom lieben Gott gek\u00e4mmt\u201c, lese ich in einer Zeitung \u00fcber den Anblick von Weinbergen. \u201eSchade, dass man den Wein nicht streicheln kann\u201c, seufzte einst Kurt Tucholsky, und wer ein wahrer Deutscher ist, w\u00fcnscht sich das Wasser des Rheines in goldenen Wein verwandelt und m\u00f6chte so gerne ein Fischlein sein. Bis das aber so weit ist, trinken national gesinnte deutsche Studenten Bier &#8211; oft mehr als sie vertragen. Da steppt der B\u00e4r beim Kommers, wenn die F\u00fcchse voll sind und durch Trinkspr\u00fcche angestachelt zum dritten Mal kotzen, kultiviert nat\u00fcrlich; denn auf der Toilette gibt es ein eigenes Kotzbecken, gro\u00df genug, dass nichts danebengeht, und auch in der richtigen H\u00f6he angebracht. Es macht einen eigenenTon, wenn es benutzt wird. Deshalb hei\u00dft der Vorgang bei manchen auch \u201eUlfrufen\u201c. Das ist alles ein Heidenspa\u00df. Mit Drogen hat es nichts zu tun. Die verachtet man, zumal die Linken diese jetzt auch noch freigeben wollen. \u201eSchnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort\u201c, das ist nat\u00fcrlich Spa\u00df. Der Drogentote auf der \u00f6ffentlichen Toilette nicht. Nein, ist er auch nicht, aber genau so wenig wie die Schnapsleiche. Neben dem \u201eGl\u00e4schen in Ehren&#8230;\u201c, wissen wir freilich auch, dass \u201ewer Sorgen hat, hat auch Lik\u00f6r.\u201c Sorgen dr\u00e4ngen wohl \u00f6fter zur Droge als das Gl\u00e4schen in Ehren. Missbrauch von Alkohol, Nikotin und Medikamenten kostet die Gesellschaft j\u00e4hrlich Milliarden von Euro, vornehmlich im Gesundheitswesen, illegale Drogen machen au\u00dferdem horrende Kosten bei der Polizei.<br \/>\nEs sind nicht zuletzt die Folgen ungel\u00f6ster pers\u00f6nlicher Probleme, entstanden in einer Gesellschaft, die Wettbewerb vor Solidarit\u00e4t, Ellenbogen vor Mitmenschlichkeit stellt, die so auf die Gesellschaft zur\u00fcckfallen. K\u00e4me aber deshalb jemand auf die Idee, die Weinberge zu bombardieren, wie man es f\u00fcr die Mohnfelder in Burma immer wieder vorschl\u00e4gt? Wer wollte schon den von Gott gek\u00e4mmten Scheitel zerst\u00f6ren! K\u00e4me jemand auf die Idee, die Schnapsbrennereien, Pharmafabriken und Brauereien zu st\u00fcrmen? Ist der Winzer, ist der Braumeister schuld am Alkoholkranken? Da spricht<br \/>\nman dann doch eher von der Freiheit und Verantwortung des Einzelnen und stellt diese zwischen den Trinker und den Erzeuger und die Entziehungsanstalt. Freilich k\u00f6nnen sich Freiheit und Verantwortung im Falle der Not so sehr nicht mehr entfalten, weshalb es auch<br \/>\nniemandem erlaubt sein kann, Verzweiflungstaten von Menschen in Not, sei es Drogenmissbrauch oder Suizid, dem freien Willen zuzuordnen. Solche Menschen brauchen nichts als unsere Hilfe. Jede Kultur hat ihre Drogen, eigene und aus anderen Kulturen \u00fcbernommene. Der Wein, im Alten Testament als Lebenswasser<br \/>\ngepriesen, kam \u00fcber die R\u00f6mer zu uns. Kaffee und Tabak kommen aus Amerika, genauso wie die Kartoffel, der Grundstoff f\u00fcr Wodka. Zuerst verp\u00f6nt, dann kultiviert! Jede Kultur hat ihre Drogen und ihre Drogenprobleme. Letztere kann man nicht ernst genug nehmen. Ihre Ursachen liegen aber nicht vordergr\u00fcndig in den Drogen. Deshalb reicht es \u00fcberhaupt nicht, Drogen in gute und schlechte einzuteilen. Es gibt nicht gute und schlechte Drogen. Es gibt nur \u2013 sagen wir einmal vorsichtig \u2013 etwas weichere, wie Bier oder Cannabis, und deutlich h\u00e4rtere, wie Schnaps oder Heroin. Es gibt in der Kultur angekommene, wie bei uns Wein oder Tabak, und solche, die noch an die T\u00fcr der Kultur klopfen. Deshalb ist der Umgang mit Drogen zu lernen und zu kontrollieren wie der Umgang mit Streichh\u00f6lzern und mit Automobilen. Darin liegt unsere Verantwortung. Verbote und Kriminalisierung von Erwerb und Besitz sind da zu einfache L\u00f6sungen und der Aufkleber \u201eRauchen kann t\u00f6dlich sein\u201c auf der frei verkauften Zigarettenpackung ist merkantiler Zynismus pur.<\/p>\n<p>Geschrieben f\u00fcr &#8222;Links&#8220;, Dezember 2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; kann niemand verwehren\u201c, h\u00f6re ich aus Volkes Mund. \u201eIm Wein die Wahrheit\u201c, auch das wei\u00df der Volksmund. 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