{"id":1120,"date":"2019-01-21T18:15:03","date_gmt":"2019-01-21T16:15:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1120"},"modified":"2019-01-21T18:17:10","modified_gmt":"2019-01-21T16:17:10","slug":"was-passiert-mit-unserer-sprache-im-digitalen-zeitalter-vorlesung-im-seniorenkolleg-dresden-oktober-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1120","title":{"rendered":"Was passiert mit unserer Sprache im digitalen Zeitalter (Vorlesung im Seniorenkolleg Dresden Oktober 2018)"},"content":{"rendered":"<p>Seniorenkolleg Dresden, 11.10.2018<\/p>\n<p> Meine sehr verehrten Damen und Herrn,  <\/p>\n<p>J\u00fcrgen Leibiger, herzlichen Dank f\u00fcr die Einf\u00fchrung und Vorstellung. Ich will dem noch etwas hinzuf\u00fcgen:<\/p>\n<p>1944 geboren in Wien, Vater dreier Kinder, Gro\u00dfvater von 6 Enkel zwischen 33 und anderthalb und einmal Urgro\u00dfvater seit einem halben Jahr.<\/p>\n<p>Als ich 1950 in Wien in die Volksschule kam, schrieben wir bis Weihnachten noch auf einer Schiefertafel mit Griffel, dann mit einem Federstiel zum Eintauchen in das in der Bank eingelassene Tintenfass. F\u00fcllfeder kam erst sp\u00e4ter. Kugelschreiber wurde gerade erfunden und verbreitet, war aber verboten, weil er kleckste und das Geschriebene angeblich auch wieder verblasste.<\/p>\n<p>Wir sangen Lieder wie \u201eIm M\u00e4rzen der Bauer die R\u00f6sslein einspannt\u201c und lasen Geschichten von Peter Rosegger \u00fcber das einfache Leben eines Waldbauernbuben und seiner Mutter, die zehn H\u00e4nde hatte &#8211; eine davon auch f\u00fcr die Ohrfeige. Wir kennen die Lieder noch, auch unsere Kinder kennen sie und k\u00f6nnen die alten Geschichten lesen. Freilich haben sie andere Fragen als wir damals.<\/p>\n<p>Zu unserem Thema gibt es mittlerweile eine un\u00fcberschaubare Menge von Literatur, meist Aufs\u00e4tze. Bei meiner Recherche zu Sprache in der digitalen Welt streikte scholar.google.de bei Seite 100 und gab einen Serverfehler an. In dieser Situation ist es geraten, sich wieder weitgehend auf sich selbst zu verlassen. Ich gestatte mir jetzt, ein bereits etwas \u00e4lteres Standardwerk zu nennen und zwei ganz aktuelle einschl\u00e4gige Publikationen f\u00fcr den deutschsprachigen Raum zu empfehlen:<\/p>\n<p>David Crystal, Language and the Internet, Cambridge 2004<\/p>\n<p>Henning Lobin, Digital und vernetzt. Das neue Bild der Sprache, (Metzler), Stuttgart 2018 und<\/p>\n<p>Sprachliche Kommunikation in der digitalen Welt. Eine repr\u00e4sentative Umfrage, durchgef\u00fchrt von forsa. In: Der Sprachdienst, 4 &#8211; 5\/2018, S. 168ff.                                                                                                             <\/p>\n<p>Es flie\u00dfen Ergebnisse dieser und selbstverst\u00e4ndlich auch anderer Publikationen in meine Ausf\u00fchrungen ein. Dort, wo es der wissenschaftlichen Ehrlichkeit halber n\u00f6tig ist, werde ich nat\u00fcrlich darauf hinweisen.<\/p>\n<p>Mit Lobin will ich gleich beginnen. Er macht uns darauf aufmerksam, dass unser Bild von Sprache ein kulturell gepr\u00e4gtes ist und die Besch\u00e4ftigung mit Sprache bestimmt. <\/p>\n<p>Es ist einerseits \u201edie abendl\u00e4ndische Sprachauffassung, die schon in der Antike im Gefolge der Rhetorikausbil\u00addung entstanden ist, bis ins 20. Jahrhundert nachgewirkt hat und noch bis heute mit ihren antiken und mittelalter\u00adlichen Vorstellungen unser Denken, Sprechen und Strei\u00adten \u00fcber Sprache pr\u00e4gt.\u201c Das sagt uns: Sprache lebt in der Kunst, in der wohlgeformten Rede.<br \/>\n\u201eSeit einigen Jahren allerdings zeichnet sich ein alter\u00adnatives, neues Bild der Sprache ab. In vielem steht die\u00adses Bild im Widerspruch zu dem bislang vorherrschenden Bild, das im Zuge l\u00e4ngst vergangener kultureller und me\u00addialer Gegebenheiten entstanden war. Die Entstehung eines neuen Bildes der Sprache wurde m\u00f6glich, weil ne\u00adben dem Menschen ein zweiter der Sprache m\u00e4chtiger Akteur auf der Bildfl\u00e4che erschienen ist, der diese Traditionslinien durchbricht\u00ad: der Computer.\u201c (S. 5f)<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich, n\u00e4mlich am 22.09. bekam ich eine Mitteilung zu \u00c4nderungen bei windows und ich komme damit zu:<\/p>\n<p>1. Zum Wortschatz<\/p>\n<p>Folgende W\u00f6rter im Text erregten meine Aufmerksamkeit: snipping tool, Disk Cleanup-Tool, Storage Sense, Screenshots, Features, Front smoothing, Clear Type, Schriftengl\u00e4ttung<\/p>\n<p>Festellen kann ich, dass von den von mir un- oder kaum verstandenen W\u00f6rtern nur eines deutschsprachigen Ursprungs ist. Damit h\u00e4tten wir bereits ein Problem beziehungsweise ein Ph\u00e4nomen des Einflusses der Digitalisierung auf die Sprache erkannt: Die Rolle der Anglizismen.<\/p>\n<p>F\u00fcr manche mag das schon das ganze oder das dominante Problem sein. Ich meine, es ist es nicht oder wenigstes nicht alleine. Aber gehen wir der Sache gleich hier nach:<\/p>\n<p>Mit den Anglizismen passiert etwas f\u00fcr Sprache ganz Normales. Es kommen neue Dinge in unser Leben. Sie kommen von au\u00dferhalb unseres Sprachraumes, von au\u00dferhalb unserer Sprachgemeinschaft. Deshalb kommen mit den Dingen und Ph\u00e4nomenen zun\u00e4chst auch die W\u00f6rter von au\u00dferhalb. Und wenn auch Konrad Zuse aus Hoyerswerda den ersten Computer gebaut hatte, fast alles, was wir heute so haben, kommt aus dem angloamerikanischen Raum.<\/p>\n<p>Ich werde jetzt etwas weiter ausholen: <\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie jetzt mit der Digitalisierung war das z. B. auch mit der Winzerterminologie, also mit den W\u00f6rtern rund um den Weinbau. Die Germanen kannten ihr Met, die R\u00f6mer brachten den Wein\/vinum und mit diesem allerlei W\u00f6rter drumherum.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens, gestatten Sie mir auch den kleinen Exkurs, gab es dabei durchaus regionale Variation: Die Baumpresse, mit der die Trauben ausgepresst wurden hei\u00dfen landschaftlich im deutschen Sprachraum durchaus verschieden und gehen dennoch alle auf lateinischen Ursprung zur\u00fcck.<br \/>\nDer \u201eHistorische S\u00fcdwestdeutsche Sprachatlas\u201c verzeichnet drei Varianten: Kelter, Trotte, Torkel<\/p>\n<p>Kelter  ist entlehnt aus lateinisch calcatura zu calx die Ferse.<\/p>\n<p>Trotte ist aus dem mittellateinischen trottare \u00fcbernommen. Kelter und Trotte \u00fcberliefern uns beide eine alte Art des Traubenpressens, n\u00e4mlich die mit den F\u00fc\u00dfen. Das Wort Trotte ist mit allem verwandt, was mit mit der Fortbewegung trotten\/treten verwandt ist.<\/p>\n<p>Torkel schlie\u00dflich ist aus dem lateinischen torculum\/torcular hervorgegangen und lehnt sich an die Drehbewegung beim Weinpressen an. Es ist verwandt mit torkeln als schwankende Bewegung.<\/p>\n<p>Diese W\u00f6rter hatten gen\u00fcgend Zeit, sich in die aufnehmende Sprache einzugliedern und der gesamte Weinbau hatte auch gen\u00fcgend Zeit, um f\u00fcr die damit verbundenen Dinge, Verrichtungen, Gebr\u00e4uche und Gewohnheiten auch ausreichend muttersprachliche, alltagssprachliche Benennungen zu finden.<\/p>\n<p>Die variablen Entlehnungen aus dem Lateinischen weisen uns darauf hin, dass das klassische Latein im gro\u00dfen R\u00f6mischen Reich sehr wohl in regionalen Variet\u00e4ten gesprochen wurde. Die gegenseitige Durchdringung von Latein mit Regionalsprachen hat dabei nicht diese Regionalsprachen zerst\u00f6rt, sondern das Latein in die romanischen Sprachen aufgesplittert und auch lateinische W\u00f6rter in anderen Sprachfamilien auf deren Art und Weise heimisch gemacht und damit tendenziell entlatinisiert. Kaum wer wei\u00df dann noch vom lateinischen Ursprung.