{"id":1118,"date":"2019-01-15T08:18:09","date_gmt":"2019-01-15T06:18:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1118"},"modified":"2019-01-15T08:18:09","modified_gmt":"2019-01-15T06:18:09","slug":"nach-golde-draengt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1118","title":{"rendered":"&#8222;Nach Golde dr\u00e4ngt &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>am Golde h\u00e4ngt doch alles. Ach wir Armen\u201c. Das sagt Goethes Margarete im ersten Teil des Faust. Sie sagt es so bei sich und bangt um Gretchen, die sich vom Schmuck, den Mephisto herbeigebracht hat, bet\u00f6ren l\u00e4sst. Die weise Margarete wei\u00df, dass dem nur Unheil folgen kann. Zu selten und nur f\u00fcr Wenige kam es jemals anders.<br \/>\nDa war zum Beispiel der K\u00f6nig Midas. Er fing Silenos ein, dessen Weisheit er sich zu eigen machen wollte. Dionysos aber musste, zwecks Befreiung seines alten Lehrers, Midas den Wunsch erf\u00fcllen, dass alles zu Gold w\u00fcrde, was Midas ber\u00fchrte. Die Freude war kurz: Midas ber\u00fchrte seine Tochter und sie wurde zu einer leblosen Statue aus Gold. Midas selbst drohte zu verhungern und zu verdursten, denn alles was er anfasste wurde ja zu Gold. Gold kann man nicht essen. Das wei\u00df das Volk, das keines hat. Im Tod n\u00fctzt es \u00fcbrigens auch nichts. Das letzte Hemd hat keine Taschen.<br \/>\nMit der Zeit w\u00e4hnte man sich schlauer. Nicht durch Ber\u00fchrung sollte Gold entstehen; ging nicht und war ja auch zu gef\u00e4hrlich. Einen \u201eStein der Weisen\u201c sollte es aber geben, der jedes unedle Metall zu Gold machen k\u00f6nnte. Die Alchimisten und die K\u00f6nige glaubten daran, weshalb die Herrscher die Alchimisten f\u00fcr sich arbeiten lie\u00dfen, sie gut versorgten, aber sicherheitshalber auch gefangen hielten. Wer wei\u00df wohin und wozu die entflohen w\u00e4ren, wenn sie denn das Geheimnis gel\u00fcftet h\u00e4tten? Ein solcher Alchimist war auch Johann Friedrich B\u00f6ttger, der seine Freiheit aufgab, sich August dem Starken verschrieb und sich ans Werk machte. Lange wurde nichts und B\u00f6ttger ahnte auch, dass es wohl nie etwas werden w\u00fcrde. Flucht war sinnlos, immer wieder wurde er eingefangen. Der \u201eStein der Weisen\u201c entpuppte sich als \u201eStein der Dummen\u201c. Das kommt \u00f6fter vor. B\u00f6ttger gewann jedoch an Weisheit, verlegte seine Bem\u00fchungen und erfand das Porzellan &#8211; nach seinem Wert \u201ewei\u00dfes Gold\u201c, wie sich herausstellte.<br \/>\nDie Gier nach Gold war aber deshalb nicht befriedigt. Der Besitz von Gold war immer noch der Ausweis von Reichtum. Als man die \u201eneue Welt\u201c Amerika entdeckte, fand man zun\u00e4chst Indianer vor, die kaum wer brauchte, weil sie sich nicht zur Arbeit einspannen und ihrer Freiheit berauben lassen wollten. Am Gold lag ihnen nichts und auch nicht an Porzellan. In ihren Fl\u00fcssen und Bergen war Gold jedoch vorhanden. Einigen brachte das Reichtum, vielen Ungl\u00fcck, den Indianern zumal. Ist aber im Grunde alles bekannt, mitsamt der Schie\u00dfereien und den dazugeh\u00f6rigen Revolverhelden. Es ist also schwierig, zum Gold Neues zu erz\u00e4hlen, selbst wenn man es umf\u00e4rbt. \u201eSchwarzes Gold\u201c, auch Erd\u00f6l genannt, brachte wiederum wenigen Reichtum, der Menschheit aber viel Elend.<br \/>\nWeil unbelehrbar, hat es unl\u00e4ngst wieder jemand in besonderer Weise mit Gold versucht. Der Protz hat nicht hinterm Berg gehalten, dass er sich so manches leisten kann und sich deshalb von armen Schluckern &#8211; und sicher auch Schluckerinnen &#8211; nicht ins Essen spucken l\u00e4sst. Sie m\u00f6gen sich vermehren, er sagte es vulg\u00e4r, ihn aber in Ruhe lassen. Seine Speise war ja auch h\u00f6chst exquisit &#8211; nicht ganz aus Gold, aber doch mit Gold gespickt. Der Preis war dementsprechend angemessen f\u00fcr einen Fu\u00dfballprofi. In seinem Verein verdient man das Geld daf\u00fcr. Dass der Pr\u00e4sident des Vereins wegen der hohen Gagen f\u00fcr seine Spieler gleich \u201eSteuervermeidung\u201c betreiben musste, soll ein Ger\u00fccht sein. Weil ihm der Betrug aber Gold in die Taschen brachte, sperrten ihn die Herrschenden in bew\u00e4hrter Manier ein, damit er seine Kunst nicht verriete, ihnen aber etwas abgebe. Der Fu\u00dfballer, ein f\u00fcr seinen Charme ber\u00fchmter Franzose, kann hingegen mit seinem Geld machen, was er will. Der Skandal ist, dass man mit Dribbeln und auf den Ball Treten so viel Geld verdienen kann, dass es f\u00fcr goldbelegte Steaks locker reicht. Das zerschl\u00e4gt Porzellan bei den Fans, schafft \u00fcberdies nicht selten Neid bei jenen, die kein Geld f\u00fcr Gold haben. Das ist allerdings kein gutes Ende. Dionysos gelang ein besseres. Als Midas zu verhungern und zu verdursten drohte, tauchte er ihn in den Fluss Paktolos. Das erl\u00f6ste Midas. Der Fluss indes war f\u00fcrderhin der goldreichste in ganz Kleinasien. Wer aber meint, jetzt w\u00e4re das Gold gleichm\u00e4\u00dfig zu verteilen gewesen, der oder die irrt &#8211; siehe die Goldw\u00e4scher im \u201eWilden Westen\u201c. \u201eAch wir Armen!\u201c <\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr &#8222;Links&#8220; Februar 2019, 10.01.2019)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>am Golde h\u00e4ngt doch alles. Ach wir Armen\u201c. Das sagt Goethes Margarete im ersten Teil des Faust. Sie sagt es so bei sich und bangt um Gretchen, die sich vom Schmuck, den Mephisto herbeigebracht hat, bet\u00f6ren l\u00e4sst. Die weise Margarete wei\u00df, dass dem nur Unheil folgen kann. Zu selten und nur f\u00fcr Wenige kam es [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":[]},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pBNn2-i2","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1118"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1118"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1118\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1119,"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1118\/revisions\/1119"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1118"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1118"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}