{"id":587,"date":"2010-01-12T11:47:02","date_gmt":"2010-01-12T09:47:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=587"},"modified":"2010-01-12T11:47:02","modified_gmt":"2010-01-12T09:47:02","slug":"von-verschiedenen-schwertern-spiesen-pflugscharen-und-sicheln-oder-was-ist-eigentlich-kas%e2%80%98-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=587","title":{"rendered":"Von verschiedenen Schwertern, Spie\u00dfen, Pflugscharen und Sicheln. Oder: Was ist eigentlich K\u00e4\u00df\u2018 Mann?"},"content":{"rendered":"<p>Da war einmal ein Land &#8211; nicht sehr gro\u00df &#8211; etwas im Osten gelegen, jedenfalls vom Westen aus gesehen. Viele Einwohner dieses Landes hatten Br\u00fcder und Schwestern im Westen und die glaubten an den gleichen Gott und beteten ihn auf die gleiche Art und Weise an. Daf\u00fcr sorgte eine \u201eKirche\u201c. Also eigentlich war es eine Vereinigung, deren Namen sich vom Wort mit der urspr\u00fcnglichen Bedeutung \u201eHaus, dem Herren geh\u00f6rig\u201c oder kurz \u201eGotteshaus\u201c ableitete. Von dem Haus war prophezeit: \u201eIn den letzten Tagen aber wird der Berg, auf dem Gottes Haus steht, fest stehen, h\u00f6her als alle Berge und \u00fcber alle H\u00fcgel erhaben. Und die V\u00f6lker werden herzulaufen, und viele Heiden werden hingehen und sagen: \u201aKommt, lasst uns hinauf zum Berge des Herrn gehen und zum Haus des Gottes Jakobs, damit er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln!\u2018 Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Er wird unter gro\u00dfen V\u00f6lkern richten und viele Heiden zurechtweisen in fernen L\u00e4ndern. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spie\u00dfe zu Sicheln machen. Kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden fortan nicht mehr lernen, Krieg zu f\u00fchren. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken.\u201c  (Micha 4,1 &#8211; 4) Darauf kann man sich wirklich freuen, weshalb die einen im Westen den anderen im Osten sagten, sie sollten doch ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden. Die Zeit w\u00e4re reif. Seid fortan keine Heiden mehr und lasst uns gemeinsam zum Berge des Herren gehen. Und die Kirche fand, dass das gut war &#8211; jedenfalls f\u00fcr das Land im Osten. Es war ja auch gar nicht so schlecht und fiel im Land im Osten auf fruchtbaren Boden. Das Land im Osten hatte n\u00e4mlich einst mit dem Schmieden von Pfl\u00fcgen begonnen. Es hatte Landlosen Land gegeben und wollte ein Land der Bauern und Pflugschmiede werden. Eines Tages kam es aber auf die Idee, auch Schwerter zu brauchen. Dies zu erkl\u00e4ren w\u00e4re eine lange und nicht wirklich sch\u00f6ne Geschichte. Die Schwerter, die das Land schlie\u00dflich hatte, wollte es auch nicht mehr zu Pflugscharen machen, weil es dem Frieden nicht traute. Wer anderes wollte, wurde gema\u00dfregelt. Freilich, Krieg hat das Land nie gef\u00fchrt &#8211; nie f\u00fchren m\u00fcssen &#8211; jedenfalls nicht unter Einsatz der hei\u00df geschmiedeten Schwerter. Am Ende ging das Land unter. Zu erkl\u00e4ren warum, w\u00e4re wieder eine lange Geschichte. Das Land k\u00e4me auch hier nicht gut weg. Seine Schwerter aber wurden tats\u00e4chlich eingeschmolzen oder an fremde L\u00e4nder verkauft. Dies schien gerechtfertigt, weil kein Krieg mehr zu drohen schien. Das Land verschwand im Westen &#8211; im Land der Br\u00fcder und Schwestern, in dem, wie auch prophezeit war, die H\u00e4upter der Stadt Recht sprechen und \u201enehmen daf\u00fcr Geschenke an, ihre Priester lehren gegen Bezahlung. Ihre Propheten wahrsagen f\u00fcr Geld und doch berufen sie sich auf den Herrn und sagen: \u201aIst nicht Gott in unserer Mitte? Niemals kann Unheil \u00fcber uns kommen!\u2018\u201c (Micha 3,1-12) Das h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, h\u00e4tte dieses Land nicht Unheil \u00fcber andere gebracht und seine Schwerter gebraucht. \u201eDenn alle V\u00f6lker gehen ihren Weg, jedes ruft den Namen seines Gottes an; wir aber gehen unseren Weg im Namen Jahwes, unseres Gottes, f\u00fcr immer und ewig.\u201c (Micha 4,5) Au\u00dferdem war ja prophezeit, dass die Heiden zurechtzuweisen seien, und sie, ja sie, ihre Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden h\u00e4tten. Doch als der Krieg in die Jahre kam und nicht zu gewinnen war, kam eine Bisch\u00f6fin der Kirche und meinte, man sollte innehalten. Ja, man konnte sogar vermuten, sie d\u00e4chte gar, die eigenen Schwerter k\u00f6nnten zu Pflugscharen werden und die Spie\u00dfe zu Sicheln, so wie von den Br\u00fcdern und Schwestern einst im alten Osten verlangt. Da schallte es ihr aber kr\u00e4ftig entgegen aus einer Gut(t)en Berg Predigt: \u201eDas ist doch K\u00e4\u00df\u2018 Mann!\u201c Weshalb der es sagte, fortan Guttenberg hie\u00df, und die es h\u00f6rte, K\u00e4\u00dfmann. Die Schwerter aber blieben Schwerter und die Spie\u00dfe Spie\u00dfe &#8211; auf beiden Seiten. Offen blieb, wo der Berg sich befindet, auf dem Gottes Haus steht, und ob er tats\u00e4chlich fest steht und h\u00f6her als alle Berge. Und die V\u00f6lker liefen deshalb nicht herzu. Nicht zu den einen und nicht zu den anderen. Feigenbaum und Weinstock indessen, unter denen alle, so er ihnen geh\u00f6rt, leben k\u00f6nnten, werden verbrannt statt gepflegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da war einmal ein Land &#8211; nicht sehr gro\u00df &#8211; etwas im Osten gelegen, jedenfalls vom Westen aus gesehen. Viele Einwohner dieses Landes hatten Br\u00fcder und Schwestern im Westen und die glaubten an den gleichen Gott und beteten ihn auf die gleiche Art und Weise an. Daf\u00fcr sorgte eine \u201eKirche\u201c. 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