<\/p>\n<p>Schlussfolgerung f\u00fcr hier und heute: Nicht die deutsche Sprache und andere sind durch die Dominanz des Englischen in nicht wenigen Lebensbereiche und das Eindringen von Anglizismen arg gef\u00e4hrdet, sondern das Englische selbst, weil es in immer mehr regionalen Varianten gesprochen wird und deshalb das Schicksal des Lateinischen erleiden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Aber noch nicht ganz zur\u00fcck zum eigentlichen Thema jedoch auch zu anderen Beispielen:<\/p>\n<p>Fragen wir einmal, was ist \u201eMumps\u201c? Wikpedia sagt: \u201eMumps (Parotitis epidemica, Rubula infans, umgangssprachlich Ziegenpeter, Bauernwetzel, T\u00f6lpel oder Feifel) ist eine ansteckende Virusinfektion, welche die Speicheldr\u00fcsen und andere Organe bef\u00e4llt.\u201c <\/p>\n<p>Und fragen wir noch, was sind \u201ePocken\u201c? Wiederum bei Wikipedia nachgesehen, erfahren wir: \u201eMit Pocken oder Variola (auch Blattern; lateinisch variolae) bezeichnet man eine f\u00fcr den Menschen gef\u00e4hrliche Infektionskrankheit, die von Pockenviren (Orthopoxvirus variolae) verursacht wird. \u2026Der Name \u201ePocken\u201c kommt zum ersten Mal in einer angels\u00e4chsischen Handschrift aus dem 9. Jahrhundert am Ende eines Gebets vor: &#8230;\u00a0geskyldath me wih de lathan Poccas and with ealleyfeln. Amen. (\u201e&#8230;\u00a0besch\u00fctzt mich vor den scheu\u00dflichen Pocken und allem \u00dcbel. Amen.\u201c) Das Wort Pocken kommt aus dem Germanischen und bedeutet \u201eBeutel\u201c, \u201eTasche\u201c, \u201eBlase\u201c, \u201eBlatter\u201c. Es ist mit den englisch pocket, pox, pocks und franz\u00f6sisch poche verwandt.<br \/>\nDie Bezeichnung variola (von lat. varius \u201abunt\u2018, \u201ascheckig\u2018, \u201afleckig\u2018) wurde von Bischof Marius von Avenches (heute Schweiz) um 571 n. Chr. gepr\u00e4gt und soll im 11. Jahrhundert der Krankheit auch von dem Arzt und \u00dcbersetzer Constantinus Africanus gegeben worden sein.\u201c<\/p>\n<p>So! &#8211; Mein alter Klassenlehrer h\u00e4tte gefragt, was lernt uns das?<\/p>\n<p> Ich sage, es lehrt uns Verschiedenes und das ist f\u00fcr unser Problem nicht unwichtig.<\/p>\n<p>F\u00fcr Krankheiten gibt es &#8211; durchaus im Unterschied zum Wortschatz der Digitalisierung &#8211; neben den fachsprachlich-wissenschaftlichen, meist lateinischen, zahlreiche alltagssprachliche, muttersprachliche oder von der Muttersprache aufgesogene Benennungen. Manchmal oder sogar meistens ist die alltagssprachliche Benennung vor der fachsprachlich-wissenschaftlichen in der Welt und dient als Quelle f\u00fcr diese.<\/p>\n<p>Nun \u00fcberpr\u00fcfen wir mal, wieviele alltagssprachliche Benennungen wir f\u00fcr den Wortschatz der Digitalisierung finden. Mir f\u00e4llt nicht viel ein: Rechner, kopieren, downloaden (!), l\u00f6schen, mailen\/schicken ???<\/p>\n<p>Sicher gibt es noch ein paar mehr und Grenzf\u00e4lle: Cybermobbing.<\/p>\n<p>Worin ist der Unterschied zum medizinischen Wortschatz, vor allem zur Bezeichnung von Krankheiten oder auch zu vielen W\u00f6rtern des Weinbaus begr\u00fcndet?<\/p>\n<p>Nun, die Eintragungen bei Wikipedia verraten es schon: Die Krankheiten sind seit langem bekannt, bekannt schon vor einer systematischen medizinischen, wissenschaftlich zu nennenden Besch\u00e4ftigung damit. Das Volk hatte Gelegenheit und Zeit, seine Benennungen zu finden. Mit Beginn der wissenschaftlichen medizinischen Besch\u00e4ftigung mit den Krankheiten setzte man sich sozial und systematisch davon ab, indem man Latein als Wissenschaftssprache favorisierte.<\/p>\n<p>Beim Weinbau war es, wie schon erw\u00e4hnt, umgekehrt. Die Sprachen hatten Zeit sich neben den lateinischen Benennung auch muttersprachliche zu bilden. Und: Wir sind nicht alle Weinbauern. Die Digitalisierung greift aber in unser aller Alltag ein. Das gilt \u00e4hnlich f\u00fcr Krankheiten.<\/p>\n<p>Die Menschen hatten im Gegensatz zu Weinbau und Krankheiten mit ihrer Sprache im jetzt angebrochenen und in kurzer Zeit weit entwickelten \u201edigitalen  Zeitalter\u201c schlicht keine Zeit daf\u00fcr. Sie mussten annehmen und nach Bedarf in ihren Alltag einbauen, was die Wissenschaft, die Produktion und die systematische Anwendung digitaler M\u00f6glichkeiten in aller Schnelligkeit anboten.<\/p>\n<p>Zum Tempo der Entwicklung: In meinem Kinderlexikon, Die Welt von A bis Z von 1953 finden sich keinerlei Hinweise auf Computer. <\/p>\n<p>Im 20-b\u00e4ndigen dtv &#8211; Lexikon von 1967 findet man Computer unter K &#8211; Komputer &#8211; . Beschrieben wird er schlicht und einfach als \u201eRechenautomat\u201c. Dass es sich beim K\/Computer um etwas Exotisches handelt wird unter dem Stichwort Rechenautomat klar. Es wird auf die Schreibung engl. Computer hingewiesen. Rechenautomaten gab es schon lange. Mit der heutigen Art der Digitalisierung hatten sie freilich nicht allzu viel zu tun. Das Lexikon bemerkt das auch zumindest implizit. \u201e \u2026 ein meist elektrisches oder elektronisches Rechenger\u00e4t auf Zifferngrundlage, mit dem umfangreiche Rechnungen nach einem von Fall zu Fall eingegebenen Programm selbstt\u00e4tig ausgef\u00fchrt werden. Datenverarbeitende Maschinen sind R. zum Verarbeiten sehr vieler Zahlen und anderer Informationen, haupts\u00e4chlich bei kaufm\u00e4nn. und wirtschaftl. Rechnungen.\u201c Als Oberbegriff erscheint aber bereits \u201eInformationsverarbeitende Maschinen\u201c und \u201eInformationswandler\u201c. (!)<\/p>\n<p>Auch in der 3. Auflage des einb\u00e4ndigen \u201eLexikon A bis Z\u201c des Bibliographischen Instituts Leipzig von 1981 wird man beim Stichwort \u201eComputer\u201c auf \u201eRechenautomat\u201c verwiesen. Die Wortherkunft wird sowohl englisch als auch lateinisch angegeben. Unterschieden werden \u201eDigital-, Analog- und Hybridrechner\u201c. Das Lexikon kennt auch schon Hardware und Software. Angegeben werden 3 Generationen von Rechnern, 1. solche mit Elektronenr\u00f6hren und Magnettrommelspeichern, 2. solche mit Transistoren und Ferritkernspeichern und 3. jene mit hochintegrierter Mikromodultechnik. Manches dieser W\u00f6rter ist zumindest im Alltag schon wieder verschwunden, in einschl\u00e4gigen Wortverzeichnissen nicht mehr oder nur in Bestandteilen enthalten.<\/p>\n<p>Wikipedia verweist heute auf die erweiterten Einsatzm\u00f6glichkeiten \u00fcber Rechnen hinaus, r\u00e4umt aber ein, dass Computer vom inneren Prinzip her Rechenmaschinen geblieben sind: \u201eDie fr\u00fchen Computer wurden auch (Gro\u00df-)Rechner genannt; ihre Ein- und Ausgabe der Daten war zun\u00e4chst auf Zahlen beschr\u00e4nkt. Zwar verstehen sich moderne Computer auf den Umgang mit weiteren Daten, beispielsweise mit Buchstaben und T\u00f6nen. Diese Daten werden jedoch innerhalb des Computers in Zahlen umgewandelt und als solche verarbeitet, weshalb ein Computer auch heute eine Rechenmaschine ist.\u201c Alltagssprachlich Rechner bleibt also eine legitime und sachad\u00e4quate Benennung.<\/p>\n<p>Und noch etwas zum Tempo der Entwicklung: Meinen ersten Computer erwarb ich 1986, einen \u201eCommodore plus 4\u201c. Das Schreibprogramm machte mich damals allen anderen, die so etwas noch nicht hatten, \u00fcberlegen; wegen der Schnelligkeit, aber vor allem wegen der Korrekturm\u00f6glichkeiten. Aufwendige Streichungen, Korrekturlack und \u00c4hnliches brauchte man nicht mehr. Allerdings war alles auf englische Orthografie abgestellt; kein \u00df, keine Umlaute. Der Computer hatte eine Betriebsanleitung, die war noch sehr gut verst\u00e4ndlich. Erstens, weil die Technik noch nicht so ausuferte, und zweitens, weil \u00dcbersetzung und Anleitung sich wegen der geringen Fachlexik noch st\u00e4rker an der Muttersprache orientieren konnten. <\/p>\n<p>Es gelang mir damit eine Rennbahn zu programmieren, wo ein Punkt auf einer durch streichholz\u00e4hnliche St\u00e4bchen markierte Bahn, die immer kurviger und enger wurde, zum Ziel gebracht werden musste. Mein ebenfalls 1968 geborener j\u00fcngster Sohn spielte lange damit. Mir gelang mit diesem Computer au\u00dferdem die Umsetzung eines schon 1977 entwickelten Algorithmus zur Bestimmung von Wortbildungsarten des Deutschen, durchaus zum Erstaunen von Fachkolleginnen und -kollegen und zur Bereicherung des Unterrichts. (Vgl. DaF 14 (1977), S. 202ff.)