{"id":1018,"date":"2016-11-07T12:47:22","date_gmt":"2016-11-07T10:47:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1018"},"modified":"2016-11-07T12:47:22","modified_gmt":"2016-11-07T10:47:22","slug":"wie-schaffen-wir-weihnachten-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1018","title":{"rendered":"Wie schaffen wir Weihnachten ab?"},"content":{"rendered":"<p>Was im August und September noch niemand glauben wollte, wird zur Gewissheit: Schon wieder Weihnachten! Das ist die Zeit des gr\u00f6\u00dften Stresses im Jahr. Schneller die Menschen nie hasten. S\u00fc\u00dfer die Kassen nie klingeln? Die letzten vier Wochen vor Weihnachten nahen mit Riesenschritten. Man nennt sie \u201eAdvent\u201c und kann das mit \u201eAnkunft\u201c, \u201eHerankommen\u201c \u00fcbersetzen. Lassen wir die Dinge also erwartungsvoll an uns herankommen? Am Ende ist ja doch alles so sch\u00f6n, wenn die Familie im trauten Schein des Lichterbaumes, die funkelnden Augen der Kinder r\u00fchrselig betrachtend die Geschenke auspackt, um danach oder am n\u00e4chsten Tag der Gans den Garaus zu machen. Vielleicht schaffen wir aber auch Weihnachten und damit die ganze Hektik endlich ab?<br \/>\nNein, das geht auf keinen Fall! Und doch wollen es &#8211; angeblich &#8211; einige versuchen. Es schleicht sich der Verdacht durch die sozialen Netze. Manche wollen es schon ganz genau wissen, dass es so geplant ist. Weihnachten f\u00e4llt aus, zumindest in der \u00d6ffentlichkeit und auch in Kinderg\u00e4rten oder Schulen. Stadtverwaltungen h\u00e4tten entsprechende Beschl\u00fcsse gefasst. Aber warum nur um alles in der Welt? Der Islam ist schuld bzw. die wachsende Zahl von Menschen muslimischen Glaubens in Deutschland. Ihnen will man dieses tiefreligi\u00f6se christliche Fest einfach nicht zumuten. Da geht aber ein Aufschrei durch das Land. Patrioten Europas stellen sich gegen die Islamisierung des Abendlandes. Vorauseilende Opferung des \u00fcber 2000 Jahre bestehenden innersten Kerns christlich-abendl\u00e4ndischer Kultur im Feuer der lodernden Islamisierung der Jetztzeit wird so genannten \u201eGutmenschen\u201c unterstellt. Der Kulturkampf tobt und man macht den Weihnachtsmann zum Feldherren, das Christkind zum M\u00e4rtyrer.<br \/>\nApropos aber \u201echristlich-abendl\u00e4ndisch\u201c, \u201eWeihnachtsmann\u201c und \u201eChristkind\u201c. Kommt das Christentum nicht aus dem Morgenland? Und was hat der Weihnachtsmann damit zu tun? Aufkl\u00e4rung tut Not. Es begab sich doch, dass Jesus in Bethlehem geboren wurde und in Windeln gewickelt in eine Krippe gelegt wurde. Der christliche Anlass des Weihnachtsfestes ist also wahrlich nicht abendl\u00e4ndisch. Obwohl, man k\u00f6nnte ja den R\u00f6mern, namentlich Kaiser Augustus, die Schuld an der \u00e4rmlichen Geburt in der Krippe geben. Der Kaiser hatte eine Volksz\u00e4hlung veranlasst und sich mit abendl\u00e4ndischer Gewalt in den morgenl\u00e4ndischen Alltag eingemischt. Aber lassen wir das und fragen wir lieber nach dem Weihnachtsmann. Wie kommt denn der auf Weihnachten? Dass die christianisierten Abendl\u00e4nder und Abendl\u00e4nderinnen die Feier der Geburt des Messias auf die Zeit der Wintersonnwende gelegt hatten, ist verst\u00e4ndlich. Feierten sie doch schon lange davor zur gleichen Zeit das Fest \u201esol invictus\u201c, das Fest der unbesiegbaren Sonne, die sich im Dezember wieder aufraffte, l\u00e4nger zu scheinen. Das Jesuskind war den neuen Christen gleichsam die wachsende Sonne. Solches ist gut f\u00fcr Besinnlichkeit und erwartungsvolle Freude, nicht zu vergessen auch f\u00fcr s\u00fc\u00dflichen Kitsch. F\u00fcrs Gesch\u00e4ft taugt es freilich nicht so sehr. Daf\u00fcr fand man im Heiligen Nikolaus eine tauglichere Figur. Er beschenkte ja nach der Legende arme Schwestern, um ihnen die Heirat m\u00f6glich zu machen. Nikolaus transferierte man also vom 6. Dezember etwas verwandelt in die gesamte Weihnachtszeit. Coca-Cola war da nicht unbeteiligt. So ein lieber Alter mit Bart kann doch gut in den Kaufh\u00e4usern herumgehen und zu Kauf und Erwartung von teuren Geschenken animieren. Die Weihnachtsgeschichte gab es auch noch her, dass zumindest Kinder zu beschenken sind. Lie\u00df doch Herodes alle unschuldigen Kinder bis zu zwei Jahren ermorden, um damit auch den neugeborenen K\u00f6nig der Juden zu treffen. Reichliche Gaben gleichen das heute mildt\u00e4tig aus. Kommerz hatte also das &#8211; wie man neuerdings sagt &#8211; geeignete christliche Narrativ. Weihnachten ist abgeschafft, ist zum blanken Gesch\u00e4ft geworden und kann dennoch, nein endlich, abendl\u00e4ndisch christlich zelebriert werden. Mit arabischen Fl\u00fcchtlingen hat dieser Verlust von Weihnachten allerdings nichts zu tun, wenn auch die Ersten, die dem Christkind Gold, Weihrauch und Myrrhe als wertvolle Geschenke brachten, Sterndeuter aus dem Morgenland waren. <\/p>\n<p>(Geschrieben f\u00fcr &#8222;Links&#8220;, Dezember 2016,  04.11,2016, vor dem ersten verkaufsoffenen Sonntag vor Weihnachten)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was im August und September noch niemand glauben wollte, wird zur Gewissheit: Schon wieder Weihnachten! Das ist die Zeit des gr\u00f6\u00dften Stresses im Jahr. Schneller die Menschen nie hasten. S\u00fc\u00dfer die Kassen nie klingeln? Die letzten vier Wochen vor Weihnachten nahen mit Riesenschritten. Man nennt sie \u201eAdvent\u201c und kann das mit \u201eAnkunft\u201c, \u201eHerankommen\u201c \u00fcbersetzen. 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