{"id":676,"date":"2011-04-23T12:15:18","date_gmt":"2011-04-23T10:15:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=676"},"modified":"2011-04-23T12:16:53","modified_gmt":"2011-04-23T10:16:53","slug":"der-mai-ist-gekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=676","title":{"rendered":"Der Mai ist gekommen &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>und wird als \u201eWonnemonat\u201c in vielen Liedern besungen. \u201eLasst das Haus kommt heraus, windet einen Strau\u00df\u201c schl\u00e4gt uns 1818 Hermann Adam von Kamp vor. Es war die Zeit, in der die St\u00e4dte anfingen, grau zu werden vom Kohlenru\u00df und dem Dampf der aufkommenden Fabriken. Einher damit ging die Sehnsucht nach Licht und Luft, nach dem Verlassen der immer enger werdenden st\u00e4dtischen Quartiere und eben nach dem Mai. Denn schon immer wussten die Bauern, \u201eMitte Mai ist der Winter vorbei\u201c. So wonnig, wie er besungen wird, ist der Mai aber gar nicht &#8211; nicht in der Jahreszeit und nicht in der Geschichte. F\u00fcr die Jahreszeit bekunden das die Bauernregeln: Sie beschw\u00f6ren das gute Wetter f\u00fcr den 1. Mai, weil \u201ewenn\u2018s Wetter gut am 1. Mai, gibt es viel und gutes Heu.\u201c Fakt ist aber ebenso, \u201eMai k\u00fchl und windig, macht die Scheune voll und pf\u00fcndig\u201c. Wir kennen die Eisheiligen, die uns vom 11. bis 14. Mai noch mit Frost daherkommen k\u00f6nnen. Es folgt ihnen der Regen der \u201efeuchten Sophie\u201c. Die entsprechenden gereimten Weisheiten gibt es zuhauf. Nach Expertenmeinung stimmen sie in etwa zwei Drittel der F\u00e4lle. Es liegt ihnen nicht zu untersch\u00e4tzende Erfahrung zugrunde.<br \/>\nLinke schauen auf zwei besondere Daten im Mai, auf den 1. Mai und auf den 8. Mai. \u00dcbrigens eine Woche, f\u00fcr die wir dieses Jahr, geht es nach den Bauernregeln, kein gutes Wetter erwarten k\u00f6nnen. \u201eDer Mai kommt so gezogen, wie der November verflogen.\u201c Das hie\u00dfe f\u00fcr diesmal Schnee und K\u00e4lte. Alles schon da gewesen. Der 1. Mai galt und gilt vielen als \u201eKampftag der Arbeiterbewegung\u201c; bei jedem Wetter. Manchen ist er schlicht \u201eTag der Arbeit\u201c. Selbst die katholische Kirche kam nicht umhin, 1955 den 1. Mai zum Festtag des \u201eHeiligen Josef, des Arbeiters\u201c zu machen. Die Nazis versuchten auf den Zug aufzuspringen und erkl\u00e4rten den 1. Mai zum \u201eFeiertag der nationalen Arbeit\u201c. Was davon wirklich zu halten war, war schnell zu bemerken. Im Jahre 1933 als solcher zum ersten Mal begangen, folgte ihm schon am Tag darauf das Verbot der Gewerkschaften. Zw\u00f6lf lange und schreckliche Jahre mussten dann vergehen, bevor am 8. Mai 1945 der Spuk endg\u00fcltig zu Ende war. Zu recht verstehen wir diesen Tag als den \u201eTag der Befreiung vom Faschismus\u201c. Und wir haben einen guten Zeugen daf\u00fcr &#8211; Richard von Weizs\u00e4cker. Am 8. Mai 1985 best\u00e4tigte er als Bundespr\u00e4sident in einer Rede diesen Tag als \u201eTag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.\u201c Dies ist umso bemerkenswerter, als dem Sohn eines Diplomaten des faschistischen Deutschland und dem Offizier der Wehrmacht, der vom ersten Tag des Krieges mit dabei war und auch zur Blockade vor Leningrad stand, die 1,1 Millionen Tote forderte, diese Einsicht nicht in die Wiege gelegt war. Wir sollten ihm den Lernprozess abnehmen. Umso wichtiger ist seine Erkenntnis. Sie wird nicht von allen geteilt. F\u00fcr nicht wenige ist der 8. Mai nur der Tag des Kriegsendes. Dazu gab es auch Streit im S\u00e4chsischen Landtag. Einen gibt es sogar, f\u00fcr den ist der 8. Mai weder Tag der Befreiung noch der Tag des Kriegsendes. Es ist der Eisheilige j\u00fcngster deutscher Geschichte, Hubertus Knabe. Mit dem \u00fcblichen Schaum vor dem Mund erkl\u00e4rt er uns den 9. November 1989, den Tag der \u201eMauer\u00f6ffnung\u201c, zum eigentlichen Tag der Befreiung und des Endes des Zweiten Weltkrieges. W\u00e4re es nicht der Missbrauch dieses geschichtstr\u00e4chtigen Datums, so k\u00f6nnte man ja gn\u00e4dig mit Schweigen \u00fcber so viel Unsinn hinweg gehen. Aber die Nazis haben den Tag, an dem z.B. 1918 Ebert die \u201eDeutsche Republik\u201c und Liebknecht die \u201eDeutsche R\u00e4terepublik\u201c ausriefen, f\u00fcr immer gesch\u00e4ndet, mit dem Marsch zur Feldherrenhalle 1923, mit der Gr\u00fcndung der SS 1925 und endg\u00fcltig mit der so genannten Reichskristallnacht 1938. Kein sp\u00e4teres Ereignis an diesem Tag kann dies je vergessen lassen. Und gerade deshalb bleibt auch der 8. Mai unwiderruflich ein Tag der Befreiung. Wie bei den Bauernregeln lehrte das die Erfahrung und ganz anders als bei den Bauernregeln stimmt es f\u00fcr immer.<\/p>\n<p>geschrieben f\u00fcr &#8222;links&#8220;, 23.04.2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>und wird als \u201eWonnemonat\u201c in vielen Liedern besungen. \u201eLasst das Haus kommt heraus, windet einen Strau\u00df\u201c schl\u00e4gt uns 1818 Hermann Adam von Kamp vor. Es war die Zeit, in der die St\u00e4dte anfingen, grau zu werden vom Kohlenru\u00df und dem Dampf der aufkommenden Fabriken. 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