{"id":1043,"date":"2017-09-18T10:21:37","date_gmt":"2017-09-18T08:21:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1043"},"modified":"2017-09-18T10:21:37","modified_gmt":"2017-09-18T08:21:37","slug":"reisende-kommt-ihr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1043","title":{"rendered":"Reisende kommt Ihr &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>\u2026 zum Beispiel nach Malbork, dann befindet Ihr Euch heute in Polen und in der N\u00e4he von Gdansk. Deutsche sagen meistens Danzig und nicht alle Polinnen und Polen h\u00f6ren es gerne. Eigentlich sollte nichts dabei sein. In \u00d6sterreich spricht man von der Hauptstadt Wien, englischsprachige Menschen nennen die Stadt aber Vienna, wer tschechisch als Muttersprache hat, nennt die Stadt Viden usw.; eine endlose Geschichte &#8211; zumindest so lange, als einem die Sprachen nicht ausgehen. Mit polnischen Ortsnamen ist das allerdings anders. In deutschen Ortsnamen f\u00fcr polnische Gemeinden schwingt ein Besitzanspruch mit. Das h\u00e4ngt mit einer wechselvollen Geschichte der Beziehungen und des Zusammenlebens von Deutschen und Polen zusammen; und nicht erst seit dem Vorabend und den Vorg\u00e4ngen w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges und den Festlegungen danach. Obwohl, allein die Hauptpost in Gdansk erz\u00e4hlt eine Geschichte, nach der man nicht mehr Danzig sagen will. Die Geschichte ist lang und auch die polnischen Teilungen waren nicht der Anfang konfliktreicher Abl\u00e4ufe. Also Reisende, kommt Ihr nach Malbork, so werdet Ihr Zeugen einer fr\u00fchen Zeit und eines fast noch aktuellen polnisch-deutschen Zusammenlebens. Aktuell zeigt sich eine relativ langweilige Stadt in der Polinnen und Polen w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges schwer gelitten haben und Deutsche kurz danach bitter f\u00fcr die deutsche Kriegsschuld b\u00fc\u00dfen mussten. Funde von Massengr\u00e4bern in j\u00fcngster Zeit best\u00e4tigen dies grauenvoll. Die Altstadt wurde im Krieg v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Man baute sie original nicht wieder auf, sondern verwendete die Ziegel und Steine f\u00fcr die Rekonstruktion des alten Danziger Stadtkerns und der Warschauer Altstadt. Dennoch birgt die Stadt Malbork ein Juwel unglaublichen Ausma\u00dfes: die Marienburg. Nach Hradschin und Kreml ist sie die drittgr\u00f6\u00dfte Burganlage Europas und der gr\u00f6\u00dfte Backsteinbau des Erdteils. Die Burg war im Weltkrieg zerbombt worden, der Wiederaufbau ist fast abgeschlossen. Geht man dort hin, betritt man ein besonderes Relikt polnisch-deutscher und zugleich christlicher Geschichte. Es gab einst und es gibt heute noch einen so genannten Deutschen Ritterorden. Entstanden ist er w\u00e4hrend der Kreuzz\u00fcge; eine m\u00e4chtige Organisation der \u00dcberf\u00fchrung christlicher F\u00fcrsorge in christliche Dominanz und christlichen Besitzes in staatliche Macht. Ein wechselvolles Auf und Ab fand 1309 einen festen Punkt. Die Ordensritter verlegten ihren Hauptsitz in die Marienburg, um sich im Baltikum auszubreiten und einen Staat, dem man durchaus Modernit\u00e4t zusprechen konnte, zu begr\u00fcnden. Das Christentum war Polen und vielen Balten nicht fremd. Die Christianisierung Polens begann im 9. Jahrhundert. Vollendet war sie 966 mit der Taufe des Piastenf\u00fcrsten Mieszko I. Dem katholischen Glauben ist das Volk bis heute tief verbunden. Nicht selten verwandelt er sich zur Staatsdoktrin.<br \/>\nAber zur\u00fcck zur Burg: Die F\u00fchrung dauert gut drei Stunden. Man erf\u00e4hrt sehr viel \u00fcber Ordensmacht und Ordensleben, \u00fcber Geschichte, Religion, Kultur und Architektur. Vier Fenster im einstigen Krankentrakt hatten es mir besonders angetan. Sie bestehen aus Glasbildern, die je ein christliches Kardinalgebot zeigen: Man soll Hungernde n\u00e4hren, D\u00fcrstenden etwas zu trinken geben, Nackte kleiden und Obdachlosen Quartier bieten. Das entspricht dem Ideal des Ritterordens, \u201ehilfsbed\u00fcrftigen Menschen um Christi willen in selbstloser Liebe zu dienen.\u201c (vgl. Website des Ordens). Hilfsbed\u00fcrftigen Menschen dienen! Da kann es keine Ausnahmen geben. Begr\u00fcndet ist es nicht zuletzt im Gebot der N\u00e4chstenliebe, die sogar Feindesliebe einschlie\u00dft. Wir wissen, das Christentum hat sich nicht immer daran gehalten. Auch nicht der Ritterorden, denn er verstand zwar das Christentum als Schutz und sah sich zugleich im Kampf gegen den Islam. F\u00fcgt sich das denn \u00fcberhaupt zusammen, \u00fcberlegen zumindest manche Reisende. Sie bewundern die Fenster, gehen in sich und fragen pl\u00f6tzlich aufs\u00e4ssig, wieso &#8211; trotz der Lobpreisung dieser Gebote &#8211; das katholische Polen keine Fl\u00fcchtlinge aufnehmen will und gleich gar nicht solche islamischer Religion, selbst wenn sie von Islamisten bedroht werden. Fremdenf\u00fchrer bleiben stumm und unzust\u00e4ndig, Reisende bleiben ratlos zur\u00fcck.<\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr &#8222;Links&#8220;, Oktober 2017, 12.09.2017)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 zum Beispiel nach Malbork, dann befindet Ihr Euch heute in Polen und in der N\u00e4he von Gdansk. Deutsche sagen meistens Danzig und nicht alle Polinnen und Polen h\u00f6ren es gerne. Eigentlich sollte nichts dabei sein. 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