<\/p>\n<p>Sehr viel mehr Meriten erwarb ich mir aber mit diesem Teufelsding, weil man die Stundenpl\u00e4ne f\u00fcr Studierende, Lehrende und Unterrichtsr\u00e4ume nicht mehr drei Mal schreiben musste, sondern nur einmal, weil man sie ja je nach Bedarf und einmal auf Diskette gespeichert ver\u00e4ndern konnte. <\/p>\n<p>Das mag f\u00fcr den Wortschatz reichen. Ich will hier keine Vokabellernstunde bieten. Daf\u00fcr gibt es einschl\u00e4gige Lexika. Dazu nur noch so viel:<br \/>\nDas Bedienungshandbuch 1986 war, wie gesagt, noch sehr verst\u00e4ndlich. 1998 schenkte mir mein Sohn ein W\u00f6rterbuch \u201eCyber Sl@ng. Die Sprache des Internet von A bis Z\u201c. 2009 schenkte der inzwischen Bioinformatik studierende Sohn dem mittlerweile desorientierten Vater ein Web-Logbuch, \u201eBlogging f\u00fcr DUMMIES. Irgendein Versandhaus versorgte mich vor etwa zwei Jahren mit einem Heftchen, \u201ePC Wissen f\u00fcr Senioren\u201c. Alles half aber nichts. Seit kurzem besitze ich \u201eDas gro\u00dfe Computerlexikon &#8211; Fachbegriffe zu PC, Laptop, Tablet, Smartphone, Internet &#038; Co. Die IT-Welt einfach und verst\u00e4ndlich erkl\u00e4rt\u201c. <\/p>\n<p>\u201eEinfach und Verst\u00e4ndlich\u201c kann man freilich anzweifeln, weil die Fachw\u00f6rter meist mit anderen Fachw\u00f6rtern erkl\u00e4rt werden und man sich deshalb zum finalen Verst\u00e4ndnis vieler W\u00f6rter erst durch das Lexikon winden muss. Das ist aber nicht Schuld der Verfasser, sondern der fehlenden Wort\u00e4quivalente in der Alltagssprache. <\/p>\n<p>Gro\u00dfe M\u00f6glichkeiten ergeben sich f\u00fcr W\u00f6rterb\u00fccher und \u00dcbersetzungen.  Die Digitalisierung der Sprachdokumentation ist weit entwickelt und brachte viele Neuigkeiten, an die fr\u00fcher kaum zu denken war.<\/p>\n<p>Die Bedeutungsangaben in W\u00f6rterb\u00fcchern sind Resultat der Analyse m\u00f6glichst vieler Belege der Wortverwendung in Texten. Das war schon immer so, aber dabei sind Menschen nat\u00fcrliche Grenzen gesetzt, was die Menge des Beispielmaterials betrifft. Computer erweitern diese Grenzen fast in die Totalit\u00e4t von Belegen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Digitale W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache. <\/p>\n<p>\u201eDas Digitale W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache (DWDS) ist ein Auskunftssystem f\u00fcr den Wortschatz der deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Die Informationen im DWDS \u2013 W\u00f6rterb\u00fccher, Textkorpora und Statistiken \u2013 werden auf der Webseite des Projektes (www.dwds.de) ver\u00f6ffentlicht und stehen der \u00d6ffentlichkeit kostenlos zu Verf\u00fcgung. Die verschiedenen Informationsquellen werden laufend aktualisiert.<br \/>\nDas Vorhaben verfolgt zwei Ziele. Erstens sollen die bereits verf\u00fcgbaren lexikalischen Informationen aus den bisher erschienenen gro\u00dfen W\u00f6rterb\u00fcchern zusammengefasst und auf den neuesten Stand gebracht werden. Zweitens soll ein Auskunftssystem bereitgestellt werden, in dem eine verl\u00e4sslich und wissenschaftlich fundierte lexikographische Beschreibung von W\u00f6rtern mit der M\u00f6glichkeit verbunden wird, die verschiedenen Verwendungsweisen eines Wortes in gut erschlossenen Textkorpora zu recherchieren. Das System ist flexibel erweiterbar, die Informationen k\u00f6nnen jederzeit und auf einfache Weise aktualisiert werden. Die Informationen sind f\u00fcr viele wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Zwecke nutzbar.\u201c (dwds.de) <\/p>\n<p>Das Digitale W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache nutzt als Grundlage also W\u00f6rterb\u00fccher, die an der Akademie der Wissenschaften der DDR entstanden sind wie z.B. Das W\u00f6rterbuch der deutschen Gegenwartssprache oder das Etymologische W\u00f6rterbuch des Deutschen sowie viele Texte aus Zeitungen, Publikationen und historischen wie aktuellen Textsammlungen. Es bietet auch akustisch Ausspracheinformationen, die fr\u00fcher nur in Lautschrift m\u00f6glich waren.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang sind auch Mundartw\u00f6rterb\u00fccher und -karten zu nennen, die nicht nur auf Mundartkarten lokalisierbare Aussprache von Mundartw\u00f6rtern bieten, sondern auch die Bewegung von Dialekten in Raum und Zeit visuell und akustisch dokumentieren.<\/p>\n<p>Also: \u201eDer Digita\u00adlisierung der Sprachverwendung entspricht eine Digita\u00adlisierung ihrer Erforschung.\u201c (Lobin, S. 9)<\/p>\n<p>Und wieder Lobin: \u201eSeit mehr als einem halben Jahrhundert gibt es Versuche, Computern die F\u00e4higkeit zu Sprachverstehen und Sprachproduktion, fl\u00fcssigem Sprechen und sinnvoller Gespr\u00e4chsf\u00fchrung zu implementieren. Aber erst vor kurzem haben diese Tech\u00adnologien in Gestalt von \u00bbSiri\u00ab, \u00bbCortana\u00ab, \u00bbGoogle Home\u00ab und \u00bbAlexa\u00ab ihren Weg in den Alltagsgebrauch gefunden. Indem wir mit einer Maschine Gespr\u00e4che f\u00fchren, gew\u00f6h\u00adnen wir uns daran, Sprache auch als eine Schnittstelle zur Informationstechnologie zu sehen und Eigenschaften, die wir mit dem Cyberspace verbinden, auch diesem ur\u00admenschlichen Medium zuzuschreiben.\u201c (S. 8f) <\/p>\n<p>\u00dcbersetzungen nicht nur von W\u00f6rtern, sondern auch von ganzen Textpassagen sind heute im Internet von vielen Anbietern zu bekommen. Die \u00dcbersetzungen sind meist gut und angemessen, obwohl es nat\u00fcrlich noch immer Schwierigkeiten mit vor allem emotionalen Konnotationen von W\u00f6rtern, Unterschieden in der Wortschatzstruktur der verschiedenen Sprachen (Wortfelder) und mit Synonymie und Mehrdeutigkeit gibt.<\/p>\n<p>Um das nachzuvollziehen schreiben Sie sich einmal verschiedene W\u00f6rter f\u00fcr aufrechtes Fortbewegen mit Bodenhaftung &#8211; also gehen, schreiten, rasen, schleichen, schlendern usw. auf. \u00dcbersetzen Sie die W\u00f6rter mit Hilfe eines Deutsch-Englisch Dictionary ins Englische. Dann machen Sie eine R\u00fcck\u00fcbersetzung wider mit Hilfe eines nun Englisch-Deutsch Dictionary. Sie werden sich wundern wie die Dinge voneinander abweichen.<\/p>\n<p>Zu Beginn waren die Versuche zur maschinellen \u00dcbersetzung von gro\u00dfen Problemen begleitet. Man folgte zun\u00e4chst der Theorie der Generativen Grammatik von Noam Chomsky, die besagte, dass S\u00e4tze eine einzelsprachliche Oberfl\u00e4chenstruktur haben, die durch die Anwendung von Transformationsregeln auf eine Tiefenstruktur zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. <\/p>\n<p>Diese sei universell, sodass man durch Anwendung anderssprachiger Transformationsregeln eine \u00dcbersetzung bekommen k\u00f6nnte. Das war zu einfach gedacht, weil es vor allem die eigenen Regeln, die einen Text strukturieren sowie die Regeln der Monosemierung (aktuellen Bedeutung) von W\u00f6rtern im Text nicht ber\u00fccksichtigte. Eine Einzelsprache auf universell g\u00fcltige Logik zur\u00fcckzuf\u00fchren &#8211; das war der Versuch &#8211; muss scheitern, weil Sprachen weder in der Oberfl\u00e4chenstruktur noch in der Tiefenstruktur ungebrochen Regeln der Logik folgen. <\/p>\n<p>So passierte es dann z.B., dass in einer Gebrauchsanweisung f\u00fcr einen Heimsyphon in der DDR das Wort \u201edie Patrone\u201c mit \u201eder Patron\u201c \u00fcbersetzt wurde. Der Ratschlag, den Patron bei einem Ausflug mitzunehmen, weil das viel Freude bereiten w\u00fcrde, bekam dann einen eigenen Sinn. Auch der Hinweis, dass man bei einem Defekt, die Schraube A4 herausschrauben solle, \u201ewas ohnehin nicht geht, weil sie festgeschwei\u00dft ist\u201c, verweist auf gro\u00dfe Probleme mit den Unterschieden zwischen Logik und Grammatik.