{"id":695,"date":"2011-09-04T11:03:54","date_gmt":"2011-09-04T09:03:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=695"},"modified":"2011-09-04T11:03:54","modified_gmt":"2011-09-04T09:03:54","slug":"ach-wie-gut-dass-niemand-weis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=695","title":{"rendered":"Ach wie gut, dass niemand wei\u00df &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Wir alle kennen das M\u00e4rchen: Da war ein K\u00f6nig, der hatte offensichtlich sehr viel Stroh, aber zu wenig Gold. Ein M\u00fcller wollte sich dies zu Nutze machen und bei der Gelegenheit seine Tochter zur Gemahlin des K\u00f6nigs werden lassen. Wider besseren Wissens erz\u00e4hlte er dem K\u00f6nig, dass seine Tochter Stroh zu Gold spinnen k\u00f6nne, und \u00fcberlie\u00df sie damit ihrem Schicksal. Tr\u00e4nen der Verzweiflung brachten die M\u00fcllerstochter nicht weiter, wohl aber ein kleines M\u00e4nnchen, das doch tats\u00e4chlich das reichlich zur Verf\u00fcgung gestellte Stroh zu Gold verspann. Als aber das M\u00e4dchen in der dritten Nacht f\u00fcr die Dienstleistung des M\u00e4nnchens nichts mehr zu geben hatte, verschenkte sie ihr noch gar nicht geborenes erstes Kind. Wir wissen, wie es weiterging. Nur ein Zufall rettete der tats\u00e4chlich K\u00f6nigin gewordenen M\u00fcllerstochter das Kind und im Zorn dar\u00fcber zerriss sich Rumpelstilzchen selbst in zwei Teile. Ein M\u00e4rchen! <\/p>\n<p>Die Wirklichkeit ist anders und dennoch nicht ganz un\u00e4hnlich: Da gibt es eine Staatsregierung in Sachsen, die drischt viel leeres Stroh und h\u00e4tte doch viel lieber, dass man es f\u00fcr Gold halten k\u00f6nnte. Aber wie soll das gehen? Da war kein M\u00fcller, der seine Tochter verkuppeln wollte, wohl aber gab es einen Mann, dem man das erw\u00fcnschte Kunstst\u00fcck zutraute. Er hatte sich zuvor lange in Afrika und im Morgenland aufgehalten. Vielleicht vermutete man deshalb die Kenntnis von Zauberkr\u00e4ften. Ein \u201eHandschlagvertrag\u201c, wie man aus Regierungskreisen h\u00f6rte, besiegelte den Bund. Ein bescheiden \u201ePressesprecher\u201c Genannter war f\u00fcr das Wunder eingestellt. Munter kam das Stroh weiter aus den M\u00fcndern der Regierung, goldene Worte sollten es jetzt werden, mediengerecht, \u00fcberzeugend und wirkungsvoll &#8211; wurden es aber nicht. Wie der M\u00fcllerstochter war es auch dem neuen Regierungssprecher nicht wirklich m\u00f6glich, das Stroh zu Gold zu spinnen. Ja nicht einmal ein verf\u00fchrerischer Goldglanz kam zustande. Das Stroh blieb vorerst Stroh. Wie bei der M\u00fcllerstochter war jetzt dringend Hilfe n\u00f6tig, um beim Chef nicht in Ungnade zu fallen und nat\u00fcrlich auch um diesen nicht blamabel blo\u00df zu stellen, weil er tats\u00e4chlich daran geglaubt hatte, man k\u00f6nne sein Stroh in Gold verwandeln. Blo\u00df Rumpelstilzchen war weit und breit nicht zu sehen. Ein Kind war wohl auch nicht zu verschenken; vielleicht jedoch Geld, das urspr\u00fcnglich f\u00fcr die Landeskinder vorgesehen war? Solches Geld war vorhanden. Es sollte zwar angelegt werden in soziale Projekte, in Bildung f\u00fcr das Volk, in Kultur und auch bei der Polizei. Das erschien aber jetzt zweitrangig. Ein Rumpelstilzchen musste her! Ohne lange zu suchen. Koste es, was es wolle! Und siehe da, man wurde schneller f\u00fcndig, als gedacht. Die Sucherei war schon zu Ende, ehe sie richtig begonnen hatte F\u00fcr popelige 4.500 Euro pro Nacht &#8211; nein diesmal pro Tag &#8211; war eine Agentur bereit zur \u201eMedienschulung\u201c, wie man jetzt den Zauber nannte. An insgesamt acht Tagen sollte dem gl\u00fccklosen Mann der Trick gelehrt werden, f\u00fcr 36.000 Euro &#8211; plus Mehrwertsteuer versteht sich. Kein Zufall verhalf zur Einsparung. Das Geld freilich war weg, denn Gold kam keines daf\u00fcr zur\u00fcck. Nur das Volk war eine Weile sauer, als es von der Gaukelei erfuhr. Denn auch hier scheiterte schlie\u00dflich das \u201eAch wie gut, dass niemand wei\u00df &#8230;\u201c Keiner riss sich deshalb aber selbst mittendurch. Wer will denn auch ernsthaft glauben, dass man Stroh zu Gold spinnen k\u00f6nne, wenn doch selbst die Nachricht, dass es Leute oder gar ein Partei g\u00e4be, die die umgekehrte Kunst verst\u00fcnden, n\u00e4mlich Gold zu Stroh zu spinnen, sicher nur ein unhaltbares Ger\u00fccht ist.<\/p>\n<p>Geschrieben f\u00fcr &#8222;links&#8220;, September 2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir alle kennen das M\u00e4rchen: Da war ein K\u00f6nig, der hatte offensichtlich sehr viel Stroh, aber zu wenig Gold. Ein M\u00fcller wollte sich dies zu Nutze machen und bei der Gelegenheit seine Tochter zur Gemahlin des K\u00f6nigs werden lassen. 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