{"id":1125,"date":"2019-02-12T08:39:55","date_gmt":"2019-02-12T06:39:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1125"},"modified":"2019-02-12T17:12:48","modified_gmt":"2019-02-12T15:12:48","slug":"und-die-russen-kriege-eine-auf-den-schaedel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1125","title":{"rendered":"Und die Russen kriegen eine auf den Sch\u00e4del"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben schon wieder M\u00e4rz. Aber ich denke, vielleicht wegen meiner Herkunft, nochmal an den Februar zur\u00fcck.<br \/>\nIm Februar j\u00e4hrte sich zum 85. Mal der Beginn des B\u00fcrgerkriegs in \u00d6sterreich, in dem sich vornehmlich Kommunisten und linke Sozialdemokraten auf der einen Seite und austrofaschistische Kr\u00e4fte auf der anderen Seite gegen\u00fcberstanden. Links scheiterte schlie\u00dflich und schnell an der schwarzen Gewalt, was f\u00fcr viele von ihnen t\u00f6dliche Folgen hatte oder sie zur Flucht zwang.<br \/>\nAm 16. Februar j\u00e4hrte sich au\u00dferdem zum 80. Mal der Tod von Jura Soyfer, der ihn im KZ Buchenwald kurz vor seiner bereits besiegelten Entlassung im Alter von gerade 27 Jahren  durch Typhus ereilte. Soyfer, das 1912 geborene Kind einer vor der Oktoberrevolution nach Wien geflohenen j\u00fcdischen Industriellenfamilie aus Russland, trat nach den Februark\u00e4mpfen in die KP\u00d6 ein und begann seine Karriere als Schriftsteller und linker Kabarettist. F\u00fcr sein Alter hat er uns ein beachtenswertes Gesamtwerk aller Genres hinterlassen, das stets von linker politischer, auch tagespolitischer Parteilichkeit gepr\u00e4gt war. Er nahm die austrianische und europ\u00e4ische Zwischenkriegszeit aufs Korn, immer auf Seiten der Armen, Ausgegrenzten, Ausgebeuteten &#8211; durchaus satirisch, mit bitterem Humor. Bereits 1934 begann er einen Roman, der nur in einem Fragment \u00fcberliefert ist, mit dem Titel, \u201eSo starb eine Partei\u201c. Es ist ein Nachruf auf die \u00f6sterreichische Sozialdemokratie und ihre Schuld an der Niederlage in den Februark\u00e4mpfen. Soyfer zeigt uns drastisch Eigenschaften dieser Partei, die bis in die Gegenwart als eine ihrer dominanten Merkmale festgestellt werden k\u00f6nnen &#8211; Wankelmut, Opportunismus und konsequente Inkonsequenz. In seinem St\u00fcck \u201eAstoria\u201c bearbeitet Soyfer die damalige Skurrilit\u00e4t eines angezweifelten \u00d6sterreich, das sich als zweiter deutscher Staat verstand, und die es umgebende Situation in einem Europa unvers\u00f6hnlicher Nationalstaaten. Das Bedr\u00fcckende daran sind pl\u00f6tzlich wieder auftretende Gemeinsamkeiten zur heutigen Lage in Europa. Sie ist von wachsenden rechten und faschistischen Kr\u00e4ften gepr\u00e4gt, die die Europ\u00e4ische Union zugunsten einer St\u00e4rkung der nationalstaatlichen Autonomie abschaffen wollen. Ich lasse hier aus Platzgr\u00fcnden notwendige linke Kritik an der EU weg.   Da l\u00e4sst sich vielleicht manches \u00e4ndern. Man sollte es nicht unversucht lassen, denn die nationalistische Alternative ist furchteinfl\u00f6\u00dfend. Sie erweckt keine Perspektive friedlichen Zusammenlebens, sondern er\u00f6ffnet eine wieder aufflammende Zukunft europ\u00e4ischer kriegerischer Auseinandersetzung. Erst erfindet man sich einen Hauptfeind, dann versucht man zu verteilen, was irgendwie zu verteilen geht und dann f\u00e4llt man doch \u00fcbereinander her. So war das zwischen 1918 und 1939 und so kann es wieder werden.<br \/>\nLassen wir doch Jura Soyfer dar\u00fcber sprechen: In seinem St\u00fcck \u201eAstoria\u201c gr\u00fcndet ein Landstreicher namens Hupka gemeinsam mit einem heruntergekommen Grafen und dessen Gattin ein Land, das es eigentlich gar nicht gibt, n\u00e4mlich \u201eAstoria\u201c. An einer Stelle gibt der Graf seine \u201egeopolitischen\u201c Ansichten im Gespr\u00e4ch mit dem willig zustimmenden Hupka dem Publikum zur Kenntnis: \u201eGRAF: Zuerst trete ich aus dem V\u00f6lkerbund aus. Damit wird der Weg frei f\u00fcr eine klarblickende Realpolitik. Dann wird die Danziger Frage als die vordringlichste gel\u00f6st. \u2026 Polen erh\u00e4lt einen Zugang zum Mittelmeer, und zwar mittels eines Korridors quer durch Osteuropa. HUPKA: Na und was werden die V\u00f6lker sagen? GRAF: Was in der Zeitung steht. Die italienische Regierung wird nat\u00fcrlich verschnupft sein \u2026 Sie erh\u00e4lt zur Entsch\u00e4digung die Inseln Rhodos und Malta. HUPKA: Was werden die Bewohner sagen? GRAF: Was man ihnen erlauben wird.\u201c Peu a peu teilt der Graf dann Europa neu auf und Hupka versteht und vollendet diese Aufteilung  bis hin zu einem Flugzeugst\u00fctzpunkt f\u00fcr Luxemburg auf dem Potsdamer Platz. Die durchaus l\u00e4cherliche, wenn auch nicht ganz ausgeschlossene Verteilung, in der jede wichtige Nation etwas abbekommt, schlie\u00dft mit dem Satz: \u201e\u2026 und die Russen kriegen eine auf den Sch\u00e4del.\u201c<br \/>\nHaben wir schon wieder Zwischenkriegszeit?<\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr Links, M\u00e4rz 2019, 11.02.2019)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben schon wieder M\u00e4rz. Aber ich denke, vielleicht wegen meiner Herkunft, nochmal an den Februar zur\u00fcck. Im Februar j\u00e4hrte sich zum 85. Mal der Beginn des B\u00fcrgerkriegs in \u00d6sterreich, in dem sich vornehmlich Kommunisten und linke Sozialdemokraten auf der einen Seite und austrofaschistische Kr\u00e4fte auf der anderen Seite gegen\u00fcberstanden. 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