<\/p>\n<p>Ein Freund aus England, der kaum Deutsch konnte, schrieb mir einst, stolz darauf ein \u00dcbersetzungsprogramm zu nutzen, dass \u201eseine Nonne geheiratet hat.\u201c Offensichtlich hatte die Maschine ein Problem mit der Synonymie von \u201eNonne\u201c und \u201e(Kloster-)Schwester\u201c. <\/p>\n<p>Zumindest f\u00fcr Fach- und Sachtexte sind diese Probleme &#8211; wie gesagt &#8211; heute weitgehend ausger\u00e4umt. Pers\u00f6nliche Mitteilungen mit individuellen Bedeutungsvarianten von W\u00f6rtern, Ausdruck von Emotionen und \u00c4hnliches bleiben aber resistent gegen\u00fcber \u00dcbersetzungsprogrammen. Man kann nat\u00fcrlich mit Computern auch Literatur kreieren &#8211; darauf komme ich zum Schluss &#8211; ob ein Gedicht, mit dem Zufallsgenerator hervorgebracht, aber schon Kunst ist, sei dahingestellt.<\/p>\n<p>Weit mehr Bedeutung hatte das Zur\u00fcckf\u00fchren von Ausdr\u00fccken nat\u00fcrlicher Sprachen auf logische Strukturen f\u00fcr die Entwicklung von Programmiersprachen. Das ist aber kaum ein linguistisches Problem. Ich werde mich damit hier nicht befassen.<\/p>\n<p>Sprache existiert nicht nur als Wortschatz. In der Praxis tritt sie uns als komplexes Mittel der Kommunikation gegen\u00fcber und das meist in Texten. Texte haben Textelemente und Struktur, das hei\u00dft, sie haben Stil und wir k\u00f6nnen Textsorten unterscheiden. Sie haben Grammatikalit\u00e4t und Akzeptabilit\u00e4t. <\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel daf\u00fcr, dass diese beiden Eigenschaften voneinander abweichen k\u00f6nnen, ist der so genannte \u201eTelegrammstil\u201c. Er lebte von maximaler morphologischer und syntaktischer Verk\u00fcrzung bei Aufrechterhaltung der Verst\u00e4ndlichkeit. Mit der modernen digitalen Nachrichten\u00fcbermittlung sind Telegramm und Telegrammstil verschwunden. Mein inzwischen als Bioinformatiker  akademisch diplomierter 32-j\u00e4hriger Sohn kann mit der Sache und dem Wort nichts anfangen. Andere Dinge haben sich aber auch ver\u00e4ndert, sind neu aufgekommen oder verschwunden.<\/p>\n<p>Gerade beim Telegrammstil zeigt sich jedoch schon, dass Akzeptabilit\u00e4t sehr viel schwieriger in Regeln zu fassen ist als Grammatikalit\u00e4t. Das hat Auswirkungen auf die M\u00f6glichkeiten digitaler \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p>Auch der Wechsel vom Du zum Sie in \u00dcbersetzungen aus dem Englischen oder Schwedischen ist nicht einfach zu programmieren. Er hat mit Grammatik im engeren Sinn nichts zu tun.<\/p>\n<p>Ich komme zu 2. Texte und Textsorten <\/p>\n<p>T\u00e4glich werden etwa 200 Milliarden e-mails verschickt und ca. 60 Milliarden Mal Whats App genutzt. Der Austausch in den sozialen Netzwerken ist dabei nicht ber\u00fccksichtigt. facebook und twitter sind hierbei in der Welt f\u00fchrend. 90% der Deutschen sind online, 77% t\u00e4glich (tagesschau 10.10. 2018). Menschen unter 35 doppelt so lang wie \u00e4ltere. Diese Zahlen stiegen und steigen, wo es noch geht, mit rasender Geschwindigkeit. das ist die eigentliche Besonderheit. <\/p>\n<p>Wikipedia sagt zu \u201eTwitter, \u201eist ein Mikrobloggingdienst des Unternehmens Twitter Inc. Auf Twitter k\u00f6nnen angemeldete Nutzer telegrammartige Kurznachrichten verbreiten. Die Nachrichten werden \u201eTweets\u201c (von englisch to tweet \u201ezwitschern\u201c) genannt.\u201c<\/p>\n<p>Wikipedia irrt wie nicht selten. Die \u201eKurznachrichten\u201c sind zwar kurz, aber eben nicht telegrammartig. Auch bei der Zeichenbeschr\u00e4nkung von 140 Zeichen wurden die Nachrichten ausformuliert. Mittlerweile &#8211; jetzt hat Wikipedia wieder recht &#8211; wurden \u201eangeh\u00e4ngte Fotos und Videos sowie zitierte Tweets nicht mehr auf die Gesamtl\u00e4nge des eigenen Beitrags angerechnet und verk\u00fcrzen damit nicht mehr den verbleibenden Platz. Zudem startete das Unternehmen einen Test mit Nachrichten in der doppelten, zu der bisher m\u00f6glichen L\u00e4nge von nun 280 Zeichen. Definierte Nutzergruppen sollten diese Funktion in allen Sprachen testen, bis auf Japanisch, Chinesisch und Koreanisch.\u00a0In diesen Sprachen w\u00fcrden ohnehin nur sehr kurze Nachrichten \u201egetwittert\u201d.\u201c <\/p>\n<p>Letzteres h\u00e4ngt wohl mit dem Charakter der Sprachen und ihrer Verschriftlichung zusammen, in der Zeichen Silben repr\u00e4sentieren, die als Lautstruktur Morphemen als minimale Bedeutungstr\u00e4ger zugeordnet werden. Es entstehen deshalb komplexe Schriftzeichen mit einer sehr komplexe Bedeutungsstruktur. Da macht die Beschr\u00e4nkung keinen Sinn. Es ist aber ein gutes Beispiel, wie umgekehrt zu unserem Thema, die Schriftstruktur einer Sprache die digital basierte Kommunikation beeinflusst.<\/p>\n<p>Nach meiner Beobachtung wurden in der Fr\u00fchzeit der Nutzung von facebook und twitter kurze Texte favorisiert. Mittlerweile sind bei facebook die Nachrichten, die eine danach folgende Diskussion initiieren, oft schon sehr lang. Pointierte Verk\u00fcrzungen, die auch ein entwickeltes Sprachbewusstsein und Sprachwissen voraussetzen, werden seltener und eher twitter vorbehalten. Die Reaktionen\/Kommentare bleiben aber auch bei facebook meist kurz. Man kann au\u00dferdem systematisiert mit Emojis und Emoticons antworten, also nonverbal seine Einstellung ausdr\u00fccken. <\/p>\n<p>(Emoticons     \ud83d\ude42<br \/>\nEmojis = fertige kleine Bilder)<\/p>\n<p>Bei den vorgegebenen Emojis gibt es bekanntlich die M\u00f6glichkeiten: gef\u00e4llt mir (erhobener Daumen), Love (ein Herz), Haha (ein lachendes Gesicht), Wow (eine Gesicht, das durch Nachempfinden der Artikulation Staunen ausdr\u00fcckt), Traurig (ein weinendes Gesicht), W\u00fctend (ein durch Zorn verf\u00e4rbtes Gesicht). Wer facebook nutzt kennt das.<\/p>\n<p>Emojis und Emoticons werden meist verwendet, um die Kommunikation zu verk\u00fcrzen, sich das Tippen zu ersparen oder weil sie eine besondere Emotionalit\u00e4t ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Das Streben nach m\u00f6glichst kurzen Texten und  zur Ersparniss von \u201eTipparbeit\u201c hat zu einer Reihe von usuellen Abk\u00fcrzungen gef\u00fchrt. Es handelt sich entweder um Initialw\u00f6rter, dann weichen sie eigentlich von Gewohntem nicht ab, wenn man die meist englische Grundlage vernachl\u00e4ssigt. Wir kennen den LKW, den PKW, die NATO und EU. Das Internet bietet uns neuerdings z.B. MfG, lg, LOFL (lying in the floor laughing). Eine Besonderheit ist aber, dass man nicht mehr nur an der Schreibung ausgerichtet abk\u00fcrzt, sondern ebenso am Lautlichen. Dazu werden meist englische Zahlen oder die englische Aussprache von Buchstaben f\u00fcr Konsonanten herangezogen. Beispiele: 4YEO (for your eyes only), 4U (for you), L2P (learn to play &#8211; bessere Dich), Y (why), n8 (night) usw.<\/p>\n<p>Findet man bei E-Mail-Kommunikation eigentlich fast alle Textsorten wieder, die in schriftlichen Korrespondenzen \u00fcblich waren, so sticht doch hervor, dass die M\u00f6glichkeit, schriftlich die zeitliche Distanz zwischen Nachricht und Antwort zu minimieren, sehr viel dialogische Kommunikation hervorbringt, vor allem in Sachfragen oder zur Organisation von Arbeit. <\/p>\n<p>Versuche, so etwas zu f\u00f6rdern, gab es aber schon seit langem. Es \u00e4hnelt der Rohrpost. Und Anke Fl\u00e4ming-Wieczorek berichtet in ihrem Buch \u201eDie Briefe an Friedrich Justin Bertuch. Eine Studie zu kommunikativen, sprachlichen und sozialen Verh\u00e4ltnissen im klassischen Weimar.