{"id":1034,"date":"2017-05-24T10:19:49","date_gmt":"2017-05-24T08:19:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1034"},"modified":"2017-05-24T10:19:49","modified_gmt":"2017-05-24T08:19:49","slug":"zweitausend-jahre-und-nichts-geaendert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1034","title":{"rendered":"Zweitausend Jahre &#8211; und nichts ge\u00e4ndert"},"content":{"rendered":"<p>Aufmerksame Leserinnen und Leser meiner Kolumnen werden sich erinnern, einen \u00e4hnlichen Titel gab es schon mal. \u201eZweieinhalbtausend Jahre &#8211; und nichts ge\u00e4ndert\u201c hie\u00df es 2013 in der Novembernummer von \u201eLinks\u201c. Es ging damals um die hinterh\u00e4ltig-schmeichelhafte Rede des r\u00f6mischen Konsuls Mennenius Agrippa, mit der er die sich verweigernden Plebejer zur Sicherung r\u00f6mischer Herrschaft wieder nach Rom zur\u00fcck lockte. Sie waren auf den Heiligen Berg ausgewandert. Das alles hatte f\u00fcr mich gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit Bem\u00fchungen verschiedener Parteien im Bundestagswahlkampf, die Einheit aller Deutschen zwecks Sicherung und Ausbau deutscher St\u00e4rke zu beschw\u00f6ren.<br \/>\nHeute setzen wir etwa 500 Jahre sp\u00e4ter an. Um die Zeitwende hatte das R\u00f6mische Reich bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Gut 500 Jahre zuvor hatte man das K\u00f6nigtum durch eine geniale republikanische Staatsform abgel\u00f6st. Alle \u00c4mter durften nur f\u00fcr ein Jahr bekleidet werden und waren doppelt besetzt, bis in die Staatsspitze. An der standen zwei Konsuln. Nur in Krisenzeiten, bei Krieg, innerem Aufruhr oder f\u00fcr bestimmte protokollarische Pflichten, wurde f\u00fcr eine begrenzte Zeit (maximal 6 Monate, oft aber auch nur f\u00fcr Stunden oder Tage) eine Einzelperson als Diktator ernannt. Das funktionierte lange ganz gut, wurde der Republik aber schlie\u00dflich doch zum Verh\u00e4ngnis. Lassen wir alles zuvor Passierte im Scho\u00dfe der Geschichte ruhen und kommen wir ins Jahr 44 vor unserer Zeit. Nachdem Gaius Julius Caesar eine Reihe von Kriegen und Machtk\u00e4mpfen gef\u00fchrt und gewonnen hatte, wurde er schlie\u00dflich auf sein Betreiben hin vom Senat zum \u201edictator perpetuus\u201c, zum \u201eDiktator auf Lebenszeit\u201c ernannt. Seiner Macht entledigte man sich wieder &#8211; durch Mord. Seinem Nachfolger Augustus konnte man nicht mehr entkommen. Er erfand das \u201ePrinzipat\u201c und wurde im Jahr 27 vor der Zeitwende von einem hilflosen und willf\u00e4hrigen Senat mit Sondervollmachten ausgestattet, die pro forma immer wieder erneuert wurden, aber de facto f\u00fcr immer galten. Damit waren die Grundlagen des R\u00f6mischen Kaiserreiches gelegt, das gut 600 Jahre andauern sollte.<br \/>\nWem jetzt noch immer nicht der Franzose Emmanuel Macron oder der \u00d6sterreicher Sebastian Kurz eingefallen ist, dem und der ist nicht zu helfen. Ich will es dennoch versuchen. \u00dcbrigens kann man auch noch den polnischen Pr\u00e4sidenten Jaroslaw Kaczynski oder den ungarischen Premier Victor Orban in der Reihe nennen. Sie ist damit l\u00e4ngst nicht komplett. Die Wege dieser M\u00e4nner waren und sind verschieden, das angestrebte Ende \u00e4hnelt aber immer dem der r\u00f6mischen Geschichte. Bei Macron und Kurz ist es nicht gleich ein Ende f\u00fcr ihr Land, aber zumindest f\u00fcr ihre Parteien. Macron lie\u00df sich vom Volk die Vollmacht geben, Erster im Staate zu sein. Das ist gelungen. Danach erst hat er eine Partei gegr\u00fcndet, in der er alle Vollmachten hat und die ihm den endg\u00fcltigen Sieg, den Sieg bei den Parlamentswahlen geben soll. Er bestimmt allein die Regierung und allein die Kandidatinnen und Kandidaten zur Parlamentswahl. Der zornige junge Mann Kurz ging umgekehrt vor. Er bem\u00e4chtigte sich zuerst der altehrw\u00fcrdigen \u00d6sterreichischen Volkspartei und stellte ihr sieben Bedingungen, deren Erf\u00fcllung ihm das alleinige Sagen in der Partei gibt. Der Putsch war erfolgreich. Die Parteigranden gaben klein bei wie einst der R\u00f6mische Senat bei Caesar und Augustus. So ausgestattet will er nun die nach seinem Willen vorgezogenen Nationalratswahlen im Herbst gewinnen. Es ist \u00fcberhaupt nicht abwegig anzunehmen, dass Macron und Kurz, wenn ihnen ihre Vorhaben gl\u00fccken, den Staat nicht anders regieren werden als ihre Parteien &#8211; autokratisch. Ich will keine platten Vergleiche anstellen, doch wehret m\u00f6glichen Anf\u00e4ngen. \u00c4hnlich begann das Verh\u00e4ngnis in der Zwischenkriegszeit in Italien und Deutschland. Ein Sieg bei Wahlen brachte M\u00e4nner an die Macht, die die Diktatur wollten und schlie\u00dflich auch durchsetzten. Zeus entf\u00fchrte einst die sch\u00f6ne Frau Europa. Was Europa jetzt bleibt ist die Hoffnung, dass jene Frauen, die von den Herren zwar umgarnt, aber letztlich auch nur auf streng quotierte Listen \u201eentf\u00fchrt\u201c wurden, sich wehren und so m\u00f6gliche schlimme Vorhaben der \u201estarken M\u00e4nner\u201c verhindern k\u00f6nnten.<br \/>\n(Geschrieben f\u00fcr &#8222;Links&#8220; Juni 2017, 21.05.2017) <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufmerksame Leserinnen und Leser meiner Kolumnen werden sich erinnern, einen \u00e4hnlichen Titel gab es schon mal. \u201eZweieinhalbtausend Jahre &#8211; und nichts ge\u00e4ndert\u201c hie\u00df es 2013 in der Novembernummer von \u201eLinks\u201c. 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