{"id":1139,"date":"2019-04-12T22:04:47","date_gmt":"2019-04-12T20:04:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1139"},"modified":"2019-04-12T22:04:53","modified_gmt":"2019-04-12T20:04:53","slug":"von-der-fliegenden-britin-und-der-schoenen-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1139","title":{"rendered":"Von der fliegenden Britin und der sch\u00f6nen Europa"},"content":{"rendered":"<p>\u201eUns ist in alten m\u00e6ren wunders vil geseit\u201c. So beginnt das Nibelungenlied. Und wer es nicht versteht, Karl Simrock hat es \u00fcbersetzt: \u201eViel Wunderdinge melden die M\u00e4ren alter Zeit\u201c. Ja, das ist so. Der M\u00e4rchen- und Sagenschatz der V\u00f6lker und Kulturen der Welt ist voller Berichte \u00fcber Wundersames. Es ist vor langer, langer Zeit geschehen. Kein Augenzeuge lebt mehr. Keine Aufzeichnung, kein Bild gibt uns authentische Kunde von den Ereignissen. Begeben haben sie sich aber doch. Wir wissen es, weil sie weitererz\u00e4hlt und weitererz\u00e4hlt wurden. Freilich hat jeder Erz\u00e4hler, jede Erz\u00e4hlerin der Anschaulichkeit und Lebendigkeit halber das Seine und Ihre und dem Publikum Gef\u00e4llige hinzugef\u00fcgt. Die Vorkommnisse wurden oft aus der Geschichte genauer bekannten Personen zugeordnet, von denen man indes auch nicht mehr alles wusste. Das Erz\u00e4hlte wurde dadurch aber glaubw\u00fcrdiger. Und so kommen sie zustande, die \u201eWunderdinge\u201c der Alten. Mit dem heute M\u00f6glichen muss das nicht immer \u00fcbereinstimmen.<br \/>\nJetzt will ich aber eine wundersame Geschichte erz\u00e4hlen, die gerade beginnt und erst in der Zukunft ein merkw\u00fcrdiges Ende nehmen wird: Es ist ein Schiff, ein riesengro\u00dfes Schiff, das seit langem vor der K\u00fcste des europ\u00e4ischen Festlandes  liegt. Die Mannschaft ist gut ausgebildet, in der Seefahrt erfahren. Viele Kapit\u00e4ne und Offizieren l\u00f6sten sich schon ab &#8211; immer erfolgreich und zeitweilig die ganze Welt beherrschend, obwohl sie ihr Schiff nie bewegten, nur mit, wenn auch gewaltigen, Beibooten in See stachen. Das Hauptschiff lag jedoch so fest vert\u00e4ut, dass es die Mannschaften, die Kommandanten und auch die backbord liegenden Europ\u00e4er f\u00fcr eine Insel hielten. Die Stimmung auf der Insel nannte man \u201esplendid isolation\u201c &#8211; \u201ewunderbare Isolation\u201c. Eines Tages nun entstand an Bord der Streit, ob denn das Schiff sich endg\u00fcltig als unverr\u00fcckbare Insel an der Seite Europas verstehen sollte und vor allem im Handel und in der Zusammenarbeit mit Europa sein Heil suchen k\u00f6nnte. Man wagte den Versuch. Nur, als man das geraume Zeit ausprobiert hatte, wurde ein Teil der Mannschaft und der Offiziere unzufrieden. Man w\u00e4re ja gar nicht mehr Herr des eigenen Schiffes. Die Entscheidungen fielen ja ganz woanders und die Kapit\u00e4ne sowie ein Teil der Mannschaft und der Offiziere mache das munter und von der Bequemlichkeit der N\u00e4he der vorgeblichen Partner angesteckt einfach mit. Es kam zur Meuterei und es kam zur Abstimmung dar\u00fcber, ob man denn nicht neue Fahrt aufnehmen sollte und neuen Kurs einschlagen. Im Schiff als Ganzes gab es eine Mehrheit daf\u00fcr: Losfahren und neuen Kurs aufnehmen. Damit war freilich das Problem noch nicht gel\u00f6st. Die Frage blieb offen, wie trennt man die schon so fest gewordenen Bindungen an das Festland und wohin sollte die Fahrt eigentlich gehen. Das Schiff hatte gerade eine Kapit\u00e4nin. Sie wollte den Willen der Mehrheit erf\u00fcllen. Allerdings fand sie keine Mehrheiten mehr f\u00fcr auch nur irgendeinen Kurs der Reise. Entschlossen versuchte sie die aufgebrachte Besatzung zu entwaffnen. Sie wollte es Vasco da Gama gleichmachen, dem die Mannschaft beim Umsegeln des Kaps der Guten Hoffnung die Gefolgschaft verweigerte. Er machte sie hilflos und schleuderte ihnen entgegen, \u201ejetzt ist Gott der Steuermann.\u201c Gesagt, getan und es kam, wie es bei dem holl\u00e4ndischen Kapit\u00e4n Bernad Fokke in \u00e4hnlicher Situation gekommen war. Die Kapit\u00e4nin hatte sich entschieden. Die Mannschaft und auch die betrogenen Europ\u00e4er verfluchten sie. Der Fluch aber verdammte sie, mit ihrem Schiff, so gro\u00df wie eine Insel, loszufahren \u00fcber alle Meere und keinen Hafen mehr zu finden. Das Festland verlor sein Gegen\u00fcber. Es war zwar immer mal noch sichtbar, jedoch nicht mehr erreichbar. Sollte es keine Rettung mehr f\u00fcr Kapit\u00e4nin und Mannschaft geben? Doch! Am 11. April 2019 prophezeite im Sender Bayern 3 der Weise Theo Weigel, der einst das britische Schiff fest an Europa gekettet hatte, dass mit den Jahren Schiff und Mannschaft und Kapit\u00e4nin erl\u00f6st werden k\u00f6nnten &#8211; es w\u00fcrde auf dem Schiff wieder reine Liebe zu Europa aufkommen. Da ist was dran, w\u00fcrde sie denn erwidert. Europa ist ja in Wirklichkeit eine sch\u00f6ne K\u00f6nigstochter. Wen dabei die Kapit\u00e4nin st\u00f6rt, der oder die denkt wie in alten m\u00e6ren. Alles neu macht die May. \u00c4hnlichkeiten mit der Geschichte vom Fliegenden Holl\u00e4nder sind hingegen rein zuf\u00e4llig.<\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr Links. Mai 2019, am 12.04.2019)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eUns ist in alten m\u00e6ren wunders vil geseit\u201c. So beginnt das Nibelungenlied. Und wer es nicht versteht, Karl Simrock hat es \u00fcbersetzt: \u201eViel Wunderdinge melden die M\u00e4ren alter Zeit\u201c. Ja, das ist so. 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