{"id":1173,"date":"2020-01-30T16:14:48","date_gmt":"2020-01-30T14:14:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1173"},"modified":"2020-01-30T16:16:10","modified_gmt":"2020-01-30T14:16:10","slug":"sind-einigkeit-und-recht-und-freiheit-schon-des-glueckes-unterpfand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1173","title":{"rendered":"Sind Einigkeit und Recht und Freiheit schon des Gl\u00fcckes Unterpfand?"},"content":{"rendered":"<p>Wir befinden uns mittlerweile, drei\u00dfig Jahre nach dem Mauerfall im Jahr 2020, jetzt bald drei\u00dfig Jahre nach der Eingliederung der DDR in die Bundesrepublik Deutschland. Bei aller zu erwartender Jubelstimmung und bei aller zu erwartender und sicher berechtigter Kritik am Prozess der deutschen Vereinigung, m\u00f6chte ich noch einen Gedanken dar\u00fcber hinaus hinzuf\u00fcgen: Deutschland ist in Europa wohl das einzige Land,  das seine wiedererlangte Einheit nach 1990 feiern kann. Bei vielen anderen ist es umgekehrt.<br \/>\nDie einstige F\u00fchrungsmacht der blockfreien L\u00e4nder, Jugoslawien, ist zerfallen und damit auch die Bewegung und Kraft der Blockfreien. Das einige Deutschland war daran kr\u00e4ftig beteiligt. Die Tr\u00fcmmer des zerfallenen Jugoslawien sind immer noch umstritten und Objekte unterschiedlicher Begierden.<br \/>\nTschechien und die Slowakei haben sich weitgehend problemlos getrennt. M\u00f6glichkeiten der Korruption mit allen ihren Folgen haben sich allerdings eher verdoppelt.<br \/>\nSpanien k\u00e4mpft mit den Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen zumindest Kataloniens und  des Baskenlandes. Der Ausgang ist nicht gewiss.<br \/>\nDie Sowjetunion gibt es nicht mehr und die Ukraine und Russland befehden sich immer noch um eine f\u00fcr beide  Seiten akzeptable, endg\u00fcltige und bestandsf\u00e4hige territoriale und politischen Ordnung.<br \/>\nDer multistaatlichen Europ\u00e4ischen Union ist Gro\u00dfbritannien abhanden gekommen.<br \/>\nIch beende meine Aufz\u00e4hlung. Es gibt vergleichbare, weil zumindest an der Oberfl\u00e4che \u00e4hnliche F\u00e4lle in Europa und in der Welt. Hinter allem steht die Frage, welche Rolle Gemeinschaften, ob ethnisch, national oder regional, manchmal auch religi\u00f6s und\/oder kulturell definiert, eine Rolle f\u00fcr die Legitimation von Staaten spielen. F\u00fcr Europa scheinen mir, ob mit Unabh\u00e4ngigkeitsbewegungen verbunden oder nicht, die Regionen an Bedeutung zu gewinnen. Welche realen emanzipatorischen Potentiale stecken denn in diesen Prozessen? Die Sache ist f\u00fcr Linke mit Rosa Luxemburgs  \u201eNationalit\u00e4tenfrage und Autonomie\u201c 1908 in ihrer Komplexit\u00e4t und f\u00fcr damals aktuell und beispielhaft sicher gut erfasst. Das letzte Wort ist aber nach \u00fcber 100 Jahren noch lange nicht gesprochen.<br \/>\nEs schwelen Konfliktherde, die jederzeit zum Ausbruch kommen k\u00f6nnen. Sie w\u00fcrden auch den Verlauf globaler Auseinandersetzungen beeinflussen. Zugleich geht alles auch ins t\u00e4glichen Leben \u00fcber: Einer kurdischen Mutter will man die Kinder entziehen, weil sie und die Kinder sich auf Demos zur kurdischen Authentizit\u00e4t und deren Symbole bekennen. Unglaublich!<br \/>\nDer langj\u00e4hrige Pressesprecher der s\u00e4chsischen Landtagsfraktion DIE LINKE, ein geb\u00fcrtiger Hamburger und in Hamburg auch aufgewachsen, bekennt sich hinwiederum \u00f6ffentlich zum Sorbentum (vgl. \u201eNeues Deutschland\u201c, 25. 01. 2020, S. 38. Nach s\u00e4chsischem Sorbengesetz ist er dann auch Sorbe. Niemand tut ihm was. Er spricht die Sprache, weitgehend autodidaktisch erworben, flie\u00dfend und arbeitet neuerdings als Pressesprecher der Domowina und pers\u00f6nlicher Referent des Vorsitzenden. Er lebt nach eigenem Bekenntnis unbehelligt in Harmonie mit seiner Familie. Herzlichen Gl\u00fcckwunsch! Solche Vorg\u00e4nge sind heutzutage keine Einzelf\u00e4lle.<br \/>\nEs ist jedoch im Gegensatz zu den M\u00f6glichkeiten solcher \u201eGrenz\u00fcberschreitungen\u201c in neue allt\u00e4gliche Lebenswelten die Zahl der Mauern und Grenzsperren als konkrete Form der Zur\u00fcckdr\u00e4ngung individueller Mobilit\u00e4t von elf im Jahr 1989 auf sechzig bis zum heutigen Tag gestiegen (vgl. \u201eNeues Deutschland\u201c, 22.01. 2020, S. 9). Die Welt wird also nicht nur weitr\u00e4umiger, sondern auch immer mehr parzelliert; zum Schaden f\u00fcr uns alle.<br \/>\nKlimaver\u00e4nderungen kennen zum Beispiel keine Grenzen. Genau deshalb ist es umso wichtiger zu wissen, wer die Grenzen f\u00fcr Einflussnahme setzt \u2026 und wie und warum. \u201eWanderer zwischen diesen Welten\u201c werden &#8211; kommen sie aus der falschen Weltgegend und als Hilfesuchende &#8211; im Normalfall angehalten, abgeschreckt und abgewiesen. Kommen sie \u00fcber das Mittelmeer, l\u00e4sst man sie oft mitleidlos und gegen alles Seerecht einfach ersaufen. Erschrocken erkennen wir: Im Mittelmeer w\u00e4scht man seine H\u00e4nde in Unschuld. Genauso erschrocken registrieren wir aber auch, die Meere werden immer w\u00e4rmer. Wer z\u00e4hlt schon die Toten daraus resultierender Katastrophen?<\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr Links, Februar 2020, 23. 01. 2020)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir befinden uns mittlerweile, drei\u00dfig Jahre nach dem Mauerfall im Jahr 2020, jetzt bald drei\u00dfig Jahre nach der Eingliederung der DDR in die Bundesrepublik Deutschland. 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