{"id":616,"date":"2010-08-19T12:46:18","date_gmt":"2010-08-19T10:46:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=616"},"modified":"2010-08-19T12:46:18","modified_gmt":"2010-08-19T10:46:18","slug":"von-neuen-rechenkunstlern-im-land-des-adam-ries","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=616","title":{"rendered":"Von neuen Rechenk\u00fcnstlern im Land des Adam Ries"},"content":{"rendered":"<p>Wenn der bekannte Rechenmeister Adam Ries 1492 oder 1493 auch nicht in Sachsen geboren wurde, so wirkte er doch seit 1522 in Annaberg im Erzgebirge. Es ist also berechtigt, Sachsen als das \u201eLand des Adam Ries\u201c zu bezeichnen. Er wandte sich ab von den unpraktischen r\u00f6mischen Zahlen und lehrte auf deutsch mit den arabischen Ziffern und vor allem auch mit der Null zu rechnen. 20.000 Nachkommen des Mannes, so meint der Adam-Ries-Bund, gibt es heute. Mag sein, es sind auch welche aus der S\u00e4chsischen Staatskanzlei, dem Finanzministerium und der CDU-Fraktion darunter. Die Vermutung kommt auf, wenn man einigen neuen Rechenk\u00fcnsten im Freistaat auf die Spur kommt. Von der N\u00e4he betrachtet zeigen aber gerade diese Rechenk\u00fcnste, dass die 20.000 irgendwo anders t\u00e4tig sein m\u00fcssen, nur nicht in den genannten Institutionen. Was von da an algebraischen Neuerungen kommt, l\u00e4sst Adam Ries wohl im Grabe rotieren.  <\/p>\n<p>Nehmen wir z.B. den Haushaltsansatz f\u00fcr 2011\/12 f\u00fcr die parteinahen Stiftungen zur politischen Bildung. Diesen Stiftungen sollten \u00f6ffentliche Mittel \u201eentsprechend der Sitzverteilung der hinter den Stiftungen stehenden Parteien im S\u00e4chsischen Landtag und im Deutschen Bundestag\u201c (Entwurf des Doppelhaushaltes 20110\/12) zugewiesen werden.      Abgesehen davon, dass die sich daraus ergebenden Relationen vor allem zum Vorteil von CDU und SPD nie eingehalten wurden, m\u00f6chte man meinen, dass sie wenigstens bei K\u00fcrzungen zur Geltung kommen. Weit gefehlt! Die neuen Rechenk\u00fcnstler kommen da zu ganz anderen Ergebnissen: Die bisher gezahlte Gesamtsumme soll um 157.000 Euro gek\u00fcrzt werden. Also spitzt man den Rechenstift. Die beiden Stiftungen der SPD (\u201eFriedrich-Ebert-Stiftung\u201c und \u201eHerbert-Wehner-Stiftung\u201c) erhalten insgesamt 77.800 Euro weniger, die Stiftung \u201eweiterdenken\u201c der Gr\u00fcnen muss mit einem Manko von 31.600 Euro auskommen, die \u201eWilhelm-K\u00fclz-Stiftung\u201c der FDP wird um sage und schreibe 200.- Euro (in Worten \u201ezweihundert\u201c) gebracht und die \u201eRosa-Luxemburg-Stiftung\u201c der Partei DIE LINKE um 47.900 Euro. Offen ist jetzt noch, wie viel die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung einb\u00fc\u00dft. Da die CDU bei der letzten Landtagswahl ja wieder etwas schlechter abgeschnitten hat als zuvor, m\u00fcsste es doch eine betr\u00e4chtliche Summe sein &#8211; denkt man, wenn man nach Adam Ries rechnet. Modern oder \u201epost-adam-riesisch\u201c rechnet man aber anders und kommt zu dem sensationellen Ergebnis, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung 86.500 Euro mehr zu bekommen hat. Was schon bei der K\u00fcrzungssumme der FDP d\u00e4mmerte, wird zur Gewissheit: Vor dem Haushalt sind alle gleich, nur die Regierungsparteien sind gleicher. <\/p>\n<p>Aber wer in die Haushaltsdebatte eintritt, sollte nicht gleich wie in Dantes Inferno alle Hoffnung fahren lassen. Die Neurechner lassen Hoffnung aufkommen. Sie haben n\u00e4mlich auch eine neue Rechenart neben den bisher bekannten erfunden. Sie hei\u00dft \u201eabwarten und pr\u00fcfen\u201c. Das geht verallgemeinert so: Man sagt zun\u00e4chst die Summe verschiedener Zahlen sei Null. Also z.B. 2+3=0. Dann wartet man ab und erh\u00f6ht unter dem Druck der Tatsachen die Summe vielleicht auf 4, erkl\u00e4rt es f\u00fcr vorl\u00e4ufig richtig und wartet ab und pr\u00fcft. Mag sein, es kommt noch 5 heraus. Mag sein! Geht es um Geld kann eine solche Rechnung unter Umst\u00e4nden aber einen sch\u00f6nen Gewinn ergeben oder einen Verlust &#8211; je nachdem auf welcher Seite der Gleichung man steht. Z.B. sagt deshalb die Staatsregierung, es gibt kein Geld f\u00fcr Hochwasseropfer, nur Kredite &#8211; 2+3 ist also 0, k\u00f6nnte aber vielleicht vorl\u00e4ufig und zeitweilig auf 3 bis 4 gerechnet werden. Sp\u00e4ter und unter dem Zwang der Fakten bietet man f\u00fcr die vom Hochwasser Gesch\u00e4digten 5 Millionen Euro in Partien zu je 5.000 Euro. Damit kann man &#8211; wieder nach Adam Ries &#8211; 1000 Betroffenen helfen. Zwar wei\u00df man schon, dass es sicher mehr Gesch\u00e4digte gibt und mehr Geld n\u00f6tig sein wird, die Erfinder der neuen Rechenart wollen aber erst \u201eabwarten und pr\u00fcfen\u201c. Algebraisch k\u00f6nnte man jetzt sagen die Gr\u00f6\u00dfe x (die Hochwassegesch\u00e4digten) ist bekannt. Neurechnerisch kann man jedoch versuchen, uns dieses x f\u00fcr ein u vorzumachen, wobei u kleiner als x. Nun sage mal noch wer, in Sachsen fehle es an Erfindergeist!  <\/p>\n<p>Geschrieben f\u00fcr &#8222;Sachsens Linke&#8220;, 19.08.10   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der bekannte Rechenmeister Adam Ries 1492 oder 1493 auch nicht in Sachsen geboren wurde, so wirkte er doch seit 1522 in Annaberg im Erzgebirge. Es ist also berechtigt, Sachsen als das \u201eLand des Adam Ries\u201c zu bezeichnen. 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