\u201c (1996) von der M\u00f6glichkeit, kurze Mitteilungen, Fragen, Hinweise und dergleichen per Boten auf kleine Zettel geschrieben, zu \u00fcbermitteln und sofort darauf eine Antwort zu bekommen, die der Bote wieder bringt. Goethe hat davon regen Gebrauch gemacht.<\/p>\n<p>Die in Wiesbaden angesiedelte \u201eGesellschaft f\u00fcr deutsche Sprache\u201c hat, wie eingangs erw\u00e4hnt, bei forsa eine Umfrage zu \u201eSprachliche Kommunikation in der digitalen Welt\u201c in Auftrag gegeben, mit durchaus interessanten Ergebnissen. Ver\u00f6ffentlicht sind die Ergebnisse, wie ich schon eingangs bemerkte, in der Zeitschrift \u201eSprachpflege\u201c 62 (2018), Heft 4 &#8211; 5, S. 168ff. Ich gestatte mir jetzt etwas ausf\u00fchrlicher zu zitieren:<\/p>\n<p>\u201eIm Rahmen der Untersuchung wurden insgesamt 2 001, nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgew\u00e4hlte, Internetnutzer im Alter von 14 bis 60 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland befragt. Die Erhebung wurde vom 8. bis 29. Januar 2018 mithilfe des repr\u00e4sentativen Panels forsa.omninet durchgef\u00fchrt.\u201c (168)<\/p>\n<p>\u201eDie Untersuchung zeigt, dass Messenger-Dienste, das Telefon sowie E-Mails diejenigen Kommunikationsformen sind, die am h\u00e4ufigsten genutzt werden. Zudem zeigen sich in den Kommunikationsgewohnheiten mitunter deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. So nutzt bei den unter 35-J\u00e4hrigen beispielsweise fast jeder Befragte fast t\u00e4glich Messenger-Dienste wie WhatsApp, den Facebook-Messenger oder Threema, w\u00e4hrend Telefonate in dieser Altersgruppe seltener gef\u00fchrt werden. Die Befragten ab 35 Jahren nutzen noch deutlich h\u00e4ufiger als die j\u00fcngeren Befragten das Telefon.\u201c<\/p>\n<p>Hier m\u00f6chte ich einschieben, dass auch das Telefon neue Dinge und neue W\u00f6rter gebracht hat. Die Teile und die Technik des Telefons sind das eine: H\u00f6rer, W\u00e4hlscheibe, Anschluss, fr\u00fcher das Fr\u00e4ulein, T\u00e4tigkeiten das andere: verbinden, anrufen sowie neue Ph\u00e4nomene: besetzt und Gru\u00dfformeln: auf wiederh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck aber zur Befragung der GfdS: \u201eW\u00e4hrend bei der Kommunikation mit den Eltern, Gro\u00dfeltern sowie den beruflichen Kontakten am ehesten das Telefon genutzt wird, haben die Messenger-Dienste bei der Kommunikation mit Freunden die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung. Mit ihrem Partner bzw. Geschwistern treten die Befragten in gleichem Ma\u00dfe \u00fcber das Telefon bzw. Messenger-Dienste in Kontakt. Auch hier zeigen sich Unterschiede zwischen den Altersgruppen. W\u00e4hrend die Personen unter 25 Jahren mit verschiedenen Personengruppen h\u00e4ufig \u00fcber Messenger-Dienste kommunizieren, hat das Telefon bei den \u00e4lteren Befragten eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung. \u2026 <\/p>\n<p>Die Mehrheit in allen Bev\u00f6lkerungsgruppen verwendet als Erg\u00e4nzung zum geschriebenen Text meistens Emojis, wobei diese von Frauen und unter 35-J\u00e4hrigen noch h\u00e4ufiger verwendet werden als von M\u00e4nnern und \u00e4lteren Befragten. Emoticons werden seltener als Emojis \u2026 aber trotzdem von einer Mehrheit der Befragten zumindest ab und zu genutzt.\u201c (169)<\/p>\n<p>\u201eFast die H\u00e4lfte der Befragten st\u00f6rt es sehr (11 %) oder eher (35 %) (in Summe also 46%, PP), dass viele Menschen durch die digitale Kommunikation auch im normalen Sprachgebrauch immer h\u00e4ufiger sogenannte Anglizismen nutzen, also z. B. W\u00f6rter wie Apps, posten oder User. Eine knappe Mehrheit st\u00f6rt sich weniger (33 %) oder \u00fcberhaupt nicht (21 %) (in Summe also 54%, PP) daran. Diese Spaltung im Bereich der digitalen Kommunikation entspricht dem allgemeinen Trend, demnach 39 Prozent der deutschen Bev\u00f6lkerung die Verwendung von englischen Ausdr\u00fccken st\u00f6rt und 40 Prozent nicht (Hoberg\/Eichhoff-Cyrus\/Schulz, Wie denken die Deutschen \u00fcber ihre Muttersprache und \u00fcber Fremdsprachen, 2008: 37). <\/p>\n<p>Dass sie sich durch den h\u00e4ufigen Gebrauch von Anglizismen sehr oder etwas gest\u00f6rt f\u00fchlen, geben die \u00fcber 45-J\u00e4hrigen deutlich h\u00e4ufiger an als die j\u00fcngeren Befragten\u201c (GfdS, 171)<\/p>\n<p>Zur Ablehnung von Anglizismen habe ich schon gesprochen. Wir m\u00fcssen die nicht in sonderlichem Ma\u00dfe pflegen. Wenn sie den \u201etreffenden Ausdruck\u201c bef\u00f6rdern, sind sie durchaus angemessen. Dass sie mit den Dingen und Ph\u00e4nomenen kommen, werden wir kaum verhindern k\u00f6nnen. Frankreich ist da aber deutlich rigider, ob man es dort deshalb leichter hat mit der Digitalisierung, sei dahingestellt. Immerhin mauserten sich die Anglizismen zu Internationalismen. F\u00fcr junge Menschen dr\u00fcckt die Verwendung von Anglizismen auch ein Lebensgef\u00fchl aus. <\/p>\n<p>Wo sie nur der Angeberei dienen und vor allem in der Werbung dem Produkt eine besonders exclusive und exquisite, weltoffene Note geben sollen, daf\u00fcr oft auch k\u00fcnstlich geschaffene Worte verwendet werden, sollten wir ihnen allerdings skeptisch begegnen.<\/p>\n<p>Die Situation sieht derzeit etwa so aus: Im Netz waren \u201e1997 \u2026 80% der Inhalte in englischer Sprache geschrieben. Mit der Ausbreitung des Netzes in alle L\u00e4nder der Erde \u00e4nderte sich das jedoch deutlich: Deutsch war im Jahr 2002 die nach Englisch am meisten verwendete Sprache im Internet (gefolgt von Franz\u00f6sisch, Japanisch Spanisch und Chinesisch).\u201c (zukunftsinstitut.de)<\/p>\n<p>Besonders interessant bei der GfdS ist die Frage nach der Orientierung an Rechtschreibnormen:<\/p>\n<p>\u201eDie gro\u00dfe Mehrheit der Befragten in s\u00e4mtlichen Bev\u00f6lkerungsgruppen h\u00e4lt sich in ihren digitalen Textnachrichten an die g\u00e4ngigen Rechtschreibnormen und achtet u. a. auf einen grammatikalisch korrekten Satzbau oder auf die korrekte Setzung von Satzzeichen, wobei die unter 25-J\u00e4hrigen jene Rechtschreibnormen etwas seltener beachten als die \u00e4lteren Befragten. Damit best\u00e4tigt sich f\u00fcr die digitale Kommunikation, was allegemein gilt: Nach einer repr\u00e4sentativen IDS-Umfrage aus dem Jahr 2009 halten \u00fcber 90 Prozent der Befragten Sorgfalt beim Sprechen und Schreiben f\u00fcr wichtig (Eichinger et al., Aktuelle Spracheinstellungen in Deutschland, 2009: 44).\u201c<\/p>\n<p>\u201eDennoch glauben vier von f\u00fcnf Befragten, dass die digitale Kommunikation die deutsche Schriftsprache negativ beeinflusst. Hierbei wird z. B. bef\u00fcrchtet, dass g\u00e4ngige Rechtschreibnormen weniger beachtet werden und sich das Sprachverm\u00f6gen von Kindern und Jugendlichen verschlechtert. Gleichzeitig spricht sich eine deutliche Mehrheit daf\u00fcr aus, dass Sch\u00fcler im Schulunterricht lernen sollten, auch im Internet korrekt zu schreiben.<br \/>\nDer Trend zu einer zunehmend negativen Sicht auf den Einfluss der digitalen Kommunikation auf die (Schrift-) Sprache scheint in den letzten 10 Jahren und aufgrund der rasanten Digitalisierung der Kommunikation zugenommen zu haben. Im Jahre 2008 gaben die Deutschen als Gr\u00fcnde daf\u00fcr, warum die deutsche Sprache immer mehr zu verkommen drohe, u. a. zu 48 Prozent an, dass beim Austausch von SMS-Mitteilungen oder E-Mails wenig auf eine gute Ausdrucksweise geachtet wird (Hoberg\/Eichhoff-Cyrus\/Schulz 2008: 11), als negativer Einfluss wurde zu 33 Prozent das Internet und andere Medien angegeben.