{"id":1030,"date":"2017-04-18T18:48:28","date_gmt":"2017-04-18T16:48:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1030"},"modified":"2017-04-18T18:48:28","modified_gmt":"2017-04-18T16:48:28","slug":"not-macht-erfinderisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1030","title":{"rendered":"Not macht erfinderisch"},"content":{"rendered":"<p>Das wei\u00df das einfache Volk im Vertrauen auf die eigene Kraft. Dass es oft so ist, kann man am Einzelfall belegen, und dass es dazu manchmal mehr der Not als technischer Raffinesse bedarf, auch. So wurde zum Beispiel vor gerade 200 Jahren etwas erfunden, was &#8211; glaubt man wieder dem Volk und seinen Weisheiten &#8211; nicht noch einmal erfunden werden muss: das Fahrrad. Zwar war es damals eher so etwas, was man heute als Laufrad kennt und nur mehr f\u00fcr Kinder bestimmt ist, aber es fuhr; und es fuhr schneller als man laufen konnte. Es verwertete also den m\u00f6glichen Energieaufwand eines Menschen f\u00fcr die Fortbewegung besser als die Fu\u00dfl\u00e4ufigkeit. Die Not daf\u00fcr war durch eine Missernte gegeben, die vor 200 Jahren nicht nur die Menschen hungern und sterben lie\u00df, sondern auch Pferde. Pferde und ihre Haltung wurden sehr teuer und damit auch das damals \u00fcbliche Transportwesen. Ein Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn ersann Abhilfe und baute das Laufrad &#8211; aus Holz und eben ohne Pedale. Die Pedale und der Kettenantrieb kamen erst 50 Jahre sp\u00e4ter aus Frankreich, Dazwischen gab es quasi eine Sackgasse der Entwicklung zu h\u00f6herer Geschwindigkeit, das Hochrad. Dem Kettenantrieb folgte die Gangschaltung usw,, bis das uns heute bekannte Fahrrad mit all seinen Finessen fertig war. Neu erfunden werden musste das Fahrrad tats\u00e4chlich nicht mehr, weiterentwickelt und verbessert wurde es sehr wohl. Aber auch seine Nutzung ver\u00e4nderte sich. Vom Hochrad als Statussymbol Wohlhabender wurde es mehr und mehr zum erschwinglichen privaten Verkehrsmittel, und als es als solches in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts vom Auto abgel\u00f6st wurde, er\u00f6ffneten sich die Wege zum Freizeitvehikel einerseits und zum Massensportartikel andererseits.<br \/>\nUnd heute? Ja, heute droht neue Not. Der dichte Autoverkehr auf Autobahnen, Schnellstra\u00dfen, Fernverkehrsstra\u00dfen, mit Autos vollgestopfte und verqualmte St\u00e4dte, Parkplatznot und immer teurer werdender Brennstoff f\u00fcr die Motoren sind auch durch immer raffiniertere technische Entwicklungen nicht mehr zu bew\u00e4ltigen. Der vorl\u00e4ufige Ausschluss bestimmter motorischer Antriebsarten und die Umstellung auf Elektrofahrzeuge werden nicht die erhoffte Erl\u00f6sung von der Not bringen. Und weil Not eben erfinderisch macht, erinnert man sich pl\u00f6tzlich wieder der Tatsache, dass man mit dem Fahrrad nicht nur \u00fcbersch\u00fcssige Pfunde abbauen kann oder mit ihm irgendwelche Siege und Rekorde zu erringen sind, sondern dass man ja dabei immer auch von einem Ort, von einem Punkt zum anderen kommt. Das Fahrrad wird wieder interessant als einfaches Verkehrs- und Transportmittel. Die Erfinder stehen schon auf der Matte. Die einen erfinden fahrradgerechte Stra\u00dfen. Sie erfinden sogar Fahrradautobahnen. Die Erkenntnis der Vergleichbarkeit von Fahrr\u00e4dern mit Autos ist in der eigentlich  paradoxen Benennung aufgehoben. Andere suchen neue, leichte Materialien f\u00fcr die Fahrr\u00e4der, neue, effizientere Kraft\u00fcbertragungen als den Kettenantrieb und neue Schaltungen. Ganz Schlaue haben das Elektro-Fahrrad (E-Bike) erfunden. Nun mal sehen, wohin das f\u00fchrt.<br \/>\nKarl Drais war 1818 wegen seiner Erfindungen zum Professor der Mathematik berufen worden. Das war just in dem Jahr als ein anderer Karl, n\u00e4mlich der Karl Marx, in Trier geboren wurde. Jener sah die Not der Proletarier. Er wurde deshalb nicht zum Erfinder, wohl aber zum Analysten. Er ergr\u00fcndete die Ursachen der Not und fand sie in kapitalistischer Ausbeutung. Vor 150 Jahren legte er den ersten Band seiner umfassenden Analysen und der Aussicht auf L\u00f6sung der Not in einem k\u00fcnftigen Sozialismus und Kommunismus vor: \u201eDas Kapital\u201c. Danach versuchten viele die Weiterentwicklungen der Gedanken von Marx und auch ihre praktische Umsetzung. Kleinere Versuche scheiterten und auch der erste globale Gro\u00dfversuch, der Staatssozialismus, endete wie das Hochrad wegen der Diskrepanz zwischen Ziel und Mittel in einer Sackgasse. Sage aber niemand, das sei das Ende der Bedeutung von Karl Marx. Neue Not mit dem real existierenden Kapital, seiner Ausbeutung und seinen Kriegen macht die F\u00e4higkeit, Stra\u00dfen in eine Zukunft ohne Not bauen und angemessen nutzen zu k\u00f6nnen, wieder n\u00f6tiger denn je.<\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr Links, Mai 2017, 17.04.2017)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das wei\u00df das einfache Volk im Vertrauen auf die eigene Kraft. Dass es oft so ist, kann man am Einzelfall belegen, und dass es dazu manchmal mehr der Not als technischer Raffinesse bedarf, auch. 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