{"id":1194,"date":"2020-10-01T14:54:29","date_gmt":"2020-10-01T12:54:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1194"},"modified":"2020-10-01T14:54:30","modified_gmt":"2020-10-01T12:54:30","slug":"deutschland-einig-vaterland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1194","title":{"rendered":"Deutschland einig Vaterland"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland hat am 3. Oktober 2020 viele Feierlichkeiten erlebt. Die Gem\u00fctslage der Deutschen an diesem Tag mag verschieden sein: F\u00fcr Junge ist der Tag nur mehr Tradition. Manche werden immer noch den Verlust ihrer politischen, biographischen, sozialen, \u00f6konomischen usw. Heimat bedauern. Daf\u00fcr gibt es Gr\u00fcnde, die waren vor 30 Jahren vielleicht noch gar nicht so absehbar, weshalb sie jetzt auch vermehrt aufkommen und nicht selten mit Entt\u00e4uschungen verbunden sind. Andere feiern gewonnene Freiheit. War es Vereinigung oder Anschluss? Dar\u00fcber wird gestritten. Sei es, wie es sei. Was darauf alles folgte ist heute Wirklichkeit, bedr\u00fcckende und erfreuliche, f\u00fcr jede*n in unterschiedlichem Ausma\u00df.<br \/>\nDer Fall der Berliner Mauer hatte jedoch nicht nur das geeinte Deutschland zum Ergebnis, sondern noch sehr viel weiterreichende Konsequenzen: das Verschwinden des \u201eSozialistischen Weltsystems\u201c aus der Geschichte. Damit wurde die Deutsche Einheit zu einem Sonderfall. Trennung war vielmehr und vielfach angesagt. Die ganze Dialektik des Verh\u00e4ltnisses von  Einheit und Trennung wird am Beispiel der Europ\u00e4ischen Union deutlich. Die damalige Union Westeuropas konnte nicht schnell genug ihr Angebot auf Aufnahme der ehemaligen sozialistischen Staaten in die Welt setzen. Diese wiederum zeigten beflissen ihre Bereitschaft dazu. Der Vollzug lie\u00df nicht lange auf sich warten. Achtundzwanzig Staaten bildeten schlie\u00dflich die Europ\u00e4ische Union &#8211; angeblich eine Gemeinschaft, verbunden durch gemeinsame Werte. War aber offensichtlich nicht ganz so. Es erlebten die Menschen der verschiedenen Regionen Europas einen Zusammensto\u00df der Kulturen, des gelebten Alltags und eines sozialen Gef\u00e4lles in der vergr\u00f6\u00dferten Union. Die Illusion der Verbreitung westeurop\u00e4ischen Wohlstandes in allen Mitgliedstaaten scheiterte schlicht am Profitstreben eines entwickelten Kapitalismus, der sich mit der europ\u00e4ischen Einigung seinen gewinntr\u00e4chtigen Hinterhof mit den dort ans\u00e4ssigen Menschen schaffen konnte. Die Folge: Zu sehr werden zwei verschiedene Europa mit ihrer verschiedenen Leistungsf\u00e4higkeit, ihrem unterschiedlichen Leistungswillen und deutlich differenzierten Wert- und Demokratievorstellungen erlebt. Die politische Einigung ist am Zerbrechen. England ist schon gegangen. Die NATO h\u00e4lt nun alles zusammen und schuf und fand daf\u00fcr vor allem mit Russland und China unwillige, aber \u00fcberzeugende Gegner.<br \/>\nWas der Hegemonie der alten L\u00e4nder der EU und NATO im Wege stehen konnte, wurde schnell zu eliminieren versucht. Ein gro\u00dfes Hindernis und eine Chance zugleich war das multiethnische und multinationale Jugoslawien. Hindernis, weil es die Idee der Blockfreiheit als Verm\u00e4chtnis Titos politisch repr\u00e4sentierte, Chance weil die ethnischen und nationalen Egoismen die Einheit des Staates nicht mehr wollten. Man feiert heute in Jugoslawien die durch den Zerfall jeweils gewonnene, weitgehend machtlose Selbstst\u00e4ndigkeit. Man streitet um endg\u00fcltige Grenzziehungen und wenn es auch nur um ein paar Schluck Meerwasser wie zwischen Slowenien und Kroatien geht. Die Trennung Tschechiens und der Slowakei ging noch weitgehend reibungslos vor sich. Der Rest sind Trag\u00f6dien. Die Aufl\u00f6sung der Sowjetunion hat zum Beispiel Bergkarabach, Transnistrien, Abchasien und S\u00fcdossetien als Beispiele des Zusammensto\u00dfens von kleinr\u00e4umig angelegten Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen mit gr\u00f6\u00dfer gedachten regionalstaatlichen Anspr\u00fcchen gebracht. Grenzziehungen und territoriale Zugeh\u00f6rigkeiten werden, wie zwischen der Ukraine und Russland, in Frage gestellt. Aber auch Spanien ist aufgew\u00fchlt von neu erwachten Unabh\u00e4ngigkeitsbewegungen in Katalonien und im Baskenland. Kurden wollen sich endlich von t\u00fcrkischer Unterdr\u00fcckung befreien. Das k\u00f6nnte das Ende Syriens bedeuten. Ungarn tr\u00e4umt von seinen Grenzen vor dem Ersten Weltkrieg.<br \/>\nDer Gedanke des Nationalstaates feierte und feiert also nach 1990 Urst\u00e4nd, allerdings selten fr\u00f6hliche. Es sollte jedoch dieser Gedanke selbst angesichts der mit ihm unl\u00f6sbar verbundenen Konflikte endlich zusammenbrechen und ihm ein Konzept des Zusammenlebens mit Gewinn aus den Unterschieden folgen.<br \/>\nDas sinnlose Aufb\u00e4umen ethnisch-nationalen Renommierens k\u00f6nnte doch auch dessen Ende beschleunigen!<\/p>\n<p>(geschrieben f\u00fcr Links, Oktober 2020, 30.09.2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland hat am 3. Oktober 2020 viele Feierlichkeiten erlebt. Die Gem\u00fctslage der Deutschen an diesem Tag mag verschieden sein: F\u00fcr Junge ist der Tag nur mehr Tradition. Manche werden immer noch den Verlust ihrer politischen, biographischen, sozialen, \u00f6konomischen usw. Heimat bedauern. 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