{"id":672,"date":"2011-03-25T11:16:48","date_gmt":"2011-03-25T09:16:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=672"},"modified":"2011-03-25T11:16:48","modified_gmt":"2011-03-25T09:16:48","slug":"von-mythologie-und-literatur-oder-was-man-schon-immer-wissen-konnte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=672","title":{"rendered":"Von Mythologie und Literatur oder was man schon immer wissen konnte."},"content":{"rendered":"<p>Erdbeben gab es immer und wird es immer geben. Im Jahre 464 vor unserer Zeitrechnung zerst\u00f6rte z.B. ein Erdbeben Sparta. 20.000 Tote waren die traurige Bilanz. Sturm, Hochwasser, Vulkanausbr\u00fcche, Waldbr\u00e4nde &#8211; alles schon immer da gewesen. Auch Tsunamis sind nichts Neues, h\u00f6chstens das Wort. Am 21. Juli 365 ereignete sich ein Seebeben s\u00fcdlich von Kreta im Mittelmeer. Es l\u00f6ste eine Flutwelle aus, der der Leuchtturm von Alexandria &#8211; eines der sieben Weltwunder &#8211; zum Opfer fiel. Er ist f\u00fcr immer verloren. Die Ursachen f\u00fcr Naturkatastrophen haben sich die Menschen sehr verschieden erkl\u00e4rt. In Japan werden Erdbeben als Drachen gesehen. Sie sollten in vielen Kulturen Strafen der G\u00f6tter sein. Sie waren aber auch schon in der Antike als nat\u00fcrlich verursacht vermutet. So meinte man, die griechischen Inseln schw\u00e4mmen auf dem Meer und w\u00fcrden deshalb immer wieder schaukeln. Homer nahm bereits eine Verbindung an zwischen Vulkanismus und Erdersch\u00fctterungen. Nicht selten, sondern immer \u00f6fter sind auch die Menschen selbst Verursacher f\u00fcrchterlichen Ungl\u00fccks. Am 2. Dezember 1959 brach bei Frejus der Staudamm von Malpasset. Ein Tsunami bei dem 400 Menschen ihr Leben lassen mussten. Der Absturz eines Jumbo-Jets w\u00fcrde etwa genau so viele Opfer fordern.<br \/>\nEgal aber wie verursacht und wie erkl\u00e4rt, die Menschen mussten mit diesen Katastrophen leben und leider oft auch sterben. Und das wird so bleiben. Wir k\u00f6nnen ihnen nicht entrinnen, bedingt k\u00f6nnen wir uns gegen sie wappnen: durch wissenschaftliche Vorhersagen, Bauweisen, Schutzd\u00e4mme usw. Wir k\u00f6nnen sie in ihren Folgen minimieren durch Organisation, mit Hilfe von Technik. Das ist aber auch schon alles. Natur und menschliche F\u00e4higkeit, Natur in ihren Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten zu erkennen und zu beherrschen, stehen in Wechselwirkung; nicht selten in feindseliger. Gibt es einen Verlierer, ist es zuerst immer der Mensch, in der Folge oft aber auch die Natur. Wir sind gerade Zeugen menschlicher Begrenztheit bis Hilflosigkeit bei der Bew\u00e4ltigung solcher zerst\u00f6rerischer Naturereignisse. Wir sind aber gerade jetzt auch noch Zeugen einer anderen Art von Katastrophe. Das ist jene der zerst\u00f6rten Kernreaktoren. Von ihnen geht eine Gefahr aus, die nur mittelbar der Natur zugeschrieben werden kann, die aber Konsequenzen ungeheuerlichen, fast ewigen Ausma\u00dfes f\u00fcr Mensch und Natur haben kann. H\u00e4tte die Antike Kernreaktoren gekannt und w\u00e4re einer in die Luft geflogen, es w\u00e4re die Erde heute noch an bestimmten Stellen unbewohnbar. Folgte man antiken Erkl\u00e4rungsmustern, so w\u00e4re die Ursache nicht nat\u00fcrlich und nicht prim\u00e4r g\u00f6ttlich. Sie w\u00e4re sehr menschlich, begr\u00fcndet in Hybris. Frevelhafter \u00dcbermut, menschliche Vermessenheit, die zur Erhebung \u00fcber die G\u00f6tter f\u00fchrt, ist mit Hybris gemeint. Modern gedacht ist es die hochm\u00fctige Erhebung \u00fcber alle nat\u00fcrlichen Zusammenh\u00e4nge, \u00fcber alle Kausalketten, die die Natur unter bestimmten Umst\u00e4nden bereit h\u00e4lt. Antik gesprochen ist es auch die Ignoranz gegen\u00fcber ernst zu nehmenden Warnungen. Es ist die Arroganz auf die Kassandra trifft, die Seherin, der keiner glaubt und die doch recht hat. Antike Mythologie ist keine reine Erfindung. Sie fasst menschliche Erfahrung in einem besonderen Gewand zusammen, schreibt G\u00f6ttern zu, was den Menschen allgemein eigen ist, kategorisiert menschliche Schw\u00e4chen und St\u00e4rken. Hybris f\u00fchrt zu Katastrophen. Ihr steht n\u00e4mlich bei den alten Griechen die Nemesis gegen\u00fcber, die strafende, die ausgleichende Gerechtigkeit. Wiederum modern gedacht, man vergeht sich nicht ungestraft in einer Art und Weise gegen die Natur, die nicht mehr mit dieser in Einklang zu bringen ist. Wenn der Mensch auch viel kann, er ist und bleibt Zauberlehrling und wird gerade wieder einmal die Geister nicht los, die er rief. Es steckt oft mehr an Erkenntnis in einer Ballade als in vielen dicken B\u00fcchern. Der ganze Jammer wird sichtbar im geradezu peinlichen Versuch mit den Eimern an Helikoptern die Reaktoren zu k\u00fchlen. Die Paradoxie erweist sich im Einsatz von Wasserwerfern als K\u00fchlaggregate. Vorgehalten f\u00fcr das Zur\u00fcckschlagen von Demonstrationen gegen die Kernkraftwerke sind sie jetzt einer zwar endlich sinnvollen, nichtsdestoweniger aussichtslosen Verwendung zugef\u00fchrt. Die Atomlobby verh\u00e4lt sich hingegen nach wie vor wie die lykischen Bauern bei Ovid. Diese missachteten das Menschenrecht, wonach sauberes Wasser allen geh\u00f6rt, und wurden deshalb verflucht, als Fr\u00f6sche in diesem Wasser zu leben. Selbst da blieben sie jedoch unbelehrbar und versuchten, obwohl sie schon unter Wasser waren, immer noch zu schm\u00e4hen, das hei\u00dft ihr eigenes schm\u00e4hliches Treiben fortzusetzen.<\/p>\n<p>gechrieben f\u00fcr &#8222;links&#8220;, April 2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erdbeben gab es immer und wird es immer geben. Im Jahre 464 vor unserer Zeitrechnung zerst\u00f6rte z.B. ein Erdbeben Sparta. 20.000 Tote waren die traurige Bilanz. 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