{"id":558,"date":"2009-11-21T16:43:02","date_gmt":"2009-11-21T14:43:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=558"},"modified":"2009-11-25T02:40:19","modified_gmt":"2009-11-25T00:40:19","slug":"wahlen-in-der-linken-oder-der-naschmarkt-von-burgstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=558","title":{"rendered":"W\u00e4hlen in der Linken oder der Naschmarkt von Burgst\u00e4dt."},"content":{"rendered":"<p>In Wien gibt es einen Naschmarkt. Ich war da unl\u00e4ngst. Auf dem Naschmarkt geht es zu, wie auf jedem Bauern- und Wochenmarkt &#8211; nur etwas gr\u00f6\u00dfer und lauter, bunter, vielf\u00e4ltiger und den Besucher \u00fcberrumpelnd bis an die Grenze der Hilflosigkeit. Es gibt ein \u00fcberw\u00e4ltigendes Angebot. Die Ware wird lauthals angepriesen. Da gibt es nichts Schlechtes, nur Pr\u00e4chtiges, Nahrhaftes, Frisches. Nimmt man alles ernst, was so pr\u00e4sentiert und mit \u00fcberschw\u00e4nglich lobenden Worten ausgerufen wird, so m\u00fcsste man eigentlich den ganzen Markt, mit allem, was er zu bieten hat, aufkaufen. Freilich macht da der Geldbeutel nicht mit und noch weniger die eigene Genussf\u00e4higkeit. Von all\u2018 den Tonnen herrlichster Speise und den Hektolitern paradiesischenTranks sind vern\u00fcnftiger Weise nur halbe, maximal ganze Kilo und halbe vielleicht ganze oder doppelte Liter vern\u00fcnftig auszuw\u00e4hlen und heim zu nehmen. Und die Lust, der Appetit, der Durst und Hunger k\u00f6nnen noch so gro\u00df, die Verlockungen noch so appetitlich und s\u00fc\u00df, die Werbung verf\u00fchrerischer nicht sein, wenn der Beutel voll ist, geht nichts mehr und das Gute muss liegen bleiben. Dass da aber jemand mal r\u00e4t, was man besser liegen lassen sollte, dass da jemand einen Hinweis gibt, dass etwas vielleicht nicht so ganz das h\u00e4lt, was es und seine Anbieter versprechen, dass jemand kritische Fragen stellt, die ernsthaft und wahrhaft beantwortet werden, das kennt das Marktgeschehen nicht. Nun, Kostproben sind m\u00f6glich. Die Angebote sprechen sozusagen f\u00fcr sich selbst, nat\u00fcrlich in ihrer ganzen hervorgehobenen K\u00f6stlichkeit. Wer schmeckt da schon Nachteile, wenn die ganze Umgebung nur Vorteile kennt?<br \/>\nUnd nun erlaube ich mir einen Vergleich: Ich war unl\u00e4ngst auch in Burgst\u00e4dt bei Chemnitz. Da war ein Parteitag der Partei Die LINKE. Da wurde angeboten und ausgew\u00e4hlt. F\u00fcr ein \u00fcppiges Mahl mit vielen G\u00e4ngen: Landesvorstand, Revisionskommissionen, Bundeskommissionen usw. usw. Das Angebot war mehr als \u00fcppig. Man konnte sich wirklich freuen dar\u00fcber und der Anbieter waren auch nicht wenige. Sie lobten, was es nur zu loben gab &#8211; \u00fcberschw\u00e4nglich, eindringlich, nat\u00fcrlich nie aufdringlich, aber mit \u00dcberzeugung von der Qualit\u00e4t des oder der zu Lobenden. Die ganze wuchernde Kraft von Kompetenz in der Partei und ihrer Mitglieder wurde sichtbar, ja, sp\u00fcrbar, mit allen Sinnen wahrnehmbar. Da kommt Freude auf und Lust, alle f\u00fcr die Partei heran zu holen. Gerade dies lie\u00df aber mehr und mehr auch eine Erinnerung keimen, eine Erinnerung, die sich immer st\u00e4rker ins Gem\u00fct schlich, die nicht mehr los zu werden war. Eine Erinnerung an Zeiten, wo man dem Angebot noch nicht so vertrauen konnte, auch nicht auf so viel F\u00fcrsprache stie\u00df. Ganz fr\u00fcher, ganz am Anfang, da fragten Vorsichtige noch danach, ob denn da auch irgendwo was bem\u00e4ngelt werden k\u00f6nnte, ob das, was versprochen wurde, auch \u00fcber l\u00e4ngere Zeit und unter ung\u00fcnstigen Umst\u00e4nden einzuhalten gelingen konnte. Da wurde nachgefragt, nach Eigenschaften und Pl\u00e4nen. Und man konnte sich ein Bild machen von M\u00f6glichkeiten und Grenzen, von erf\u00fcllbarer Hoffnung und vielleicht n\u00f6tiger Hilfe, von erwartbaren St\u00e4rken und Schw\u00e4chen. Solche Fragen gab es am Naschmarkt von Burgst\u00e4dt nicht. Die Kostproben wirkten in ihrer ganzen Herrlichkeit, \u00fcberlegt zurecht gemacht &#8211; zwingend \u00fcberzeugend. Und indem ich wacker und \u00fcberw\u00e4ltigt mitmachte, keinem Angebot das Lob ausschlug, wenn man es denn zu brauchen schien, begann mich eine Frage zu qu\u00e4len: Sind wir wirklich so gut geworden oder ist uns nur ein n\u00fctzlicher Brauch abhanden gekommen?<br \/>\n(geschrieben f\u00fcr &#8222;Sachsens Linke&#8220; &#8211; Dezember 2009<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Wien gibt es einen Naschmarkt. Ich war da unl\u00e4ngst. 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