{"id":1065,"date":"2018-03-20T12:18:43","date_gmt":"2018-03-20T10:18:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1065"},"modified":"2018-03-20T12:18:43","modified_gmt":"2018-03-20T10:18:43","slug":"die-iden-des-maerz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1065","title":{"rendered":"Die Iden des M\u00e4rz"},"content":{"rendered":"<p>Die Iden eines jeden Monats waren bei den R\u00f6mern der Antike Feiertage. Sie fielen jeweils auf den 13. oder 15. Tag des Monats und richteten sich nach dem Mondviertel. Wegen des 15. M\u00e4rz im Jahr 44 vor unserer Zeitrechnung galten sie sp\u00e4ter aber auch als Metapher f\u00fcr drohendes Unheil. An diesem Tag war Gaius Iulius Caesar ermordet worden. Solches Unheil schwante in den M\u00e4rztagen 1938 auch dem damaligen klerikal-faschistischen \u00f6sterreichischen Bundeskanzler Kurt Schuschnigg. Die Katastrophe deutete sich massiv schon am 12. Februar an, als der deutsche Diktator Adolf Hitler den \u00f6sterreichischen Diktator b\u00f6se dem\u00fctigte und \u00d6sterreicherinnen und \u00d6sterreichern jeglichen positiven Einfluss auf die deutsche Geschichte absprach &#8211; bis zu seinem Auftauchen nat\u00fcrlich. Der Anschluss \u00d6sterreichs an das Deutsche Reich am 12. M\u00e4rz 1938 war nicht mehr zu vermeiden. \u00d6sterreichische Politik, Kunst und Medien erinnerten sich im M\u00e4rz sehr ausf\u00fchrlich des nun 80 Jahre zur\u00fcckliegenden Ereignisses, seines Verlaufs und seiner Folgen. Im Herbst wird dann das 100j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der Gr\u00fcndung der Republik \u00d6sterreich zu feiern sein. Diese Republik war der deutschsprachige Rest der einstigen sogenannten Donaumonarchie. Sie verstand sich von Anfang an als zweiter deutscher Staat. Der Anschluss an Deutschland sollte Verfassungsgebot werden. Die Siegerm\u00e4chte wollten ihn nicht und verhinderten ihn. Hitler vollzog ihn &#8211; mit den Weihen der katholischen Kirche und der Empfehlung f\u00fchrender Sozialdemokraten wie dem ersten Staatskanzler \u00d6sterreichs und dem ersten Bundespr\u00e4sidenten der 2. Republik, Karl Renner. Man nannte den Anschluss im Gesetz verh\u00fcllend \u201eWiedervereinigung\u201c.<br \/>\nNach 1945 gab es kaum jemanden, der oder die mit den Nazis was zu tun hatte. Das Land war erstes Opfer von Hitlers Aggressionsgel\u00fcsten gewesen. Das war Staatsdoktrin. Im Jahre 1938 sah es anders aus. Die illegalen Nazis krochen aus ihren L\u00f6chern. Schon vor dem 12. M\u00e4rz wehten die Hakenkreuzfahnen von allen Masten und aus allen Fenstern. Die Massen jubelten und \u00fcber 99% der Stimmberechtigten legalisierten den Anschluss mit ihrem \u201eJa\u201c bei einer Volksabstimmung. Die Hatz auf Juden und Andersdenkende, auf politische Gegner begann sofort. Sie war brutal, zynisch und total. Das ermunterte den derzeitigen \u00f6sterreichischen Bundespr\u00e4sidenten zur Aussage, \u00d6sterreicher seien nicht nur Opfer gewesen, sondern auch T\u00e4ter. Nun, die umgekehrte Reihenfolge w\u00e4re wohl richtiger, \u00d6sterreicher waren nicht nur T\u00e4ter, ein Teil von ihnen waren auch Opfer. Sei\u2019s drum. Wichtiger scheint mir die Passage in der Rede des Pr\u00e4sidenten, es sei zwar die Wehrmacht \u00fcber Nacht gekommen, aber \u201enicht \u00fcber Nacht kamen die Verachtung f\u00fcr die Demokratie, der Militarismus, Intoleranz und Gewalt, Sie hatten sich schleichend in \u00d6sterreich eingenistet.\u201c Gilt das nur f\u00fcr 1938 und davor? In \u00d6sterreich regiert seit Dezember eine sogenannte rechtskonservative Regierung. Ein junger Bundeskanzler, hervorgegangen aus der konservativen \u00d6VP, in der Partei quasi alleinbestimmend, steht ihr vor. Ein Vizekanzler, sozialisiert in einer deutsch-nationalen Burschenschaft und zugeh\u00f6rig der FP\u00d6, steht ihm als Vizekanzler zur Seite. Die FP\u00d6, vormals als \u201eWahlpartei der Unabh\u00e4ngigen\u201c war das Sammelbecken ehemaliger Nazis. \u00c4hnliche Entwicklungen gibt es in immer mehr europ\u00e4ischen Staaten. Nationalismus, Ruf nach dem \u201eStarken Mann\u201c, vor allem aber Rassismus und Ausl\u00e4nderfeindlichkeit breiten sich aus. Verharmlosen wir nicht den Holocaust. Verharmlosen wir nicht die Menschenjagden in der \u201eOstmark\u201c der ersten Tage, wo man Juden mit Zahnb\u00fcrsten die Gehsteige von Losungen der alten Regierung reinigen lie\u00df, durch unzul\u00e4ssige Vergleiche. Aber gibt es nicht schon wieder Ermordung von Ausl\u00e4ndern durch einen \u201eNationalsozialistischen Untergrund\u201c? Gibt es nicht die \u201eGruppe Freital\u201c, die nur von Gl\u00fcck sagen kann, dass sie nicht zu M\u00f6rdern wurden? H\u00e4ngt nicht an vielen Grenzen das unsichtbare Schild, \u201eAusl\u00e4nder unerw\u00fcnscht\u201c? Gibt es nicht die Anschl\u00e4ge auf Fl\u00fcchtlinge und Fl\u00fcchtlingseinrichtungen und gibt es nicht beflissene Politiker und Politikerinnen, die Abschiebungen, Benachteiligungen und Diffamierung ausl\u00e4ndischer Menschen zu ihrem Markenzeichen machen? Es hat sich schon wieder etwas eingenistet.<\/p>\n<p>(geschrieben f\u00fcr &#8222;Links&#8220;, April 2018, 15.03.2018)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Iden eines jeden Monats waren bei den R\u00f6mern der Antike Feiertage. Sie fielen jeweils auf den 13. oder 15. Tag des Monats und richteten sich nach dem Mondviertel. Wegen des 15. M\u00e4rz im Jahr 44 vor unserer Zeitrechnung galten sie sp\u00e4ter aber auch als Metapher f\u00fcr drohendes Unheil. 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