\u201c (GfdS, 171ff)<\/p>\n<p>Wohlgemerkt: Das sind Meinungen und Absichten hinsichtlich der Auswirkungen digitaler Kommunikation auf die Sprachverwendung. Die Konfrontation mit umfassenden systematischen und statistisch validen Untersuchungen zur Wirklichkeit der Texte ist weit verstreut. Es gibt aber auch aktuelle Versuche der Zusammenfassung. Oft bleiben es Beobachtungen und Vermutungen stark an solcher Kommunikation beteiligter Linguisten. Da ist viel dran. Ich biete Ihnen jetzt eigene Beobachtungen und Vermutungen, die weder Vollst\u00e4ndigkeit noch ausreichende Gewichtung beansprucht, wohl aber zur Sch\u00e4rfe Ihrer eigenen Beobachtungen beitragen k\u00f6nnte. Ich konzentriere mich zun\u00e4chst auf Fehlerquellen, die der Digitalisierung der Textproduktion geschuldet sein k\u00f6nnen. Aber die Fehler von Heute k\u00f6nnen die Regeln von Morgen sein. Da ist vor allem die Substantivdeklination in Frage gestellt (\u2026 von Polizist gestellt \u2026)<\/p>\n<p>1. Gerade in den Messenger-Diensten, in sozialen Netzwerken wie facebook und twitter, in denen oft sehr spontan und aktuell dialogorientiert kommuniziert wird, h\u00e4ufen sich Fehler, die meist, aber nicht immer als \u201eTippfehler\u201c zu qualifizieren sind. Im Unterschied zu e-mails, die h\u00e4ufig eher Briefcharakter haben, werden hier die \u00fcbermittelten Texte nicht so sehr auf sprachlich-orthographische Richtigkeit kontrolliert.<\/p>\n<p>2. St\u00f6rend ist die H\u00e4ufung von sprachlichen Fehlern in den Printmedien. Sie haben vordergr\u00fcndig gar nichts mit digitaler Kommunikation zu tun, weil sie sich \u00e4u\u00dferlich nicht von den traditionellen Zeitungen unterscheiden, also analog angelegt sind. Sie werden aber digital produziert. Das hei\u00dft, heute schreiben Journalistinnen und Journalisten ihre Texte mit dem Computer. Die Texte werden dann nach Pr\u00fcfung in der Redaktion direkt zum Druck geleitet. Macht der Journalist oder die Journalistin einen Fehler und man bemerkt ihn auch in der Redaktion  nicht, so geht der Fehler in den Text des Druckes ein. Fr\u00fcher gab es einen l\u00e4ngeren Weg vom Textautor\/von der Textautorin zum Druck. Die Journalistinnen und Journalisten schrieben ihre Beitr\u00e4ge auf Maschine, brachten ihn dann in die Redaktion, dort wurde er gegengelesen, dann an die Druckerei weitergeleitet, gesetzt und gedruckt. Es gab auf diesem Weg professionelle Korrektoren, die vor Fehlern bewahrten. Die sind heute wohl abgeschafft.<\/p>\n<p>3. Sowohl in den F\u00e4llen 1. als auch 2. verselbst\u00e4ndigt sich der Computer oft. F\u00fcr die Textproduktion gibt es Korrekturprogramme. Diese akzeptieren manche W\u00f6rter nicht und ersetzen sie durch andere, dem Computer bekannte. Man bemerkt das manchmal nicht. Das Resultat sind sinnentstellte oder sinnver\u00e4nderte Texte, die Empf\u00e4ngern Kopfzerbrechen bereiten.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Meine Frau hei\u00dft \u201eRegine\u201c. In SMS-Texten korrigierte die Maschine diesen Namen lange auf \u201eRegime\u201c. Ein guter Witz des i-phones auf Kosten des Familienfriedens.<\/p>\n<p>4. Es gibt Fallen, die au\u00dferhalb der Digitalisierung aufgestellt wurden, durch die Benutzung von Computern aber richtig zutage treten. Die Orthographiereform sollte Rechtschreibung vereinfachen. Bei der Unterscheidung der Konjunktion \u201edass\u201c vom Artikel oder dem Pronomen \u201edas\u201c hat sie uns einen B\u00e4rendienst erwiesen. Sie kommt schriftlich sehr viel h\u00e4ufiger vor, als bei der alten Regel. Die Verwechslung bzw. Nichtbeachtung bei der Schreibung ist durch den Wegfall von \u201e\u00df\u201c leichter geworden. Im Grunde hat das alles nichts mit Digitalisierung zu tun. Die Digitalisierung liefert aber eine bequeme, nur manchmal legitime Ausrede: \u201eDa hat der Rechner das zweite \u201es\u201c ausgelassen oder zweimal geschrieben.\u201c Fr\u00fcher hat man in solchen F\u00e4llen aus Unwissenheit einfach die falsche Taste gedr\u00fcckt. Die Schweizer habven das Problem seit Langem gel\u00f6st. Mit der Schreibmaschine haben sie das \u00df einfach abgeschafft.<\/p>\n<p>5. H\u00e4ufiger als z.B. in f\u00f6rmlichen Briefen tritt in den sozialen Netzen der Dialekt in geschriebener Sprache auf. Dialekt oder hier noch besser Mundart kennt eigentlich keine normierte Verschriftlichung. Schreibt man Mundart, so geht das \u201enach Geh\u00f6r\u201c. Die gelegentliche Verwendung von Dialekt in schriftlichen Texten folgt aber keiner orthographischen oder grammatischen Unsicherheit. Sie verbessert die Ausdrucksf\u00e4higkeit. Gerade in emotionalen Dingen bietet der Dialekt oft mehr und bessere Ausdrucksm\u00f6glichkeiten. Ist die Kommunikation weitgehend informell, so \u201eentspannt\u201c Dialekt Ausdrucksschwierigkeiten, die man im Standard h\u00e4tte.<\/p>\n<p>6. Gerade in sozialen Netzen wird die Kommunikation oft als nicht formell, nicht offiziell und als zwischen sozial symmetrischen Partnerinnen und Partnern aufgefasst. Das macht das \u201eDu\u201c in der Anrede zum Normalfall, auch bei einander nicht bekannten Personen. Nur selten bestehen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem \u201eSie\u201c, meist dann, wenn sie sich, in einer konflikt\u00e4ren Beziehung sehen. Hier gibt es noch ein Problem: Die Kommunikation ist zwar dialogisch und tendenziell symmetrisch, aber nicht real face to face. Das ermuntert in oft, zu oft in Auseinandersetzungen zu vulg\u00e4ren, sexistischen und Hassspots. Da gibt es wenig Sanktionsm\u00f6glichkeiten. Weil au\u00dferdem de facto alle sozialen Schichten, Milieus und Gruppen beteiligt werden, werden auch alle Stilschichten von gehoben bis vulg\u00e4r realisiert. Scheu geht verloren.<\/p>\n<p>7. Das Internet bzw. das world wide web (www) ist zum Tummelfeld der Pr\u00e4sentationen, Newsletters und ausf\u00fchrlicher Werbung, der so genannten Webseiten geworden. Keine Partei, keine Initiative, kein Verein, keine Firma, die etwas auf sich halten, k\u00f6nnen heute noch auf die eigenen Webseiten verzichten. Dort gibt es dann ausf\u00fchrliche Informationen \u00fcber Inhalte, Produkte und Personen sowie Angebote zur Kontaktaufnahme. Werbung im herk\u00f6mmlichen Sinn mit kurzen Losungen und Bildern ist dort nicht typisch. Eher ist eine Verwandtschaft mit Prospekten zu erkennen.<\/p>\n<p>8. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr den E-Mail-Verkehr und seine Nutzung f\u00fcr Petitionen oder mit Kritik an \u00fcberwiegend politischen Verh\u00e4ltnissen verbundenen Aufrufen zu Demonstrationen. Ist man erst einmal in den einschl\u00e4gigen Netzen wie z.B. Change.org oder campact oder SumOfUs bekannt, bekommt man fast jeden Tag eine Aufforderung, eine Petition zu unterschreiben. Die Textsorte Petition hat dadurch neue Impulse und professionellen Einfluss auf ihre sprachliche Gestaltung gewonnen. Petitionen und Aufrufe haben ihre Reichweite um ein Vielfaches vergr\u00f6\u00dfert.<\/p>\n<p>Privatpersonen pr\u00e4sentieren sich \u00e4hnlich wie in 7. und 8. in ihren Blogs.<\/p>\n<p>9. Eine Besonderheit gibt e bei e-mails: die Aufforderung vor dem Text, den man schreibt, ein Betreff einzugeben. Das zwingt zur Konzentration auf den inhaltlichen Kern oder zur Preisgabe der Absicht. (Vgl. Crystal, S. 95) Das steuert die Aufmerksamkeit des Empf\u00e4ngers und beeinflusst sehr zeitig die Entscheidung, ob man den nachfolgenden Text \u00fcberhaupt liest und wie man damit umgeht. (Ebenda, S. 97)<\/p>\n<p>10. Was Zeitungen betrifft, hat die Digitalisierung noch weitere Folgen: Eine Untersuchung in den USA (vgl. mdr-aktuell vorige Woche) hat hervorgebracht, dass die Auflagen der gedruckten Zeitungen radikal sinken. Zeitungen, die fr\u00fcher eine Auflage von t\u00e4glich um die zwei Millionen hatten, sind auf 200.000 gesunken. Daf\u00fcr gibt es heute online-Ausgaben. Alles hat zur Folge, dass in den Printausgaben kaum noch aktuelle Nachrichten erscheinen. Es wird umgestiegen auf sch\u00f6ngeistige, auf unterhaltsame Texte, auf Ratgeber und \u00c4hnliches. Die digitale Ausgabe bedient das Aktuelle. Weil es aber um Schnelligkeit geht, sind kaum noch tiefergehende Recherchen m\u00f6glich. Das Gesch\u00e4ft braucht die schnelle Nachricht, auch wenn sie nicht ausreichend gesichert und sehr oberfl\u00e4chlich ist. Das Ganze betrifft aber nicht die Sprache selbst, wohl aber die \u201eFundstellen\u201c f\u00fcr Textsorten und damit auch die wechselnden Zielgruppen f\u00fcr Print- und online-Ausgaben einer Zeitung.