{"id":1057,"date":"2018-01-17T22:03:14","date_gmt":"2018-01-17T20:03:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1057"},"modified":"2018-01-18T08:07:40","modified_gmt":"2018-01-18T06:07:40","slug":"warm-und-kalt-aus-einem-mund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1057","title":{"rendered":"Warm und kalt aus einem Mund"},"content":{"rendered":"<p>Im Unterinntal, so zwischen Innsbruck und Rosenheim, erz\u00e4hlt man sich seit jeher eine bemerkenswerte Sage: Zu einem Mann, der im eiskalten Winter Holz schlug, gesellte sich ein Waldm\u00e4nnchen. Weil dem Holzf\u00e4ller an den H\u00e4nden m\u00e4chtig fror, hauchte er sich immer wieder in die hohlen Pranken. Das Waldm\u00e4nnchen wunderte sich, was das sollte. Auf seine Frage bekam es die Antwort, dass der Mann sich mit seinem Hauch die H\u00e4nde w\u00e4rmen konnte. So weit so gut. Als die Mittagszeit kam, entfachte der Holzschl\u00e4ger ein Feuer und bereitete sich eine Suppe. Bevor er aber nun die Suppe a\u00df, pustete er immer wieder auf den L\u00f6ffel. Dem Waldm\u00e4nnchen war das nicht geheuer. Es sei doch die Suppe vom Feuer her hei\u00df genug. Warum blies dann der Gute noch daran, wie an seine frierenden H\u00e4nde? Der Holzf\u00e4ller erkl\u00e4rte, dass er dies mache, um die hei\u00dfe Suppe abzuk\u00fchlen. Da erschrak das Waldm\u00e4nnchen: \u201eDu bist ein ganz unheimliches Wesen; aus deinem Mund kommt bald warm, bald kalt, bei dir mag ich nicht l\u00e4nger verweilen.\u201c Und augenblicklich ging das Waldm\u00e4nnchen davon.<br \/>\nWieso f\u00e4llt mir diese Geschichte gerade jetzt ein? Ich hatte sie in der Grundschule im Lesebuch kennengelernt. Assoziationen sind nicht zuf\u00e4llig und Erinnerungen tauchen nicht beliebig auf. Ich glaube, ich habe noch vor Kurzem geh\u00f6rt: \u201eF\u00fcr eine Gro\u00dfe Koalition stehen wir nicht zur Verf\u00fcgung!\u201c \u201eVor Neuwahlen haben wir keine Angst\u201c, habe ich auch noch im Ohr. Es war wohl kalt geworden f\u00fcr die SPD nach der Bundestagswahl, aber man lie\u00df es sich nicht verdrie\u00dfen und hauchte sich in die H\u00e4nde, um sich warm und f\u00fcr die k\u00fcnftigen F\u00e4llarbeiten fit zu halten. Als aber dieser Lindner von der FDP seinen Anspruch auf eine w\u00fcrzige jamaikanische Suppe pl\u00f6tzlich aufgab, steckten weitere Anw\u00e4rter ihre L\u00f6ffel weg. Ein paar Zur\u00fcckgebliebene hielten hingegen das Feuer am Brennen und lockten mit Suppe und einem Platz am Tisch. Die mit den kalten H\u00e4nden erinnerten sich fr\u00fcherer W\u00e4rme. \u201eErgebnisoffene Verhandlungen w\u00e4ren m\u00f6glich\u201c, h\u00f6rte man ein Raunen. Und wenn die Suppe zu hei\u00df w\u00fcrde, k\u00f6nnte man sie ja k\u00fchler blasen. Die Suppe war hei\u00df. Es konnte kaum noch kalt genug aus dem Mund kommen, der gerade noch warmen Hauch von sich gegeben hatte. Schlie\u00dflich meinte man aber doch, die Suppe, die man ausl\u00f6ffeln sollte, auf ertr\u00e4gliche und genie\u00dfbare Temperatur gebracht zu haben. Weil man sich jedoch nicht ganz sicher war, lie\u00df man auch Umstehende kosten. Vielen von denen schmeckte die Suppe freilich nicht. Sie war zu lau geworden. Man hielt es wie das Waldm\u00e4nnchen aus der Sage f\u00fcr unheimlich, wie es aus den M\u00fcndern der zu Tisch Gelockten mal warm und mal kalt gekommen war und ging davon.<br \/>\nWenn es anf\u00e4ngt, geht es meist munter weiter. Das Erinnern der Sage war gekl\u00e4rt. Wer hat sie mir verraten? \u2026 Nein, keine Kalauer. Allerdings fielen mir weitere Geschichten ein &#8211; l\u00e4ngst bekannte, nie vergessene und neu ins Ged\u00e4chtnis geratene. Es war ein Witz dabei. Aber wer sagt denn, dass Witze nicht auch, zumindest auf vergleichsweise Art, Wirklichkeit werden k\u00f6nnen: Graf Bobby besuchte seinen Freund Rudi und zeigte ihm seinen neuen Spazierstock. Der war sch\u00f6n. Vor allem der kunstvoll gearbeitete silberne Knauf an seinem oberen Ende. Einen Makel hatte der Spazierstock dennoch, er war viel zu lang und ragte Graf Bobby bis \u00fcber den Kopf. Deshalb war dieser traurig. Er m\u00fcsse den Stock wohl um ein St\u00fcck k\u00fcrzen und dabei auch den sch\u00f6nen Silberknauf mit wegschneiden. Rudi wandte ein, dass man von dem Stock doch auch unten etwas abschneiden k\u00f6nnte. Bobby sch\u00fcttelte verwundert den Kopf, ob solcher Einfalt: \u201eUnten passt er doch, oben ist er zu lang\u201c. Er schritt zum Werk und k\u00fcrzte den Stock &#8211; von oben und mit dem Silberknauf; alle Sch\u00f6nheit und aller Wert waren verloren. Herr Schulz und die anderen von der SPD kamen auch mit einem Spazierstock mit gediegenem Oberteil: B\u00fcrgerversicherung, Nachzug von Fl\u00fcchtlingsfamilien, gesicherte R\u00fcckkehr aus Teilzeitarbeit, Reichensteuer, armutssichere Rente und vieles andere mehr waren ihr Edelmetall. Es lag gut in der Hand. Auf der falschen Seite den Stock gek\u00fcrzt lie\u00df das Silber verschwinden und machte die ganze Gehhilfe unbrauchbar.<\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr &#8222;Links&#8220;, Februar 2018, 16.01.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Unterinntal, so zwischen Innsbruck und Rosenheim, erz\u00e4hlt man sich seit jeher eine bemerkenswerte Sage: Zu einem Mann, der im eiskalten Winter Holz schlug, gesellte sich ein Waldm\u00e4nnchen. Weil dem Holzf\u00e4ller an den H\u00e4nden m\u00e4chtig fror, hauchte er sich immer wieder in die hohlen Pranken. Das Waldm\u00e4nnchen wunderte sich, was das sollte. 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