{"id":1074,"date":"2018-06-05T13:51:37","date_gmt":"2018-06-05T11:51:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1074"},"modified":"2018-06-05T13:51:37","modified_gmt":"2018-06-05T11:51:37","slug":"spielchen-deal-und-kein-vertrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1074","title":{"rendered":"Spielchen, deal und kein Vertrag"},"content":{"rendered":"<p>Sprachgeschichtsforschung kann wohl sehr genau beschreiben, was sich in Sprachen im Laufe der Zeit so alles ver\u00e4ndert. Fragt man sie aber nach den Ursachen, so wird sie deutlich schweigsamer Auf einer relativ sicheren Seite ist man, wenn man von Vorbildern spricht. Die R\u00f6mer brachten den Germanen mit ihren primitiven, aus gewundenen \u00c4sten und dann mit Lehm verschmierten W\u00e4nden die Mauer aus Ziegeln sowie die W\u00f6rter daf\u00fcr (murus, tegula). Die Lautver\u00e4nderungen, die aus den lateinischen W\u00f6rtern letztlich deutsche machten, kann man zwar benennen und beschreiben, urs\u00e4chlich jedoch nicht erkl\u00e4ren. Die R\u00f6mer brachten die gesamte Terminologie des Weinbaus und manch anderes noch. S\u00e4chsisch verlor seine Vornehmheit und Vorbildlichkeit nach dem Sieg der Preu\u00dfen im Siebenj\u00e4hrigen Krieg. Franz\u00f6sisch wurde zur Sprache bevorzugter Kultur und viel davon findet sich sogar immer noch in den Dialekten &#8211; auch die \u201eFischilanz\u201c der Sachsen.<br \/>\nSo ist das auch heute: Neuerdings h\u00f6rt man in der Sprache der Politiker und Politikerinnen, durch die Medien in unseren Alltag transportiert, h\u00e4ufig das Wort \u201eDeal\u201c. \u201eH\u00e4ufig\u201c zu sagen, reicht eigentlich nicht, es muss schon von inflation\u00e4rem Gebrauch gesprochen werden. Ich lese vom \u201eFriedensdeal\u201c in Kolumbien, der in Gefahr geraten k\u00f6nnte. Die Obamas haben angeblich einen \u201eMega-Deal\u201c unterschrieben, um bei Netflix Filmproduzenten zu werden.<br \/>\nWie kommt das? Es muss wohl ein Vorbild mit hohem Prestige geben &#8211; und es gibt eines. Der Mann hei\u00dft Donald Trump. Er ist immerhin Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten von Amerika. Trump ist ein \u201eDealmaker\u201c habe ich gerade gelesen. Hat man fr\u00fcher in der Politik und Diplomatie normalerweise von \u201eVertr\u00e4gen\u201c gesprochen, die Staaten untereinander geschlossen haben, so spricht pl\u00f6tzliche alle Welt mit Donald Trump von Deals beziehungsweise deals. Es gab einen \u201eAtomwaffensperrvertrag\u201c, der noch immer gilt. Die NATO ist \u201ethe North Atlantik Treaty Organisation.\u201c \u201eTreaty\u201c, so belehren mich alle W\u00f6rterb\u00fccher und \u00dcbersetzungshilfen ist auf Deutsch mit Vertrag zu \u00fcbersetzen. Donald Trump k\u00fcndigte jedoch einen deal mit dem Iran zur Abwehr seiner geplanten<br \/>\nAtombewaffnung. Es w\u00e4re der schlechteste deal aller Zeiten gewesen, glaubt man dem Pr\u00e4sidenten. Jetzt m\u00f6chte er zeigen, was er kann. Er verspricht uns einen deal mit Nordkorea zur Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Dazu will er sich mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim-Jong-un, dem Obersten F\u00fchrer Nordkoreas, treffen. Es geht also wieder um einen deal. F\u00fcr englisch \u201edeal\u201c wird mir stets als erste \u00dcbersetzung deutsch \u201eDeal\u201c angeboten. Nun suche ich in einsprachigen W\u00f6rterb\u00fcchern nach der Bedeutung. Solche f\u00fcr Englisch sagen mir, dass das Wort ziemlich problemlos f\u00fcr \u201econtract\u201c, \u201eagreement\u201c, \u201etreaty\u201c(!), \u201epact\u201c verwendbar ist. Wenn der Trump also unbedingt will, so soll er halt bei seinem \u201edeal\u201c bleiben. Es ist eher amerikanisches Englisch und es ist eher das Englisch der Gesch\u00e4ftsleute. Moment, da stutze ich doch. Ist Politik neuerdings ein Gesch\u00e4ft? Vielleicht auch eines, bei dem man sich m\u00f6glichst gegenseitig \u00fcbers Ohr haut? Wenn das so ist, verstehe ich fast Trumps Misstrauen gegen\u00fcber dem \u201edeal\u201c mit dem Iran. Trumps Absicht bei \u201edeals\u201c, die er aushandelt, blitzte kurz auf, als er die Absage seiner Gespr\u00e4chsabsage mit Kim-Jong-un als \u201eSpielchen\u201c, welche alle betreiben, bezeichnete. Nordkoreas Kim sollte nicht zu vertrauensselig sein. Spielchen haben auch die Produzenten von Diesel-Motoren mit uns betrieben. F\u00fcr sie war es beim Verkauf dieser Motoren auch noch ein guter Deal.<br \/>\nJetzt hatte ich keine Wahl. Ich musste \u201eDeal\u201c gro\u00df schreiben. Im Deutschen kann man das Wort nicht unbesch\u00e4digt mit seiner Bedeutung 1:1 aus dem Englischen \u00fcbernehmen, jedenfalls nicht, wenn man W\u00f6rterb\u00fcchern vertraut: Im von mir schon oft zitierten DUDEN, Deutsches Universalw\u00f6rterbuch finde ich n\u00e4mlich unter \u201eDeal\u201c mehrere Hinweise darauf, dass es sich dabei um zweifelhafte Gesch\u00e4fte handelt. Daf\u00fcr kommen nat\u00fcrlich Spielchen gerade recht und Trumps deals sind so unverd\u00e4chtig auch nicht mehr, entfernen sich offensichtlich von dem, was man anst\u00e4ndigerweise unter Vertr\u00e4gen versteht.<\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr Links, Juni 2018, 28.05.2018)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprachgeschichtsforschung kann wohl sehr genau beschreiben, was sich in Sprachen im Laufe der Zeit so alles ver\u00e4ndert. Fragt man sie aber nach den Ursachen, so wird sie deutlich schweigsamer Auf einer relativ sicheren Seite ist man, wenn man von Vorbildern spricht. 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