<\/p>\n<p>Neuerdings, mit Lobin habe ich eingangs darauf hingewiesen, gibt es Computer, die sich dialogisch verhalten k\u00f6nnen. Diese Dialogf\u00e4higkeit verbl\u00fcfft zwar, ist aber nicht grenzenlos wie bei Menschen, sondern immer noch abh\u00e4ngig von der Programmierung. Vor allem in der Werbung entfalten aber solche \u201edigitalen F\u00e4higkeiten\u201c ihren Wert bei der Beantwortung von Kundenfragen. <\/p>\n<p>Vorige Woche wurde ich beim Versuch einer St\u00f6rungsmeldung bei Telekom von einer menschlichen Stimme abgefragt und musste sprechend antworten. Es funktionierte einwandfrei. Als mir aber beim Hinweis, dass ich mit etwa 60 Minuten Wartezeit rechnen m\u00fcsste, ein \u201each du Scheisse\u201c entfuhr, gab es keine Reaktion, und es gab auch keine M\u00f6glichkeit mit der offensichtlich bedingt dialogf\u00e4higen Maschine in ein Gespr\u00e4ch \u00fcber die unzumutbare Wartezeit \u00fcberzugehen.<\/p>\n<p>Wir alle nutzen im Auto die sogenannten Navis. Eine wunderbare HiIfe zur Orientierung und Zielf\u00fchrung. Die Informationen, die das Navi gibt, sind sprechsprachlich. Ein Dialog ist aber nur im weitesten Sinn m\u00f6glich \u00fcber die Pfade der Kommunikation, die das Navi bereit h\u00e4lt. Es gibt vorgesehene \u201eFragen\u201c, die man anklicken oder ebenfalls sprechsprachlich eingeben kann. Darauf gibt es dann \u201eprogrammgem\u00e4\u00dfe\u201c Antworten. Allerdings sind beim Navi eine Reihe von Computern miteinander vernetzt, die untereinander kommunizieren.<\/p>\n<p>Da ein Gro\u00dfteil unseres Bewusstseins mit Sprache verbunden und im Gehirn in dieser Verbindung gespeichert ist, setzte die identische Kopie von Sprach- und Sprechf\u00e4higkeit auf einem Computer eine derzeit unerreichbare Speicherf\u00e4higkeit voraus. Die vollst\u00e4ndige Kopie eines einzelnen menschlichen Gehirns br\u00e4uchte einen Speicherplatz von einem Zettabyte, was der heute weltweit insgesamt gespeicherten Informationsmenge entspricht. (Vgl. Martin Koch, Bewusstsein ohne Gehirn. In nd, 15.\/16.September 2018, S. 25) Ein Zettabyte ist eine Ma\u00dfeinheit f\u00fcr Speicherkapazit\u00e4t und steht f\u00fcr 1021 Bytes. Das sind Sextillionen Bytes oder in Zahlen eine Eins mit 21 Nullen. (1.000.000.000.000.000.000.000)<\/p>\n<p>Dennoch: Menschen schrecken vor nichts zur\u00fcck und ich komme am Schluss meiner Ausf\u00fchrungen zu <\/p>\n<p>3. Zusammenh\u00e4nge zwischen literarischen Kunstwerken, also dem, was manche Sch\u00f6ne Literatur nennt, und der Digitalisierung. <\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sich dabei schon ziemlich lange aufhalten. Sch\u00f6ne Literatur ist ein besonderer Umgang mit Sprache und warum sollte die Digitalisierung davor Halt machen? Ich m\u00f6chte nur aufz\u00e4hlend, unterschiedliche M\u00f6glichkeiten daf\u00fcr nennen.<\/p>\n<p>Erstens w\u00e4re Literatur zu nennen, in der die Auswirkungen von Digitalisierung, tats\u00e4chliche und noch fiktive verarbeitet werden. Da gibt es fast schon unendlich viele  Science-Ficton Romane sehr unterschiedlicher literarischer Qualit\u00e4t. Vielleicht bekanntestes, aber schon leicht veraltetes  Muster: Perry Rhodan  als unendliche Geschichte in kleinen Heftchen und B\u00fcchern sowie Raumschiff Enterprise als Fernsehserie. <\/p>\n<p>In solchen Romanen und Serien tobt sich alles aus, was mit Computern, automatisierten Waffen, Robotern und K\u00fcnstlicher Intelligenz auch nur aus-denkbar scheint. Sie haben mittlerweile Kultstatus, was genau den beabsichtigten kommerziellen Erfolg sichert.<\/p>\n<p>Man kann jedoch auch andere einschl\u00e4gige Literatur mit durchaus gesellschaftskritischem Anspruch finden. Hier sei exemplarisch genannte:<\/p>\n<p>Marc-Uwe Kling, Qualityland, Berlin 2017. <\/p>\n<p>Das ist ein Roman, klassisch erz\u00e4hlend und in zwei Versionen durchsetzt mit fiktiv-journalistischen Texten, in dem leibhaftige Menschen und leibhaftige Roboter um politische Macht konkurrieren. Menschen werden von Computern in Kasten eingeteilt, je nach ihrer Leistungsf\u00e4higkeit und nach ihrem Wert f\u00fcr die Gesellschaft. Sie sind damit einem allm\u00e4chtigen Algorithmus ausgesetzt, der sie mit jenen Dingen versorgt, die ihnen je nach Kaste zukommen und von ihnen auch gew\u00fcnscht werden, bevor sie diese \u00fcberhaupt denken und sich vorstellen k\u00f6nnen. Der Roman ist eine bedr\u00fcckende Vision einer nahen, \u201edurchdigitalisierten und  -\u00f6konomisierten Welt, in der Androiden den Menschen die Arbeitspl\u00e4tze wegnehmen und eine, in der es keine Zuf\u00e4lle mehr gibt, \u2026 Protagonist Peter lebt in Qualityland, einer geschichtsvergessenen Version Deutschlands, wo &#8222;Hitler &#8211; das Musical&#8220; aufgef\u00fchrt wird, rassistische Parteien auf dem Vormarsch sind und das Einkommen dar\u00fcber bestimmt, welche \u00e4rztliche Versorgung einem zusteht. (spiegel.de)<\/p>\n<p>Zweitens kennen wir alle die E-Books. Diese erm\u00f6glichen immerhin eine ganze Bibliothek auf Reisen mitzunehmen, ohne das Gewicht des Reisegep\u00e4cks in relevanter Weise zu steigern. Ich will nicht kulturpessimistisch auftreten, schade w\u00e4re aber doch, wenn durch E-Books das bisher gewohnte Buch als Gemeinschaftskunstwerk von Literatur, Buchdruck und Buchbindekunst ganz verloren ginge. Was w\u00e4re ein gem\u00fctlicher Wohnraum ohne B\u00fccherwand oder diese gar durch eine Tapete ersetzt. IKEA hat das Billy-Regal bereits wegen Mangels von B\u00fcchern eingestellt.<\/p>\n<p>Scheint aber doch nicht so schlimm zu sein. Erst letzten Sonntag (7.10. 2018) war in BamS auf Seite 33 zu lesen, dass laut Bitkom Research 80% der Bundesb\u00fcrger zumindest noch gelegentlich in B\u00fcchern st\u00f6bern. Die Buchhandlungen sind ja auch voll von gedrucktem und gebundenem Lesestoff. Nur 25% lesen auch mit Hilfe elektronischer Ger\u00e4te. Die Buchb\u00f6rsen in Frankfurt am Main und Leipzig florieren. Ein Paradoxon besteht: die Leserzahlen sinken, mehr B\u00fccher kommen auf den Markt.<\/p>\n<p>E-Books erm\u00f6glichen aber auch noch etwas anderes, an das kaum wer denkt &#8211; die Erfassung von Nutzerdaten. Dies kann das Schreiben beeinflussen. Es entsteht \u201emarktgerechte\u201c Literatur, ausgerichtet an identifizierbaren Nutzergruppen. \u2014\u2014 eigentlich eine ebenfalls kulturpessimistische Vorstellung f\u00fcr literarisch-k\u00fcnstlerisch interessierte Leserinnen und Leser &#8211; eine hoffnungsvolle Vision f\u00fcr Verlage und Buchh\u00e4ndler. <\/p>\n<p>Da muss man sich wohl wehren<\/p>\n<p>Ich komme zu Drittens. Dazu lese ich zun\u00e4chst ein Gedicht vor:<\/p>\n<p>\u201edrumherum\u201c<\/p>\n<p>\u201eum alle themen herum<br \/>\n um b\u00e4ume im feld herum<br \/>\n um chemnitz herum<br \/>\n um deutschland und bayern herum<br \/>\n um europa herum\u201c<\/p>\n<p>Der Autor ist Hannes Bajohr, Autor und Sprachphilosoph. Er nennt den Ausgangspunkt f\u00fcr solch ein literarisches Produkt, \u201eSprechen mit Maschinen\u201c.  Bajohr hat die Bundestags- und Bundesratsprotokolle von zehn Jahren digital nach der Phrase \u201eum \u2026 herum\u201c durchforstet, manuell und nach eigener Zielstellung welche ausgew\u00e4hlt und alphabetisch geordnet. Er ist Autor, freilich auch der Computer ist es. (vgl. Hannes Bajohr, Halbzeug.Textverarbeitung, Berlin 2018)<\/p>\n<p>\u00c4hnliches passiert, wenn Wortdateien, Tageb\u00fccher, Notizb\u00fccher und die Werke von Autoren durchforstet werden, um daraus ein nie stattgefundenes Interview mit dem Autor oder der Autorin zu schaffen. (vgl. Clemens Setz, Bot. Gespr\u00e4che ohne Autor, Berlin 2018)<\/p>\n<p>Am 9.11. 2018 berichtete mdr-aktuell anl\u00e4sslich der Buchmesseer\u00f6ffnung in Frankfurt am Main von einem Verlag, der Software zur Beurteilung von Romanmanuskripten verwendet. Die Basis daf\u00fcr ist ein gro\u00dfer Bestand von S\u00e4tzen, die f\u00fcr ihre Tauglichkeit in Romanen mit + \/ &#8211; \/ 0 markiert sind, und deren Auftauchen in den eingesandten Manuskripten per Computer kontrolliert wird. Die Sache ist h\u00f6chst problematisch. Sie beurteilt Romane nach der Vorhersagbarkeit von Wiederholungen. Vorhersagbarkeit ist jedoch ein Kriterium von Kitsch.<\/p>\n<p>Es gibt \u201eTwitter Fiction Festivals\u201c.  Da treffen sich Schreibw\u00fctige und professionelle Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die ihre Ideen austauschen; in Form von peu \u00e1 peu \u00fcbermittelten twitters, verkn\u00fcpft mit Zitaten und Zwischenbemerkungen.<\/p>\n<p>Am 8.10. 2018 berichtete Brisant \u00fcber eine Veranstaltung in Hamburg, wo Schauspielerinnen und Schauspieler 32 Minuten lang Hassposts an Politiker und Politikerinnen verlasen. Der Hass wurde durch die Verfremdung des Verlesens noch sehr viel deutlicher.<\/p>\n<p>So wird in experimenteller Versuchsanordnung Literatur geschaffen, die sehr viel \u00fcber ihre Gegenwart erz\u00e4hlt. Das Internet ist Quelle und die Programme sind Instrumente des Schreibens. (Vgl. ausf\u00fchrlich Jonas Engelmann, das Verdauen von Textbergen. \u00dcber Literatur im ngesicht von Internet und k\u00fcnstlicher Intelligenz. In: neues deutschland, 22.\/23. September 2018, S. 23).<\/p>\n<p>Viertens muss man noch erw\u00e4hnen, dass literarische Experimente wie der Dadaismus, die konkrete Poesie oder die  Oulipo Literatur (L\u2019 Ouvoir de Litt\u00e9rature Potentielle\/Werkstatt f\u00fcr potentielle Literatur), die schon vor der Nutzung des Computers entstanden sind, gro\u00dfen Nutzen f\u00fcr sich aus der Computertechnik ziehen konnten. Dadaismus und Konkrete Poesie leben von der Umsetzung der lautlichen Eigenschaften von Sprache und in ihr aufgegriffenen Themen in das Artifizielle. Da kann der Computer mit seinem Zugriff auf Aussprachebeispiele im Standard und in den Dialekten sehr hilfreich sein. <\/p>\n<p>Man kann sich heute kaum noch vorstellen, wie der franz\u00f6sische Autor Georges Perec, ohne Hilfe eines Computers 1969 seinen leipogrammatischen Roman La Disparition geschrieben hat, der auf seinen knapp 400 Seiten ohne ein einziges Wort mit dem Buchstaben \u201ee\u201c auskommt. Noch abenteuerlicher erscheint, dass Eugen Helml\u00e9 1986 die \u00dcbersetzung ins Deutsche offensichtlich auch ohne ein Wort mit \u201ee\u201c schaffte.<br \/>\nIn den eigenen Werken, Im Nachtzug nach Lyon, Berlin 1993, und Knall und Fall in Lyon, Berlin 1995, gelang ihm der Verzicht auf die Buchstaben  \u201er\u201c und \u201ee\u201c.<\/p>\n<p>Leipogrammatische Literatur ist eben diese Literatur, in der Buchstaben vermieden werden, sie hat eine lange Tradition. Z.B. die Ilias des Nestor von Laranda aus dem 2. Jhdt. nach Chr.), in der in jedem Gesang auf einen Buchstaben verzichtet wird.<\/p>\n<p>Eines will ich aber noch deutlich sagen: Haben sie keine Angst vor sprachlichen Neuerungen. Sie geh\u00f6ren untrennbar zur Sprache, sonst w\u00fcrde sie nicht funktionieren. Untrennbar geh\u00f6rt zur Sprache aber auch das Tradierte. Sprache vertr\u00e4gt keine pl\u00f6tzlichen Br\u00fcche und sie l\u00e4sst auch keine zu, weil die Sprachgemeinschaft zwar in Gruppen mit ihren Soziolekten und Dialekten aufgespalten ist, was immer wieder zu Verst\u00e4ndnisschwierigkeiten bis zum Nicht-Verstehen f\u00fchren kann. Insgesamt funktioniert die Sprachgemeinschaft jedoch ebenso als Ganzes die das Neue oder Andere immer wieder ihrem System anpasst, sich gef\u00fcgig macht. Nat\u00fcrlich ist dabei Sprachkritik ein permanent wichtiger Faktor  &#8211;  allerdings sine ire et studio. Nur so gelingt es, mit Sprache dem Gestern, Heute und Morgen gleichzeitig gerecht zu werden. <\/p>\n<p>Es gibt den Weltm\u00e4dchentag. Man sollte schon dar\u00fcber nachdenken, wie gro\u00df die Aufregung \u00fcber Versuche feministischen Genderns in der Sprache ist, obwohl es eigentlich nur wenige \u00c4nderungen und meist sogar nur die h\u00e4ufigere Nutzung vorhandener sprachlicher M\u00f6glichkeiten betrifft. Im Vergleich dazu richtet die Digitalisierung unendlich mehr Neuerungen an. Man lernt sie brav und fragt nur zaghaft, ob sie denn unsere Sprache ver\u00e4ndern w\u00fcrden. Zugleich pflegt man aber das Stereotyp, dass M\u00e4dchen und Frauen weniger gut mit der Digitalisierung zurecht kommen als M\u00e4nner und beschie\u00dft Frauen im Netz mit sexistischer Sprache<\/p>\n<p>Ver\u00e4nderungen, durch die sprachlich Fr\u00fcheres unverst\u00e4ndlich wird, brauchen eine sehr lange Zeit und viele Generationen von Sprecherinnen und Sprechern. Fach- und Sondersprachen muss man hinterfragen, wenn man sie braucht, ansonsten kann man sie getrost den Fachleuten und Sonderlingen \u00fcberlassen. Je weniger man diese st\u00f6rt, desto weniger Einfluss werden sie auf die Sprache als Ganzes gewinnen. Hier hat allerdings die Digitalisierung &#8211; wie erw\u00e4hnt &#8211; eine Sonderstellung. Wir brauchen sie, weil sie in alle Lebensbereiche eindringt. Das geht jedoch so schnell, dass wir sie im Alltag nur schwer sprachlich gef\u00fcgig machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bleiben wir ruhig, aber nicht sorglos. Dazu noch zwei Zitate:<\/p>\n<p>\u201eDie zunehmende digitale Kommunikation hat positive Einfl\u00fcsse auf die deutsche Sprache. Dies zeigt eine im Auftrag des Wissenschaftsjahres 2014 \u2013 Die digitale Gesellschaft durchgef\u00fchrten repr\u00e4sentativen Expertenumfrage unter Sprachwissenschaftlern. Insbesondere der Wortschatz werde durch die vermehrte Nutzung digitaler Medien reicher, meint die Mehrheit der 100 befragten Linguisten (44 %).\u201c (wissenschaftsjahr.de) und<\/p>\n<p>\u201eFazit ist: Derzeit ist die deutsche Sprache entgegen aller Unkenrufe nicht in Gefahr. Auch im digitalen Raum und im Umgang mit der Technologie wird sie derzeit noch nicht vom Englischen verdr\u00e4ngt. Aber das kann sich sehr schnell \u00e4ndern, wenn die Technologie in K\u00fcrze die menschliche Sprache beherrscht. Durch Fortschritte in der automatischen \u00dcbersetzung wird die Sprachtechnologie zur \u00dcberwindung der Sprachbarrieren beitragen, aber sie wird nur diejenigen Sprachen verbinden, die in der digitalen Welt \u00fcberlebt haben. Wo sie vorhanden ist, kann die Sprachtechnologie auch kleineren Sprachen den Weiterbestand sichern \u2013 wo sie fehlt, kann selbst eine gro\u00dfe Sprache unter Druck geraten.\u201c (meta-net.eu) Das galt\/gilt aber genauso f\u00fcr die Verschriftlichung von Sprachen<\/p>\n<p>Dabei will ich es jetzt bewenden lassen. Danke f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit und ich habe hoffentlich noch genug Zeit f\u00fcr die Diskussion gerettet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seniorenkolleg Dresden, 11.10.2018 Meine sehr verehrten Damen und Herrn, J\u00fcrgen Leibiger, herzlichen Dank f\u00fcr die Einf\u00fchrung und Vorstellung. Ich will dem noch etwas hinzuf\u00fcgen: 1944 geboren in Wien, Vater dreier Kinder, Gro\u00dfvater von 6 Enkel zwischen 33 und anderthalb und einmal Urgro\u00dfvater seit einem halben Jahr. 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